Immer mehr Industriebetriebe verlassen Wien

16.11.2012 | 15:27 |   (DiePresse.com)

Eine Umfrage zeigt deutliche Verschlechterungen in der Standortqualität. Als größte Probleme werden hohe Betriebskosten, Abgaben und Lohnkosten angeführt.

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Gebührenerhöhungen, bürokratische Hürden und Fehler in der kommunalen Standortpolitik: Der Industriestandort Wien gerät zunehmend unter Druck, warnte die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank. Diesen Befund unterstrich sie mit den Ergebnissen einer beim Karmasin-Institut in Auftrag gegebenen Umfrage, die Verschlechterungen in der Standortqualität zeigt. Zudem hätten in den vergangenen zwei Jahren etwa 13 Prozent der rund 800 Industriebetriebe zumindest Teile von Wien wegverlagert.

Laut Umfrage wird die Wiener Lebensqualität für die dort ansässigen Unternehmen als Standortvorteil zunehmend unwichtiger. Es beurteilen zwar immer noch 68 Prozent der 200 befragten Betriebe die Lebensqualität als Standortvorteil - bei der vergangenen Umfrage 2010 waren es noch 79 Prozent gewesen. 61 Prozent sehen in der guten Infrastruktur einen Vorteil, in der vergangenen Umfrage waren es noch 76 Prozent.

Vorteile relativieren sich

Auch nicht mehr so gut kommt die internationale Anbindung durch den Flughafen Wien-Schwechat an. Diese wurde 2010 noch von 70 Prozent als positiv bewertet, heuer waren es nur mehr 60 Prozent. Nur noch 47 Prozent erachten die hohe Kaufkraft als Vorteil, das ist ein Minus von 13 Prozentpunkten gegenüber 2010. Immerhin gleich geblieben ist, dass 67 Prozent die Hauptstadtfunktion Wiens als positiv beurteilen.

Bei den Standortnachteilen werden mit jeweils 66 Prozent die hohen Betriebskosten und Abgaben wie auch die hohen Lohnkosten angegeben. Auch die hohen Grundstückspreise (60 Prozent), die übersteigerte Bürokratie (55 Prozent) sowie der Facharbeitermangel (46 Prozent) werden negativ bewertet.

Industriezonen fehlen in der Stadtplanung

Problematisch sei auch die Nichtberücksichtigung von Industriezonen in der Stadtplanung, so Jank. Diese seien innerhalb von zehn Jahren um 16 Prozent geschrumpft. Um den Stadtkern herum sei kein ausreichendes Umland mehr vorhanden, um Industrie anzusiedeln. Wohngebiete würden näher heranrücken, was wiederum Konfliktpotenzial mit Anrainern nach sich ziehe.

In den vergangenen zwei Jahren haben außerdem 13 Prozent der Betriebe Teile wegverlagert, der überwiegende Teil davon ins Ausland. Zudem zeige die Erfahrung, dass - wenn die Produktion abwandere - auch Forschungsabteilungen, Verwaltung oder IT-Services folgen würden, so Jank. Weitere 8 Prozent der Unternehmen können sich eine Standortverlegung vorstellen, meist ins Umland. Hauptgründe für den Wegzug sind Kostenvorteile, z.B. billigere Grundstücke.

Um den Standort Wien zu stärken, präsentierte die Kammer ein Arbeitsprogramm. Dabei wird u.a. ein "One-Stop-Shop" vorgeschlagen, wo es einen Ansprechpartner für betriebliche Fragen und Behördenwege gibt. Zudem sollen alle Betriebsgebühren und -abgaben mittels einer Abrechnung und Überweisung möglich sein. Weiters wird gefordert, dass die städtische Gebührenpolitik "industriefreundlich" gemacht wird, etwa durch Senken der Gebühren oder Schaffen von flexiblen Lösungen wie etwa die Deckelung von Gesamtabgaben pro Betrieb. Zudem fordert die Kammer eine bessere Öffi-Erschließung für Gewerbe- und Industriegebiete.

(APA)

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4 Kommentare

mittelalterliche denkkategorie

abgabenbelastung bei 64 prozent dank der wirtschaftskammer. wer kann geht weg und ins ausland. das mittelalterliche zunftdenken der kämmerer die nur an ihre eigene existenzsicherung denken und nur papier produzieren schafft keine standortqualität. was fang ich mit einer kammerpräsidentin (nö wirtschaftskammer) die bilderrahmenherstellerin ist in meinem beruf an?

grüne

eine folge der wirtschaftsfeindichen poltik der grünen.

Brigitte Jank

ja frau jank, aber Sie packeln ja seit jahrzehnten mit den sozialisten in wien. kommen Sie mir jetzt nicht daher, um zu jammern.

beim intrigieren in der wiener övp sind Sie sonst ja auch spitzenklasse - hätten Sie diese energie in die standortpolitik gesteckt, dann müssten Sie jetzt nicht scheinheilig jammern!

es scheint

hier ist es ihnen zu (U-Bahnsteuer,Pickerl etc) Lebenswert.

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