Nordbergstraße: Wenn Provisionen "wandern"

30.12.2012 | 18:30 |  von Hedi Schneid (Die Presse)

Im Fall Nordbergstraße ermittelt die Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien wegen Untreue zum Schaden der Telekom Austria. Die Telekom verkaufte 2003 ein Objekt an Porr/Kallinger – sie zahlte dem Käufer Millionen.

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Wien. Die Nordbergstraße: Kein Mensch kannte sie – auch die Bewohner des neunten Wiener Gemeindebezirks dürften keine Ahnung von den brisanten „Geschäften“ gehabt haben, die dort vor nunmehr fast zehn Jahren abgewickelt wurden. Bis im Jahr 2010 im Zuge der Ermittlungen rund um den Buwog-Skandal ein Telefonat zwischen den beiden Grasser-Freunden, dem Lobbyisten Walter Meischberger und dem Immobilienmakler Ernst Karl Plech, bekannt wurde. „Wo woar mei Leistung?“ lautete die inzwischen legendäre Frage Meischbergers zur Provision von 708.000 Euro. Und Österreich war um einen Immobilienskandal abseits von Buwog und Terminal Tower Linz reicher.

Im Fall Nordbergstraße ermittelt die Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien (WKStA) wegen Untreue zum Schaden der Telekom Austria – er wird als Teil der Buwog-Causa behandelt. Beschuldigt sind Meischberger und Plech, der ehemalige Bauunternehmer Anton Kallinger sowie Stefano Colombo, Wolfgang Frauenholz, Birgit Wagner und Erich Zanoni (alle Telekom Austria). Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung, im Korruptions-U-Ausschuss haben sie jegliche Anschuldigungen zurückgewiesen.

Eine Reihe von E-Mails sowie Rechnungen (und dazu gehörende Entwürfe), die bisher nicht im Detail bekannt waren, geben Aufschluss darüber, welch seltsame und ungewöhnliche Geschäftspraktiken damals gepflegt wurden. Wobei nicht nur Meischberger sehr gut verdient haben könnte. Geld wurde nämlich mehrmals im Kreis geschickt.

 

BIG ging leer aus

2003 verkaufte die Telekom Austria ein Bürogebäude in der Nordbergstraße nicht wie geplant an die BIG, sondern an das Porr-Kallinger-Konsortium Soreg. Um 30,522 Mio. Euro. Der Mehrerlös der Telekom betrug 1,6 Mio. Euro. Das war, wie sich wenig später herausstellte, ein Klacks. Denn die Soreg verkaufte das Objekt und ein von ihr um 4,1 Mio. Euro dazu erworbenes Grundstück wenig später um 48,967 Mio. Euro an das Bankhaus Wölbern. Das war eine Wertsteigerung von 14,3 Mio. Euro oder 41 Prozent – binnen eines Monats.

Allein dieser Gewinn innerhalb kürzester Zeit lasse den Rückschluss auf Kick-back–Zahlungen zu, sagt die Grünpolitikerin Gabriela Moser, die lange den Korruptions-U-Ausschuss führte, zur „Presse“.

Plech hat im Ausschuss bestritten, dass er als damaliger BIG-Aufsichtsrat Insider-Infos aus der BIG an die Soreg weitergegeben hat. Die WKStA geht dennoch der Vermutung nach, zumal Meischberger in einem Verhör gesagt hat, dass er die Provision mit Plech geteilt habe. Einige Monate später revidierte Meischberger die Aussage dahingehend, dass er das Projekt allein abgewickelt habe. Plech sei nur Ratgeber gewesen.

Was Moser ebenso verdächtig erscheint: Der Telekom blieb von ihrem Mehrerlös so gut wie nichts übrig, denn sie zahlte rund 1,2 Mio. Euro an Provisionen und für Sanierungsarbeiten an Porr und Kallinger. Schon im September 2003, knapp nach Abschluss des Deals zwischen Telekom und Soreg, begann das Geld zu rotieren. In einem Mail (26.9.2003) der Telekom-Mitarbeiterin Birgit Wagner an Controlling und Einkauf befinden sich vier – mit der Porr abgestimmte – Rechnungsentwürfe über 600.000 Euro (Maklerprovision) sowie 102.000, 63.600 und 436.800 Euro für Sanierungsarbeiten. Die Telekom entwarf Rechnungen, die Kallinger und Porr dann stellten.

 

Käufer als Makler?

Der inzwischen erkrankte Bauunternehmer Anton Kallinger-Prskawetz verrechnete am 26.9.2003 600.000 Euro „wie vereinbart für die erfolgreiche Vermittlung Ihrer Immobilie Nordbergstraße 15“. Kallinger war Teil des Käuferkonsortiums und gleichzeitig Makler. Am 25.10. stellte Meischberger eine Rechnung über 708.000 Euro an Kallinger – „für die Beratung und Unterstützung Ihrer Unternehmung bei der Entwicklung und Verwertung der oben angeführten Immobilie“. Kallinger reichte das Geld an Meischberger weiter.

Wer beriet wen wobei? Nicht nur Moser findet den Geldfluss höchst aufklärungswürdig. Auch in der dem Strafverfahren angeschlossenen Privatklage der Telekom spielen die Vorgänge eine zentrale Rolle. „Es ist völlig unüblich, dass der Verkäufer einer Immobilie an den Käufer Provisionen für Sanierungsarbeiten zahlt“, sagt Moser.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2012)

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35 Kommentare
 
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Telekom eine kundenorientierte Firma

Auf Grund erhöhter Provisionszahlungen, dubioser Zahlungen und Werbebeiträge für Parteiblätter etc.....

ist jetzt kein Geld mehr da um im AON-TV die Sportkanäle Eurosport 1 und 2 zu senden.

Sang und klanglos wurden die Kanäle, ohne die Kunden zu informieren, aus der Programmliste gestrichen.

Sparmaßnahmen nach Telekom-Art


Wann

Wann gibt's endlich ein Gerichtsverfahren gegen Meischberger?? Werden wir das in diesem Jahrhundert noch erleben????

Gerichtsverfahren gegen Meischberger

Leider nicht der Einzige, gegen den wir das Gerichtsverfahren nicht mehr erleben werden.
Egal welche coleur-die haben alle ihre Finger in der Justiz drinnen.
Und dann ist es halt verjährt, es werden Zeugen erst gar nicht geladen, Verfahrensfehler gemacht, oder wenn es überhaupt Urteile gibt, dann nur kleine Geldstrafen odr bedingte Strafen.

Langsam kommt mir der Verdacht, das ist die Methode, mit der man Leute straffrei entkommen lässt.

Beispiel

Bgld. 2003 wurde der Bgm von Frauenkirchen wegen "Scheinmeldungen" von Schülern angezeigt. Für die StAw ein klarer Fall für die "Dienstbehörde" und eigener Untätigkeit. Jahre später musste der Landesrat und ExBgm von Zurndorf nach einer Gerichtsverhandlung und Verurteilung als Landesrat gehen.

Interessant, wer zu dieser Zeit im Vorstand der Porr war:

laut Geschäftsbericht von 2003 (auch online verfügbar):

DIPL.-ING. HORST PÖCHHACKER (seit 1982 Vorstandsvorsitzender)
ING. WOLFGANG HESOUN (hat sich rechtzeitig zu Siemens abgeseilt, sicher völlig unpolitisch neben der Ederer)
MAG. MARTIN HUBER (der schwarze Anteil)

Alle völlig unpolitisch, der Unschuldsvermutung unterliegend und Personen, von denen man Korruptionsmäßig ja noch nie etwas gehört hat.

Eine derartige Summe wird gemäß firmeninterner Unterschriftenrichtlinien sicher damals die Postabteilung abgewickelt haben.

man müsste demnach die Anklage auf die Chefetage erweitern

damit gerät Moser in die Zwickmühle.

Ermittlungen oder gar Anklagen gegen hochstehende Sozialisten würde den Grünen Pakt mit Häupl gefährden.

Auf der anderen Seite würde ein gezieltes Ausklammern von SPÖ-Leuten die ganze Ermittlung lächerlich machen.

INteressant, wer zu dieser Zeit im Vorstand der Porr war:


Die sollen endlich aufhören zu ermitteln!

Anklage, Verurteilung, Gefängnis. Der Sachverhalt ist doch längst völlig klar!

Re: Die sollen endlich aufhören zu ermitteln!

klar aufbereitet durch Medien, die hauptsächlich mit Skanalmeldungen Quote machen! Damit wären wir bei der Lynchjustiz angelangt. Mich wundert langsam nicht mehr, dass Österreich solche Politiker hat!

Es hat sich nichts geändert!

Vor mehr als 200 Jahren galten die Gesetze auch nur für den einfachen Bürger. Die Adelingen, - heute Politiker - können es sich beliebig richten.

Warum dauert das zehn Jahre,

bis auffällt, dass da illegale Sachen gelaufen sein müssen?

Immerhin haben wir jetzt die Hoffnung, dass die Korruptionisten ihren Richter finden werden.

Dringend geboten wäre, das ergaunerte Vermögen ersatzlos einzuziehen. Bisher scheint sich Korruption ja gut gelohnt zu haben, denn im schlimmsten Fall gab es eine Verurteilung und die Vermögen blieben unangetastet.

Das dauert zehn Jahre,

weil diese Angelegenheiten werden so lange verschleppt und in die Länge gezogen, bis alles verjährt ist.

Aber vergessen Sie z.B. einmal den Kirchenbeitrag einzuzahlen, dann bekommen Sie postwendend einen Brief vom Bezirksgericht.

Re: Das dauert zehn Jahre,

da haben Sie aber auch die Mahnung "vergessen"


Zum Glück hab ich meinen Schrebergarten

Ecke Nordbergstraße/Frank Drebbin-Allee schon verkauft.

Zum Kotzen

Das einzige was ich mir im neuen Jahr wünsche, ist ein funktionierende Justiz und das diese dreckigen Korruptionisten endlich eingesperrt werden und natürlich Gesundheit und das ich nicht mehr so oft kotzen muss wenn ich solche Berichte lese.

Re: Zum Kotzen

Wien istsowieso zum Kotzen! LEILEI!

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Re: Zum Kotzen

Wünschen Sie sich lieber einen Jackpot-Gewinn beim Lotto ohne mitzuspielen. Das ist aussichtsreicher.

Re: Zum Kotzen

Warum wohl bestellen SPÖ+ÖVP Polizei, Richter, Staatsanwälte, ORF .....

Sollte sich einmal ein einfacher Bürger erlauben 10.000 Steuergeld das dem Staat gehört zu verzocken!!!!!

Ob er da von der Justitz auch so nett und freundlich behandelt würde wie z.B. in Salzburg oder NÖ?

Es geht noch frecher! Jene Politiker die dafür verantwortlich sind, denken nicht an Rücktritt, sonder spielen sich nun sogar als Retter auf!

Vergleich: Niemand denkt daran Elsner zur Sanierung der BAWAG zu holen!

Das Volk der DDR hat sich von einem solchen System vor mehr als 20 Jahren verabschiedet. Österreich ist noch lange nicht so weit!
Wir wählen freiwillig diese Typen immer wieder, damit sich nichts ändert!

Re: Re: Zum Kotzen

Ja, leider. Es wird sich nichts ändern. Selbst unter einigermaßen Gebildeten und beruflich Erfolgreichen hört man immer wieder " welche Alternative zu RotSchwarzGrün haben wir schon?" Stronach ist ein alter Mann und seine eingekauften Leute repräsentieren das verlotterte Politsystem. Strache traut man zwar eine willkommene Law&Order Politik zu, mit der braunen Rülpsern kann aber niemand was anfangen.
SPÖVP können völlig ungestört das Land weiter ausplündern.

Einsperren!


Ach ich vergaß!

Sanktionen gibt es in Österreich ja nur gegen die Untertanen, bei "Abgabenverkürzung".

Re: ... bei "Abgabenverkürzung"

Natürlich. Von wo sonst, als von Steuern und Abgaben, sollte das Spielkapital dafür kommen?

PS: Staatliche Monopolbetriebe mit deren "konkurrenzlosen" Preisen spielen hier natürlich auch noch etwas mit.

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Es gilt die Schuldvermutung

für alle Beteiligten

In österreich

hat die MAF IA die Macht übernommen.

seid wk2 wurden so hunderte milliarden € aus oeffentlichen in private taschen gespuelt.

Einer der grössten raubzuege in der geschichtebunseres landes!!!

und das perifde daran - voellig legal, weil die MAF IA gleichzeitig Gesetzgeber war!

Freunderlschaft!

Wir verdienen nichts anderes!

So lange wir weiterhin SPÖ+ÖVP wählen wird sich auch nichts ändern!

Ob jeder einfache Bürger wenn er z.B. 10.000 Steuergeld dem Staat schuldet und diese an der Börse verzockt von FMA und Justitz auch soe freudlich behandelt würde?

340 Mio in Salzburg
400 Mio in Salzburg sind "verschwunden"
in NÖ sind es weit über 1 Mrd.

...aber alle dürfen weiter machen wie bisher!
Sie spielen sich sogar als Retter auf!
Wer würde auf die Idee kommen Elsner zur Sanierung der BAWAG zuholen?

Re: In österreich

Club 45
Spö
KOnsum
Bawag
Bauring
Skylink
Gewerkschaft
PVA Milliarde
ASFINAG
ÖBB
Schulden
SPÖ - weg damit - und ÖVP gleich mit.

Re: Re: In österreich

Das ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs....

 
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