Gruppe um Ex-Kanzler Gusenbauer kauft Backhausen

Nach 160 Jahren im Familienbesitz wird Backhausen verkauft. Die Gruppe um den indischen Seidenfabrikanten Chamundi Silks kommt nicht zum Zug.

Backhausen geht Gruppe ExKanzler
Schließen
Backhausen geht Gruppe ExKanzler
(c) APA (Hans Klaus Techt)

Mit dem heutigen Tag wird für die österreichische Traditions-Textilfirma Backhausen ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nach über 160 Jahren im Besitz der Familie Backhausen ist das Stoffproduzentenunternehmen an eine österreichische Investorengruppe rund um Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer und die Hypo Niederösterreich verkauft worden. Ein Einstieg des austro-saudischen Scheichs Mohamed Bin Issa Al Jaber scheiterte ebenso wie ein Investment einer Gruppe um den indischen Seidenfabrikant Chamundi Silks und der österreichischen Sanierungsgesellschaft Value Management Services (VMS). Der Sanierungsplan wurde abgelehnt und mündete in einem Konkurs.

Konkret übernimmt die BHN Sileo GmbH Backhausen zu 100 Prozent, gaben die Firma sowie die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und AKV am Donnerstag bekannt. Etwa zehn bis 20 der Mitarbeiter werden eingespart, sagen die neuen Eigentümer. Backhausen beschäftigt knapp über 100 Personen, 80 davon in der Produktion in Hoheneich im Waldviertel. Das Geschäft am Wiener Schwarzenbergplatz wird aufgelöst. Die Käuferin BHN Sileo gehört zu 44 Prozent der Hypo-Niederösterreich-Tochter Strategic Equity Beteiligungs-GmbH, zu 51 Prozent der Cudos Wenti BeteiligungsgmbH. Weitere fünf Prozent hält die Interfides von Wirtschaftsprüfer Werner Festa und Jürgen Teubenbacher. Die Cudos Wenti BeteiligungsgmbH ist zu 100 Prozent im Besitz der Cudos Wenti AG (Gusenbauer ist Aufsichtsratsvorsitzender der Cudos Wenti AG, an der er auch 25 Prozent hält). Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Als Geschäftsführer wurden Wolfgang Lackinger und Jürgen Teubenbacher eingesetzt. Lackinger war übrigens Mitglied des Gläubigerausschusses. Die Familie Backhausen wird im Unternehmen keine Rolle mehr spielen, sagen die neuen Eigentümer.

Backhausen war "K. & K. Hoflieferant"

Einst stattete das Textilunternehmen Wiener Repräsentationsbauten wie die Staatsoper, das Parlament und das Kaiserhaus aus, woraufhin ihm 1888 der Titel "K. & K. Hoflieferant" verliehen wurde. Sehe man von den Kriegsjahren ab, habe es nie gröbere Schwierigkeiten in dem Betrieb gegeben, sagte (Ex)-Firmenchef Reinhard Backhausen am Donnerstag. Die Wirtschaftskrise ab 2008 traf die Firma dann hart, die Umsätze brachen ein, zahlreiche Projekte mussten auf Eis gelegt werden. Die Konkurrenz aus Asien verschärfte den Druck zusätzlich.

Im Jahr 2010 fuhr das Unternehmen bei einem Umsatz von 11,98 Millionen Euro (nach 12,23 Mio. Euro) unter dem Strich einen Verlust von rund 647.000 Euro ein. Das Betriebsergebnis war mit 546.000 Euro negativ, nachdem es im Jahr davor noch 182.000 Euro ausmachte. Die Bilanz für das Jahr 2011 gibt es immer noch nicht. Im Testat für 2010 hielt der Wirtschaftsprüfer Deloitte fest: "Ohne den Bestätigungsvermerk einzuschränken, weisen wir darauf hin, dass der Fortbestand der Gesellschaft wesentlich davon abhängt, ob der im Jahr 2011 festgelegte Restrukturierungsplan sowie die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Finanzierung der Gesellschaft in den Jahren 2011 und 2012 umgesetzt werden."

Österreichische Lösung als "Plan B"

Die größte Backhausen-Gläubigerin Hypo Niederösterreich drängte, einen Investor an Bord zu holen und schlug ausgerechnet Al Jaber vor. Investments des Scheichs mit österreichischem Pass erwiesen sich hierzulande schon des öfteren als Fata Morgana. Das erfuhren vor Backhausen auch die Skifirma Kneissl und die AUA. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Backhausen-Brüdern verkündete Al Jaber Ende September seinen Mehrheitseinstieg bei Backhausen an. Um die Stoffproduktionsfirma zu retten, hätte Al Jaber 3,2 Millionen Euro zuschießen sollen. Er zahlte jedoch nur 350.000 Euro und blieb 2,85 Millionen Euro bis zum letztmöglichen Zeitpunkt schuldig. Daraufhin reichte es der Hypo, das Sanierungsverfahren wurde eingeleitet.

Laut Masseverwalter Wolfgang Mayrhofer handelt es sich bei den nun zum Zug gekommenen Käufern um einen "Plan B". VMS und Chamundi Silks seien nicht in der Lage gewesen, das nötige Kapital aufzubringen. Aus seiner Sicht wären sie aber die Favoriten gewesen. VMS-Geschäftsführer und -Miteigentümer Paul Niederkofler widersprach dem bereits gestern. Die nötige Summe von einer Million Euro hätte aufgebracht werden können.

1849 gegründet

Die Firma Karl Backhausen & Co wurde 1849 gegründet. In der 1870 errichteten Fabrik in Hoheneich im Waldviertel werden nach wie vor Möbel- und Dekostoffe produziert. Die Verkaufszentrale befindet sich in der Schwarzenbergstraße im 1. Wiener Bezirk. Sie wurde von den neuen Eigentümern nicht mitübernommen. Was damit passiert, ist noch nicht klar. Backhausen stattet Hotels, Schlösser, Theater- sowie Konzerthäuser aus und beliefert den Fachhandel. Exportiert wird in 40 Länder. Die Firma beschäftigt knapp über 100 Personen, 80 davon in der Produktion in Hoheneich im Waldviertel.

(APA)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Kommentar zu Artikel:

Gruppe um Ex-Kanzler Gusenbauer kauft Backhausen

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen