Teuerung: Umverteilung von unten nach oben

Die Teuerung lag in Österreich im vergangenen Jahr 2012 bei rund 2,5 Prozent. Damit bleibt die Inflationsrate weiterhin über dem Wunschziel der Europäischen Zentralbank, das bei „knapp unter zwei Prozent liegt“.

Schließen
Symbolbild – (c) AP (Matt Dunham)

Wien. Die Teuerung lag in Österreich im vergangenen Jahr 2012 bei rund 2,5 Prozent – so lautet jedenfalls die vorläufige offizielle Schätzung der Statistik Austria. Damit lag die Inflationsrate deutlich über dem offiziellen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank, das bei „knapp unter zwei Prozent liegt“. Im Vorjahr war die Inflation aber deutlich stärker: 3,3 Prozent. Und im kommenden Jahr soll sie sich auch in Österreich weiter abschwächen.

Dabei ist zu beachten: Fallende Inflationsraten bedeuten keineswegs fallende Preise – Produkte und Dienstleistungen werden lediglich langsamer teurer. Beziehungsweise: Manche Produkte werden deutlich teurer, während andere sich verbilligen. Außerdem basiert die Teuerungsrate immer auf dem Wert vom Vorjahr. Heißt: Wenn 2011 ein besonderes Inflationsjahr war, ist es nicht überraschend, dass die Inflation 2012 wieder gesunken ist. Beim Einkaufen ergibt sich subjektiv sowieso ein anderes Bild.

Beim Tanken und im Supermarkt fällt die Teuerung deswegen verstärkt auf, weil Benzin und Nahrung Notwendigkeiten des Lebens darstellen, die ständig teurer werden. Auch 2012 waren diese beiden Sektoren in der „Preistreiber“-Tabelle der Statistik Austria ganz oben zu finden. Gedrückt wird die offizielle Inflationsrate aber durch Preissenkungen bei Computern, Handys und Tablets: also bei Produkten, die zwar nachgefragt werden aber keinesfalls lebensnotwendig sind. Das illustriert auch das Problem, dass Inflation vor allem die Ärmeren trifft, die einen großen Teil ihres Einkommens für Essen und Energie ausgeben.

Ungerechte Umverteilung

Teuerung ist eine Folge der Geldentwertung, die entweder angebots- oder nachfrageseitig stattfindet. Also wenn die Geldmenge stark steigt oder das Vertrauen in Geld stark sinkt. Wenn die Preise aber steigen während die Löhne der Masse es nicht tun, kommt dies einer Umverteilung von unten nach oben, von Arm zu Reich gleich. Ein wunder Punkt jener, die inflationistische Politik als Heilmittel und als „sozial gerecht“ verkaufen wollen – und solche sitzen in fast allen Regierungen der EU und auch bei „kritischen“ Organisationen wie Attac. Die Deutschen sind nach den Erfahrungen mit der Hyperinflation in der Weimarer Republik (die damals fast alle Ersparnisse vernichtete) sehr inflationsempfindlich. Und nach vier Jahren Krise sorgen sich heute laut einer aktuellen Umfrage schon 42 Prozent der Deutschen, dass ihr Geld „bald nichts mehr wert ist“.

Dazu kommt für die Konsumenten das zusätzliche Problem der „versteckten“ Inflation. Denn tatsächlich herrscht bei vielen Produkten ein derartig starker Konkurrenzkampf, dass die Hersteller sich eklatante Preissteigerungen gar nicht leisten können. Seit die EU aber 2009 die Einheitsgrößen für Verpackungen im Lebensmittelhandel abgeschafft hat, können sich die Hersteller neuer Tricks bedienen. Statt die Preise zu erhöhen verkleinern sie die Packungsgrößen. Oder sie packen weniger Produkt in eine Packung derselben Größe. Solche Praktiken werden von Konsumentenschützern immer wieder angeprangert.

Das Magazin „Konsument“ des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) hat jetzt gar einen Computertomografen bemüht, um verdächtige Verpackungen zu durchleuchten. Das Ergebnis: Manche Verpackungen sind sogar zur Hälfte nur mit Luft befüllt. Babykekse von Hipp und Stärke von Mazena zum Beispiel. Selbst manche Branchenverbände verurteilen diese Praxis und schlagen einen maximalen „Verpackungsleerraum“ von 30 Prozent vor.

Hilft aber alles nichts, wenn ein Hersteller die Mehrkosten irgendwie weitergeben muss, ohne die Kunden allzu offensiv zu verprellen. So konnte der VKI binnen kurzer Zeit zwei fast idente Packungen von „Kotanyi Muskatnuss“ finden. Der Preis beider Packungen war gleich, nur der Inhalt nicht. Der schrumpfte von 13 Gramm auf nur neun Gramm. Kunden können dies nur durch sehr genaues Hinschauen entdecken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2012)

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.