Gruppe um Ex-Kanzler Gusenbauer kauft Backhausen

20.12.2012 | 15:10 |   (DiePresse.com)

Nach 160 Jahren im Familienbesitz wird Backhausen verkauft. Die Gruppe um den indischen Seidenfabrikanten Chamundi Silks kommt nicht zum Zug.

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Mit dem heutigen Tag wird für die österreichische Traditions-Textilfirma Backhausen ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nach über 160 Jahren im Besitz der Familie Backhausen ist das Stoffproduzentenunternehmen an eine österreichische Investorengruppe rund um Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer und die Hypo Niederösterreich verkauft worden. Ein Einstieg des austro-saudischen Scheichs Mohamed Bin Issa Al Jaber scheiterte ebenso wie ein Investment einer Gruppe um den indischen Seidenfabrikant Chamundi Silks und der österreichischen Sanierungsgesellschaft Value Management Services (VMS). Der Sanierungsplan wurde abgelehnt und mündete in einem Konkurs.

Konkret übernimmt die BHN Sileo GmbH Backhausen zu 100 Prozent, gaben die Firma sowie die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und AKV am Donnerstag bekannt. Etwa zehn bis 20 der Mitarbeiter werden eingespart, sagen die neuen Eigentümer. Backhausen beschäftigt knapp über 100 Personen, 80 davon in der Produktion in Hoheneich im Waldviertel. Das Geschäft am Wiener Schwarzenbergplatz wird aufgelöst. Die Käuferin BHN Sileo gehört zu 44 Prozent der Hypo-Niederösterreich-Tochter Strategic Equity Beteiligungs-GmbH, zu 51 Prozent der Cudos Wenti BeteiligungsgmbH. Weitere fünf Prozent hält die Interfides von Wirtschaftsprüfer Werner Festa und Jürgen Teubenbacher. Die Cudos Wenti BeteiligungsgmbH ist zu 100 Prozent im Besitz der Cudos Wenti AG (Gusenbauer ist Aufsichtsratsvorsitzender der Cudos Wenti AG, an der er auch 25 Prozent hält). Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Als Geschäftsführer wurden Wolfgang Lackinger und Jürgen Teubenbacher eingesetzt. Lackinger war übrigens Mitglied des Gläubigerausschusses. Die Familie Backhausen wird im Unternehmen keine Rolle mehr spielen, sagen die neuen Eigentümer.

Backhausen war "K. & K. Hoflieferant"

Einst stattete das Textilunternehmen Wiener Repräsentationsbauten wie die Staatsoper, das Parlament und das Kaiserhaus aus, woraufhin ihm 1888 der Titel "K. & K. Hoflieferant" verliehen wurde. Sehe man von den Kriegsjahren ab, habe es nie gröbere Schwierigkeiten in dem Betrieb gegeben, sagte (Ex)-Firmenchef Reinhard Backhausen am Donnerstag. Die Wirtschaftskrise ab 2008 traf die Firma dann hart, die Umsätze brachen ein, zahlreiche Projekte mussten auf Eis gelegt werden. Die Konkurrenz aus Asien verschärfte den Druck zusätzlich.

Im Jahr 2010 fuhr das Unternehmen bei einem Umsatz von 11,98 Millionen Euro (nach 12,23 Mio. Euro) unter dem Strich einen Verlust von rund 647.000 Euro ein. Das Betriebsergebnis war mit 546.000 Euro negativ, nachdem es im Jahr davor noch 182.000 Euro ausmachte. Die Bilanz für das Jahr 2011 gibt es immer noch nicht. Im Testat für 2010 hielt der Wirtschaftsprüfer Deloitte fest: "Ohne den Bestätigungsvermerk einzuschränken, weisen wir darauf hin, dass der Fortbestand der Gesellschaft wesentlich davon abhängt, ob der im Jahr 2011 festgelegte Restrukturierungsplan sowie die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Finanzierung der Gesellschaft in den Jahren 2011 und 2012 umgesetzt werden."

Österreichische Lösung als "Plan B"

Die größte Backhausen-Gläubigerin Hypo Niederösterreich drängte, einen Investor an Bord zu holen und schlug ausgerechnet Al Jaber vor. Investments des Scheichs mit österreichischem Pass erwiesen sich hierzulande schon des öfteren als Fata Morgana. Das erfuhren vor Backhausen auch die Skifirma Kneissl und die AUA. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Backhausen-Brüdern verkündete Al Jaber Ende September seinen Mehrheitseinstieg bei Backhausen an. Um die Stoffproduktionsfirma zu retten, hätte Al Jaber 3,2 Millionen Euro zuschießen sollen. Er zahlte jedoch nur 350.000 Euro und blieb 2,85 Millionen Euro bis zum letztmöglichen Zeitpunkt schuldig. Daraufhin reichte es der Hypo, das Sanierungsverfahren wurde eingeleitet.

Laut Masseverwalter Wolfgang Mayrhofer handelt es sich bei den nun zum Zug gekommenen Käufern um einen "Plan B". VMS und Chamundi Silks seien nicht in der Lage gewesen, das nötige Kapital aufzubringen. Aus seiner Sicht wären sie aber die Favoriten gewesen. VMS-Geschäftsführer und -Miteigentümer Paul Niederkofler widersprach dem bereits gestern. Die nötige Summe von einer Million Euro hätte aufgebracht werden können.

1849 gegründet

Die Firma Karl Backhausen & Co wurde 1849 gegründet. In der 1870 errichteten Fabrik in Hoheneich im Waldviertel werden nach wie vor Möbel- und Dekostoffe produziert. Die Verkaufszentrale befindet sich in der Schwarzenbergstraße im 1. Wiener Bezirk. Sie wurde von den neuen Eigentümern nicht mitübernommen. Was damit passiert, ist noch nicht klar. Backhausen stattet Hotels, Schlösser, Theater- sowie Konzerthäuser aus und beliefert den Fachhandel. Exportiert wird in 40 Länder. Die Firma beschäftigt knapp über 100 Personen, 80 davon in der Produktion in Hoheneich im Waldviertel.

(APA)

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28 Kommentare
 
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und wie heißen sie jetz ?

backgusi oder gusiback oder.........

Schon Schwach

Da hat sich Androsch seinerzeit schon ganz andere Kaliber von Firmen unter den Nagel gerissen.

Re: Schon Schwach

Androsch war so geschickt wie die Russischen Oligarchen, und hat sein Vermoegen genau so wie jene erworben. Die Austro-Menschewiki und die Bolschewiki waren immer aehnlich....
Aber er hat zumindest kein Barvermoegen in Milliardenhoehe gestohlen, und seine Qualitaeten als Industriekapitaen sind doch nicht zu unterschaetzen (nun unabhaengig von der Moralitaet). Der Raubmoerderstil, der sich mit Lucona ueber Konsum und die BAWAG etc. bis nach Salzburg in der Paddei etabliert hat, ist allerdings eine ganz andere Dimension.

Hypo Niederösterreich = Land Niederösterreich

Nur ums gleich mal festzustellen. Also wurde ein "kleiner" Kredit gewährt und der Onkel Erwin hat nicht zusätzliche Arbeitslose. Den Verbliebenen wird dann erklärt, dass es dem Onkel Erwin höchstpersönlich ein Anliegen war, diese Firma zu retten.

Liebe Bankenaufsicht, bitte kontrolliert gleich die Hypo-NÖ. Eine Bank die eine Firma kauft, wo die Geschäftsberichte für 2011 im Dezember 2012 noch nicht vorlegen kann, ist mir persönlich ein wenig suspekt.

Nichts desto trotz kann unser Gusi jetzt seine wirtschaftliche Kompetenz ausleben, die Firma retten und zum Weltmarktführer ausbauen.

Eine erstaunliche Metamorphose:

aus der Sandkiste zum Moskauer Bodenküsser zum Bundeskanzler-Amt zum Arbeitsplatz-Vernichter.

Küsst der Fredi jetzt den Boden der Wall-Street?

Demnächst: Gusenbauer bewirbt sich im Konklave um den Hl.- Stuhl.

Dieser Kauf kann vielleicht sehr viel erklären:


Könnte es möglich sein, dass an den alten und neuen vorgeblichen "Spekulationsverlusten" nicht sehr viel dran ist?

Könnte es möglich sein, dass gar nicht "spekuliert", sondern schlicht und ergreifend umgeschichtet und verschoben wurde?

"Und mein Vater war ein Hausherr und ein Seidenfabrikant

Und jetzt ist das der Spitzensozialist und aserbeidschanische (oder wo auch immer) Präsidentenberater Gusenbauer Alfred. Und die Konkursmasse war sicher ein Schnäppchen so wie alle früheren Regierungsobersozialisten über Schnäppchen meistens aus Staats- und Staatsbankeneigentum zu echten Kapitalisten wurden..........

Sehr sozialdemokratisch...

Firmen aufkaufen und Arbeitsplätze streichen.

Re: Sehr sozialdemokratisch...

Da war doch was mit einem Schifabrikanten und der OeGB-BAWAG-Bank?

Elsner & Co trieben Alois R. (er war Träger des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Salzburg)? in die Insolvenz und verscherbelten die Fabrik zu einem Schnäppchen. Über "die Masse" wurden die Gläubiger fast zu 100 "erfüllt".

Re: Sehr sozialdemokratisch...

… als eine Firma untergehen zu lassen und *alle* Arbeitsplätze zu verlieren?

Österreich ist mittlerweile dermaßen Rot/Schwarz verfilzt dass ohne Politik in der Wirtschaft überhaupt nichts mehr geht

Zuerst dürfen die Unternehmen die Steuern zahlen bis sie pleite gehen und dann kauft sie einer der weiß wei man am besten das Steuergeld für sich arbeiten lässt (und schreit dann "Soziale Wärme")

Dass eine solche Wirtschaft nicht mehr lange gut laufen kann und die Normal-Bevölkerung immer weiter verarmt wie in Österreich ist klar.

Re: Österreich ist mittlerweile dermaßen Rot/Schwarz verfilzt ...

Österreich, eine "wirtschaftskonforme Demokratie" (Merkl), auf gut dt.: Wirtschaftsdiktatur sozialistischer Prägung!
.
Bin nur gespannt, was nach Faymann kommt, wenn er all'seine Aufträge durchgezogen hat. Dass Gusenbauer die Geschichte Österreichs weiter beeinflusst, hätte ich nicht gedacht; Übt er sich mit dem Widerpart Schüssel im Seil- oder Blochziehen?

Al Jaber,dann Gusenbauer....

...Sozialismus hat viele Gesichter!Androsch mit Finanzgruppe,Taus mit Finanzgruppe,Klima mit Gruppe,Vranitzky mit 4 Pensionen! Man kriegt eigentlich ein mulmiges Gefühl dabei,wie diese ehem.Politiker mit der Geldwirtschaft auf DU sind. Es sieht aus als sei Politik nur Mittel zum Zweck!

Re: Al Jaber,dann Gusenbauer....

Lieber siochana, Du tust ihnen Unrecht, denn sie halten ja immer schöne sozialistische Reden zhum Thema.

Re: Al Jaber,dann Gusenbauer....

Ja ja der Taus ....

Der Josef Taus ist der schwarze "Jolly Joker" der Roten.

5 Tage vor der Nationalratswahl 2006 hat er mit medialer Unterstützung seinem Freund Elsner mit viel Geld in Frankreich besucht und dies ihm vor blitzenden Kameras übergeben.

Schüssel musste dies 5 Tage später bei der Wahl ausbaden.

Re: Al Jaber,dann Gusenbauer....

Ja ja der Taus ....

Der Josef Taus ist der schwarze "Jolly Joker" der Roten.

5 Tage vor der Nationalratswahl 2006 hat er mit medialer Unterstützung seinem Freund Elsner mit viel Geld in Frankreich besucht und dies ihm vor blitzenden Kameras übergeben.

Schüssel musste dies 5 Tage später bei der Wahl ausbaden.

na wenn der Gruselbauer mit dabei ist....

kann ja (fast) nix mehr schief gehen .....

Re: na wenn der Gruselbauer mit dabei ist....

Gusi macht den Strohmann für ...den eleganten üblichen milliardenschweren Unverdächtigen im Trattnerhof

Re: Re: na wenn der Gruselbauer mit dabei ist....

Wo ist der Trattnerhof?

Das BAWAG-Geld kommt an die Oberflaeche

Na, woher hat der Gusi denn sein Geld?

Re: ... woher hat der Gusi denn sein Geld?

War doch einige Monate an der Spitze Österreichs:

"wohl erworben"?

"wohlerworben"

oder 'was!

Re: Das BAWAG-Geld kommt an die Oberflaeche

Wie auch immer. Die roten Helfer wurden alle freigesprochen.

Was mir auch klar war: Denn die Angst das einer von Ihnen aupackt, bedeutet für die SPÖ, dass sie einpacken kann.

Und Geld einparken ist der SPÖ lieber als politisch Einpacken zu müssen.

Re: Das BAWAG-Geld kommt an die Oberflaeche

und das exakt ist der nicht unerhebliche Kritikpunkt, das Problem bzw. die offen erkennbare unsichtbar steuernde rote Hand hinter den BAWAG Prozessen. Der Rest ist schmuckes aber völlig bedeutungsloses Beiwerk für die Medien und die Klatschpresse und interessiert nur die Jessicas und Kevins.

Entscheidend (nicht nur für das gesunde Rechtsempfinden) ist allein:

Wo sind die enormen Summen abgeblieben?
Wer verwaltet diese jetzt?
Gelder verschwinden nie sonder sie wechseln nur den Besitzer.

Die magische, und völlig unerklärliche über-die-Nacht Entschuldung der finanziell schwer angeschlagenen SPÖ unter Gusi (und den üblichen "schlaffen" Unverdächtigen) deckt sich perfekt mit dem Auffangunternehmen für Backhausen. Das Auffangunternehmen wurde Stunden nach der Gerichtsentscheidung, der reichen Dame nie wieder unter die Röcke zu gucken, gegründet...

Re: Das BAWAG-Geld kommt an die Oberflaeche

Danke, genau das war auch mein erster Gedanke. Wie erklärt er den Geldsegen?

Re: Re: Das BAWAG-Geld kommt an die Oberflaeche


Androsch-Salinen, ist das selbe Mysterium, oder auch die "Staatsdruckerei"!


wichtig ist die erhaltung der marke und der arbeitsplätze ....

und da ist mir der gusenbauer mit der hypo nö allemal lieber als seidene inder und spekulative restrukturierer.

stoffe von backhausen sind eine markenqualität, die sich weltweiten erfolg verdienen. damit hat der gusenbauer sein geld sicher gut angelegt.

 
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