Gründer: Frisches Geld aus der rechtlichen Grauzone

Neun von zehn Jungunternehmern finanzieren sich bei ihren Banken. Doch die geben nicht mehr so bereitwillig wie früher. Private Finanzierungsformen sind hierzulande unterentwickelt – und möglicherweise illegal.

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Symbolbild – (c) BilderBox com (BilderBox com)

Wien/auer. Österreichs Jungunternehmer blicken wenig zuversichtlich in das neue Jahr. Jeder dritte der 1200 Befragten glaubt, dass sich die wirtschaftliche Lage heuer verschlechtern wird. Fast die Hälfte rechnet mit einer unveränderten Großwetterlage. Das Vertrauen in das eigene Unternehmen ist da schon größer: Jeder Vierte rechnet mit steigenden Erträgen. Das ist immerhin ein kleines Plus gegenüber dem Sommer. Und ein großes Plus im Vergleich zu anderen Teilen der Wirtschaft: So rasselte die Stimmung der „erwachsenen“ Industrie beim jüngsten Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung etwa deutlich nach unten.

Kreditklemme bei KMU?

„Die Gründer bleiben verhalten“, sagt Markus Roth, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft. Grund dafür sei auch, dass die Regierung zwar viele Initiativen für Unternehmer angekündigt, aber nur wenige tatsächlich umgesetzt hat. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte GmbH light, zu deren Gründung deutlich weniger Kapital benötigt wird.

Denn genau da hakt es bei Österreichs knapp 30.000 Gründern im Jahr offenbar. „Manche Jungunternehmer bekommen von ihrer Bank nicht einmal eine Kreditlinie über 10.000 Euro“, sagt Roth. 46 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe fühlen sich subjektiv in der Kreditklemme. Strengere internationale Richtlinien bei der Kreditvergabe bremsen den Gründerboom hierzulande stärker als in anderen Ländern. Denn in Österreich finanzieren sich immer noch neun von zehn jungen Unternehmern über einen Bankkredit. Ein Wert, der anderswo in Europa undenkbar wäre.

Im Gegenzug zeigt sich jetzt, dass alternative Finanzierungsformen in Österreich denkbar unterentwickelt sind. Zwar gibt es mittlerweile etliche staatliche und auch private Initiativen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Zugang von Jungunternehmern zu Kapital zu erleichtern. Doch manche von ihnen agieren derzeit noch in einer „rechtlichen Grauzone“, warnt Roth.

Ist Crowdfunding illegal?

„Jeder, der in Österreich Crowdfunding betreibt, begibt sich auf unsicheres Terrain.“ Wer Glück hat, kommt mit dem Sammeln privater Geldspenden oder Beteiligungen gut durch. Wer Pech hat, bekommt nach ein paar Jahren von der Finanzmarktaufsicht Bescheid gesagt, dass alles illegal war. Roth fordert daher eine Vorabprüfung der Finanzierungsmodelle durch die FMA, so wie es etwa auch in Deutschland üblich ist. Auch die Prospektpflicht für Finanzierungsrunden über 100.000 Euro setze zu früh an.
Hier sei eine Anhebung auf mindestens 300.000 Euro vonnöten. Wenn es das schon gäbe, hätte sich etwa der Waldviertler Schuhproduzent Heini Staudinger den Griff zur illegalen Privatfinanzierung und damit den Clinch mit der FMA gespart. Bis Mitte Jänner will die Junge Wirtschaft ein Expertenteam vorstellen, das Vorschläge für Reformen auf dem Finanzmarkt machen soll. Sich bewusst gegen Banken aufzulehnen sei aber „nicht zielführend“. Letztlich sei jede Form der alternativen Finanzierung teurer als ein Kredit bei der Bank.

Eine der Initiativen, die bereits erfolgreich angelaufen sind, ist das „Seed“-Programm des Wirtschaftsministeriums. 16,5 Mio. Euro wurden im Vorjahr an 44 junge Hightech-Unternehmen ausgeschüttet. Maximal vergibt die Austria Wirtschaftsservice eine Million Euro an Gründer. Entwickelt sich das Unternehmen langfristig gut oder wird verkauft, werden die Förderungen zurückgezahlt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2013)

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