Reserven: Nationalbank lüftet Goldgeheimnisse

22.11.2012 | 18:46 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Jetzt wissen wir, wo unser Gold wirklich lagert. Nämlich zu 80 Prozent am Handelsplatz London. Verliehen sind aber nur noch 16 Prozent des Goldes – Tendenz fallend.

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Wien. „Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles“, schrieb schon Goethe in „Faust I“. Seitdem hat sich wenig geändert – erst recht, da der Goldpreis seit 2001 stark angestiegen ist. Jetzt rücken die Goldreserven der Notenbanken in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auch die OeNB hat jetzt erstmals verraten, wo das Gold der Österreicher wirklich lagert. „Die Presse“ hat die wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet.

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1 Wozu hält die Nationalbank überhaupt Goldreserven?

Gold ist Teil der Währungsreserven. In der Praxis heißt das: Die Nationalbanken können das Gold zur Stärkung oder Schwächung des Euro einsetzen – ähnlich wie die Dollarreserven. Gold hat aber einen besonderen Stellenwert, weil es nicht von einem Land kontrolliert wird oder von einer anderen Zentralbank nach Belieben vermehrt werden kann – wie zum Beispiel der Dollar. Das Eurosystem ist in Bezug auf Gold moderner konzipiert als das Fed-System der USA. Gold wird als Asset in der Bilanz geführt, dessen Wert viermal pro Jahr an den aktuellen Goldpreis angepasst wird. So steigt die Bedeutung der Goldreserven gegenüber der Devisenreserven. Das Reserven-Verhältnis liegt derzeit bei rund 65 Prozent Gold und 35 Prozent Devisen (vor allem Dollar).

2 Warum wurden seit den 1990ern hunderte Tonnen Gold verkauft?

Österreich hatte 1992 noch mehr als 600 Tonnen Gold – heute sind es nur noch 280. Das sieht auf den ersten Blick komisch aus: Warum wurde überhaupt Gold verkauft? Nun, es hat einen Profit gebracht und gleichzeitig den steigenden Goldpreis gedrosselt. Die eigentliche Story ist aber das Ende der Verkäufe: Die Euro-Zentralbanken haben sich 1999 geeinigt, ihre Goldverkäufe einzudämmen und dann völlig einzustellen. Inzwischen haben die Notenbanken weltweit auf die Käuferseite gewechselt. Die Verkäufe wurden wiederum durch den steigenden Goldpreis wettgemacht: Das Staatsgold macht heute fast 60 Prozent der Währungsreserven der OeNB aus – international betrachtet ein sehr hoher Wert.

3 Wo lagern die Goldreserven der Nationalbank?

Das ist erst seit Mittwoch offiziell bekannt: Der Großteil der österreichischen Goldreserven lagert bei der Bank of England in London, rund 50 Tonnen bei der Münze Österreich in Wien (die Münze ist eine Tochter der OeNB) und knapp sieben Tonnen bei der Bank of International Settlements in Basel.

4 Warum lagert nicht das gesamte Gold in Österreich?

Diese Frage beschäftigt auch Oppositionspolitiker. Die Antwort ist simpel. Wenn Währungsgold (wie in Frage 1 vermerkt) für geldpolitische Maßnahmen eingesetzt werden soll, muss es an einem Handelsplatz liegen. London ist der wichtigste internationale Handelsplatz für physisches Gold – das ist auch bedeutsam für Gold-Leasinggeschäfte, ein weiteres Feld voller Mythen und Theorien.

5 Ist das Gold überhaupt noch vorhanden – oder längst verliehen?

Die beliebteste Verschwörungstheorie zu Gold: Die Reserven sind längst weg, verkauft, um den Goldpreis zu drücken und die Papiergelder Dollar und Euro gut aussehen zu lassen. Oder zumindest auf Nimmerwiedersehen verliehen – um ein bisschen Geld zu erwirtschaften. Nun, Leihgeschäfte hat es tatsächlich gegeben. Die OeNB hat so angeblich in den vergangenen zehn Jahren sogar 300 Mio. Euro Profit eingefahren. Anfang der 2000er-Jahre dürften bis zu 80 Prozent des Staatsgoldes an Banken verliehen gewesen sein. Inzwischen sind es aber nur noch 16 Prozent. Tendenz weiter fallend. Das bestätigte die OeNB am Donnerstag gegenüber der „Presse“ erstmalig.

Das Auslaufen der Leihgeschäfte wurde auch schon 1999 von den Eurosystem-Notenbanken vereinbart. Die Deutsche Bundesbank hat laut dem Goldexperten Dimitri Speck inzwischen gar kein Gold mehr verliehen. Nachprüfen kann man das freilich nicht – die Bürger müssen sich in Sachen Gold auf die Vertrauenswürdigkeit der Notenbanken verlassen.

(c) Die Presse / GK

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2012)

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77 Kommentare
 
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Goldverkauf

Das war Oesterreichs Steuerzahler Goldreserve die von der Regierung verkauft wurde als der Preis noch niedrig war. Wenn wir heute diese Reserve wiederherstellen moechten so kostet dies uns mehr als das doppelte. Das heisst die regierung hat mehr als die Haelfte der Goldreserven verschleudert. Das nennt man fahrlaessiges Verhalten. Absolut unverantwortlich. Da muessten Koepfe rollen !!!!

Gelueftet is gar nix

Das Gold ist weg, das Papier nicht mal das Papier wert.

Leihgeschäfte?

so kann man's natürlich auch bezeichnen. in wahrheit handelt es sich um blanke, je nach ergebnis sogar dümmliche spekulation, und die ist im zusammenhang mit gold-reserven natürlich absolut tabu. schließlich sollte dieses gold ja sozusagen die letzte bastion sein und nur in einem notfall angefaßt werden, oder?
die verantwortlichen, die solche leih-geschäfte tätigen bzw. absegnen sind als defraudanten anzusehen und gehören umgehend abgelöst und, wenn rechtlich möglich, inhaftiert.

Hope the best

prepared for the worst!

irrsinn

Reserven sind Reserven
und die österreichischen Reserven haben in Österreich zu sein .

Da wurden 300 tonnen Gold bei Preistiefststand verschleudert .
Bei heute etwa 3fachen Wert
hat die Nationalbank viele milliarden Euro Volksvermögen verschenkt .

Das Mindeste wäre die Pensionen der Verantwortlichen auf Existenzminimum zu setzen .

Unglaublich!

Die dafür verantwortlichen Banker der OeNB haben dem österreichischen Volk bis heute unglaubliche 10 Mrd. EUR "unterschlagen".

So viel würden 320 Tonnen, die sie billigst verscherbelt hatten heute mehr kosten. Und das ist noch nicht das Ende des gigantischen Finanzschadens den diese Leute angerichtet haben!

Aber werden sie dafür auch zur Verantwortung gezogen?


Weshalb

haben die uns bis jetzt nie gesagt, wo das Gold ist, leicht erratbar, Sie haben Angst uns die Wahrheit zu sagen. Wir werden nur mehr betrogen. Die letzten Reserven brauchen wir für die Sicherstellung des ESM Vertrages, so schaut's aus. Eigentlich unvorstellbar, daß immer noch die Hälfte der Österreicher diese Schurken wählt.

Frevel unserer Politiker!

"Österreich hatte 1992 noch mehr als 600 Tonnen Gold"

Der Frevel dabei ist (siehe Grafik), dass das Gold zu billigsten Preisen verantwortungslos verscherbelt wurde, während jetzt eher wieder gekauft wird - also genau VERKEHRT !!

In den 90er Jahren hätte die OENB zukaufen müssen, oder zumindest NICHTS verklaufen dürfen. Dann könnten wir in der kommenden Mania- Phase im Gold einen Teil verkaufen und viele Mrd. lukrieren.

Warunm haben Nationalbanker keine Ahnung von Zyklen? Weil sie politische Versorgerposten besetzen, LEIDER!


wahnsinnig interessant!



gott sei dank wissen wir jetzt genauer bescheid wo unsere goldreserven liegen. zwar wussten wir vorher auch schon, dass die dort sind, wo mit gold gehandelt wird (also entweder in london oder in new york). aber unnützes wissen betreffend gold ist das a und o der goldfreaks. danke, danke, danke für diese recherchelestung!

ich Hol's

dere

??!

wer kann das wirklich bestätigen das das alles so stimmt ??? jetzt noch ein berufsheer mit 20000 milizsoldaten und die 6 flugbereitem eurofighter und ich fühle mich sicher ... (wenn die türkei jetzt auch noch die patriot abwehrstellungen bekommt die innerhalb von 3 min die eurovôgel runter holt . herrlich .

and it's.... gone

Ich habe vollstes Vertrauen in unseren roten Notenbankcapo sowie in Faymann, Spindelegger...

ahahaha

erinnert mich an die South Park Folge wo einer 100 Dollar veranlagen wollte. Der Banker schreibt es auf ein Konto gut und in der Sekunde sagt er: aaaannddd it's gone

http://gata.org/node/11954

Und wem haben wir die 16 % geliehen?

Griechenland?

Und wem haben wir die 16% verliehen?

Griechenland?

Geliehenes Gold

Was macht einer damit? Sich besser aussehen zu lassen (als er es ist)?
Was geschieht mit dem Gold, außer daß es kostenträchtig zu lagern ist?
Man braucht Gold; weil alle es wollen muß man es auch selbst haben.
Hätte ein Staat nur Gold, wäre er arm; reich macht ihn der Fleiß und die Pfiffigkeit seiner Bürger; und mit dem Ertrag daraus ... kann er Gold kaufen.

It's gone, stupid....

Nachdem in .at solche Blitzer wie Failman

Die ÖNB ist keine Staatsbank

sondern eine Aktiengesellschaft in staatlichem Mehrheitseigentum. Trotzdem wäre mir lieber, das österreichischen Goldreserven würden vom Staat, d.h. einer reinen Staatsbank physisch aufbewahrt und verwaltet werden. Ich misstraue der Aktiengesellschaft ÖNB sowie London und Basel. Außerdem ist die Aufbewahrung sicher nicht gratis!

Re: Die ÖNB ist keine Staatsbank

Die Anteile von der ÖNB sind im Staatsbesitz zu 100%.

Herr Pröll hat die Anteile alle aufkaufen lassen.

70% hält der Staat,

den Rest Banken und Interessenvertretungen.

Re: 70% hält der Staat,

"... Das Grundkapital von 12 Mio Euro steht mit 100% im Eigentum des Bundes."

Quelle: w³.oenb.at


Wahrscheinlich hat man nicht durchgehend alle Dokumente aktualisiert.



Re: 70% hält der Staat,

Seit 27.5. 2010 ist die Republik Alleineigentümerin der Nationalbank.

Presseaussendung, 6. Absatz:
http://www.oenb.at/de/presse_pub/aussendungen/2010/2010q2/pa_20100527_oenb_erwirtschaftet_2009_hoeheres_geschaeftserg_page.jsp#tcm:14-193548

Re: 70% hält der Staat,

Bitte um Quellenangabe.

Danke.

Re: Die ÖNB ist keine Staatsbank

Misstrauen. man erinnere sich an den letzten Skandal der Münze Österreich!

 
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