Leitl unterstützt "Kredit-Rebellen“

15.11.2012 | 20:08 |  Von Eva Steindorfer (Die Presse)

Wirtschaftskammer-Präsident Leitl schlägt sich auf die Seite von Schuhfabrikant Staudinger: Es benötige dort neue Finanzierungsformen, wo Banken an Grenzen stoßen.

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[Wien] Vor drei Wochen sah Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl die Welt noch anders: In einem Briefwechsel mit Volker Plass von der Grünen Wirtschaft, der der „Presse“ vorliegt, fand Leitl nur knappe Worte zur Causa Staudinger: „Heini Staudinger ist nur schlecht beraten. Wenn innovative, mutige Unternehmer Risikokapital bekommen wollen, dann kann man auch Wege gehen, die ohne Missachtung von Gesetzen funktionieren.“

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Doch jetzt zeigt der Medienrummel um den Waldviertler Schuhproduzenten Wirkung: Am Donnerstag schlug Leitl andere Töne an. „Wir benötigen dringend dort neue Finanzierungsformen, wo Banken an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen. Crowdfunding muss auf eine solide rechtliche Basis gestellt werden“, sagte er zur „Presse“. Außerdem habe Leitl Staudinger nun zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, um zu klären, wie man dessen Finanzierungsmodell über Privatkredite auf rechtliche Beine stellen könne. Ein Termin sei bereits vereinbart. „Wer weiß, vielleicht kommt bei dem Gespräch ja eine Innovation heraus, wie Crowdfunding in Zukunft aussehen könnte“, gibt sich Leitl zuversichtlich.

Expertenrunde ab Jänner

Ganz so schnell dürfte es nicht gehen. Aber die Dinge geraten ins Rollen. Die WKO-Interessenvertretung der Jungunternehmer ist dabei, eine Expertenrunde zusammenzustellen, die sich mit der Legalisierung von Crowdfunding auseinandersetzen soll. Offizieller Startschuss soll Anfang Jänner sein. Mit von der Partie sind neben Rechtsexperten und bekannten Privatinvestoren unter anderem Walter Rothensteiner, Generalsekretär des Raiffeisenverbandes, und Reinhard Willfort, der die erste Crowd Investing Plattform Österreichs geschaffen hat. Letzterer bestätigt die derzeit rechtlich prekäre Gesetzeslage. Dabei sei der Bedarf sehr groß: „Nach meiner Schätzung gibt es in Österreich rund 300.000 Unternehmen, die an einer Finanzierung über Crowdfunding interessiert wären.“
Crowdfunding sei aber nicht gleich Crowdfunding.

Rechtlich unkompliziert sei das „reward based“ Crowdfunding. Dabei handle es sich eigentlich um Spenden, die mit kleinen Aufmerksamkeiten abgegolten würden. Etwa wenn jemand die CD eines Musikers mitfinanziere und diese dafür gratis downloaden könne. Kritisch werde es hingegen bei Mikrokrediten. „Da sind wir dann sofort im Bankwesengesetz drinnen.“

Willforts Lösung für dieses Dilemma nennt sich „Equity Based Crowdfunding“. Dabei sind die Geldgeber in Form einer stillen Beteiligung am Unternehmen beteiligt. „Der Vorteil an dieser Form der Beteiligung ist, dass die Geldgeber kein Stimmrecht haben. Das macht sie für Unternehmer spannender als Business Angels, die ein Mitbestimmungsrecht für sich beanspruchen.“ Willfort verrechnet für sein Service ein Vermittlungshonorar. Die Palette der Anfragen sei divers. „Das geht vom Bäcker bis zur IT-Firma.“

Weniger Auflagen bei Anleihen


Volker Plass von der Grünen Wirtschaft, der in der Causa Staudinger als Vermittler agiert hat, ist der Meinung, dass Crowdfunding nicht zu einem weiteren Finanzprodukt werden sollte: „Kleinkredite sollten direkt zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer stattfinden und in der Region bleiben.“ Gewisse Transparenzpflichten müssten erfüllt werden, legale Optionen dürften aber nicht „hochbüroktarisch und geldfressend“ sein.
Er fordert etwa eine Anhebung der Grenze bei Unternehmensanleihen, ab der ein teurer Kapitalmarkt-Prospekt verpflichtend ist (derzeit 100.000 Euro). Außerdem sei eine Obergrenze pro Darlehensgeber sinnvoll und eine Maximalsumme, bis zu der ein Unternehmer Darlehen aufnehmen könne. Diese müsse unter den drei Mio. Euro liegen, die Heini Staudinger entgegengenommen hat. Dieser machte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Schrems weiter Stimmung für sein Kreditmodell.

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108 Kommentare
 
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Überlebt die Realwirtschaft, bleiben Arbeitsplätze und der Staat spart beim AMS

Realwirtschaft schaft reale Werte und Arbeitsplätze.
Banken investieren dort das Geld, wo es am meisten Reibach bringt. Bei Derivaten & Optionen entstehen gar keine realen Arbeitsplätze. Woanders investiert schafft es dort Arbeit, aber nicht hier!

Leitl


leitl

ist schnittlauch auf jeder suppe, staudinger ist echt.

Statt nur den "Kredit-Rebellen" zu unterstützen

sollte Leitl auch mit seinen ÖVP Regierungsmitglieder reden.
(Fekter - Finanz und Mitterlehner Wirtschaft)

Robin Hood aus Schrems gegen das Gesetz

Das mögen die Leute. Und da wird auch schon der Sheriff von Nothingham alias W. Rothensteiner mit involviert. Da kann der Leitl gar nicht anders als auf diesen Zug aufspringen. Schon gar nicht wenn es um einen "Staudinger" aus Schwanenstadt geht. Nicht dass hier der Heini S. interveniert hätte, aber der Name Staudinger hat in OÖ immer noch Klang und ein Bezug zur Familie hat schon in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart schon einigen Personen in der ÖVP zu Positionen verholfen, die sonst nicht so einfach zu erreichen gewesen wären.

Seis drum. Bleibt zu hoffen es kommt was Gescheites dabei heraus; mit Raiffeisen an Bord kann sich ja alles nur zum Besten wenden.

Meine Empfehlung: Kaufts Euch jetzt noch Waldviertler, so lange die GEA noch unabhängig ist.

Das Problem der Banken mit Krediten an Normalösterreicher beginnt schon damit,

dass den Banken die Sparbuch-, Bausparkassen und Vorsorgesparer abhanden kommen. Weil Geld, das der Sparer zu den Banken und Sparkassen trägt, aufgrund der Sparzinsen weit unter der Inflationbsrate laufend an Wert verliert. Dazu kommen die Bankspesen, die wachsende staatliche Schnüffelei und die in diesem Fall perverse Kapitalertragsteuer.
Den Banken, dem Steuerstaat und der Politik kommen auf verschiedenen Ebenen die Sparer und Normalbürger anhanden. So wie es in anderen Wirtschaftszweigen schon lange passiert.

Re: Das Problem der Banken mit Krediten an Normalösterreicher beginnt schon damit,

Warum ist die Kapitalertragsteuer pervers? Warum soll man auf Einkommen aus Arbeit Steuern zahlen und auf Einkommen aus leistungslosen Erträgen nicht?

Re: es ist pervers


da Erträge aus dem Kapital, das aus schon versteuertem Einkommen stammt nicht mehrfach besteuert werden sollten. Zweitens, Erträge aus Kapital, die unter der Inflationsrate liegen, ja gar keine Erträge darstellen. Das ist bei Sparbuchzinsen seit Jahren die Regel.

Re: Re: es ist pervers

Sie verwechseln da etwas - das Kapital selbst wird eh nicht mehrmals besteuert, die Erträge hingegen sind ein originäres Einkommen aus der Veranlagung und werden daher zum ersten Mal besteuert.

Und wenn wir Steuern davon abhängig machen würden, inwieweit das Einkommen durch Inflation gemindert wurde, bräuchten wir doppelt so große Finanzämter. Prinzipiell verstehe ich, was Sie meinen - gerade bei den geringen Zinsen momentan schmerzt die KeSt durchaus, aber Einkommen ist Einkommen und es gibt keinen Grund, Leute, die ihr Einkommen ausschließlich aus Arbeit beziehen, gegenüber Leuten, die leistungsloses Einkommen haben, zu benachteiligen.

Hoffentlich hat das Modell Erfolg!

Das wäre auch eine Erlösung für alle Steuerzahler, die jetzt die horrende Schulden machenende Banken-und Finanzwirtschaft mit Milliarden unterstützen müssen! siehe verstaatlichte HYPO und Volksbank!

Re: Hoffentlich hat das Modell Erfolg!

Inwiefern bringt das dem Steuerzahler was?

Inwiefern bringt das dem Steuerzahler was?

Die Unternehmer entziehen sich dem Würgegriff der Finanzindustrie und haben somit bessere Chancen, in ihre Firma zu investieren.
Eine funktionierende Firma wird ja hoffentlich Umsatz generieren, Angestellte haben und Steuern zahlen.

Re: Hoffentlich hat das Modell Erfolg!

und vergiss die weithin vertuschte Kommunalkredit nicht!

"gibt es in Österreich rund 300.000 Unternehmen, die an Crowdfunding interessiert wäre"

Das zeigt schon, dass eine rechtliche Klärung notwendig ist. Auch um Missbrauch zu vermeiden. Nicht alle sind so brav wie der Staudinger.

türken brauchen kein herkömmliches kreditinstitut. da gehts im allgemeinen mit handschlag - und funktioniert!


Re: türken brauchen kein herkömmliches kreditinstitut. da gehts im allgemeinen mit handschlag - und funktioniert!

Natürlich mit islamic banking. Keine Zinsen-keine Spesen.

Die Bank kauft das 20.000€ Auto für den Kunden. Der Kunde zahlt der Bank sagen wir 25.000€ auf Raten und am Ende geht es dann in den Besitz des Kunden über.

Das ist die selbe Ehrlichkeit, wie die "Ehe auf Zeit",-man gibt dem Ehebruch einen anderen Namen und schon ist es legal. Natürlich muss man dem Mufti vorher eine kleine Gebühr zahlen, damit man den Segen bekommt.

Re: türken brauchen kein herkömmliches kreditinstitut. da gehts im allgemeinen mit handschlag - und funktioniert!


Und haben die Telefonnummer vom Inkasso-Moskau!

Wollen wir das?


Re: Re: türken brauchen kein herkömmliches kreditinstitut. da gehts im allgemeinen mit handschlag - und funktioniert!

nein lieber die bank die kommt und dich gleich exekutiert, zwangsräumen lässt, und bla bla bla!

Leitl hat einen neuen Begriff aufgeschnappt: Crowdfunding

Wenn er aber über "Privatekredite" redet, und darum gehts ja, dann meint er P2P-Finance. http://de.wikipedia.org/wiki/P2P-Kredit

Der !Grüne! hats verstanden und redet über direkte Kredite.

Und als Experten für ein private, kleinstrukturiertes dezentrales Fianzierungsmodell holt man sich den Chef des Zentralinstitutes des österreichischen Bankenmarktführers. Das nenne ich daneben!

Außerdem muß man ja sagen, dass Rothensteiner nur mehr Chef sein kann, weil die FMA nicht weiß, wie man in einer maroden Bankbilanz 1Mrd-Gewinn ausweist.

Stellen Sie sich die Sache mal so vor..

Das ganze Thema um Herrn Staudinger und die FMA ist ungefähr so, als bekommen Sie eine Strafe, weil sie gegen eine Einbahn gefahren sind, obwohl es direkt daneben eine Straße gab, die Sie legal hätten nutzen dürfen.
Entgegengekommen ist Ihnen zumindest am ersten Teil der Strecke niemand, alles hat gut geklappt. Dann hat Sie die Polizei zur Seite gewunken, und wollte, dass Sie Strafe zahlen.
Wenn Sie ein Verhalten wie Herr Staudinger an den Tag legen würden, hätten Sie daraufhin angefangen zornig herum zu motzen, sich in den Medien gegen die Polizei und die Gesetze, die das Fahren gegen Einbahnen verbieten, zu stellen, und selbstverständlich nicht bezahlt, selbst wenn Sie dafür ins Gefängnis gehen müssen.

Dabei vertreten Sie und Ihre zahlreichen Unterstützer die Argumentation, man könne nicht mehr mit dem Auto ans Ziel kommen, wenn es weiterhin Einbahnstraßen gibt. Absurd oder?

Auch finden Sie und ihre Unterstützer, dass es ohnehin kein Problem darstellt, gegen eine Einbahn zu fahren. Schließlich sind alle die, die von der anderen Seite reinfahren, aus einer Einfahrt rausschieben oder über die Straße gehen, selbst schuld, wenn sie nicht mit Verkehr aus der falschen Richtung rechnen, und ihnen etwas passiert. Sie sind ja mündige Verkehrsteilnehmer, die darauf achten sollen, ob ihnen jemand entgegen kommt.

Ich hoffe diese kleine Geschichte hilft, die Absurdität dieser ganzen Sache zu begreifen.

Re: Stellen Sie sich die Sache mal so vor..

der vergleich hinkt. auf der erlaubten strasse zahlen sie ein horrende maut.

Re: Stellen Sie sich die Sache mal so vor..

Stimme Ihnen hundertprozentig zu und gratuliere zu der gelungenen Darstellung, die den Kern der Angelegenheit eigentlich jedem verständlich machen sollte.

Re: Stellen Sie sich die Sache mal so vor..

GIGus!
Sie haben offenbar den ganzen Sinn dieser Geschichte noch immer nicht erfaßt! Faktum ist, daß dem Schuherzeuger der bisherige Kredit brutal zusammen gestrichen wurde. Seine Firma verzeichnete gute Umsätze und Gewinne, doch der Bankdirektor wollte offenbar seinen rein persönlichen Bestemm durchsetzen. Die Existenz des Unternehmens war von da an schwerstens gefährdet, eine hohe Zahl von Mitarbeitern hätte ihren Job verloren. Und DAS finden Sie "rechtens"

Faktum ist desweiteren, daß diese Bank am Kunden Staudinger jegliches Interesse verloren hatte. Dieser wurde in den sicheren Konkurs entlassen. Nur die kreative Idee des Unternehmers, mit neuem Geld den Betrieb doch noch weiter führen zu können, hat das verhindert.

In den letzten Jahren hat sich die FMA in wirklich argen Fällen von Steuerhinrterziehungen und anderen Delikten als echter "Schnarchverein" erwiesen. Da hätten diese jetzt mit Kanonen auf einen Spatzen schießenden Herren aktiv werden sollen; ja müssen! Jetzt bauschen sie eine absolute Lächerlichkeit zu einem Finanzdelikt erster Ordnung auf. Je eher dieser komische Akt schubladiert wird, desto besser..

Re: Re: Stellen Sie sich die Sache mal so vor..

"Schnarchverein"

War da nicht die HAA - wo die FMA so intensiv geprüft hat? MIT Banklizenz und ALLEM Drum und DRAN, Bankfachleute in Hülle und Fülle, vielleicht kommt jetzt der "Tschumpus" ?

Die Angelegenheit "Birnbacher" ist noch nicht abgeschlossen, erst im 3. Anlauf zu einem richtigen Verfahren gekommen da 12 Leute die Zivilcourage hatten nocheinmal den Anlauf zu nehemen - GRÜNE - danke!

Geht also zur WAHL!
In Kärnten ist man möglicherweise vielleicht zu dumm für die Demokratie.

 
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