Neue "Wirtensteuer" für alle Kleinbetriebe

23.12.2012 | 17:37 |   (Die Presse)

Im März hat der VfGH die pauschale Besteuerung für Gaststätten aufgehoben. Jetzt ist die neue Steuerformel für Wirte da. Sie soll für alle 150.000 Kleinbetriebe in Österreich gelten.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien/Auer. Was früher nur Wirten und Hoteliers vorbehalten war, können ab dem kommenden Jahr sehr viel mehr Unternehmer in Österreich in Anspruch nehmen: eine neue, vereinfachte Steuerformel. Denn die bis dato gültige Gewinnpauschalierung für Gaststätten ist mit Jahresende endgültig Geschichte. Die Nachfolgeregelung will Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) gleich für alle Unternehmen mit einem Umsatz von maximal 255.000 Euro im Jahr anwenden. Jeder zweite Unternehmer in Österreich könnte damit in den Genuss einer simpleren Steuerberechnung kommen. Mit der bisherigen Formel („Gaststättenpauschale“), die der Verfassungsgerichtshof im vergangenen März zu Fall gebracht hat, hat die neue Lösung allerdings nur wenig zu tun.

20 Prozent Ausgabenpauschale

Bisher mussten Gastwirte – vom Würstelstand bis zum Luxushotel – pauschal nur 5,5 Prozent der jährlichen Betriebseinnahmen (plus 2180 Euro) an Steuern abliefern. Ein Schnäppchen vor allem für all jene Unternehmen, die dafür keine teure Großküche betreiben müssen. Für die kleine Snackbar, die neben Getränken nicht viel mehr als Schokoladeriegel und Toast verkauft, sei die pauschale Besteuerung nicht gerechtfertigt, urteilten die Verfassungsrichter im März und hoben die seit 1999 geltende Verordnung als gesetzeswidrig auf.

Bis Jahresende musste Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) nun eine neue Steuerformel für Wirte finden. Die hat ihr offenbar so gut gefallen, dass sie gleich auf alle Kleinunternehmen ausgeweitet werden soll. „Es galt der gleiche Gewinn für einen Würstelstand wie für die Pension“, erläutert Fekter die geplanten Änderungen im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Ab 2013 soll nun nicht mehr der Gewinn, sondern die Ausgaben pauschaliert werden. Die 150.000 Kleinunternehmer in Österreich sollen künftig bis zu einem Fünftel ihres Umsatzes sofort pauschal von der Steuer absetzen können. Das Modell sieht eine Grundpauschalierung von zehn Prozent, mindestens aber 3000 Euro, vor. Damit ist alles abgedeckt, was der Unternehmer für Büromaterial, Werbung, Versicherungen, Literatur und Fortbildung ausgibt. Darüber hinaus gibt es eine Mobilitätspauschalierung von zwei Prozent des Umsatzes (gedeckelt mit dem höchsten Pendlerpauschale), die alle beruflichen Fahrten mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln umfasst. Dazu kommt die Energie- und Raumpauschalierung über acht Prozent des Umsatzes, mit der alle Kosten für Erdöl, Erdgas, Strom, Reinigung und Versicherungen, die mit der Liegenschaft zu tun haben, abgedeckt werden.

Drei Jahre gebunden

Ein Unternehmer, der im Jahr einen Umsatz von 200.000 Euro erzielt, könnte seine Steuerbasis so auf einen Schlag um 40.000 Euro verringern. Zudem bleiben bestimmte Betriebsausgaben weiter voll abzugsfähig. Dazu zählen Wareneinsatz, Löhne, Lohnnebenkosten, Sozialversicherungsbeiträge, Ausbildung von Arbeitnehmern, Miete, Pacht, Instandhaltung und Instandsetzung. Der Restbetrag ist die Bemessungsgrundlage und wird zum Tarif versteuert.

Im Finanzministerium ist man mit der neuen Formel offensichtlich zufrieden. Maria Fekter spricht gar von einem „Quantensprung an Verwaltungsvereinfachung, sowohl für die Betriebe als auch für die Finanzverwaltung“.

Für Unternehmen heißt es nun rechnen, ob sich der Umstieg auf die Pauschalierung wirklich auszahlt. Dabei sollten sie aber nicht nur das kommende Jahr im Blick haben. Denn wer sich einmal für den Umstieg auf die neue Besteuerungsform entscheidet, kann in den beiden darauffolgenden Wirtschaftsjahren nicht mehr zu der alten Berechnungsmethode zurückgehen.

Auf einen Blick

Das Finanzministerium legt eine neue Steuerformel für Kleinunternehmen mit einem maximalen Jahresumsatz von 255.000 Euro vor. Zusätzlich zu bestimmten Kosten wie Löhnen oder Miete sollen 20 Prozent des Umsatzes pauschal absetzbar sein. Die Regelung ist ein Ersatz für die pauschale Besteuerung von Gaststätten, die der VfGH im März als gesetzeswidrig aufgehoben hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

37 Kommentare
 
12

Vereinfachung? LOL!

Von dieser Vereinfachung haben die Unternehmer gar nichts. Denn jeder, der bei Sinnen ist, wird sich ausrechnen was billiger kommt. D.h. es wird laufend Variante A (mit Pauschalierung) und Variante B (ohne Pauschalierung) durchgerechnet. Vereinfachung = 0.

Die einzigen Nutznießer sind wieder einmal die Steuerberater.

Und was wäre wirklich so schlimm, wenn jeder den Gewinn mit einer einfachen E/A-Rechnung ermitteln müßte? Gar nix! Das ginge auch bei den Bauern. Ist aber politisch offenbar nicht gewollt.

Ach ja: und warum werden die Unternehmer nicht gezwungen jeden Umsatz in der Registrierkassa zu verbuchen? Aha, Schwarzgeld kann ja jeder mal brauchen, verstehe......

Sitzen im BMF wirklich nur Fachidioten?

Re: Vereinfachung? LOL!

Genau so ist es.

Allein schon für die Bank kann kein Unternehmer auf eine ordentliche Einnahmen-Ausgaben-Rechnung verzichten (außer er ist in der seltenen Situation, völlig ohne Fremdkapital auszukommen). Also wird künftig jedenfalls doppelt gerechnet, und dann nimmt man für die Steuer das was günstiger ist (unter Berücksichtigung der Bindung an die richtige EAR an für 3 Jahre).

Re: Re: Vereinfachung? LOL!

Haben sie selbst ein Unternehmen?
Wie oft fällt ein Steuerberater bei der Abschätzung an?

Welcher Kleinunternehmer hat keinen Steuerberater?
Kann ein Steuerberater mit den laufend eingespeisten Daten auf Knopfdruck die Abschätzung machen?
Wieviel kostet der Knopfdruck eines Steuerberaters, der nach Stunden abgerechnet wird?

Ich bin mir sicher, dass sie hier keine Ahnung haben, worüber es hier geht.

Ja unsere Meister brauchen Geld, viel Geld für ihre Jahrzehnte lange Misswirtschaft und wetten auf falsche Pferde

...die Schuldenunion und der ESM werden alle anderen auch noch bitter treffen! Zuerst rüsten wir jedoch mit Sicherheitsargumenten und vorgeschobener Steuergerechtigkeit gegen den Volksaufstand mit dem europaweiten Abbau von Bürgerechten und der absoluten Transparenzmachung des Individuums in Richtung Volksversklavung!

Re: Ja unsere Meister brauchen Geld, viel Geld für ihre Jahrzehnte lange Misswirtschaft und wetten auf falsche Pferde

??

Wenn ich das oben richtig lese, ist das eine Möglichkeit für Kleinunternehmer Steuern zu sparen und einen Haufen Papierkram nicht machen zu müssen.

Und so klingt es auch.

Warum dann ihr Post?

Re: Re: Ja unsere Meister brauchen Geld, viel Geld für ihre Jahrzehnte lange Misswirtschaft und wetten auf falsche Pferde

der Papierkram wird größer, weil künftig neben der echten EAR auch die fiktive pauschale Variante gerechnet wird.

Die (möglicherweise) eintretende Steuerersparnis geht für den Steuerberater drauf.

Das wird doch diese

Schwarzgeldbranche nicht treffen !!

Passt scho. Die Wirte wählen eh alle die schwarze Brut!

Sollen sich alle einrexen oder ihren Gewinn wie Kaisers Zeiten alle brav abführen. Evtl. verschwindet so die schwarz-rote Brut endlich einmal.

re.heilige Kuh

Die hat warscheindlich 6 % mit 6 Bier am Feierabend verwechselt.

Re: re.heilige Kuh

Zitat:
"Sonstige Bezüge sind Bezüge, die dem Dienstnehmer in größeren Zeitabständen als den normalen Abrechnungszeiträumen
oder auch nur einmalig
ausgezahlt werden.
Beispiele:
Urlaubsbeihilfe,
Weihnachtsremuneration.

Die Lohnsteuer für sonstige Bezüge wird mittels eines festen Steuersatzes von 6% eingehoben, vorausgesetzt das Jahressechstel wurde nicht überschritten. "

re

Die 6 % wurden warscheindlich mit den 6 Bier nach Feierabend verwechseld.

re.heilige Kuh

Besser einmal in der Lohnsteuerliste nachschauen, als im Wirtshaus erkundigen.

re. neugierdsnase

5000 Brutto 13.Monats. Urlaubsg.
Soz. 860 E
Lohns.211,20 E

14. Monatsl. Weihnachtsg.
Soz. 595,12 E
Lohnst. 264,29 E

Die angenommennen 6 % wurden warscheindlich mit den 6 Bier nach Feierabend verwechselt.

re. neugierdsnase

3000 E Brutto 13. Monatsl. Urlaubsgeld
Sozialvers. 546,00 E
Lohnsteuer 111,84 E

14. Monatsl. Weinachtsg.
Sozialvers. 516,00 E
Lohnsteuer 143,84 E


Re: re. neugierdsnase

6% von 3000,- sind 180,- also sind die 111 bzw 143 deutlich unter 6% (differenz vermutlich durch SV, die ja die steuergrundlage verringert).

es ist also eine tatsache, dass 13. und 14. gehalt zwar nicht steuerfrei sind, aber mit 6% stark begünstigt besteuert werden.


re.heilige Kuh

Seit wann ist der 13 und 14. Gehalt steuerfrei ? In welchen Land lebst du? hedisi

Re: re.heilige Kuh

seit langer Zeit.
Der Pauschalsatz von 6 % ist lächerlich klein.
Lange nicht in Ö gelebt?

heilige Kuh

Der steuerfreie 13. und 14. Gehalt ist ein Privileg der Arbeitnehmer, welches sich kein Politiker anzugreifen wagt.

Sozial ungerecht

Was ist eigentlich so sozial ungerecht, wenn jeder Euro Gewinn gleich hoch besteuert wird?

Na Schön wenn es nur die Wirten betrifft

Haben die Wirtinnen eben eine Ausnahmestellung.

das ist eine sauerei!

jeder arbeitnehmer hat jeden cent zu versdteuern, die armen unternehmer werden wieder bevorzugt.

hoffe die roten lassen das nicht zu!!!!!

aber das ist ja nicht mehr die partei der arbeitnehmer....

die roten gibt es eigentlich nicht mehr....


Re: das ist eine sauerei!

nicht schimpfen ohne nachzudenken!
es geht nur um eine pauschalierung der betriebsausgaben, die ja ohnehin absetzbar sind. d.h. verwaltungsvereinfachung!
das gibt es übrigens auch bei arbeitnehmern! heißt werbungskostenpauschale und wird automatisch von ihrer lohnsteuer abgezogen - egal, ob sie wirklich werbungskosten haben oder nicht! (diese cents brauchen sie also nicht zu versteuern - auch wenn in ihrem posting steht, dass sie jeden cent versteuern!)

Re: Re: das ist eine sauerei!

Die Werbungskostenpauschale fuer Arbeitnehmer betraegt 132,00 Euro im JAHR,

Re: Re: Re: das ist eine sauerei!

Wenn sie die 2 Zetteln fürs Finanzamt nicht ausfüllen.

Die Zeit kann man sich nehmen und etwas Geld zurückholen.

Re: das ist eine sauerei!

Genau. Weil 13. und 14. Gehalt ist ja keine Bevorzugung der Arbeitnehmer.

Jeder soll einfach alles versteuern was er einnimmt, abzüglich damit zusammenhängender Ausgaben. Gleiche Steuerberechnung für Arbeitnehmer, Unternehmer und auch Bauern. Das wäre einfach und gerecht.

Re: Re: das ist eine sauerei!

darüber kann man diskutieren, aber genauso wären dann alle zinserträge, schenkungen, erbschaften, spekulationsgewinne usw. mit dem persönlichen steuersatz zu versteuern!


 
12

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

AnmeldenAnmelden