Wien: Chef kündigt schwangere Frau am Spitalsbett

07.12.2012 | 14:14 |   (DiePresse.com)

Der Chef einer Fußpflegerin erkundigte sich per SMS nach dem Krankenzimmer und übergab der Frau am Krankenbett die Kündigung.

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Die Arbeiterkammer Wien berichtet von einem besonders "krassen" und "herzlosen" Fall eines Rauswurfs. Einer schwangeren Fußpflegerin ist am Krankenbett gekündigt worden, teilte die AK mit. Die Frau war wegen Blutungen im Krankenhaus. Am dritten Tag erhielt sie unliebsamen Besuch: Der Chef kam persönlich vorbei und übergab ihr die Kündigung.  "Diese Vorgangsweise ist für die betroffene Frau - sie hat bereits zwei Kinder verloren - eine kaum zu ertragende psychische Belastung. Selbst die Tatsache, dass eine Kündigung in der Schwangerschaft rechtsunwirksam ist, kann da nur eine kleine Erleichterung sein", empört sich die Arbeiterkammer.

Die Fußpflegerin - sie verdient für 40 Wochenstunden etwas mehr als 1100 Euro brutto im Monat - hatte am 26. November erfahren, dass sie schwanger ist und ihren Arbeitgeber am 29. November darüber informiert. An diesem Tag hat die Frau laut Arbeiterkammer trotz Blutungen den ganzen Tag gearbeitet. Da die Beschwerden nicht nachließen, fuhr sie am nächsten Tag ins Krankenhaus und meldete dem Arbeitgeber per SMS, dass sie nicht am Arbeitsplatz erscheinen könne. Am 2. Dezember erkundigte sich der Chef per SMS nach der Zimmernummer - um ihr einen Besuch abzustatten.

"Ein Fall von vielen"

Laut Alexander Tomanek von der Arbeiterkammer ist dies "ein Fall von vielen". Kündigungen im Krankenstand oder der Druck zu einer "einvernehmlichen Lösung" im Krankheitsfall würden immer häufiger.

Der Wiener Fußpflegerin könnte übrigens die Situation drohen, dass sie sich - vor Weihnachten - auch noch nach einer neuen Wohnung umschauen muss. Sie wohnt nämlich in einer Wohnung ihres Arbeitgebers. Und auch hier gibt es Probleme, etwa mit der Einbehaltung der Kaution, so die Arbeiterkammer Wien. Der Fall sei "besonders perfide" und werde die Kammer wohl noch länger beschäftigen.

(APA)

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54 Kommentare
 
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wer hat Angst vor der totalen Demokratie?

.

warum sperrt man diesen Menschen nicht umgeht ein?

das ist doch psychoterror!

Haben wir noch zu wenig Arbeitnehmervertreter?

Die solche unmenschlichen Vorgangsweisen erlauben?

10 Arbeiterkammern,
10 ÖGB´s
und weil das zu wenig ist, auch noch viele Fachgewerkschaften, jede wieder mal 10
10 Sozialminister*
10 Frauenminister*
10 Arbeitsminister*

*Einmal im Bund und 9x mit gleichen Aufgaben in den Ländern.

Über 770 Abgeordnete und 94 hochbezahlte Regierungsmitglieder.....

Und niemand stört das!

3 1

also als erstes ist ja diese kündigung unwirksam

daher kann der die auch nicht aus der wohnung rauswerfen!

also zuallererst am besten gleich bis zur geburt im krankenstand bleiben.

sollte das mein fußpfleger sein - wird der mich nie wieder sehen!

Was für eine dumme Idee

Offenbar gibt es auch ziemlich ahnungslose Chefs.

Was für eine dumme Idee

Offenbar gibt es auch ziemlich ahnungslose Chefs.

Was für eine dumme Idee

Offenbar gibt es auch ziemlich ahnungslose Chefs.

Was für eine dumme Idee

Offenbar gibt es auch ziemlich ahnungslose Chefs.

Diese Beispiele unter einem SPÖ Sozialminister!

Einem SPÖ Bundeskanzler
10* Arbeiterkammern
10* ÖGB´s
10* Arbeitsnimister
10* FrauenminsiterInnen

usw.

* Einmal im Bund und 9x mit gleichen Aufgaben in den Ländern.

Statt aufzuzeigen sollten die AK Abgeordneten im Nationalrat das rasch ändern. Bis heute gibt es dazu von ihnen keinen Antrag!

der eigentliche skandal

ist wohl, dass die AK wieder einmal eine Bühne erhält, um von "vielen Fällen " zu berichten, ohne einen Beweis dafür anbieten zu müssen...

Auch wenn hier über 2000 gleiche Fälle berichtet würde,

würden Typen wie Sie behaupten, dass das alles Einzelfälle sind...

6 1

Deshalb merket: Eine Schwangerschaft kann den Job kosten.

Das wird zwar rechtlich nicht halten,
aber stellt sicher eine zusätzliche Motivation dar bei der Kinderplanung.

3 0

ja leider

die auswüchse eines pervertierten systems, aber man muss auch sagen , dass solche betriebe doch die minderheit darstellen.

"Ched" - der übliche ÖVP-Wähler und WKO-Kammermitglied!

Die interessieren sich nicht für Gesetze, die andere schützen.
Die wollen nur abcashen!
Wie halt alle ÖVPler.

Re: "Ched" - der übliche ÖVP-Wähler und WKO-Kammermitglied!

Das ist mit Abstand der größte Blödsinn den ich seit langen gelesen habe, da ist sogar Strassers Verfolgungswahn ein Lärcherlsch..!

Re: Re: "Ched" - der übliche ÖVP-Wähler und WKO-Kammermitglied!

Tja, da staunen Sie!
Und übersehen ganz den vollverdrecken Durchschnittskopfpolster auf dem Photo oben links!

Re: Re: Re: "Ched" - der übliche ÖVP-Wähler und WKO-Kammermitglied!

Staunen tue ich über Ihren überflüssigen Kommentar nicht. Eher schon das Sie über ein Symbolfoto diskutieren wollen, sorry ohne mich!

Sie sollten über Ihre 77% negative Bewertungen nachdenken!

Bürgschaft!

11 1

Re: "Ched" - der übliche ÖVP-Wähler und WKO-Kammermitglied!

Wohl noch nicht mitbekommen, dass Unternehmer ZWANGSmitglieder bei der Kammer sind?

Egal was ansonsten noch dahinter steckt...

...so geht es weder rechtlich noch menschlich! Die Chefs sollten sich bewußt sein, daß sie ohne ihre Arbeitnehmer nichts sind und auch kein Geld verdienen. Ebenso haben sich die Arbeitnehmer an die Spielregeln zu halten. Ein Verstoß steht hier aber nicht im Raum

Fest steht jedenfalls, daß wir alle, die als Arbeitnehmer tätig sind, in den zu erwartenden schlechten Zeiten früher oder später die Brutalität der Arbeitgeber zu spüren bekommen werden, denn sie haben etwas, das begehrt ist und immer weniger wird: Arbeitsplätze mit Lohnaussicht!

0 2

Re: Egal was ansonsten noch dahinter steckt...

mit ein bischen solidarität - das heisst bei so einem ausbeuter arbeitet man nicht!

ist der bald weg vom fenster!


Re: Egal was ansonsten noch dahinter steckt...

Echte Problemlösungen gibt's in der Realität nur dann, wenn man auch die Probleme des jeweils anderen versteht und mit berücksichtigt.

Also nur 2 simple Beispiele, obwohl es wesentlich mehr gibt: ein AN verdient mit seinem Lohn/Gehalt seinen Lebensunterhalt, ein AG verdient mit einem Mitarbeiter kein Geld, wenn dieser (egal aus welchen Gründen) nicht arbeitet.

Dazu kommt, die meisten denken immer nur in den "politischen Großkategorien" von Firmen, in Östereich gibt's aber vorwiegend KMU's.

Und auch dazu ein kleines "Ich-Beispiel": Wenn "ich" als Unternehmer mit einem Arbeitnehmer, also wenn 2 Personen sich zu zweit den gemeinsamen Lebensunterhalt verdienen, so werde "ich" es nicht schaffen, auf etwas längere Dauer allein den Lebensunterhalt für 2 Personen, nämlich für mich plus den Arbeitnehmer im Krankenstand, zu erarbeiten.

Re: Re: Egal was ansonsten noch dahinter steckt...

Ich kann Ihr Argument durchaus nachvollziehen; verstehen werde ich es aber nicht. Jeder Arbeitgeber muß sich im Klaren sein, daß das Humanpotential seiner Firma eben einmal krank werden kann. Aus dieser misslichen Situation helfen aber gerne Leiharbeitskräfte weiter. Es ist auch immer eine Sache von wann und wie. Ich würde einen Arbeitnehmer niemals in einem Krankenstand absehbarer Länge und auch nicht so kurz vor Weihnachten kündigen. Solch ein Gespräch hat auch noch die paar Wochen Zeit.

Re: Re: Re: Egal was ansonsten noch dahinter steckt...

Ich versuche einmal das von den Risiken und Pflichten her zu formulieren, eventuell wird dann verständlicher was ich meine?

1) AN wird krank: Dieses Risiko trifft zuerst den AG, denn er muss das Entgelt = Unterhalt des AN + Familie weiter bezahlen.
2) AG wird krank: Dieses Risiko trifft ebenfalls den AG, denn er + Familie erhalten keine Bezahlung = Unterhalt ohne Arbeit.

Und ja, mit Krankenständen und sonstigem "muss man rechnen", richtig. Dazu jedoch ein kleines nur, denn nicht alles mit was man rechnen muss ist im Fall der Fälle auch bezahlbar.

Zu den Leiharbeitern, diese gibt's nicht immer über Nacht, sie kosten im Prinzip (zusätzlich) in etwa so viel wie der ausgefallene AN, und sie verursachen, in gar nicht so wenigen Fällen, mehr Arbeit als sie selbst erledigen.

Nochmals, mein Beispiel 2-Mann-Firma ist sicher nicht der Normalfall. Es sollte nur zeigen, dass die Probleme bei den normalen, österr. KMU's anders gelagert sind, als sie des öfteren in den öffentlichen Diskussionen (über Großfirmen) zum Vorschein kommen.

Sie verstehen nicht,...

...dass Leiharbeitskräfte zusätzliche Kosten verursachen?


Re: Egal was ansonsten noch dahinter steckt...

Doch hier ist ein Verstoß gegen österreichisches Gesetz! Sobald eine Mitarbeiterin eine Schwangerschaft meldet ist sie unter Kündigungsschutz!

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Das echte Problem

dieses Falles wird ja wohl eher der oder die Kündigungsgründe im Hintergrund sein. Vom persönlichem Verhältnis zwischen den handelnden Personen, welches ja bei "Arbeitnehmerin wohnt in einer Wohnung des Arbeitgebers" ursprünglich ja auch nicht das Schlechteste gewesen sein sollte, bis hin zu was hier niemand weiß.

Auch wenn die Optik gem. Berichterstattung ziemlich schief und einseitig ist, dass es sofort auch so viel einseitige Zustimmung ohne Zusatzfragen gibt, stimmt doch etwas bedenklich?

 
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