Die Krise kommt im Weihnachtsgeschäft an

20.12.2012 | 18:14 |   (Die Presse)

Der Umsatz im Einzelhandel ist in der ersten Dezemberhälfte real um 3,8 Prozent eingebrochen. Im Schnitt geben die Österreicher heuer 360 Euro für Geschenke aus. Immer mehr kaufen spät und im Internet.

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Wien/Es. Die Wirtschaftskrise macht sich im Weihnachtsgeschäft bemerkbar. Die Österreicher halten sich dieses Jahr bei den Weihnachtseinkäufen zurück. Das zeigt die Zwischenbilanz der WKO Bundessparte Handel. Der nominelle Umsatz im Weihnachtsgeschäft ging im Vergleich zum Rekordjahr 2011 im Zeitraum 1. bis 15. Dezember um ein Prozent zurück. Dieses Ergebnis ist bereits kalenderbereinigt, berücksichtigt also, dass heuer zwei Einkaufstage weniger zur Verfügung standen. Wenn man die Inflation von 2,8Prozent mit einbezieht, ergibt das real einen Umsatzrückgang von 3,8Prozent.

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Eine Umfrage der KMU-Forschung Austria zeigt, dass die Österreicher heuer weniger Budget für Weihnachtsgeschenke einplanen: Im Durchschnitt werden heuer 360 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgegeben, um zehn Euro weniger als 2011, aber immer noch mehr als in den Jahren 2008 bis 2010. Elf Prozent der Österreicher sind Weihnachtsmuffel und geben gar nichts für Geschenke aus. Das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Dies hat für WKO-Spartenobfrau Bettina Lorentschitsch weniger mit zunehmender Armut bzw. Arbeitslosigkeit zu tun – eher mit dem steigenden Anteil nicht christlicher Österreicher, die Weihnachten nicht feiern.

 

Trend zum Last-Minute-Geschenk

Ein anhaltend starker Trend ist der Geschenkekauf übers Internet. 26 Prozent der Österreicher bestellen Weihnachtsgeschenke nicht nur, aber auch online. 63Prozent ziehen nach wie vor den Einkauf im Laden vor. Für den Endspurt vor Weihnachten hofft die WKO auf den Trend zum „Late Shopping“. Rund ein Drittel erledigt seine Weihnachtseinkäufe erst in der zweiten Dezemberhälfte. Dagegen umgehen nur 16Prozent der Österreicher den Weihnachtsrummel, indem sie Geschenke bereits vor November kaufen. Bis alle Geschenke beisammen sind, braucht rund ein Drittel der Österreicher zwei bis drei Tage, ein Viertel mehr als fünf Tage. Nur 19 Prozent schaffen es, die Geschenke alle auf einmal zu besorgen.

Ein Blick auf die Branchen zeigt, dass der Schuhhandel mit einem Umsatzplus von sieben Prozent am stärksten zulegen konnte, gefolgt von Sportartikeln, Kosmetika und Lebensmitteln. Unverändert im Vergleich zum letzten Jahr blieben Buchhandel sowie Uhren und Schmuck. Mit minus sechs Prozent verzeichnet der Spielzeughandel im Weihnachtsgeschäft überraschend den stärksten Rückgang, gefolgt von Lederwaren (minus fünf Prozent) und Bekleidung (minus vier Prozent). Den schwachen Umsatz im Bekleidungshandel führt Lorentschitsch auf den späten Wintereinbruch zurück. Auch Elektrogeräte und Möbel werden weniger gekauft.

 

Deutsche konsumieren mehr

Trotz der deutlichen Umsatzeinbußen ist ein Großteil der österreichischen Einzelhändler optimistisch. 57Prozent rechnen beim Weihnachtsgeschäft mit einem ebenso hohen Umsatz wie im Vorjahr, 20Prozent mit einem höheren Umsatz. Die WKO erwartet, dass im Zeitraum vom 15. bis 24. Dezember 25Prozent der Umsätze erzielt werden. Die „Nachspielzeit bis Silvester, in der viele Gutscheine eingelöst werden (diese werden erst nach dem Einlösen statistisch erfasst), wird weitere 20Prozent einspielen. Lorentschitsch glaubt aber nicht, dass der Rekordumsatz von 1,57 Mrd. Euro vom Vorjahr noch erreicht werden kann.

Ein Blick über die Grenze zeigt, dass die Deutschen heuer wesentlich kauffreudiger sind als die Österreicher. Der deutsche Einzelhandel prognostiziert für das Weihnachtsgeschäft ein Umsatzplus von 1,5Prozent. In den USA hingegen schlägt sich die Krise in mangelnder Konsumfreude nieder. Am traditionell umsatzstarken Black Friday, dem Tag nach Thanksgiving, brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozent ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2012)

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23 Kommentare

Der Schärdinger

Roboter und diejenigen, denen man die Milliarden in den Rachen wirft, gehen halt nicht einkaufen.
Bis zu einem Umdenken ist es aber noch weithin,
es wird aber kommen.
Auch die EU Parlamentarier mit ihrer 8% Lohnerhöhung kaufen auch nicht in A.
So schauts aus!!


Kein

Wunder wenn die Inflation bei den Löhnen nicht ausgeglichen wird.

das wär ja mal was ...

... ein vor-weihnachtsgeschäft ohne angekündigte umsatzeinbrüche. wann ich das zuletzt erleben durfte. und am ende ists dann doch wieder ein rekordjahr ^^

Oba gö

Und das obwohl die EU unseren Wohlstand sichert und Arbeitsplätze schafft. Ja Du, die ÖVP kennt sich da aus - is jo a Wirtschaftspartei.

Denn wenn wir da nicht dabei wären, wären wir bestimmt schon alle Mausetot und würden alle nach Afrika ausreisen :)

Ihr könnt nicht rechnen

Ein Einbruch von 1 % nominell ergibt bei 2,8 % Inflation:

((100+2,8)-(100-1))*100/(100+2,8)=3,69 %, also ca. 3,7 % Einbruch real.

Einfach zu addieren ist hier falsch.

Re: Ihr könnt nicht rechnen


<Einfach zu addieren ist hier falsch>

Würde ich auch so sehen (andere Formel):

((100-1)/1,028)-100 = -3,70

Die Differenz (0,1%-Punkte) ist aber fast schon vernachlässigbar.

zum glück lässt sich weihnachten nicht abschaffen

und so gesehen ist es todsicher, dass es irgend wann einmal wieder steil bergauf gehen wird. durchhalten, liebe geschäftsleute und fabrikanten! ich wünsche trotzdem ein frohes fest der redaktion und allen posterInnen, auch wenn sie mir rot geben!

Bei minus 3,8%

von einem "einbruch des Geschäftes" zu reden grenzt an eine bezahlte Werbeeinschaltung des Handels! Das ist maximal ein Rückgang.

Was passiert dann bei -15 oder 20%?

Re: Bei minus 3,8%

sie dürfen nur nicht vergessen, dass die kosten (mieten, gehälter) im vergleich zum vorjahr gestiegen sind.
steigt der umsatz um weniger als die kosten, sinkt das betriebsergebnis deutlich!

kein wunder

die Politik schmeißt das Geld der Bürger ja beim österreichischen Fenster raus, also wen wunderts?????

3,8% ist keine Krise

Bei 40%+ könnte man davon reden.

Sollen die Menschen immer mehr und mehr und mehr einkaufen?

woher soll das Geld kommen?

Re: Sollen die Menschen immer mehr und mehr und mehr einkaufen?

Na von der Bank natürlich. Schulden sind die Basis unseres Zinsgeldsystems. Ohne Schulden gibts kein Geld. Die Kunst besteht einzig darin, daß man die eigenen Schulden jemand anderem umhängt. Der Rücksichtsloseste überlebt und wird reich, die anderen ertrinken in Schulden.

Re: Re: Sollen die Menschen immer mehr und mehr und mehr einkaufen?


Zu den in allen Städten so einladend herumstehenden Lichtmasten müssen sich unsere geliebten Volxverträter was einfallen lassen!

Vielleicht lässt sich bei der Umstellung auf LED-Leuchten da was bewerkstelligen?

Nebeneffekt: zwei bis zehn Prozent der Auftragssumme an die Paddei ...

Re: Sollen die Menschen immer mehr und mehr und mehr einkaufen?

Aus der Druckmaschine. Das nennt man "Inflation".

Wenn ein Betrag immer gleich bleibt, während die Geldmenge erhöht wird, wird er real weniger.

Ich weiss, das ist schwer zu verstehen. Ist aber trotzdem so.

Rechnung

Wenn ich 0% Lohnerhöhung bekomme und die Inflation gefühlt über 5 % liegt, wird das Geld irgendwann einmal knapp, logisch oder?

Re: Rechnung

Ah geh, dafür gibt es doch Ratenzahlungen....

abwarten

vielen warten noch den 21.12 ab - denn wenn die welt untergeht,hätte man umsonst geschenke eingekauft :=))

15

Einfach übersättigt

Vielleicht könnten die Händler einmal daran denken, dass wir alle übersättigt sind; die, die kaufen können haben alles und wollen nicht noch irgendein "Klumpert", das sie ohnehin nicht brauchen.

Wenn

der Umsatz um mickrige 1,8 % zurückgeht, "bricht" er keineswegs "ein"

Re: Wenn

wenn man die tatsächliche (gefühlte) Inflationsrate einberechnet schon.

krise

solange jedes jahr die spendenrekorde gebrochen werden kann es keine krise geben .

Re: krise

Schwierig zu sagen. Auf der anderen Seite werden die Leute auch von Jahr zu Jahr Dank den Medien, dümmer.

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