Steirische ACC insolvent: 680 Mitarbeiter betroffen

20.12.2012 | 11:11 |   (DiePresse.com)

Das Unternehmen stellt als weltweiter Technologieführer Kühlmittelverdichter für Haushaltskühlgeräte her. Die Mitarbeiter sollen weiter beschäftigt werden.

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Der oststeirische Kompressorenhersteller ACC Austria GmbH mit Sitz in Fürstenfeld hat am Donnerstag das am Tag zuvor angekündigte Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung am Handelsgericht Graz beantragt. Auch die italienische Muttergesellschaft und die deutsche Tochter sind insolvent, wie von den Kreditschutzverbänden AKV und KSV mitgeteilt wurde. Die rund 680 Mitarbeiter sollen weiterbeschäftigt werden, der Betrieb über den Verkauf des chinesischen Produktionsstandortes bzw. aus Mitteln der Muttergesellschaft geschafft werden. Die Aktiva belaufen sich auf rund 54,1 Millionen Euro, die Passiva rund 91,5 Millionen (beides going concern Werte), die Überschuldung beträgt somit rund 37,4 Millionen Euro. Von der Insolvenz betroffen sind 473 Gläubiger. Geplant ist, den Gläubigern eine Quote von 30 Prozent - zu bedienen binnen zwei Jahren - anzubieten.

Die Insolvenzursache dürfte mit der wirtschaftlichen Entwicklung der ACC Gruppe und der Wirtschaftskrise verbunden sein: Vor diesem Hintergrund habe die Gruppe bereits 2009 mit einem tief greifenden Restrukturierungsprogramm begonnen, so der KSV. Liquiditätsprobleme anderer Unternehmen des Konzerns hatte die Fürstenfelder ACC abgedeckt. Aufgrund des Insolvenzverfahrens der Muttergesellschaft in Italien sind aber nun offene Forderungen der Fürstenfelder (laut Kreditschützern unter Berücksichtigung von Gegenforderungen) von rund 14 Millionen Euro vorhanden.

Auftragslage ist gut

Auch die 100-prozentige deutsche Tochter ACC Deutschland befindet sich nach Einleitung eines Konkursverfahrens in Liquidation. Durch diese Insolvenz wurde ACC mit Haftungen aus einer Garantieerklärung in der Höhe von 5,4 Millionen Euro konfrontiert. Den Kreditschützern zufolge sind die Hauptkunden daran interessiert, die Restrukturierung der ACC Gruppe zu unterstützen. Ab diesem Wochenende sind Wartungsarbeiten vorgesehen, ab Jänner 2013 ist die vollständige Wiederaufnahme der Produktion geplant. An eine Kündigung von Mitarbeitern ist nicht gedacht.

Der angestrebte Sanierungsplan soll laut AKV insbesondere aus dem Verwertungserlös der zu verkaufenden chinesischen Tochter finanziert werden. Des weiteren sollen Mittel aus der Unternehmensfortführung einfließen. Die Auftragslage sei nach Angaben der Firma gut.

ACC besteht seit 1982 in Fürstenfeld

Das Unternehmen, welches als weltweiter Technologieführer hermetisch geschlossene Kühlmittelverdichter für Haushaltskühlgeräte herstellt, besteht seit 1982 in Fürstenfeld. Der Standort Fürstenfeld ist sowohl Produktionsstandort als auch Konzernstandort der ACC Gruppe, weitere Niederlassungen gibt es in Deutschland, China und den USA. Der Jahresumsatz belief sich zuletzt auf rund 167 Millionen Euro. Produziert werden jährlich etwa 5,5 bis 6 Millionen Kompressoren, bei einer Exportquote von 95 Prozent.

(APA)

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5 Kommentare

Wer sich dem scheiternden Staat China einläßt verliert

und das ist gut so...


Nau schau, die EU sichert ja unsere Arbeitsplätze!

Sagen Sie das den 680 Mitarbeitern!

alltägliche Grauslichkeiten/od. wie verhindere ich halbkaputte chin. Freundlichkeiten

Wir wollen an Lebensqualität mehr-am Meer!!!
Damit meine ich: Wer lieber in seine Urlaubsdestinationen investiert, wie in ein hochwertiges MADE IN AUSTRIA Product, darf sich nicht wundern, wenn unsere heimatlichen (bestimmt besseren) Fabrikate den chinesischen Bach runter gehen. Ganz egal wo, wie ,was, sie schwindeln (BETRÜGEN) bei den vorsätzlich eingebauten Kurzlebigkeitsmechanismen um zahlungswillige Konsumenten (weitab von der chinesischen Mauer) in ihrer Ahnungslosigkeit überm Tisch zu ziehen.

...weitere Niederlassungen gibt es in Deutschland, China und den USA....

bald wird in der liste nur mehr China überbleiben... china ist zum totengräber der weltweiten wirtschaft geworden! wann denkt die eu eigentlich um? wann österreich?
wann schließen österreichische unternehmer ihre pforten in china? und produzieren wieder in Ö? vielleicht teurer aber dafür in besserer qualität!
eine große nische sehe ich derzeit in der bekleidungsbranche und bei kinderspielzeug! die österreichischen konsumenten sind verunsichert, was die chemische vergiftung betrifft und auch die ausbeutung der billigstarbeitskräft bis hin zu ihrer physischen vernichtung goutieren sicher die meisten österreicher nicht mehr!
mehr selbstbewußtsein, mehr sinn für qualität, die sich in einem längeren produktleben niederschlägt, mehr sinn für das gemeinwohl (hat man zuletzt bei dem waldviertler schuhhersteller gesehen!) all das könnte den produzentenstandort österreich stärken helfen!
lieber herr leitl, werden sie aktiv! schreibt eine konsumentin, die wahlweise immer zu österreichischen produkten greift

Re: ...weitere Niederlassungen gibt es in Deutschland, China und den USA....

Antwort:
Wann denken wir eigentlich um? Wann denken wir mal dran, wenn wir "made in china" kaufen, wir unseren Job unterm Hosenboden killen? Keiner! Und das ist das Resultat. Da ist niemand anderer schuld als unser ureigenes "geiz ist geil"! Dinge müssen eines sein: Billig!
Ruskin (Philosoph / Harvard) statete: Wer billig kauft, kauft teuer! (weil dann der eigene Arbeitsplatz weg ist!!!!!!)

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