Verlustserie bei Baumax: „Banken werden nervös“

Gläubigerschützer haben ihre Bonitätsnoten gesenkt, die Gefahr einer Insolvenz sehen sie aber nicht. Im Sommer hat Baumax für das Jahr 2011 einen Verlust von 57,2 Mio. Euro bekannt gegeben,

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Baumax – Clemens Fabry

Wien/Juk. „Hör auf deinen Baumax“, gibt die einzige österreichische Baumarktkette in seiner Werbung als Parole aus. Nun muss auch der Vorstand des Unternehmens mit Sitz in Klosterneuburg in sich gehen, um eine Antwort auf drängende Fragen der Gegenwart zu finden.

Im Sommer hat Baumax für das Jahr 2011 einen Verlust von 57,2 Mio. Euro (bei 1,2 Mrd. Euro Umsatz) bekannt gegeben, im Jahr 2012 soll das Minus ebenso hoch ausfallen, hieß es schon damals. Nun haben die Gläubigerschützer von Creditreform und KSV die Bonität des Unternehmens herabgestuft. Die Creditreform gab im Laufe dieser Woche die Note „schwach“ statt bisher „gut“, wie sie der „Presse“ bestätigte. In Zahlen ausgedrückt heißt das: 311 auf einer Skala zwischen 100 und 600.

AKV belässt Bonitätsnote bei 3

Der Kreditschutzverband von 1870 sieht seit Anfang November ein „erhöhtes Risiko“ für Kreditausfälle. Mit dem Rating 430 (in einer Bandbreite zwischen 100 und 700) sei die Bonität schlechter als der Branchendurchschnitt, so der KSV. Zwar spreche „grundsätzlich“ nichts gegen die Aufnahme einer Geschäftsbeziehung. „Wir empfehlen jedoch zusätzliche absichernde Maßnahmen.“ Der Alpenländische Kreditorenverband belässt die Bonitätsnote bei 3 (zwischen 1 und 5). Für eine Herabstufung sehe man derzeit keine Veranlassung; das Unternehmen stehe jedoch „unter Beobachtung“.

„Die Banken sind nervös geworden“, sagt einer der Gläubigerschützer auf die Frage, weshalb man sich gerade jetzt wieder mit der Bonität des Unternehmens beschäftige. Die heimischen Institute haben sich laut „WirtschaftsBlatt“ zwar auf ein „faktisches Stillhalteabkommen“ geeinigt und stellen Kredite nicht fällig. Unterdessen verhandeln die Banken mit dem Management aber mit Hochdruck über eine „Neuaufstellung der Finanzierung“, wie aus einer Großbank verlautet.

Unklar ist, ob die Eigentümerfamilie Essl erneut bereit ist, Geld aus ihrem Privateigentum in das Unternehmen einzubringen. Rund 40 Mio. Euro haben die Privatstiftungen von Baumax-Gründer und Kunstsammler Karlheinz Essl und seinem Sohn, Baumax-Chef Martin Essl, im Vorjahr zugeschossen. Baumax wollte am Freitag dazu nicht Stellung nehmen.

Probleme hat das Unternehmen vor allem mit den Töchtern in Osteuropa, die unter der Schwäche des privaten Konsums leiden. Die Verbraucher im Osten verschieben langfristige Investitionen wie Renovierungen. Auch andere große Player in Osteuropa, wie die deutsche Kette Praktiker, leiden darunter. Im gesättigten österreichischen Markt jagt die Konkurrenz, die vor allem aus Deutschland stammt (Obi, Hornbach), dem Marktführer Umsätze ab.

Auf einen Blick

KSV und Creditreform haben die Bonität der Handelskette Baumax schlechter bewertet. Die Gläubigerschützer gehen von einem höheren Risiko für Kreditausfälle aus. Druck machen die heimischen Banken, die mit dem Baumax-Management daran arbeiten, die Finanzierung neu aufzustellen. Das Unternehmen erzielte im Vorjahr 57 Mio. Euro Verlust und hat auch für heuer ein Minus in dieser Höhe angekündigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2012)

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