Apotheken dürfen bis 19 Uhr offen haben

16.11.2012 | 18:33 |   (Die Presse)

Auch am Samstagnachmittag darf aufgesperrt werden. Die Regelung gilt nur für Wien. Die Entscheidung gilt dann jeweils für ein Jahr. Den Stein ins Rollen brachte die Apotheke am Graben.

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Wien/Hie. Ab 1. März dürfen Apotheken in Wien am Samstagnachmittag offen haben und auch unter der Woche am Abend eine Stunde länger aufsperren. Wie die Apothekerkammer und die Wiener Gesundheitsstadträtin SonjaWehsely mitgeteilt haben, liegt eine entsprechende Verordnung vor („Die Presse“ berichtete). Die 315 Wiener Apotheken können selbst entscheiden, ob beziehungsweise wann sie länger offen halten.

Die Entscheidung gilt dann jeweils für ein Jahr. Derzeit ist am Samstag um 12 und unter der Woche um 18 Uhr Sperrstunde, zusätzlich haben jeweils 35 Apotheken in der Nacht und am Sonntag Bereitschaftsdienst. Wie viele Apotheken vom neuen Angebot Gebrauch machen werden, könne man nicht sagen, heißt es aus dem Büro von Stadträtin Wehsely.

Den Stein ins Rollen brachte die Apotheke am Graben. Sie sperrte von 2001 bis 2011 am Samstagnachmittag auf, weitere Apotheken folgten. Die Apothekerkammer wollte das nicht hinnehmen und leitete gegen so manchen „Rebellen“ ein Disziplinarverfahren ein. Der Apotheke am Wiener Graben wurde im Oktober des Vorjahres von der Magistratsabteilung für Sozial- und Gesundheitsrecht (MA 40) sogar die Konzession entzogen.

Die Kammer argumentierte, dass es am Samstagnachmittag keinen Bedarf gebe. Die Apotheke am Graben sprach aber von durchschnittlich 400 Kunden pro Samstagnachmittag. Anfang Oktober hob der Unabhängige Verwaltungssenat die Entscheidung der MA 40 auf. Peter Krüger, der die Apotheke juristisch vertritt, ist mit der neuen Regelung zu den Öffnungszeiten zufrieden, sagt er zur „Presse“: „Das Ziel ist erfüllt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2012)

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15 Kommentare

Das Zentralkommittee berichtet ...

... und wer sich nach alldem noch die Krönung geben möchte, der lese sich die Pressemitteilung der Apothekerkammer Wien zu diesem Entscheid durch.
Steht da allen Ernstes:

Erfreulich: Die Wiener Apotheken werden auf freiwilliger Basis bereits ab März 2013 die Möglichkeit zu einer Flexibilisierung ihrer Öffnungszeiten haben. [...] „Mit der neuen Öffnungszeitenregelung haben wir eine bedarfsgerechte und kundenorientierte Lösung geschaffen“, begrüßen die neuen Präsidenten der Wiener Apothekerkammer Mag.pharm. Andrea Vlasek und Mag.pharm. Viktor Hafner die kommende flexible Regelung.

Na gratuliere; da hat sich die Kammer ja auf einmal als Vorreiter der Flexibilisierung erwiesen.
Vergessen all der Streit, der Konzessionsentzug und das Abstrafen der "Rebellen". Seufzend lehnt man sich zurück und denkt sich: Wie gut, dass es die Kammern gibt!

Unglaubliches Monopol

Wann wird endlich einmal der Tag kommen, an dem auch in Österreich die Apotheken in die Regeln der Marktwirtschaft integriert werden? Das hier von Apothekern (Kammer) praktizierte Diktat, ausgetragen auf dem Rücken der Konsumenten, ist ziemlich einzigartig auf der Welt. Und die Politiker schauen ungerührt zu, denn das ist ein Auftrag für den es keine Provision gibt.

Re: Unglaubliches Monopol

apotheken, rechtanwälte, notare...sind bei den öst eu-beitrittsverhandlungen zwar etwas ins schwitzen gekommen, haben aber ihre monopole erfolgreich verteidigt.

Freie Marktwirtschaft

...ich persönlich empfinde dies als eine Erleichterung, speziell wenn ich erst später aus der Arbeit bzw. Uni heim komme und etwas benötige. Oft ist kurz vor 6 in meiner gewohnten Apotheke so eine Schlagen, dass ich mir sowieso nicht vorstellen kann, das dort vor 7 geschlossen wird.

Man muss aber bedenken

dass am Samstag Nachmittag zahlreiche Apotheken Bereitschaftsdienst versehen müssen - zwangsweise. Das ist in weniger lukrativen Lagen als am Graben mit hohen Kosten verbunden (Wochenendzuschlaege!) .
Die Offenhalte-Erlaubnis fuer den Graben gefährdet also das Bereitschaftsdienstmodell.
Der Geschaedigte ist dann der Kranke, der nicht Lust und die Moeglichkeit hat, in die Innenstadt zu fahren.

Re: Man muss aber bedenken

Erstens beschränkt sich die "Gefährdung" auf den Samstagnachmittag und lässt Sonn- und Feiertage unberührt; insofern ist das Argument schwach.
Zweitens: Wenn es wirklich stimmt, daß manche nicht die Lust und Möglichkeit haben, in die Innenstadt zu fahren, ist auch der Bereitschaft nicht gefährdert.

Es ist nicht alles gut, nur weil es Kammer und MA und "Tradition" nicht anders kennen. Zumindest sollten die Argumente stimmig sein, und das ist hier ganz bestimmt nicht der Fall.

Re: Re: Man muss aber bedenken

Sonn - und Feiertage kommen bei den Oeffnungszeiten als nächstes.
Ich sage nur Lugner...
Wir können uns bald alle vom freien Sonntag verabschieden.
Ach ja, Zuschläge gibt es dann natürlich auch für keinen mehr!

Re: Re: Re: Man muss aber bedenken

so ein panik-schwachsinn.

Re: Re: Re: Re: Man muss aber bedenken

Nur abwarten!
In zehn Jahren werden wir uns fragen was ein Sonntag war.
Man muss nur über den Tellerrand hinausschauen.

die nächste banane

welch bananenrepublik, wo dies eine schlagzeile wert ist... hier sieht man die kleinkariertheit deutlich.

Unverständlich

Als würde es außer dem Apotheker, der In und den Mitarbeitern, den Innen, irgendjemand etwas angehen, wann und wie lange die Apotheke geöffnet ist.
Von mir aus kann man noch über Mindestöffnungszeiten im Sinne der erforderlichen Versorgung oder Krisenbestimmungen (Pandemie et alii) reden.

Alles andere ist unzulässige Einmischung des Staates.
Aber wenn sich die Apotheker das von ihrer Kammer gefallen lassen soll es wohl sein.

Apothekerkammer at its best

Was sind das eigentlich für wahnsinnige Zustände, daß die Apothekerkammer gegen Apotheken vorgeht (die immerhin die Kammerbeiträge entrichten) - wegen keinem wichtigeren Grund als die eigene Wahl der Öffnungszeiten (!).
Und noch ernüchternder: die MA40 macht natürlich mit und entzieht die Konzession - wiederum wegen der Öffnungszeiten ... Wenn etwas nach Betonkopfmentalität und Machtanmaßung riecht, dann das.

Also gratuliere zu diesem Urteil. Ich geh zwar irgendwie davon aus, daß die Rache der Betonköpfe noch kommen wird, aber immerhin ist jetzt die Öffentlichkeit hellhörig - von dem Fall haben die meisten bisher zumindest nämlich relativ wenig mitbekommen.

Re: Apothekerkammer at its best

naja ... einer der Gründe wird sein:
" Ungehorsam darf nicht geduldet werden "
Wo sind wir denn, dass da irgenwer den Kammerfunktionären nicht folgt!

ein weiterer:
" Präpotenz " (nahezu grenzenlos)


Re: Apothekerkammer at its best

Die Graben-Apotheke hat sich offenbar nicht alles gefallen lassen und ihre Kammer in die Knie gezwungen - und der Rechtsstaat scheint zu funktionieren. Bravo!

MA40? MA69? MA2412? MA MA MA... stellen wir uns vor ein leben OHNE irgendeine MA die nicht Weg steht... hmm... schön wäre es! ein MA FREIES Land!!!


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