Baumärkte Obi und Hornbach straucheln, Baumax hofft

21.12.2012 | 18:39 |   (Die Presse)

Obi baut in Österreich 33 Mitarbeiter ab. Bei Hornbach brach der Gewinn um 40 Prozent ein. Baumax bekommt zur Rettung 80 Millionen Euro. Die Probleme sind bei allen Baumärkten ähnlich gelagert.

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Wien/Es/Ag. Es steht nicht gut um den deutsch-österreichischen Heimwerkermarkt. Die Annahme, dass die Leute in der Krise vermehrt selbst die Ärmel hochkrempeln und ihr Nest verschönern, scheint nicht der Wahrheit zu entsprechen. So wurde bekannt, dass die Wien-Zentrale der Baumarktkette Obi jeden sechsten der 206 Mitarbeiter abbauen will. Laut „Wirtschaftsblatt“ beordert die deutsche Obi-Mutter die Einkaufs-, Verwaltungs- und Führungsebene zurück nach Deutschland. Die Wien-Tochter ist derzeit für die Agenden in Österreich und einen Teil Osteuropas zuständig.

 

Österreich: Erfreulich stabil

Am Freitag meldete die deutsche Baumarktkette Hornbach für das dritte Quartal einen Gewinneinbruch um 66 Prozent (inklusive Auslandsgeschäft). Unterm Strich bleiben Hornbach 6,5 Mio. Euro, obwohl der Nettoumsatz leicht auf 746,4 Mio. Euro anstieg. In Österreich sei die Entwicklung aber erfreulicherweise stabil, hieß es in der deutschen Hornbach-Zentrale. Zwar liege das Betriebsergebnis leicht unter Vorjahresniveau, es sei aber im Vergleich zum Konzern überdurchschnittlich.

Schon länger sanierungsbedürftig ist die österreichische Kette Baumax. Die Gruppe machte zuletzt bei 1,25 Mrd. Euro Umsatz 57 Mio. Euro Verlust. Am Donnerstag gab es für die Eigentümerfamilie Essl „gute“ Nachrichten: Die 15 Gläubigerbanken einigten sich darauf, dass die Rückzahlung bestehender Darlehen für drei Jahre ausgesetzt wird. Zusätzlich machen die Banken 80 Mio. Euro für die Sanierung locker.

 

Familie Essl schießt zwölf Mio. zu

Die Familie Essl steuert weitere zwölf Mio. Euro bei. Bereits voriges Jahr flossen 40 Mio. Euro aus dem Privatvermögen der Essls in die angeschlagene Firma. In Österreich soll es bei Baumax weder Filialschließungen noch Kündigungen geben. Im Ausland sieht es anders aus. Besonders verlustreich waren die Geschäfte in Ungarn und Kroatien. 25 Mio. Euro mussten abgeschrieben werden.

Die Probleme sind bei allen Baumärkten ähnlich gelagert. „Nach der Wende sind alle großen westeuropäischen Player nach Osteuropa gegangen“, sagt Wolfgang Richter vom Marktforschungsinstitut Regioplan: „Es gab viel Nachholbedarf beim privaten Häuslbauen und Sanieren. Die Betriebsform Baumarkt hat es dort vorher nicht gegeben.“ Dieser Bedarf sei jetzt abgeflacht, der private Konsum in vielen osteuropäischen Ländern stark rückläufig.

Österreich diente bisher für deutsche Baumärkte wie Obi als regionale Expansionszentrale. Jetzt würden die Ressourcen wieder vermehrt nach Deutschland zurückgeholt. Doch auch in Österreich halten sich die Heimwerker zurück: Das Segment Garten, in dem die Baumärkte in den letzten Jahren noch Umsatzzuwächse verbuchten, sei jetzt ausgereizt, neue Trends nicht in Sicht.

Außerdem hätten viele Baumärkte den Trend zum Onlineshopping verschlafen: „Die meisten Bohrmaschinen hat in diesem Jahr Amazon verkauft“.

 

Essl-Interview Seite 22

Auf einen Blick

Heimwerkertief. Baumärkte machen derzeit kein gutes Geschäft. Marktführer ist in Österreich der Sanierungsfall Baumax. An zweiter Stelle kommt Lagerhaus, an dritter Hagebau. Dann folgen gleichauf die derzeit ebenfalls strauchelnden deutschen Märkte Hornbach und Obi. Obi baut in Wien 33 von 206 Mitarbeitern ab. Hornbachs Gewinn rauschte um 66 Prozent nach unten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

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76 Kommentare
 
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Jajaja! DAs Geld istin einer Stiftung, die Herrschaften nicht mehr Mitvierziger und warum soll man es nicht wie der Lugner Richie machen?

Mir tut von denen keiner leid.
Haben alle ortsansässigen Baustoff und Werkzeughändler wegkonkurrenziert und jetzt rationalisieren sie ihre Mitarbeiter auf ein Mindestmaß weg. Den Banken was vorraunzen von Gewinneinbrüchen und schon sponsern die auch noch was dazu.
Die Mitarbeiter werden ausgepresst und durch Gratismitarbeiter vom AMS ersetzt.

Re: Jajaja! DAs Geld istin einer Stiftung, die Herrschaften nicht mehr Mitvierziger und warum soll man es nicht wie der Lugner Richie machen?

OK, aber sie wollen natürlich auf "geiz ist geil" die Waren noch günstiger bekommen.... Von nix kommt nix. Und die lokalen Händler konnte sich der Durchschnittsverdiener schlicht nicht mehr leisten, wie auch einen Professionisten!

online

man muss sich nur mal die homepages von baumax und co ansehen um das problem zu erkennen.

Größenwahn

Bei den Baumärkten zeigt sich der Größenwahn der Expansion. Zu den bereits vorhanden ö. Baumärkten sind die dt. Baumärkte dazugekommen. Vermutlich spielt sich dies in den östlichen EU-Ländern genauso ab. Die Vorstellung einer ansteigenden linearen Expansion zeigt die hochgradige Unfähgikeit des Managements in der Zentrale auf.
Nach dem angeführten Überblick in diesem Artikel sieht es eher nach Schließungen gewisser lokaler Baumärkte aus.

Der gute Herr Essl soll halt seine Gewinne....

...nicht nur für krixikraxi-Kunst ausgeben sondern seinen Baumax aus der Patsche helfen.Seine Mitarbeiter werden es ihm danken!

Re: Der gute Herr Essl soll halt seine Gewinne....

Die Familie hat doch schon die 600 Mio. schwere Schöner Immobilien für die Bilanzverschönerung von Baumax geopfert. Wieso jetzt noch Geld aus den Stiftungen nehmen wenn es dort mehr Rendite bringt. Alleine damit sollten sich die Kreditzinsen mühelos begleichen lassen. Es sind die Banken die kein Vertrauen mehr haben in das "Ost-Geschäft".

Re: Der gute Herr Essl soll halt seine Gewinne....

Tut er doch - er schießt Geld zu.

oder ist er von Natur aus böse, weil er vermögend ist?

Re: Re: Der gute Herr Essl soll halt seine Gewinne....

"Von Natur aus böse" ist jetzt sehr subjektiv formuliert. Es geht um das Verhältnis von Entnahmen zu Einlagen. Mich wundert dass die Banken der Geschäftsführung so wenig vertrauen schenken. Immerhin stehen jetzt die Schömer Immobilien im Wert von 600 Mio. Euro in der Baumax Bilanz.

Re: Re: Der gute Herr Essl soll halt seine Gewinne....

Mit der Hilfe seiner Mitarbeiter hat die Firma das hundertfache für die Familie Essl erwirtschaftet. Es ist ein klares Signal von den Banken wenn sie eine Beteiligung von der Familie Essl verlangen. Anscheinend ist den Banken das Geschäft in Osteuropa zu riskant. Da hat auch die Kapitalaufstockung durch die Schömer Immobilien 2011 mit ca. 600 Mio. Euro nichts geändert.

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Unqualifizierte

Regalschlichter, Blechwerkzeug und der Rest ebenfalls Ramsch. Es gibt keinen einzigen Qualitätsartikel in Baumärkten. Werkzeughersteller legen mindestend drei Chargen der gleichen Werzeuge auf. Vom Laien kaum zu unterscheiden. Der Laie sieht im Fachgeschäft einen Werkzeugkasten zu normalen Preisen, geht zu einem Baumarkt und sieht das vermeintlich gleiche Produkt um 50% billiger. Nur, es ist geziehlt billiger Produziert. Das merkt man erst beim ersten Einsatz. So ist es bei allen anderen Artikel auch. Ein-und Verkauf orientieren sich ausschließlich am Preis. Qualität ist ein Fremdwort in Baumärkten.

Re: Unqualifizierte

Vollkommen klar; der Kunde wollte betrogen werden, weil "made in china" halt zwar Schmarrn, aber eben billiger Schmarrn ist...
nur: Profiqualität bekommt der "Laie" nicht mehr, ausser über einen Gewerbetreibenden... Das macht man bewusst, um die Schwarzarbeit zu drosseln. Versuchen sie mal eine Hilit zu kaufen....

Re: Re: Unqualifizierte

Blöde "Vertippslerei": Meine natürlich Hilti... Verzeihung:-)

Re: Re: Re: Unqualifizierte

Bester- ich habe vor 35 Jahren "Mattis" verkauft. War damals DAS Konkurrenz-Produkt gegen Hilti, nur wesentlich höhere Qualität, aber billiger. Wir haben sowohl Maschinen als auch diverse Bohrer und Nebengeräte Kistenweise verkauft. Ich habe aber damals die Branche gewechselt. Mattis verstarb in mittleren Jahren an Herztod, somit verstarb auch die ganz tolle Produktlinie Mitte der 80er Jahre. Also, glauben Sie mir- ich kenne Qualitätsunterschiede bei Werkzeugen.

Oba gö

Und das obwohl die EU unsere Arbeitsplätze und Wohlstand sichert. *g*

Rot Grün Schwarz

fahren den Steuerzahler auch ordentlich ins Tascherl, und dann verzocken sie die Marie

Blau und Orange stecken das Geld direkt in die eigenen Taschen

Ob Sie das für ehrlicher halten wollen bleibt natürlich Ihnen überlassen.

... aber leider sind die blaunen und orangen auch um eine Größenordnung dümmer, und ziehen auch genau die am wenigsten gebildeten und unintelligentesten Wähler an.

Das ist ein guter Grund, die Bande zu meiden.

ad OBI

Hab es vor ein paar Tagen im OBI Wien 14 gewagt, zwei Mitarbeiter beim Tratschen zu stören, worauf ich als Antwort auf meine Frage nach weißer Abdeckfarbe bekam: "Sehen Sie nicht, dass wir etwas zu besprechen haben?" Ja, so geht's auch!!!

wer

glaubt das es media und saturn besser geht, liegt auch falsch.
diese konzerne funktionieren nur, solange sie kleinen, privaten unternehmen den markt zerstören, alte gute marken in einen preiskampf zwingen, mitarbeiter beschissen bezahlen, kaum lehrlinge ausbilden und ihre gewinne in der schweiz versteuern. jeder selber schuld, der in diesen märkten sich über den tisch ziehen lässt.

Re: wer

Genauso ist es!!! Und nicht zu vergessen IKEA, dort ist es bezüglich Versteuerung über die Schweiz ganz im Argen!!!
Aber: Mittlerweile straucheln Konzerne wie Thalia & Co eh schon gewaltig, da wird sich noch einiges tun in nächster Zeit...

Die Leute haben weniger Geld in der Tasche!

Diese SPÖ-ÖVP Regierung erhöht immer wieder die Steuern und Abgaben. Den Bürgern bleibt immer weniger im Börserl!

Höhere Steuern auf Energie und Treibstoffen sind "gerechter" mint die SPÖ, die ÖVP in der Regierung sagt dazu "ökologischer".

Z.B: Auch Rot - Grün in Wien

Parken +29%
Wasser +34%
Müll +27%
Strom +21%
Kanal +35%
Gas +42%
Hundesteuer +60%
Kurzparken +66%

... und WIR, wir wählen diese Leute freiwillig immer wieder.

Re: Die Leute haben weniger Geld in der Tasche!

Dafür zahlt dann die Familie Essl weniger Steuern und kann in Bulgarien und Rumänien noch ein paar Filialen aufmachen. Irgendwer muss ja die Rechnung zahlen. Gesundheitswesen, Pensionen, Bildung... das kostet alles viel Geld. Bei den Gehältern im Handel fallen auch die Steuern und Abgaben entsprechend niedrig aus. Die Ausgleichszahlungen für die armen Schlucker übernimmt dann der Staat, und somit wir alle.

Re: 314%Summe ...

Das muss man(n) einmal aushalten!

Re: Re: 314%Summe ...

Mathe nicht genügend, setzen. Und: wer schon mal im Ausland war kommt gerne nach Wien zurück, ob Amsterdam, TÜRKEI, Italien egal, in Wien fumktioniert die Müllabfuhr und versorgung. Bei strom und gas kann man den anbieter wechseln...

Re: Re: Re: 314%Summe ...

nicht beim Netzentgelt

Re: Die Leute haben weniger Geld in der Tasche!

dann wählst halt ungültig oder gar nicht, was regst di auf. Glaubst das Strache und Co. besser sind? Nur weil deren Rhetorik dem Fußvolk näher kommt?

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Re: Re: Die Leute haben weniger Geld in der Tasche!

wen die Suppe vom Fußvolk immer dünner wird teilt man keine zusätzlichen Löffel aus.

 
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