Frust und Chaos bei österreichischer Solarförderung

02.01.2013 | 18:39 |  JAKOB ZIRM (Die Presse)

Aufgrund technischer Probleme kamen viele Antragsteller am Neujahrstag nicht zum Zug. Das Chaos sorgt für Diskussionen über das System an sich.

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Wien. Während anderswo mit Feuerwerk und Walzer das neue Jahr gefeiert wurde, rauchten in der Silvesternacht bei der Abwicklungsstelle für Ökostrom (OeMAG) die Köpfe der IT-Verantwortlichen. Denn genau ab Mitternacht konnten Anträge für die diesjährige Förderung von Fotovoltaik-Anlagen eingebracht werden. Und diese kamen so zahlreich, dass das System kurz vor dem Zusammenbruch stand. Viele Antragsteller erhielten stundenlang Fehlermeldungen und gingen leer aus, wie der Branchenverband „Photovoltaic Austria“ kritisiert. Denn am Vormittag des 1. Jänner war das Kontingent für 2013 bereits erschöpft.

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„Es hat Probleme gegeben, und wir verstehen den Frust vieler“, sagt OeMAG-Vorstand Magnus Brunner. Der Grund für das Chaos war laut ihm, dass mehrere Antragsteller (meist Firmen, die PV-Anlagen errichten und die Antragstellung für ihre Kunden übernehmen) mittels sogenannter „Bots“ – also Programmen – die Fördereingabe automatisch durchführen ließen. Dadurch seien die Server der OeMAG überlastet worden. Diese Antragsteller seien zwar bekannt, da sie nun oft mehrfache Anträge pro Kunde eingebracht hätten. „Wir haben aber keine rechtliche Handhabe“, sagt Brunner. Bisher seien „Bots“ nicht verboten gewesen.

 

Los statt first-come, first-served?

Hans Kronberger von „Photovoltaic Austria“ fordert daher nun, dass eine „Sonderlösung“ gefunden werde. Das Chaos bei der Fördervergabe sorgt aber auch für Diskussionen über das System an sich. So wäre es laut OeMAG und E-Control sinnvoller, anstatt des Systems „Wer zuerst kommt, hat Vorrang“ auf ein Los-System umzustellen. „Derzeit bekommen ja jene ihre Anträge durch, die die besten Programmierer beschäftigen“, so E-Control-Chef Walter Boltz. Beim Los-System würden die Anträge über ein paar Wochen hinweg gesammelt und dann zugelost. Von Kronberger wird dies jedoch abgelehnt, da die Förderung erneuerbarer Energie so den „Geruch einer Lotterie“ bekäme. Er fordert indes eine Aufhebung des Förderdeckels von acht Mio. Euro jährlich. Auch im zuständigen Wirtschaftsministerium will man beim jetzigen System bleiben.

 

E-Control: „Zu starke Förderung“

Ebenfalls aufgeworfen wird die Frage einer „Überförderung“. „Angesichts der großen Nachfrage muss man die Frage stellen: Vielleicht sind einfach die Tarife zu hoch?“, so OeMAG-Vorstand Brunner. Er plädiert dafür, die Fördertarife (die Anlagenbetreiber erhalten über dem Marktpreis liegende Preise, die von allen Stromkunden finanziert werden) zu senken, um den Druck der Nachfrage zu verringern.

Ähnlich argumentiert auch Energie-Regulator Boltz: „Die Fotovoltaik ist in Österreich zweifelsohne zu stark gefördert. Wenn sich zehnmal so viele für eine Förderung interessieren, wie Geld vorhanden ist, reicht vielleicht die Hälfte der Förderung, und es ist immer noch die Hälfte zu viel.“ PV-Anlagen sollten vor allem genutzt werden, um den Eigenverbrauch zu substituieren und nicht, um Energie für andere zu produzieren, so Boltz weiter. Denn als Eigenverbrauch ist Solarstrom bereits konkurrenzfähig, da in diesem Fall weder Netzkosten noch Steuern anfallen. Daher wäre ein reiner Investitionsanreiz im Ausmaß von „zehn Prozent“ der Anschaffungskosten ausreichend.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2013)

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7 Kommentare

Der Vorschlag bezüglich Los und Zuteilung

Einen Vorschlag zur Zuteilung würde ich machen:

Vielleicht könnte man eine "umgekehrte Holländische Auktion" machen. Bedeutet:
Die Anforderer setzen einen Preis fest, den sie pro "Charge" annehmen würden. Der Preis steigt von unten nach oben und die günstigsten Förderpreise bekommen zuerst den Zuschlag.

So würden die meisten Förderungen für die "Bestbieter" zugeteilt werden.

Die Investionsförderung würde Sinn machen

Die Investionsförderung würde Sinn machen

Weil dann die Fördersteller ihre Anlagen umsetzen müssen und nicht Jahre warten um billigere Anlagen zu bekommen und weil das gleichzeitig die private Selbstversorgung unterstützen würde.

Eine einzige zusätzliche Einschränkung würde ich machen:
Die Förderung bezieht sich auf die geleistete Menge Strom im ersten Jahr. Ansonsten knallen die Leute Anlagen auch auf ineffiziente Dächer oder in den abgeschatteten Garten, was den Panelpreis unnötig treiben würde.

Es "reicht vielleicht die Hälfte der Förderung, und es ist immer noch die Hälfte zu viel"!

Wie sollte man mit Solarstrom, der nur bei Tag und dann je nach Bewölkung in völlig unberechenbaren Stößen kommt, "den Eigenverbrauch substituieren"?
So etwas kann niemand brauchen, verkaufen kann man es aber mit gutem Gewinn an Stromversorger,die per Gesetz gezwungen werden, saftige Einspeistarife zu bezahlen, nur um dann an den Strombörsen noch dazuzahlen zu müssen, damit jemand diesen Strom entsorgt!

Für diesen Unsinn ist jeder Cent, den der Steuerzahler für Förderungen blechen muss, zu viel!

Re: Es "reicht vielleicht die Hälfte der Förderung, und es ist immer noch die Hälfte zu viel"!

Sie wissen aber schon, dass dann am meisten Strom verbraucht wird, wenn die Sonne scheint.

Und sie wissen auch, dass Strom grundsätzlich einfach speicherbar wäre (ich erinnere sie hier wieder an ihre falschen Meldungen bezüglich Speicherkapazitäten in Norwegen).

Und sie wissen auch, dass die Deutschen weniger Energieprobleme haben als die Franzosen oder Tschechen.

Und sie wissen auch schon, dass die meisten "Stöße" im Stromnetz durch Rekuperationen bei Betrieben kommen. Die Öbb beweist, dass man das leicht managen kann.

Re: Re: Es "reicht vielleicht die Hälfte der Förderung, und es ist immer noch die Hälfte zu viel"!

Die Stromverbrauchsspitzen liegen am frühen Vormittag und am frühen Nachmittag.

Wann und wo habe ich etwas über die Speicherkapazität in Norwegen gesagt?

Als Speicher kommen praktisch nur Pumpspeicherwerke in Frage. Das Regelarbeitsvermögen aller öst. Pumpspeicherwerke beträgt ca 4 Prozent des öst. Stromverbrauchs. Das ist viel zu wenig um da auch noch Ökostrom speichern zu können.
Deutschland kommt nicht einmal auf 1 Prozent. Norwegen hat den Plänen, dort für Deutschland Strom zu speichern, eine deutliche Absage erteilt.
Praktisch existiert keine Möglichkeit genug Strom zu speichern, um Ökostrom nutzbar zu machen.

Man liest nur von Energieproblemen in Deutschland.

Die Schwankungen bei Ökostrom sind um Größenordnungen stärker, als die von Betrieben ausgelösten. Wind ist immer böig. Ein Viertel Windgeschwindigkeit bedeutet z. B. nur mehr ein Vierundsechzigstel Energieinhalt des Windes, das ist so gut wie nichts!

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Wenn

ich mir die Dächer von den Bauernhöfen im Lande anschaue weiß ich wo die Förderungen ankommen.

Ein paar Monate später erklärt Minister Mitterlehner:

"Die Solarförderung wurde nicht ausgeschöpft".

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