Nur die Beamten haben real mehr Geld als vor 14 Jahren

Die Inflation hat in den Jahren seit 1998 einen guten Teil der Einkommenszuwächse weggefressen. Niedrigere Einkommen sind real stärker gesunken als höhere. Am besten verdient man hierzulande als Freiberufler.

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Wien/Hie. Die Einkommen der Österreicher sind in den letzten zehn Jahren zwar gestiegen. Die Inflation hat einen deutlichen Teil der Zuwächse aber wieder aufgefressen. Seit dem Jahr 1998 ist das mittlere Nettoeinkommen der Angestellten in Österreich real um nur ein Prozent gewachsen, hat also quasi stagniert. Die Vertragsbediensteten im öffentlichen Dienst sind da schon miteinberechnet. Das mittlere Einkommen der Arbeiter ist inflationsbereinigt um acht Prozent gesunken. Einzig die Beamten haben im Durchschnitt deutlich an Kaufkraft gewonnen: Das mittlere Einkommen ist heute – netto und inflationsbereinigt – um 18 Prozent höher als im Jahr 1998. Das geht aus dem aktuellen Einkommensbericht des Rechnungshofes hervor, der alle zwei Jahre erscheint.

Das Medianeinkommen der rund vier Millionen heimischen Unselbstständigen betrug im Vorjahr 24.843 Euro brutto. Die Hälfte der Einkommen liegt unter, die andere Hälfte über diesem Wert. Die 1,6 Millionen Arbeiter in Österreich verdienten im Mittel 18.157 Euro brutto. Der mittlere Angestellte hatte ein Bruttoeinkommen von rund 28.000 Euro.

Die Beamten verbuchten nicht nur die höchsten Steigerungen, sondern auch die höchsten Einkommen: Die Hälfte von ihnen verdiente 2011 mehr als 49.274 Euro. Das liegt auch daran, dass der Akademikeranteil in dieser Berufsgruppe hoch ist. Der starke Anstieg der Beamteneinkommen hat aber auch einen statistischen Grund: Die ÖBB melden seit dem Jahr 2002 keine ihrer Bediensteten mehr als Beamte. Damit ist die Zahl der Beamten um rund 50.000 zurückgegangen und eine große Gruppe weggefallen, deren Einkommen im Vergleich zum Verdienst der anderen Beamten unterdurchschnittlich ist. Deshalb ist das mittlere Einkommen überdurchschnittlich angestiegen.

Die niedrigen Einkommen sinken tendenziell stärker als die hohen. 1998 lagen die niedrigsten zehn Prozent der unselbstständigen Einkommen unter der Grenze von 2761 Euro im Jahr. Bis 2011 sank die Grenze auf 2436 Euro.

 

Energiebranche bietet am meisten

Frauen verdienen über alle Beschäftigungsgruppen hinweg um 40 Prozent weniger als Männer. Ein guter Teil davon kann allerdings durch Teilzeitarbeit erklärt werden. Vergleicht man ganzjährig Vollzeitbeschäftigte, sinkt der Unterschied auf 19 Prozent. Ganzjährig vollzeitbeschäftigte Beamtinnen verdienen sogar etwas mehr als ihre männlichen Kollegen. In der Privatwirtschaft hingegen liegt die Differenz auch bereinigt um die Teilzeit bei 34 Prozent. Arbeiterinnen verdienen um 31 Prozent weniger als ihre männlichen Pendants.

Wie viel man in Österreich verdient, hängt auch stark von der Branche ab: Die besten Einkommen finden sich in der Energieversorgung, wo die Hälfte der Beschäftigten mehr als 50.600 Euro brutto im Jahr verdient. An zweiter Stelle liegt das Finanz- und Versicherungswesen: Hier beträgt das Brutto-Medianeinkommen knapp 41.000 Euro im Jahr. Am niedrigsten sind die Einkommen mit 9460 Euro Mittelwert in Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben. Am besten verdienen aber die Freiberufler: Das mittlere Bruttoeinkommen der Fachärzte betrug zuletzt 114.000 Euro, Rechtsberater nahmen 61.000 Euro ein.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2012)

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