Mehr Obst, weniger Steuern

30.11.2012 | 18:30 |   (Die Presse)

Die WKO will Unternehmer mit Steuererleichterungen dazu bewegen, etwas für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu tun.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien/Es. Der Herzinfarkt eines 61-jährigen Mitarbeiters im Betrieb war der Auslöser für IT-Unternehmer Maximilian Wurm, sich mit betrieblicher Gesundheitsvorsorge auseinanderzusetzen. Seit 2011 hat er es mit Maßnahmen wie Raucherentwöhnung, Masseuren im Haus, Obstkörben in jedem Stockwerk, Ausflügen in den Hochseilgarten oder Gokartrennen geschafft, die Krankenstände seiner knapp 100 Mitarbeiter auf unter zwei Prozent zu senken. Wurms Mitarbeiter sind im Schnitt nur vier Tage im Jahr krank.

Der österreichische Durchschnitt lag 2011 bei 3,6 Prozent oder 13,2 Krankenstandstagen im Jahr. Das sei zu viel, befindet WKO-Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser. 7,7 Mrd. Euro hätten Krankenstände die österreichische Wirtschaft 2011 gekostet.

Die WKO präsentierte am Freitag ein Modell, das Unternehmer dazu motivieren soll, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter freiwillig zu fördern. Als Hauptanreiz schlägt Hochhauser ein Steuerzuckerl vor: Gesundheitsfördernde Maßnahmen sollen bis zu einem Betrag von 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter steuerlich absetzbar sein. Auch für Einpersonenunternehmen (EPU) sollen die Steuererleichterungen gelten. Derart belohnt werden könnten etwa alle Maßnahmen, die der Vorbeugung von arbeitsbedingten Belastungen des Bewegungsapparates dienen, zum Beispiel Rückengymnastik. Auch für eine gesündere betriebliche Verpflegung, ein ausgewogenes Kantinenessen etwa, soll das Steuerzuckerl gelten. Ebenso für psychosoziale Betreuung zur Stressbewältigung.

 

KMU sind Gesundheitsmuffel

In Großunternehmen, so Hochhauser, sei die Gesundheitsförderung schon gang und gäbe. Bei klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) bestehe aber Nachholbedarf. Vor allem bei Unternehmen mit unter 20 Mitarbeitern, die immerhin 60 Prozent der österreichischen Betriebe ausmachen, würden die Firmenchefs einen Mangel an Zeit, Geld und der Bereitschaft der Mitarbeiter ins Treffen führen. Für diese Zielgruppe hat die WKO nun ein Gesundheitsportal namens Profitness (www.profitness.at) eingerichtet, in dem sich Unternehmer über mögliche Gesundheitsmaßnahmen informieren können. Herzstück der Plattform ist der „Marktplatz“, auf dem Anbieter aus dem Gesundheitssektor in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Entspannung ihr Angebot platzieren können.

 

Keine Strafen, nur Belohnung

„Wir wollen weg vom Reparaturansatz und hin zur Prävention“, sagt WKO-Abteilungsleiter für Sozialpolitik und Gesundheit, Martin Gleitsmann. Man wolle aber vorerst nicht, dass Betriebe, wie in Deutschland, bestraft werden, wenn sie bestimmte Auflagen nicht erfüllen: „Wenn wir sofort strafen, erreichen wir unser Ziel nicht“, meint Hochhauser.

Was das steuerliche Anreizmodell kosten würde, habe man nicht errechnet. Das hänge davon ab, wie sehr das Angebot genutzt werde. Mittelfristig erwartet sich die WKO einen Return on Investment zwischen 1:2,5 und 1:5.

„Jeder verlorene Mitarbeiter kostet mich 20.000 Euro“, sagt Unternehmer Wurm. Mit Gesundheitsförderung könnten Betriebe ihre Kennzahlen durch reduzierte Krankenstände und weniger Totalausfälle merklich verbessern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

2 Kommentare

Steuerliche Verwertung von Kosten der Lebensführung

Tja, so wäre es dem Unternehmer hinkünftig möglich, die Kosten für die Mitgliedschaft im FitnessCenter vom zum Schein angestellten Sohn und die Kosten für die Beautyfarm der zum Schein angestellten Ehegattin von der Steuer abzusetzen.

Und natürlich macht diese Idee das sowieso bereits überkomplizierte Steuerrecht wieder um ein Stück komplizierter. Worüber dann wieder alle jammern.

lasst uns mehr zum Leben


Umfrage

AnmeldenAnmelden