Genussmittel: Kleinröster gegen Kaffeeschwindel

04.01.2013 | 17:05 |  Von Andreas Wetz (Die Presse)

Künstliche Gewichtserhöhung, Etikettenschwindel und gesundheitsschädliche Röstung: Wie sich eine Gruppe von sieben österreichischen Kleinbetrieben gegen die Sünden von Industriekaffee wehren.

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Wien. Kaffee, der als Aufguss in den Tassen von Haushalten und Gastronomie landet, hat eine lange Reise hinter sich. Dabei machen viele Bohnen an Stationen halt, von denen die Konsumenten lieber gar nichts wissen wollen.

Eine Gruppe von sieben österreichischen Kleinröstern hat es sich zum Ziel gemacht, die Sünden der Großkonzerne nicht zu wiederholen und sich selbst – vollkommen freiwillig – einem strengen Qualitätsregelwerk zu unterwerfen. Die Bestimmungen, die das österreichische Lebensmittelgesetz dazu kennt, sind nämlich zahnlos. Selbst die wissenschaftlich nachgewiesene Falschetikettierung vermeintlich hochwertiger Kaffees wird von den Behörden bisher ignoriert. Beispiele?

Mittels Laboranalyse untersuchten Arbeiterkammer, Institut für Ernährungswissenschaft und das Wiener Institut für Kaffee-Experten-Ausbildung 21 angeblich sortenreine (Kennzeichnung: 100 Prozent Arabica) Qualitätsröstungen. Fast die Hälfte davon (10) war jedoch mit billigen Robusta-Bohnen verschnitten. Seitens der Gesundheitsbehörden geschah bisher jedoch nichts.

„Das Problem ist, dass von den großen Lebensmittelkonzernen auch viel Müll in Bezug auf Kaffee produziert wird“, glaubt Oliver Groissböck, Chef des gleichnamigen Wiener Traditionskonditors und -rösters. Gemeinsam mit sechs Mitbewerbern wird er ab kommender Woche das selbst entworfene Gütesiegel „Qualitätsröster“ tragen. Die Kontrollen für die Voraussetzung zum Tragen dieses Siegels wird das Institut für Kaffee-Experten-Ausbildung unter der Leitung des Wiener Kaffee-Experten Leopold Edelbauer durchführen. Neben der – ehrlichen – Kennzeichnung „100 Prozent Arabica“ verpflichten sich die Mitglieder zu folgenden Kriterien:

► Kein Spritzen: Um die Bohnen nach dem Rösten schnell abzukühlen, werden diese in industriellen Vorgängen mit Wasser abgekühlt (gespritzt). Forscher der Universität Wien wiesen nach, dass dabei eine Vielzahl an Aromastoffen verloren geht. Zusätzlich wird dadurch das Gewicht der Bohnen erhöht. Der Konsument zahlt also auch das Wasser. Die Qualitätsröster verzichten auf diese Praxis.

► Kein Vaporisieren: Bei diesem Vorgang wird ungerösteter Rohkaffee mit heißem Wasserdampf benetzt. Damit ist es möglich, weniger schmackhafte und billige Sorten genießbar zu machen. Großhändler bieten die Vaporisierung der Bohnen ihren Kunden seit vielen Jahren als Zusatzdienstleistung an.

► Anbringen des Röstdatums: Per Gesetz liegt das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Kaffee bei 24 Monaten. Für den Geschmack entscheidend ist jedoch das Datum der Röstung. Gerösteter Kaffee verändert sich nämlich permanent, er oxidiert, beinhaltet eine Reihe zum Teil sehr flüchtiger Inhalts- und Aromastoffe. Das bedeutet: Nur frisch gerösteter Kaffee schmeckt auch gut. In einer Arbeit wies das Institut für Ernährungswissenschaft nach, dass bereits wenige Monate alter Röstkaffee mitunter unangenehme Geschmacksstoffe entwickeln kann.

► Wiener Röstung: „Man brenne die Bohne nicht zu schwarz, es schadet ihr“, schrieb 1685 der österreichische Offizier Luigi Fernando Marsigli in sein Tagebuch. Heute weiß die Wissenschaft, dass eine schwarze (italienische) Röstung erstens die antioxidativen Eigenschaften des Kaffees mindert und zweitens die Entstehung der möglicherweise krebserregenden Substanz Acrylamid fördert. Die Qualitätsröster verpflichten sich daher bei allen Sorten zur schonenden mittleren (= Wiener) Röstung.

Was die sich selbst zu Qualitätsröstern ausgerufenen Unternehmen mit der Initiative erreichen wollen? Marktanteile und ein Stück mehr Verständnis bei den Kunden für österreichische Kaffeetradition. „Es ist ein Jammer“, sagt Monika Hauswirth, Nachwuchsrösterin aus Eisenstadt, „dass Kaffee ausgerechnet hierzulande fast nur noch mit italienischem Flair verkauf wird.“

WEITERE INFORMATIONEN UNTER
www.qualitaets-roester.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

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27 Kommentare
 
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Heute habe ich so einen Kaffee aus Seekirchen mit der Post bekommen

Ich kann nur jeden sagen, probiert diesen Kaffee, er ist traumhaft.

Ehrlich gesagt, mir hat in Italien der Kaffee nie geschmeckt

Bis vor 1 1/2 o. 2 Jahren habe ich Meinl Kaffee getrunken und von einer Packung zur anderen war der Kaffee komplett anders und aus meiner Sicht ungenießbar. Seit dieser Zeit habe ich bis vor ein paar Monaten nur Kaffee probiert bis in die Schweiz.
Dieser Dallmayer Crema ist auch sehr frisch, das sieht man am Fettglanz der Bohnen.

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Re: Ehrlich gesagt, mir hat in Italien der Kaffee nie geschmeckt

Fettglanz bedeutet mitnichten, dass die Kaffeebohnen frisch sind, sondern ensteht bei sehr langer Röstung, kann aber auch auftreten, wenn gerösteter Kaffee schon alt ist.

Re: Re: Ehrlich gesagt, mir hat in Italien der Kaffee nie geschmeckt

Na wenn sie dieser Meinung sind, dann reiben sie etwas mit Fett ein und schauen wie lange es glänzt. Fett trocknet auch und verliert den Glanz.

Dieser Artikel enthält nur heisse Luft.

Der einzige Betrug am Kunden ist die falsche Deklaration der Bohnen. Da sollte Anzeige erstattet werden!
Und dunkel geröstete Bohnen als "möglicherweise krebserregend" zu bezeichnen ist einfach zu billig. Hier versucht jemand uns die sauer-bittere Wiener Brühe schmackhaft zu machen...

ein nebenprodukt der sandlerindustrie

der "artikel" ist voll von unkorrektheiten...

1. ein einziger rohkaffeegrosshanedler verkauft vaporisierte kaffeebohnen (oder auch lendrichverfahren, je nach druck) an diverse roester...
neumanngruppe, ueber deren tochterfirma die KALA...
wozu sich jene 6 roester verpflichtet haben ist einfach laecherlich, das ist standard bei allen mittelgrossen (+-400t) bis kleinen roester...

schwarze roestung ist franzoesische und nicht italienische...

desweiteren haette der journalist durch 5min recherieren rausgefunden woher, hr. edelbauer seine zertifikate bezieht, kleiner tipp:

http://www.extremnews.com/berichte/vermischtes/ed7412a5e030e36

und jedes weitere kommentar ist eigentlich sinnlos...

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Re: ein nebenprodukt der sandlerindustrie

Ja die Presse war einmal ein tolles Werk,heute ist es nur mehr APA Abklatsch.

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Warum ist dann der Espresso

in Italien auf der letzten Autobahnstation besser als in jedem Wiener Kaffeehaus?

Oder schmeckt mir das Acrylamid so gut?

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Gute Initiative, aber ...

Finde ich eine sehr gute und begrüßenswerte Iniative. Zwei Punkte verstehe ich aber nicht:

1. Warum die Selbstbeschränkung auf Arabica-Kaffeebohnen?

2. Warum die Verpflichtung, stets die Wiener Röstung anzuwenden? Jede Bohnesorte braucht ihren eigenen Röstgrad, da können schon einige Sekunden weniger oder mehr einen Unterschied zwischen sehr gut und ungenießbar machen. Das zu ignorieren und strikt nur einen Röstgrad zu verwenden, egal, wie sich dieser auf den Geschmack auswirkt, kann doch nicht zielführend sein. Kaffeebohnen für Espresso lassen sich damit meines Wissens wohl nicht rösten, da der Röstgrad "Wiener Röstung" über, also dünkler (sic!) über dem Röstgrad, der für Espresso benötigt wird, liegt.

Da empfehle ich einen Besuch zum Kaffee Modul in der Josefstädter Strasse (fast Ecke Strozzigasse). Die 2 Jungs dort wissen wo es lang geht. Der eine wurde 3. in der vor kurzem ausgetragenen Weltmeisterschaft, und der andere 2. in Kaffeefilter machen! Die holen sich den Kaffee frisch direkt von kleinen Kaffeebauern (Kooperativen / Familienbetriebe), die Bohnen werden dann MANUELL in Hamburg geröstet und ein Paar Tage später sind die schon in Wien in deren Geschäft. Der Unterschied in Geschmack ist einfach überwältigend!!!


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Re: Da empfehle ich einen Besuch zum Kaffee Modul in der Josefstädter Strasse (fast Ecke Strozzigasse). Die 2 Jungs dort wissen wo es lang geht. Der eine wurde 3. in der vor kurzem ausgetragenen Weltmeisterschaft, und der andere 2. in Kaffeefilter machen! Die holen sich den Kaffee frisch direkt von kleinen Kaffeebauern (Kooperativen / Familienbetriebe), die Bohnen werden dann MANUELL in Hamburg geröstet und ein Paar Tage später sind die schon in Wien in deren Geschäft. Der Unterschied in Geschmack ist einfach überwältigend!!!

Danke für den Tip. Werde dort hineinschauen, wenn ich in der Gegend bin!

„Es ist ein Jammer, dass Kaffee ausgerechnet hierzulande fast nur noch mit italienischem Flair verkauft wird.“

Nein! Es ist ein Jammer, dass Kaffee ausgerechnet hierzulande mit US Amerikanischem Flair verkauft wird. Starbucks killt die Kaffeehäuser und nicht die George Clooney Nespressos, die eigentlich nur den Filterkaffee bzw. den lauwarmen Jacobs Monarch im Wohnzimmer verdängen.

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Re: „Es ist ein Jammer, dass Kaffee ausgerechnet hierzulande fast nur noch mit italienischem Flair verkauft wird.“

Der Jammer ist, dass nur das italienische Flair verkauft wird, das Produkt aber mit italienischem Kaffee nichts zu tun hat.

Re: Re: „Es ist ein Jammer, dass Kaffee ausgerechnet hierzulande fast nur noch mit italienischem Flair verkauft wird.“

Schon richtig, aber das österreichische "Espresso", versucht diese Illusion schon seit Jahrzehnten (war in den 50ern sehr in Mode und damals sogar eine ernsthafte Bedrohung für das traditionelle Wiener Kaffeehaus). Doch auch das "Espresso" hat den Spagat nicht geschafft. Wir haben im Prinzip alles was nötig ist: die original Kaffeemaschinen (San Marco & Co.), den original Kaffee (Illy & Co.) und eine Kaffeehauskultur, die dem italienischen Kaffe durchaus positiv gegenübersteht. Dennoch schmeckt der Kaffee in Italien immer besser (Wassermanagement, Kaffeemenge/-lagerung, heikle Kunden und gut geschultes Personal). Was bleibt ist immer der Traum vom italienischen Kaffee in Österreich; dass die diversen Unternehmer diese Sehnsucht ausnutzen bzw. sich selbst einer gewissen Täuschung hingeben ist aus meiner Sicht eine lässliche Sünde...

Ich bin etwas mehr als 20 Jahre und kann mich noch erinnern an den Duft beim Kaffee mahlen

Seit langen ärgere ich mich über die verbrannten Kaffeebohnen und habe auch schon oft gedacht ob da nicht schädliche Stoffe entstehen. In meinem Bundesland ist aber die Auswahl sehr beschränkt. Den einzigen nicht verbrannten Kaffee gibt es von Dallmeier bei Lidl.
Darum freue ich mich über diesen Artikel der Presse und den Adressen wo man ihn bestellen kann.
Ich lasse mich überraschen.

Re: Ich bin etwas mehr als 20 Jahre und kann mich noch erinnern an den Duft beim Kaffee mahlen

Beim Dallmayr promodo bin ich nach jahrelangem herumprobieren hängengeblieben. Gut zu lesen das mich mein Geschmacksinn nicht getäuscht hat.

Re: Re: Ich bin etwas mehr als 20 Jahre und kann mich noch erinnern an den Duft beim Kaffee mahlen

Nicht dieser Dallmayer, 1kg Packung, Crema oder so ähnlich. Von diesem gibt es drei verschiedene Röstungen, ich nehme den am hell gerösteten, gekennzeichnet mit drei Bohnen.

Re: Ich bin etwas mehr als 20 Jahre und kann mich noch erinnern an den Duft beim Kaffee mahlen

Sowohl der Prodomo von Dallmayr als auch der Bellarom gold von Lidl wurden von Öko-Test Deutschland mit den besten Noten versehen. Nun kam auch noch der neue Dyllmayr classic nach Österreich und der schmeckt ebenfalls hervorragend. Und was die Sorten betrifft, so schmeckt ein Espresso aus Robusta-Bohnen besser als einer aus Arabica-Bohnen.

Re: Re: Ich bin etwas mehr als 20 Jahre und kann mich noch erinnern an den Duft beim Kaffee mahlen

Ökotest untersucht und beurteilt nicht den Geschmack, sondern nur ob Schadstoffe enthalten sind. Heisst der gut beurteilte Kaffee ist sicher nicht schädlich. Aber ob er schmeckt muss trotzdem jeder für sich entscheiden.

Re: Re: Ich bin etwas mehr als 20 Jahre und kann mich noch erinnern an den Duft beim Kaffee mahlen

sorry, nicht Dyllmayr sondern Dallmayr classic.

Jetzt wäre halt interessant

zu erfahren, welche Marken davon betroffen sind die minderwertige Robusta Bohnen enthalten. Herr Redakteur, könnten Sie das noch herausfinden?

Re: Jetzt wäre halt interessant

Das ist zwar jetzt die Untersuchung aus dem jahr 2005... aber es wird sich wohl nicht viel geändert habe:

Eine Mischung von Arabica und Robusta wurde im Rahmen dieser Untersuchung bei folgen- den als Arabica Kaffee ausgelobten Produkten gefunden:
Regio Gold Der Kaffeeklassiker, ganze Bohne - Spar Salzburg (MHD Okt 05)
Regio Der Beste, Milde Auslese, gemahlen - Spar Salzburg (MHD Nov 05)
Lavazza Kaffee Espresso, gemahlen (MHD 30052006, 30072006)
Jacobs Monarch entcoffeiniert, gemahlen – Jacobs Kaffee Wien (MHD 13032006) Bellarom Natur mild, gemahlen - Lidl GMBH (MHD März 2006)
Bellarom Wiener Komposition, ganze Bohne – Lidl GmbH (MHD Jänner 2006)
Eine Mischung von Arabica und Robusta wurde im Rahmen dieser Untersuchung bei folgen- den als Hochland-Kaffee ausgelobten Produkten gefunden:
Transfair Kaffee Viva el Cafe, gemahlen - Darboven Hamburg (MHD102005)
Cafe Natura Fair Trade, Bio, gem. - Kaffeerösterei Neuteboom Holland (Feb 2006)
Julius Meinl, Jubiläum, gemahlen - J. Meinl Wien (MHD Feb 2006) Regio Bio Kaffee - Spar Salzburg (MHD Feb 2006)

Re: Re: Jetzt wäre halt interessant

So wie es aussieht ist das die Studie auf die im Artikel bezug genommen wird.

http://www.arbeiterkammer.at/bilder/d26/Roestkaffee_Test_2005.pdf

Re: Jetzt wäre halt interessant

Diesen Gefallen wird Ihnen der Redakteur nicht machen, guter Mann!
Es könnte sein, dass da ein Namen auftaucht, der Ihnen ein erstauntes "Öha"
entlocken würde....

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Re: Jetzt wäre halt interessant

Der ist doch froh wenn er den Artikel zusammenbringt ,keine Überforderungen bitte !!

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Re: Re: Jetzt wäre halt interessant

warum die Presse heute über die Studie von 2005 schreibt!?

 
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