"China exportiert Entwaldung rund um den Erdball"

Das Geschäft mit illegal geschlagenem Holz blüht: Fast jeder dritte Baum wird unerlaubt gefällt. China entwickelt sich immer mehr zur Drehscheibe.

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China exportiert Entwaldung rund
(c) AP (Ng Han Guan)

Der Handel mit illegal geschlagenem Holz ist weltweit ein Milliardengeschäft: Alle zwei Sekunden wird ein Waldgebiet in der Größe eines Fußballfeldes illegal gerodet, schreibt die "Weltbank" in ihrer Studie "Justice for Forests" (2012). Das Handelsvolumen wird auf bis zu 15 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Interpol und das UN-Umweltprogramm (UNEP) gehen davon aus, dass bis zu 30 Prozent des weltweiten jährlichen Holzschlags illegal erfolgen. In bestimmten tropischen Ländern dürfte der Anteil sogar zwischen 50 und 90 Prozent liegen. "Wir müssen die organisierte Kriminalität beim illegalen Holzfällen genau so streng bekämpfen wie Gangster, die Drogen verkaufen oder Schutzgeld erpressen", forderte daher bereits zu Jahresbeginn Weltbank-Manager Jean Pesme, wie "Spiegel Online" berichtete.

Eine besondere Stellung nimmt China ein, "das Hauptimportland von Tropenholz ist und keine gesetzlichen Verbote im Zusammenhang mit dem Import, der Verarbeitung und dem Weiterverkauf kennt". Das schreibt der deutsche Wissenschafter Frank Wehinger vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in seiner Studie "Illegale Märkte".

China: Keine Strafe bei Einfuhr illegaler Hölzer

China bezieht illegales Holz demnach vor allem aus dem Kongobecken und Indonesien. Wehinger beschreibt den Mechanismus: "70 Prozent der Holzimporte werden von China wieder exportiert, sodass auf diese Weise unsicheres Holz und die daraus verarbeiteten Produkte 'gewaschen' werden können." Die Illegalität findet also schon früh im Wertschöpfungsprozess statt und ist für den Endabnehmer kaum sichtbar.

Wehinger hält in seiner Untersuchung fest, dass im internationalen Holzhandel ein zwischenstaatliches Abkommen - ähnlich dem Kimberley-Protokoll bei Diamanten (das den Handel mit sogenannten Blutdiamanten unterbinden soll) - noch nicht existiert. Auch die EIA hält fest, dass die Einfuhr des unerlaubt geschlagenen Holzes in China nicht unter Strafe steht. Daher gibt es auch keine Kontroll- und Sanktionsmechanismen.

"China exportiert Entwaldung um Erdball"

Tatsächlich hat sich China zum größten Markt für illegal geschlagenes Holz entwickelt. 2011 hat China 18,5 Millionen Kubikmeter unerlaubt gefälltes Holz im Wert von 3,7 Milliarden Dollar eingeführt, schätzt die Organisation "Environmental Investigation Agency" (EIA) in ihrem Bericht "Appetite for Destruction". Damit könnte man laut EIA 900.000 Schiffscontainer füllen.

Einerseits "exportiert China jetzt gewissermaßen die Entwaldung rund um den Erdball", sagt Faith Doherty, Leiterin der EIA-Waldkampagne. Das Land ist führender Exporteur von Möbeln, Sperrholz und Fußbodenbelägen. Andererseits steigt die chinesische Binnennachfrage aufgrund des wachsenden Wohlstands nach Holz ständig. Chinas Neureiche sind laut "tagesschau.de" vor allem hungrig auf Möbel aus rotem Rosenholz.

China facht Korruption in Zulieferländern an

Chinesische Firmen in Staatshand haben daher im benachbarten Myanmar bereits Berge aufgekauft und Wälder gerodet, berichtet die EIA. Auch die Wald-Ökosysteme in den Nachbarländern in Südostasien, im Fernen Osten Russlands oder auch in afrikanischen Ländern wie Mosambik, Madagaskar oder in Zentralamerika sollen dadurch beeinträchtigt sein. Die Folgen sind teilweise fatal. Indonesien droht nach UN-Schätzungen im Jahr 2022 zu 98 Prozent waldlos zu sein. Tierarten wie Tiger und Orang-Utan sind akut bedroht.

Die Nachfrage aus China fache zudem die Korruption in einigen Zulieferländern in Asien und Afrika an, beklagt Doherty. "Wenn die Leute beim Zoll oder in den Forstbehörden ihre Jobs richtig machen würden, könnten die Hölzer ja gar nicht ausgeführt werden", sagt EIA-Kollege Julian Newman laut "tagesschau.de".

Gentest für illegales Holz

Doch nur auf Chinas Holzhunger zu verweisen, sei zu kurzsichtig, schrieb "Spiegel Online" bereits vor fünf Jahren: "Nach den Chinesen sind beispielsweise die USA und die EU der zweit- und drittwichtigste Abnehmer für Holz aus Indonesien. Und Bodenbeläge, Massenmöbel und Mahagonikitsch aus chinesischer Produktion findet ebenso seinen Weg auf westliche Märkte." Auch "Die Welt" berichtete erst im Mai davon, dass von den 120 Millionen Kubikmeter Holz, die Deutschland jährlich importiert, 2,5 bis fünf Prozent illegal abgeholzt wurden.

Eine Lösung könnten "Gen-Tests" für illegale Hölzer sein. Mithilfe des genetischen Fingerabdrucks eines Holzes lasse sich die gesamte Handelskette vom Einschlag bis zum fertigen Holzprodukt lückenlos zurückverfolgen, sagt der Zeitung zufolge Bernd Degen, Leiter des Thünen-Instituts für Forstgenetik. Noch steckt die Forschung in den Kinderschuhen, aber in Hamburg entsteht ein entsprechendes Kompetenzzentrum. Momentan werden auf der ganzen Welt Proben genommen, um die Basis für den Fingerabdruck zu legen.

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