"Männer führen zu lassen ist sehr bequem"

22.12.2012 | 18:00 |  von Franz Schellhorn (Die Presse)

Für die Unternehmensberaterin Antonella Mei-Pochtler ist eine gesetzliche Frauenquote ein Eingriff, der nichts bringt. Frauen müssten mit anderen Mitteln in die Führungsetage gebracht werden.

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Nach langem Hin und Her wurde unlängst der Luxemburger Yves Mersch in das Führungsgremium der Europäischen Zentralbank berufen. Der 23 Köpfe zählende Rat besteht nun aus 23 Männern. Ist das ein Problem oder wurde das zu einem Problem gemacht?

Antonella Mei-Pochtler: Es ist das Symptom für ein Problem. Das Problem liegt nicht so sehr darin, dass keine Frau im EZB-Direktorium sitzt. Sondern darin, dass es keine funktionierende Systematik gibt, die sicherstellt, dass talentierte Frauen in führende Positionen kommen. So wie die Frage ja auch nicht ist, ob genug Frauen in Aufsichtsräten sitzen. Sondern, ob Frauen gezielt dahingehend entwickelt werden, Aufsichtsratsarbeit zu erledigen. Aber natürlich hätte man schon jetzt Frauen für den Job in der EZB gefunden. Es gibt in Banken ja etliche Frauen in führenden Positionen.


Man wollte also nicht?

Die Diskussion wurde viel zu spät gestartet. Zu einer Zeit, als schon ein sehr guter Kandidat für den Job gefunden war (Yves Mersch, Anm.).


Nun gehen mehr Frauen von den Universitäten ab als Männer, meist auch mit den besseren Abschlüssen. In die oberste Ebene von Firmen schaffen sie es aber nur selten. Liegt das nur daran, dass Frauen Kinder kriegen?

Es dauert in Europa zwischen zehn und 15 Jahren, um jemanden in eine Führungsfunktion zu bringen (ab Beginn des Studiums, Anm.). Ein besonders kritischer Lebensabschnitt ist dabei nach wie vor die Zeit, in der Frauen Kinder kriegen. Wenn Frauen der Wiedereinstieg nicht systematisch ermöglicht wird, fliegen sie aus der Kurve. Und genau das passiert.

Aus Sicht des Ex-Personalchefs der Deutschen Telekom, Thomas Sattelberger, sind Förderprogramme zum Wiedereinstieg von Frauen reine Augenauswischerei. Nur die Einführung einer Frauenquote würde wirklich helfen. Ist das so?

Das glaube ich nicht. Natürlich hilft eine Quote, wenn sie von den Unternehmen freiwillig festgelegt wird. Aber ohne Förderprogramme ist die Quote nichts wert. Wohingegen Förderprogramme auch ohne Quote viel bewegen können.

Wenn dem so ist, stellt sich natürlich die Frage, warum sich bei Beratungsunternehmen kaum Frauen in der ersten Ebene finden. Bei der Boston Consulting Group sind in Deutschland und Österreich von 90 Partnern gerade einmal acht Frauen.

Das liegt vor allem daran, dass unser Beruf durch extrem hohe Reisezeiten und lange Abwesenheit von der Familie geprägt ist. Bevor Frauen Partner werden, sind sie Projektleiter. Und das ist altersmäßig jene Zeit, in der sie Kinder bekommen. Hinzu kommt, dass uns viele Frauen von Unternehmen abgeworben werben, die den Frauenanteil in der Führungsebene erhöhen wollen und geregeltere Arbeitszeiten mit niedrigerer Reisetätigkeit bieten als wir. Das versuchen wir zu verbessern.

Inwiefern?

Indem Mitarbeiterinnen zwei Tage in der Woche gesichert zu Hause sein können und am Abend nicht immer am Blackberry hängen müssen. Das ist übrigens auch für Männer ein Problem.

Das scheint ja eher ein kulturelles Problem zu sein. Wer lange bleibt, gilt als harter Arbeiter – und nicht als ineffizient.

Stimmt. Da ist man andernorts auch schon deutlich weiter. Nach acht Uhr abends sind die Büros bei unseren skandinavischen Kollegen leer, während bei uns bis zum Umfallen gearbeitet wird.

In unseren Breiten gibt es aber auch sehr viele Frauen, die keine Kinder haben und dennoch keine Karriere machen. Warum?

Weil viele das auch nicht wollen. Zudem ist es sehr bequem, Männer führen zu lassen. Und sie die Konflikte austragen zu lassen. Frauen sind eben auch lebensweiser als Männer.


Dann hat doch jeder, was er will.

Nein, weil der Wirtschaft zu viel intellektuelles Potenzial verloren geht, wenn talentierte Frauen nicht in die Führungsebene aufrücken.

Also doch eine Quote?

Die Quote ist das allerletzte Mittel. Unternehmen sollten von sich aus das Potenzial ihrer weiblichen Mitarbeiter orten und heben. Indem sie systematisch sicherstellen, dass sie in entsprechende Führungspositionen kommen. Und indem sie gezielt mehr Frauen ins mittlere Management bringen, die dann in die erste Reihe aufrücken können.

Interessant, wie sehr Sie sich als Frau gegen eine Frauenquote wehren.

Ich habe eine automatische Aversion gegen einen so starken Eingriff des Staates in das Innenleben von Unternehmen. Zudem wäre eine derartige Regulierung auch ein Armutszeugnis für jede wertorientierte Führung. Aber ich bin sehr dafür, dass Unternehmen von sich aus eine realistische Frauenquote einziehen. Und sich die Frage stellen, was sie tun müssen, um diese auch zu erreichen.

Allerdings ist es auch nicht immer sehr einfach, Frauen dazu zu bewegen, Führungsarbeit zu leisten. Frauen finden deutlich mehr Gründe, warum sie etwas nicht können, als Männer das tun.

Die Selbstzweifel von Frauen sind enorm. Das kontinuierliche Sich-selbst-Hinterfragen ist bei Frauen stärker als bei Männern. Aber es ist hingegen ja auch nicht schlecht, wenn es Menschen gibt, die differenzierter sind. Das ändert nichts daran, dass die Karriere auch eine Holschuld ist. Frauen müssen das auch wollen. Fordern sie allerdings den beruflichen Aufstieg ein, wird das gleich als „pushy“ ausgelegt. Von Männern wird es erwartet.

Während Frauen erwarten, dass die Vorgesetzten ihren Einsatz sehen und ihnen von sich aus mehr Geld zahlen.

Tatsächlich verlaufen Mitarbeitergespräche mit Frauen ganz anders. Frauen gehen hin, um zu hören, wie toll sie sind. Sie kommen selten mit Forderungen an. Sie reagieren auch viel stärker auf die nicht pekuniäre Wertschätzung ihres Umfelds, weil ihnen das auch deutlich wichtiger ist.

Steckbrief

1976 maturiert die gebürtige Italienerin an der deutschen Schule in Rom. Ein Jahr später beginnt sie in München mit dem BWL-Studium. Nach dem Abschluss folgt die Promotion in Rom, danach hängt sie einen MBA an der französischen Business-Schule Insead an.

1984 startet Mei-Pochtler ihre berufliche Laufbahn bei der Boston Consulting Group (BCG) in München.

1990 wird sie in der BCG zur Partnerin gewählt, sieben Jahre später eröffnet sie das Wiener Büro der Gruppe.

2003 wird sie in das europäische Management-Team von BCG berufen, zwischen 2008 und 2011 war sie zudem Mitglied des weltweiten Executive Committee der Gruppe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2012)

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20 Kommentare

Frauen als Vorgesetzte unfähig und mühsam

Ich kann Merlin und Periskop nur 100%ig Recht geben! Meine Erfahrungen mit Frauen als Vorgesetzte ist auch äusserst unerfreulich. Sie haben immer einen Mann als rechte Hand (zumeist genauso unfähig), dem sie 100%ig vertrauen, und die anderen Mitarbeiter sind zumeist Menschen zweiter Klasse. Ausserdem betrachten sie den Arbeitsplatz zumeist als kleine Familie (Nesterldenken, alle müssen sich lieb haben, billige Geburtstagsgeschenke werden gereicht, allerlei Anlässe gefeiert, tägliche Kaffeerunden usw.) wenn allerdings mal ein ehrliches kritischeres Wort fällt, kommt gleich die Sprachpolizei ( ..sowas sagt man nicht) und derjenige läuft Gefahr aus dem Nesterl zu fallen. Kritisch denken (überhaupt denken) hat in dieser "Feel-Good-Athmosphäre" keinen Platz. Ist man mal aus dem Nesterl gefallen ( fast immer Frauen sind davon betroffen), dann wird man allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln (kleinen Nadelstichen wie Urlaub nicht genehmigen, keine Seminare etc.) in alle Ewigkeit verfolgt.

Praxis

.. meine praktischen Erfahrungen mit weiblichen Führungskräften sind da nicht ermutigend. Meist sind es wenig anerkannte und inkompetente Nervenbündel.

der

feind der frau ist selten der mann, meistens aber eine andere frau.
darum funktionieren frauennetzwerke sehr selten.

Wenn nicht einmal Frauen Frauen wollen

Es hat wenig mit Doppelbelastung zu tun. Frauen sind überwiegend emotionaler und legen viel mehr Wert auf Lebensbalance. Die soziale Bindung zu den Kindern steht immer an erster Stelle, auch wenn es vom Mann erledigt wird. Tendenziell ist alles emotionaler ausgerichtet und Entscheidungen sind häufiger emotional polarisiert.

Das erstaunlichste für mich ist, dass ausgerechnet Managerinnen in meinem Umfeld lieber Männer einstellen und von Frauen enttäuscht sind.

Zu "Powerfrauen" eine Meinung aus der Praxis:

Aus langjähriger Erfahrung bei einem für Österreich großen Konzern weiß ich, dass es in Abteilungen, an deren Spitze eine Frau steht, immer mehr Unruhe und Querelen, die das Arbeitsklima vergiften, gibt, als bei solchen, die von Männern geleitet werden. Das hat mit der fachlichen Eignung der Frauen gar nichts zu tun, sondern großteils damit, dass gerade Frauen eine Frau als Vorgestzte nur schwer akzeptieren und sich immer wieder den Anordnungen widersetzen. Auch haben Frauen viel öfter als Männer Lieblinge, die sie bevorzugen, während andere Mitarbeiter aus nicht nachvollziehbaren Gründen zurückgesetzt werden.
Das alles ist für einen reibungslosen Arbeitsablauf sehr störend, weshalb es sich ein Betriebsleiter wohl dreimal überlegt, bis er eine Frau an eine führende Stelle setzt!

Re: Zu "Powerfrauen" eine Meinung aus der Praxis:


Das kann ich allles nicht bestätigen.
Nur werden Frauen als Chefs bedeutend kritischer betrachtet und hinterfragt, das ist sicher richtig.

Es kommt immer auf die Führungspersönlichkeit und die der Mitarbeiter an.

Wir haben gr. Abteilungen, die immer von Männern geführt werden, wo immer die selben Mitarbeiter - Männlein und Weiblein - das Klima vergiften.

Ich hätte nie beobachtet, dass Frauen mehr zicken oder streiten als Männer. Dummheit ist nicht Geschlechts gebunden.

Momentan arbeite ich in einer reinen Frauenabteilung. Wir sind 1. ziemlich gut und 2. eine Gruppe mit ganz unterschiedl. Charaktären, mit Ecken und Kanten, wo jeder für den anderen einsteht und da ist. Besser geht's nicht.


Re: Re: Zu "Powerfrauen" eine Meinung aus der Praxis:

Sie haben völlig recht, es ist auch häufig bei Männern so und es gibt ausgezeichnete Managerinnen!

Wie überhaupt die beruflichen Fähigkeiten wichtiger sind als Führungsqualitäten. Da liegt auch der Nachteil der Frau durch die Zwangspausen.

Ihr letzter Absatz ist allerdings vor allem ein Phänomen von Frauen, Sie halten sich für die besten, erfolgreichsten und unschlagbar und können dann nicht verstehen, dass da nichts weiter geht. Aber es gibt auch solche Männer, nur kann man denen das dann sehr direkt sagen, bei Frauen bedeutet das eher ewige Feindschaft.

Zu "Powerfrauen" eine Meinung aus der Praxis:


Und Antonella "reitet" wieder!


Re: Und Antonella "reitet" wieder!


Sehr mutig, Ihr Outing:

Die Frauen sind also an ihrem Unvermögen - vermutl. auf vielen verschiedenen Ebenen - schuld.

Da kann Mann halt nix machen, außer weiterbilden, lernen, Selbstbewußtsein erarbeiten - dann klappt's auch ganz sicher mit den Frauen.

Bussi, Anna


quotenweiber kostentreiber


Icxh bin für Frauenpower, aber das mit der Quote ist Unsinn


1. Um im Männernetzwerk die Karriereleiter hinauf zu steigen, müssen Frauen bedeutend besser sein als die männl. Kollegen und ohne Fürsprecher aus der übergeordneten Führungsebene haben Frauen bei der männl. Ellbogentechnik keine Chance.

2. Man zeige mir die Karrierefrau, die Familie und Job wunderbar unter einen Hut bringt ohne dass Partner oder Großeltern den landläufig mütterlichen Part übernehmen.

3. Schon in der ganz normalen Familie, in der beide berufstätig sein müssen, stoßen alle an ihre Kapazitätsgrenzen. Und arbeiten müssen beide, sonst gibts im Alter keine Pension.

4. Bei allem Trend zu Karriere und Konsum sollte die Gesellschaft nicht vergessen, dass die Kinder das höchste Gut sind, emotional und was die meisten nicht checken - vor allem wirtschaftlich.

5. Vor 100 Jahren war Hausfrau ein Fulltimejob. Jetzt nach/in der techn. Revolution wo sich vieles auf Knopfdruck von selbst erledigt, ist ein Job außer Haus durchaus zumutbar, meist finanziell auch notwendig. Aber das mit der Karriere ist was ganz anderes.


Wo bleibt die Männerquote bei Friseuren und Kindergärtnern?


Frauen

haben auch die Option, Hausfrau und Mutter zu sein. Und das halten viele Frauen für erstrebenswerter, als sich im Beruf mühsam Stufe für Stufe die Karriereleiter hinaufzukämpfen, um am Ende zwar viel Geld, aber weder Freizeit noch Familie zu haben.
Arbeitsteilung in der Wirtschaft ist selbstverständlich. Auch in der Familie ist es sinnvoll, wenn sich einer mehr um Kinder und Haushalt, der andere mehr um das Familieneinkommen kümmert. Beides ist gleich wichtig und sollte gleich geachtet sein.
Nicht nur die Wirtschaft, sondern vor allem die Familien können auf die gut ausgebildeten Frauen nicht verzichten! Sie sind die besten Lehrer und Erzieher für ihre Kinder.

Re: Frauen


In der Theorie ja, in der Praxis nein:

Durchschnittsfamilien benötigen 2 Einkommen in der Gegenwart und für die Zukunft, denn von einer Mindestpension, die uns ins Haus steht, werden 2 Personen nicht leben können. Und mit nur einem Familieneinkommen kann sich niemand eine ausreichende zusätzl. private Vorsorge leisten.

Hat wahrscheinlich keine Kinder...


Die Dame hat 3 Kinder...

... und jedes der drei ist besser erzogen als Sie und würde niemals so dumme Postings absondern...

Re: Hat wahrscheinlich keine Kinder...

Sack!!!
Ist das so schwer?
http://www.club-carriere.com/phpscripts/inserat.php?name=Antonella%20Mei-Pochtler&K_ID=20765
So viel zu Ihrer Selbstdarstellung...

Besonders wichtig sind die "Ritter-Vorfahren"!


Re: Re: Hat wahrscheinlich keine Kinder...

Selber Sack!!!!!
Na und? Ist sie halt die Ausnahme, die die Regel bestätigt...

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