Gutachten: "Linz war über Risken informiert"

20.12.2012 | 18:13 |   (Die Presse)

Die Bawag habe der Stadt Linz oft angeboten, aus dem Swap auszusteigen. Durch Untätigkeit der Linzer soll der Schaden nun auf 417 Mio. Euro explodiert sein.

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Wien/Höll. Nach Auffliegen der Salzburger Spekulationsgeschäfte ist der Streit zwischen der Stadt Linz und der Bawag über riskante Finanztransaktionen ein wenig in Vergessenheit geraten. Doch nun hat die Bawag der Staatsanwaltschaft Dokumente vorgelegt. Darin werden die Verantwortlichen der Stadt Linz belastet. Bei der Auseinandersetzung geht es um den „Swap 4175“, eine komplizierte Franken-Zinsspekulation. Was als Absicherungsgeschäft gedacht war, entwickelte sich für die Linzer zum Desaster mit einem Verlust von bis zu 417 Mio. Euro.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen früheren Linzer Finanzdirektor und Finanzstadtrat, Johann Mayr (SPÖ), sowie gegen „unbekannte Täter“ im Bawag-Umfeld. Die Betroffenen bestreiten alle Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung. Aus den nun vorgelegten Dokumenten geht hervor, dass die Linzer rechtzeitig die Notbremse hätten ziehen können. Nach Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise unterbreitete die Bawag der Stadt Linz im Mai 2008 ein konkretes Restrukturierungsangebot.

 

Bawag gegen Justizgutachter

Wenige Monate später, im November 2008, habe man „die Stadt Linz umfassend über den Ist-Stand und das damals aktuelle Risiko“ aufgeklärt, schreiben die Bawag-Anwälte den Justizbehörden. Wieder habe es Vorschläge zur Restrukturierung gegeben. Damals lag der Swap mit 62 Mio. Euro im Minus. Doch die Linzer stiegen auf die Bawag-Angebote nicht ein, sondern ließen die Transaktion weiterlaufen.

Daneben schießen sich die Bawag-Anwälte auch auf das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene Gutachten von Christian Imo ein. Dieser kam Ende Oktober in einer 404 Seiten umfassenden Expertise zum Ergebnis, dass der Swap „ein deutlich asymmetrisches Gewinn-Verlust-Profil“ aufweise. Für Linz habe es ein relativ begrenztes Gewinnpotenzial gegeben, aber sehr hohe Verlustpotenziale, „die in den Extrembereichen existenzgefährdende Ausmaße erreichen können“. Die Bawag ließ nun bei Thomas Heidorn, Professor an der Frankfurter School of Finance, ein Gegengutachten erstellen. Dieser behauptet, die Analyse von Imo sei „durch Programmierfehler gekennzeichnet, die seine Ergebnisse unbrauchbar machen“. So mancher Fehler sei laut Heidorn „einfach nur peinlich“.

Einmal hätte Imo zwar eine richtige Formel für die Berechnung des Swaps ausgewählt, diese Formel dann aber falsch in einem Rechenprogramm umgesetzt. Deshalb sei Imo auf ein falsches Ergebnis gekommen. Die Bawag-Anwälte behaupten, dass Imo „vom Beginn seiner Tätigkeit eine vorgefasste Meinung“ vertreten habe. Imo soll zu einem Bawag-Mitarbeiter gesagt haben: „Ihr werdet sehen, ihr werdet aufgrund der öffentlich-rechtlichen Vorschriften die Sache verlieren und ihr habt in einem Verfahren hier keine Chance.“ Erst nach einer Nachdenkpause habe er hinzugefügt, dass dies letztlich ein Richter werde klären müssen.

Imo bestreitet in einer Stellungnahme vehement, dass seine Meinungsbildung zu Beginn seiner Tätigkeit bereits abgeschlossen gewesen sei.

Die Bawag-Anwälte stellten bei der Staatsanwaltschaft den Antrag, Imo möge in seinem Gutachten die „aufgezeigten Widersprüche und Mängel“ beseitigen oder die Justiz möge einen weiteren Sachverständigen hinzuziehen.

 

Muss der Steuerzahler zahlen?

Für den Anwalt der Stadt Linz, Lukas Aigner, hat das Privatgutachten „keine Relevanz“, weil es unvollständig sei und am Thema vorbeigehe. Der von der Bawag beauftragte Professor Heidorn sei in Österreich gar nicht als gerichtlich beeideter Sachverständiger zugelassen. „Offenbar hat die Bawag keinen gerichtlich beeideten Sachverständigen gefunden, der ihren Standpunkt unterstützt“, so Aigner. Für Linz sei es „inakzeptabel, dass die österreichischen Steuerzahler für die Fehlberatung und Fehlspekulation der Bawag zur Kasse gebeten werden sollen“.

Neben dem Gutachterstreit läuft gerade ein Mediationsverfahren zwischen Linz und der Bawag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2012)

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17 Kommentare

Was heißt Prof. Heidorn ist in Österreich als SV nicht zugelassen und kann deshalb kein Gutachten erstellen???

Wenn es in Österreich offensichtlich keinen SV gibt der sich mit der Thematik optimal auskennt, muss man auf die Wissenschaftler aus der BRD zurück greifen. Und der Lebenslauf ist ja nicht gerade uninteressant. Ich denke Prof. Heidorn wird in nächster Zeit in Österreich noch mehr Arbeit bekommen!!

http://www.frankfurt-school.de/content/de/who_we_are/staff/heidorn.html

Re: Was heißt Prof. Heidorn ist in Österreich als SV nicht zugelassen und kann deshalb kein Gutachten erstellen???

Beeindruckend der Lebensluf von Prof. Heidorn. Kein Wunder, dass die Stadschauer in Österreich mit der Materie überfordert erscheinen.

ist die Burgstaller und der Brenner auch im Linzer Rahthaus beschäftigt?

Stehen die Burgstaller und der Brenner auch auf dr Gehaltsliste vom Linzer Rathaus oder wie ist der Verlust möglich?

Natürlich wußte niemand davon, eh klar, wenn die SPÖ am Werk ist!


Durch Untätigkeit der Linzer (Sozialisten) soll der Schaden explodiert sein.

Diesen Satz könnte ihr kopieren und beliebig oft wiederverwenden.
* Konsum
* ehem. VOEST
* Bawag
* Salzburg
* ......

Salzburg, Linz, Wien - hier wie dort

jonglieren ohne Hemmungen arrogante und unfähige Politiker mit Steuermillionen, die in der Privatwirtschaft nicht einmal eine Würstelbude führen könnten.

Wer nochmals SPÖVP wählt, ist selbst Schuld!

Re: Salzburg, Linz, Wien - hier wie dort

gib ihnen völlig recht, nur blau arbeiten wir gerade auf und ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen dass beim stronach die von anderern abgeworbenen "erste sahne" sind, eher ein bisserl ranzig, wenn ich so an den kurzzeitigsten justizminister österreichs denke dessen in den medien kolportierte hauptsorge die fussfreiheit seines automobilen sondermodells war.

Die Bundesverfassung

Artikel 23.
(1) Der Bund, die Länder, die Gemeinden und die sonstigen Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts haften für den Schaden, den die als ihre Organe handelnden Personen in Vollziehung der Gesetze durch ein rechtswidriges Verhalten wem immer schuldhaft zugefügt haben.

(2) Personen, die als Organe eines im Abs. 1 bezeichneten Rechtsträgers handeln, sind ihm, soweit ihnen Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last fällt, für den Schaden haftbar, für den der Rechtsträger dem Geschädigten Ersatz geleistet hat.

(3) Personen, die als Organe eines im Abs. 1 bezeichneten Rechtsträgers handeln, haften für den Schaden, den sie in Vollziehung der Gesetze dem Rechtsträger durch ein rechtswidriges Verhalten unmittelbar zugefügt haben.

...........................

So einfach ist das.

Re: Die Bundesverfassung

Wenn es nur so einfach wäre. So steht es im Gesetz, ob es auch so exekutiert wird, ist eine andere Sache.

12

die SPÖ zeigt nun ihre volle bankenlobbydynamik; nicht nur in salzburg und linz werden irre summen an steuergeldern der arbeitnehmer und hackler verzockt. gegen die spekulanten schimpfen,aber mit den bankenzockern gemeinsame sache machen, ist typisch für die spö


Gutachten: "Linz war über Risken informiert"

reden kann man viel, aber steht das auch in den Verträgen ?
Nur das ist entscheidend.
Es heißt; wer schreibt der bleibt !!!!!

Meinen etwas zu Wissen, heißt noch lange nicht das er es auch versteht, um es letztlich auch zu wissen.

frage..

Linz muss es zahlen= die holen es sich vom Bund aka Steuerzahler

bawag zahlt= Bank wird in 2 jahren von Steuerzahlern gerettet (wieder)

wo ist da der Unterschied? wir alle zahlen so oder so für die Unfähigkeit weniger.. evtl sollte man Stronoch doch ne Chance geben..

hui! ein finanzskandal!

in österreich! boah, eh. keiner ist schuld, niemand weiss was und verantwortung könnma nicht mal gscheit buchstabieren...

Tja das verhalten von den Linzern und

Salzburgern ähnelt sich halt a bisl

Das rote Linz

Vor kurzem war die Anklageschrift der Stadt Linz öffentlich zugänglich. Schon ein Wahnsinn, wie die sich zu verteidigen versuchen. Andererseits, auf der Gegenseite war der Novotny federführend dabei. Ein wirklicher Wirtschaftskapazunder *lol*. Der ist trotz - äh - dank seiner Unwissenheit ganz weit nach oben gefallen. Die Linzer wollen eben auch die Unwissenden spielen und so weit kommen wie der Ewald....

"Muss der Steuerzahler zahlen?"

Die Angestellten der Stadt Linz bezahlen bereits fleißig , per verweigerter Gehaltsanpassung .
Und der geplante Streik wurde von der Gewerkschaft abgeblasen ...

"Linz war über Risken informiert"

Ja, auf Anraten der Bawag-Finanzberater wurden die Deals gemacht.....

Und jetzt sagn die Finanz-"Berater": Mia homm nix gwusst. Mia san unschuldig. Mia homm nua Empfehlungen obgebn für bestimmte Finanz-"Produkte"....

"Schöne" Empfehlungen war'n das...!!

Re: "Linz war über Risken informiert"

Wenn man über einen aktuellen Stand von -62 Mio € informiert wird und dennoch weitermacht bis es schlussendlich -417 Mio € sind, trifft sicher nicht die Bank die Schuld.

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