Nowotny: "Österreich eindeutig in Rezessionssituation"

In Österreich soll 2013 das Wachstum auf 0,5 Prozent zurückgehen, im Sommer waren noch 1,7 Prozent erwartet worden. In der Eurozone soll die Wirtschaft um 0,3 Prozent schrumpfen.

Austrian central bank OeNB Governor Nowotny addresses a news conference in Vienna
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Austrian central bank OeNB Governor Nowotny addresses a news conference in Vienna
REUTERS

Die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich und im Euroraum befinde sich eindeutig in einer Rezessionssituation, sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny. Der Tiefpunkt der Konjunktur werde in diesem Quartal erreicht sein. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Monate könne er aber nicht ausschließen, dass dieser Punkt wieder nach hinten verschoben werden muss.

Mit zwei Quartalen eines BIP-Rückgangs im heurigen Jahr befinde sich Österreich "eindeutig in einer Rezessionssituation", sagte Nowotny. Ein generelles neues Konjunkturpaket sei aber dennoch "nicht erforderlich", aber es sollten spezielle Maßnahmen etwa zum Arbeitsmarkt und die Qualifikation Beschäftigter und Nicht-Beschäftigter fortgeführt werden. Für die Jahresmitte 2013 rechnet die OeNB mit einer "moderaten Konjunkturbelebung".

Prognosen gesenkt

Wegen der markanten Konjunkturabschwächung in wichtigen Exportmärkten unseres Landes hat die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) die Wachstumsprognose für Österreich deutlich gesenkt. Für 2012 rechnet sie nur noch mit 0,4 Prozent realem Plus, um einen halben Prozentpunkt weniger als noch im Juni. Noch markanter fällt die Abwärtsrevision für kommendes Jahr aus: 2013 soll die Wirtschaft um 0,5 Prozent wachsen, im Sommer waren da noch 1,7 Prozent erwartet worden. Mit einem beschleunigten Wachstum von 1,7 Prozent wird erst für 2014 gerechnet, wie die OeNB am Freitag bekanntgab.

Nowotny forderte, dass Österreich auch im Wahljahr 2013 seinen Budget-Konsolidierungskurs fortsetzen sollte. Der mittelfristige Konsolidierungskurs habe sich eindeutig als erfolgreich erwiesen - ohne Schaden für die Konjunktur -, der "muss aber fortgesetzt werden", forderte er. Das gelte auch für 2013, obwohl Wahljahre "immer sehr heikel" seien. Die Budgetentwicklung sei "ein ganz zentraler Punkt für die österreichische wirtschaftliche Entwicklung - nach innen und nach außen", betonte Nowotny. 2012 werde die Defizitquote bei drei Prozent erwartet, für 2013 sehe die OeNB einen Rückgang - auf 2,1 Prozent des BIP - voraus

Zwiespältiges Bild

Erstmals hat Nowotny die Prognoserevisionen der EZB für den Euroraum vorgelegt. Demnach wurde die Wachstumsprognose für 2012 von ursprünglich -0,1 Prozent auf -0,4 Prozent und zuletzt auf -0,5 Prozent reduziert. Für 2013 fielen die Revisionen noch dramatischer aus, nämlich von ursprünglich 1,1 Prozent Plus auf 1,0 Prozent, dann 0,5 Prozent und zuletzt auf -0,3 Prozent.

Das Bild der gestern veröffentlichten EZB-Prognose sei zwiespältig. Einerseits gebe es positive Signale am Anleihemarkt, wo die Renditeaufschläge seit Jahresmitte deutlich zurückgegangen seien, andererseits hätten sich die Aktienmärkte sehr gut entwickelt - wenn man dies als vorauseilenden Indikator sehen wolle. Bei der Inflation sehe man eine sinkende Tendenz, eine tendenziell positive Entwicklung.

Exporte sollen stützen

Problematisch sei die Realwirtschaft. Hinter der Prognosereduktion für 2013 im Euroraum auf -0,3 Prozent stehe im einzelnen ein Minus beim staatlichen Konsum von 0,6 Prozent und von -2,6 Prozent bei den Investitionen - hauptsächlich die öffentlichen Investitionen gingen stark zurück. Gegengewicht seien die Exporte, bei denen ein Plus von 2,6 Prozent erwartet werden. Insgesamt ergebe sich ein "sehr negativer Wert" für den gesamten Euroraum. "Wir sind eindeutig in einer Rezessionssituation", so Nowotny.

Deutschland und China ebenfalls pessimistisch

Auch die chinesische Regierung rechnet im kommenden Jahr offenbar nicht mit einem schnelleren Wirtschaftswachstum. Das Wachstumsziel werde voraussichtlich bei 7,5 Prozent belassen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag von mehreren mit den internen Planungen vertrauten Personen."

Die Deutsche Bundesbank stimmt in den Chor der Konjunkturpessimisten ein. 2013 traut die Notenbank der deutschen Wirtschaft nur noch ein Miniwachstum zu. Die Notenbank kappte ihre Prognose aus dem Sommer deutlich von 1,6 Prozent auf 0,4 Prozent. Das Wachstum dürfte "angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Teilen des Euroraums und der weit verbreiteten Verunsicherung geringer ausfallen", begründete die Bundesbank am Freitag in ihrer halbjährlichen Konjunkturprognose.

(APA)

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