Lugner über Sonntagsöffnung: 69 Prozent mehr Umsatz

29.11.2012 | 18:34 |  JULIA KERN (Die Presse)

Richard Lugner erklärt, warum er sich für die Ladenöffnung am Sonntag einsetzt, obwohl er - wie bei Spar - Rückschläge einstecken muss.

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Wien. Es ist erst wenige Wochen her, dass Richard Lugner sein 80. Wiegenfest beging. Doch der frühere Baumeister denkt noch lange nicht ans Aufhören. 70 bis 80 Stunden verbringe er jede Woche im Büro, der „Zentrumsleitung“ der Lugner City im 15. Bezirk. „Ich komme jeden Tag in der Früh um neun und gehe um elf, halb zwölf am Abend“, sagt Lugner. Nachsatz: „Wenn ich nicht ausgehe.“

An diesem Montag geht es hektisch in Lugners Büro zu. Er ruft nach seiner Sekretärin. Gesucht: ein Brief der Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung. Darin teilt diese mit: Lebensmittelhändler Spar darf seine Filiale am Flughafenterminal Check-in3 am Sonntag aufsperren. Die Behörde habe zweimal überprüft, ob das Geschäft sich an die Auflagen, die das Sortiment betreffen, hält.

 

Spar handelt nach dem Gesetz

Soll heißen: Mineralwasserkisten mit Glasflaschen oder ein überbordendes Angebot an Drogerie-Artikeln wäre ein Problem, da dies nicht als Bedarf für Reisende durchginge. Das sei bei dem betroffenen Spar aber nicht der Fall. Auch die Größe – der Supermarkt übersteigt die 80 Quadratmeter, die das Öffnungszeitengesetz an Bahnhöfen erlaubt – sei durch eine Verordnung des niederösterreichischen Landeshauptmanns legitimiert. Lugner sieht das nicht ein: „Spar und Rewe eröffnen laufend an Tankstellen und Bahnhöfen Filialen, die vom Verbot der Sonntagsöffnung ausgenommen sind, und ich darf nicht öffnen?“

Im September hatte der Einkaufzentrumsbetreiber eine Anzeige gegen Spar bei der BH Wien-Umgebung eingebracht. Sein Argument: Wenn die Filiale am Flughafen wegen des Bedarfs der Reisenden vom Verbot der Sonntagsöffnung ausgenommen wird, dürfe sie auch nur Reisenden zur Verfügung stehen. Die Behörde sagt: „Das fordert das Gesetz nicht.“

Für Lugner ist dies die zweite Niederlage in seinem Kampf gegen das Verbot der Sonntagsöffnung in diesem Jahr. Im Juli war er bereits mit einer Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof abgeblitzt. Aber sein Anwalt hat die nächsten beiden Beschwerden – auf europäischer Ebene – bereits eingebracht. Wie man auf den Spar-Bescheid reagiert, weiß sein Anwalt Adrian Holländer noch nicht. Fix ist: Lugner wird nochmals reagieren.

Dabei war Lugner, wie er sagt, früher einmal ein Gegner der Sonntagsöffnung. Seine Meinung änderte er, als er aus der Baubranche aus- und in die Handelsbranche einstieg. „Der Kunde ist König. Man muss irgendwann zur Kenntnis nehmen, dass ein Händler nur dann ein Geschäft macht, wenn er öffnet, wann der Kunde will.“ So erziele die Merkur-Filiale in der Lugner City „von halb neun bis 17 Uhr weniger Umsatz als zwischen 17 und 21 Uhr“. Das Einzugsgebiet des Shoppingcenters weite sich am Abend vom Umkreis der Lugner City auf ganz Wien aus.

Seit die Lugner City im Zuge der Fußball-EM 2008 an vier Sonntagen offen halten durfte und „pro Stunde um 69Prozent mehr Umsatz“ erzielte als an einem normalen Wochentag, ist Lugner hingerissen von der Idee, sein Einkaufszentrum am Sonntag offen zu halten. Profitieren würden dabei vor allem die acht überwiegend kleineren Händler, in deren Namen Lugner Klage um Klage einbringt.

 

100.000 Euro „investiert“

Ihre Namen will er nicht preisgeben, die Rechnungen für Gutachten, Anwalts- und Verfahrenskosten zahle er alle selbst – bisher in Höhe von rund 100.000 Euro. Lugner würde im Falle einer Sonntagsöffnung „vielleicht bei zehn“ von mehr als 100 Mietern über höhere Umsatzmieten verdienen. „Ich bin keiner, der etwas macht, weil er Geld verdienen will, sondern weil es mir Spaß macht“, so Lugner.

Doch auch die Konkurrenz treibt ihn an, räumt er ein: „Die Lugner City ist im Ranking der profitabelsten Einkaufszentren Österreichs auf Platz zehn. Das zu halten ist nicht einfach.“ Zumal mit dem G3 und Wien Mitte zuletzt zwei große Shoppingcenter im Wiener Raum eröffneten.

Auf einen Blick

Lugner-City-Chef Richard Lugner ist auch mit seiner Anzeige gegen Spar abgeblitzt. Die Supermarktkette halte sich an die Gesetze, entschied die BH Wien-Umgebung. Lugner bringt laufend Klagen und Beschwerden ein, um durchzusetzen, dass auch die Händler in seinem Shoppingcenter am Sonntag verkaufen dürfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2012)

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83 Kommentare
 
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Österreich ist da halt sehr rückständig

Die Ladenöffnungszeiten, bzw. das Verbot am Sonntag aufzumachen, stammt halt größtenteils aus jener Zeit in der der Mann gearbeitet hat, und die Frau Hausfrau war. Die hat dann halt tagsüber alle Einkäufe erledigt, kein Problem also, kein Öffnen am Sonntag notwendig.

Das ist aber nicht mehr so. Viele Frauen sind berufstätig, und daß Mann und Frau arbeiten ist fast schon die Norm. Und wann soll man dann einkaufen gehen? Alleine die Tatsache daß am Samstag alle Geschäfte voll sind zeigt doch, daß es generell großen Bedarf nach mehr Ladenöffnung, inklusive Sonntag gibt!

Und an alle die jetzt daherkommen mit "aber der Sonntag, das ist doch der Tag für die Familie!": es zwingt Euch ja keiner einkaufen zu gehen!

Und das Argument der ach so armen Verkäuferinnen: das fällt in die Kategorien Zynismus und Bevormundung.

Wenn Sonntags aufgemacht wird

bekommen alle Konsumenten eine Einkommenserhöhung von 69% ??? Dann bin ich sofort dafür;-)

siehe wie voll billa am FrJsf bhf ist

man benötigt laengere öffnungszeiten unter der woche und sonntag auch! ich würde mich so freuen. manchesmal mache ich bratislava ausflüge un dort in ruhe sonntags einkaufen zu können, warum nicht hier? gibts ja fast überall…

69

gut getroffene zahl! bravo herr lugner, gefällt mir

sonntag

Stell dir vor, jeder kann sich es leisten am sonntag, oder rund um die uhr offen zu halten.
Dann geht keiner MEHR hin.
milchmädchenrechnung : 10 euro bleiben 10 euro!
PS: bei mir zumindest.

Konnte man in Deutschland sehen:

Nach der Öffnungseuphorie (an welcher sich die Öffis nicht beteiligten, was zu Verkehrschaos führte) haben heute selbst auf Rennomiermeilen wie der Düsseldorfer Königsallee nach 19.00 Uhr nicht einmal mehr die Cafés offen! Es profitieren nur die Ladendiebe in den Warenhäusern, deren Job durch die spärliche Personalbesetzung erleichtert wurde. Das zahlen die Konsumenten natürlich zusätzlich zu den Zuschlägen für Personal und Energiekosten denn der Unternehmer 'hat nix zu verschenken'.

Re: sonntag

Wenn man von Nichts eine Ahnung hat, sollte man nicht schreiben.

10 Euro bleiben aber nicht 10 Euro.
Oder arbeiten die Angestellten umsonst?
Betrifft vielleicht nicht die Lugner City, aber, 1000ende Turisten würden wohl auch eher etwas kaufen, wenn die Geschäfte offen hätten.

Touristen???

Wovon träumen Sie nachts? 'Wenn man von Nichts eine Ahnung hat...' Wien ist KEINE Einkaufstadt, das haben mich viele Jahre im Tourismus gelehrt. Die Kunden für die Luxusgeschäfte kaufen unter der Woche und für die anderen Touristen gibt es Ramsch und Sachertorten sowieso fast rund um die Uhr.

Re: Re: sonntag

BIlligLAden hat am flughafen am sonntag offen, spar am Hbf linz (z.B.) hat auch offen, sowie fast schon jede tankstelle einen verkaufsshop über das sortiment von reisenden hinweg.
Und glaubeb sie mir, ich gehe dort eh nicht hin. Da sind meine zehn Euro nähmlich nur noch fünf wert.

Re: Re: sonntag

so weit blickende und gescheite "turisten" wie sie sollten sich wirklich nach pressburg absetzen, aber auch gleich dort bleiben...

Re: Re: sonntag

ich wäre dafür, dass alle, die am sonntag einkaufen gehen, am darauffolgenden sonntag selbst dann die verkäufer sind!!

Re: Re: sonntag

meinen Sie die Touristen, die sonst von Mo - Sa einkaufen oder meinen Sie die Touristen, die nach Wien kommen und als Sehenswürdigkeit die supertolle, menschenanziehende, tourismusbringende, weltbekannte Lugner-City besuchen. Und versuchen Sie erst gar nicht zu erklären, dass die Touristen gerade am Sonntag einkaufen wollen, denn wenn einer nur am Sonntag z. B. in Wien ist, dann sicherlich nicht um einzukaufen! Bleiben Sie bitte am Teppich und versuchen doch einfach über den Tellerrand zu blicken.

Re: Re: Re: sonntag

Lassen wir doch einfach die Geschäfte öffnen wann die Inhaber wollen und die Touristen selber entscheiden. Ich glaube kaum, dass bei offenen Geschäften am Sonntag diese leer bleiben würden.

Re: Re: Re: Re: sonntag

lassen Sie mich das auf ein Beispiel reduzieren.
Seit einigen Jahren wird der 8. Dezember (ein Feiertag für alle nicht Handelsbeschäftigten) offen gehalten und immer noch als "Super" beworben.
Tatsache ist aber, dass die Handelunternehmen, mit Ausnahme der ohnehin steigenden Umsätze, also hochgerechnet nach Verkaufstagen, ungefähr 0,00% Umstatzsteigerung durch die Einführung dieses Arbeitstages erreichen konnten. D. h., sie wissen heute, dass die Öffnung an diesem Feiertag nur im ersten Jahr ein kleiner Erfolg war, aber sonst nichts gebracht hat. Im Gegenzug dazu, klagt die Tourismusbranche aber über Verluste durch diese Regelung. Das ist schon komisch, gell, da wurde eigenartigerweise nicht mehr Geld in den Börserln gefunden.

Re: Re: Re: Re: Re: sonntag

aber um es Ihnen ganz leicht zu machen, ein kleines Rechen/Denkbeispiel.
Ich kann im Monat 1000 Euro ausgeben (transcheln) ohne mich einschränken zu müssen und jetzt könnte ich aber auch am Sonntag einkaufen gehen.
Habe ich jetzt automatisch auch mehr Geld für Ausgaben zur Verfügung oder nicht?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: sonntag

Sie haben nicht mehr Geld zur Verfügung. Es wäre aber eine nette Geste, wenn Sie nicht nur an sich denken, sondern auch daran, dass andere Leute vielleicht sich nicht vorschreiben lassen sollten, wann sie ihre Geschäfte öffnen und wann sie arbeiten und einkaufen dürfen.

Es gibt keinen Grund, die Öffnungszeiten zu beschränken. An Zeiten wo nichts läuft, wird ohnehin niemand offen halten.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: sonntag

Nette geste.
lassen sie die kinder mit ihrer mammi wenigstens einen tag gemeinsam verbringen.
sonst wären die letzten 110 jahre arbeiter und frauenbewegung völlig umsonst gewesen.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: sonntag

Meine Kinder waren oft mit Ihrer Mutter alleine. Wo soll da ein Problem sein?

Und alles kein Grund, irgendwelchen Geschäftsleuten vorzuschreiben, wann sie öffnen dürfen.

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solange der Herr " Gewerbetreibender" selbst im laden ist- eh kein Problem- es wird aber eines weil den Hr./Fr.Billa oder Spar usw. gibt`s nicht- daher werden dort Angestellte arbeiten ( müssen) - mehr Geld Ok -aber das zahlt ja auch der Konsument- oder glauben sie das zahlt die " Firma"? Es ist ja alles schon teuer genug- wollen wir es noch teurer machen? Und wenn alle am Sonntag arbeiten- wer soll dann einkaufen gehen- Pensionisten ?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: sonntag

Wenn dort Angestellte arbeiten ist das doch auch kein Problem. Es gibt genug Leute, die am Sonntag arbeiten können und wollen, weil das zum Arbeiten die ideale Zeit ist. Studenten z.B.
Und wenn sich keine finden, muss man eben entsprechend mehr zahlen. Alles nur eine Frage des Angebots.

Wie kommen Sie drauf, dass am Sonntag alle arbeiten würden? Am Montag, Dienstag oder Donnerstag arbeiten doch auch nicht alle.

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Nun, wenn das der Lugner durchbringt, sperrt ja ach alle anderen auf usw. Sie haben recht- es gibt dann welche, die Mo/Di/Mi frei haben- nur ist das in einer Famile hat nicht immer so das dann alle gleichzeitig frei haben- Wenn die Frau auch arbeit -Oder? Ja evt. finden sie Studeten am Sonntag- aber wenn der/die am Montage Prüfung(en) hat wird er halt am Sonntag nicht komen(können). Un so wollen sie ein Geschäft führenß Kommt wer oder nicht ? Es ist ja jetzt schon ein Problem, Aushilfskräfte unter der Woche zu bekommen (Österreicher)

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Oh doch.
betreuungseinrichtungen von fünf bis zweiundzwanzig uhr offen halten. Inklusive schule.
Mal sehen was die lehrer dazu sagen. Finanzierung? - ja durch den handel, wenn es eh soviel bringt

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Wie viele Menschen hier sind in einer familiären Bindung die eine Anwesenheit am Sonntag erfordert?
Viele haben gar keine Familie und selbst bei jenen welche eine haben (ich zum Beispiel) ist die Phase in der die Kinder die Eltern unbedingt brauchen eher überschaubar. Meine Kinder sind 17 bis 19, da ist es jetzt ziemlich egal, ob alle am Sonntag da sind.

Wichtig finde ich, dass sich jeder die Zeit möglichst einteilen kann. Das sollte auch für die Betreiber von Geschäften gelten. Ich als Informatiker habe da eh kein Problem, aber warum darf der Betreiber des Supermarktes heute am Feiertag nicht offen halten, der kleine Supermarkt mit angeschlossener Tankstelle aber schon?

Gilt das scheinheilige Gerede von der Familie nur dort, wo man noch was verhindern kann? Schaut nach religiösem Rückzugsgefecht aus.

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Nun, wenn das der Lugner durchbringt, sperrt ja ach alle anderen auf usw. Sie haben recht- es gibt dann welche, die Mo/Di/Mi frei haben- nur ist das in einer Famile hat nicht immer so das dann alle gleichzeitig frei haben- Wenn die Frau auch arbeit -Oder? Ja evt. finden sie Studeten am Sonntag- aber wenn der/die am Montage Prüfung(en) hat wird er halt am Sonntag nicht komen(können). Un so wollen sie ein Geschäft führenß Kommt wer oder nicht ? Es ist ja jetzt schon ein Problem, Aushilfskräfte unter der Woche zu bekommen (Österreicher)

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: sonntag

ich sehe, für Sie ist sogar eine +/- Rechnung unlösbar

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: sonntag

Sie wollen mit allen möglichen Vorwürfen nur davon ablenken, dass Sie kein Argumente gegen die Vorstellung haben, den Geschäftsleuten selber die Freiheit zu lassen, dann zu öffnen, wann sie wollen.

 
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