Post: Alte Briefkästen, neue Probleme

04.01.2013 | 17:28 |  Von Matthias Auer (Die Presse)

Die Post scheitert an der zeitgerechten Umrüstung der Postkästen in Wohnhäusern. Für die Post könnte das teuer werden. Es drohen Strafen bis zu 30.000 Euro – pro Tag und Adresse. Die Konkurrenz muss weiter warten.

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Wien. Seit Jahresbeginn sind die alten goldenen Postkästen aus den Wohnhäusern verschwunden. Zwei Jahre nach der offiziellen Liberalisierung hängen endlich überall die neuen Briefkästen mit Einwurfschlitz, damit auch alternative Anbieter ohne Postschlüssel des Ex-Monopolisten Briefe zustellen können. So weit die Theorie, wie sie das Gesetzbuch vorsieht. In der Praxis ist die heimische Post sogar an dieser verzögerten Marktöffnung gescheitert.

„Hundert Prozent haben wir nicht geschafft“, räumt Post-Sprecher Stefan Fuchs gegenüber der „Presse“ ein. Obwohl die bereits verlängerte Frist für die Umrüstung abgelaufen ist, hängen in jedem zehnten Wohnhaus immer noch die alten Briefkästen des Staatsbetriebs. Für die Post könnte das teuer werden. Denn nun drohen ihr Strafen von bis zu 30.000 Euro – pro Adresse und Tag.

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Post beschuldigt Hausbesitzer

Die Post weist alle Schuld an der Verzögerung von sich. Vielmehr hätten sich viele Hauseigentümer und Hausverwaltungen gar nicht oder verspätet gemeldet, so die Erklärung. In manchen Häusern sei man gar nicht eingelassen worden. „Wer sich bis 31. 12. gemeldet hat, bekommt die Kästen gratis getauscht“, sagt Fuchs. „Alle anderen tauschen wir nicht mehr.“ Bisher sind für die Post rund 30 Millionen Euro an Kosten angelaufen.

Hausverwaltungen, die von der „Presse“ mit dem Vorwurf konfrontiert worden sind, bestreiten eine Mitschuld. „Wir haben zeitgerecht bestellt“, heißt es etwa bei Immobilien Weichinger. Grund für die Verzögerung sei die Überlastung der Subfirma, die von der Post für den Austausch engagiert worden ist. Die Post streitet mit den Hausbesitzern seit Jahren darum, wer die Kosten der Umrüstung zu tragen hat. Erst ein Urteil des Verfassungsgerichts aus dem Jahr 2006 stellte klar, dass die Post, und nicht Hauseigentümer und Mieter, die Kosten zu tragen hat.

Die Schuldfrage ist nicht irrelevant, denn im Gesetz sind grundsätzlich Strafen dafür vorgesehen, wenn die Umrüstung verzögert wird. Bis zu 30.000 Euro pro Adresse und Tag könnte es letztlich kosten, heißt es aus dem zuständigen Infrastrukturministerium. Bis Mitte Jänner soll der Telekom- und Postregulator RTR nun klären, wie die Verzögerungen zustande gekommen sind. Erst dann kann die Behörde in jedem Einzelfall Strafverfahren einleiten oder Nachfristen setzen. „Für ein abschließendes Resümee ist es zu früh“, sagt RTR-Chef Georg Serentschy. Prinzipiell sei aber „die Post in der Verantwortung“. Hausbesitzer oder potenzielle Mitbewerber könnten wegen der Verzögerung Klage gegen die Post einreichen. Zumindest bei Hauseigentümern könnte dieser Schuss aber auch nach hinten losgehen, warnt Serentschy. Denn auch sie hätten eine „Mitwirkungspflicht“. Wenn die Post etwa nachweisen könne, dass sie wiederholt nicht ins Haus gelassen worden ist, könnte die Strafe letztlich die Eigentümer treffen.

Keine Konkurrenten in Sicht

Zumindest Klagen von potenziellen Konkurrenten muss der frühere Monopolist nicht fürchten. Denn es gibt keine mehr. Die jahrelangen Verzögerungen haben die von der EU angestoßene Voll-Liberalisierung des Postmarktes abgewürgt. Dass die Hausbrieffachanlagen, so der offizielle Titel der alten Postkästen, erst mit Ende 2012 für alternative Anbieter geöffnet werden mussten, sahen Kritiker schon damals als Quasi-Verlängerung des Post-Monopols um zwei Jahre. Der einzig ernsthafte Interessent, Redmail, zog sich daraufhin 2010 aus dem Markt zurück. In wenigen Monaten werde die Barriere weg sein, verspricht die Post. Doch eine Rückkehr in den großen, aber schrumpfenden Briefmarkt ist für Redmail – eine Tochter der Styria, die auch diese Zeitung besitzt – heute dennoch nicht mehr interessant.

„Wir haben derzeit nicht vor, in den adressierten Markt einzusteigen“, so Redmail-Chef Horst Jungmann. Die Öffnung der Hausbrieffachanlagen sei zwar „die größte Hürde auf dem Weg in den Briefmarkt“ gewesen. Aber auch nur „die Spitze des Eisbergs“. Eine echte Liberalisierung des Postmarktes habe nie stattgefunden. So habe es keinen Sinn, weiter zu investieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

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106 Kommentare
 
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Tagtägliches Grauen-Schauen Brüsseler ÖDMÄNNER/FRAUEN: Intelligenz des Bösen wie des Guten Von Matthias Auer (Die Presse) Zwei Jahre nach der offiziellen Liberalisierung hängen endlich überall die neuen Briefkästen mit Einwurfschlitz…

Reimt sich auf Auer Schauder? Über meinem krummen Rücken schießt der kalte Postkastlschauer, wenn ich Auers Glückseligkeitsempfinden für die neuen Einwurfschlitzgerechten metallenen Briefsammelbecken Artikeleiverfasst lese: Der Mann ist sowas von peinlicher (was diese vermaledeiten Postkastln betrifft) Ahnungslosigkeit, dass es mir als alten PRESSELESER (Thomas Chorherr war für mich schreibendes Vorbild) ein herzzerreißender Notschrei linguistisch-phonetischer Ausweglosigkeit entschlüpft: Mann, bebriefe!!! endlich die tiefe Enttäuschung die in uns Österreichweit
Postkastlgeschädigten Brief- u. Paketempfängern gewaltig hochstinkt
Die wohl berechtigten Kritik bezieht sich rein auf die-eh scho wissen?

Tagtägliches Grauen-Schauen Brüsseler ÖDMÄNNER/FRAUEN: Intelligenz des Bösen wie des Guten

Von Matthias Auer (Die Presse) Zwei Jahre nach der offiziellen Liberalisierung hängen endlich überall die neuen Briefkästen mit Einwurfschlitz…Reimt sich auf Auer Schauder?
Über meinem krummen Rücken schießt der kalte Postkastlschauer, wenn ich Auers Glückseligkeitsempfinden für die neuen Einwurfschlitzgerechten metallenen Briefsammelbecken Artikeleiverfasst lese: Der Mann ist sowas von peinlicher (was diese vermaledeiten Postkastln betrifft) Ahnungslosigkeit, dass es mir als alten PRESSELESER (Thomas Chorherr war für mich schreibendes Vorbild) ein herzzerreißender Notschrei linguistisch-phonetischer Ausweglosigkeit entschlüpft: Mann, bebriefe!!! endlich die tiefe Enttäuschung die in uns Österreichweit
Postkastlgeschädigten Brief- u. Paketempfängern gewaltig hochstinkt.

Tagtägliches Grauen-Schauen Brüsseler ÖDMÄNNER/FRAUEN: Intelligenz des Bösen wie des Guten

Von Matthias Auer (Die Presse) Zwei Jahre nach der offiziellen Liberalisierung hängen endlich überall die neuen Briefkästen mit Einwurfschlitz…Reimt sich auf Auer Schauder?
Über meinem krummen Rücken schießt der kalte Postkastlschauer, wenn ich Auers Glückseligkeitsempfinden für die neuen Einwurfschlitzgerechten metallenen Briefsammelbecken Artikeleiverfasst lese: Der Mann ist sowas von peinlicher (was diese vermaledeiten Postkastln betrifft) Ahnungslosigkeit, dass es mir als alten PRESSELESER (Thomas Chorherr war für mich schreibendes Vorbild) ein herzzerreißender Notschrei linguistisch-phonetischer Ausweglosigkeit entschlüpft: Mann, bebriefe!!! endlich die tiefe Enttäuschung die in uns Österreichweit
Postkastlgeschädigten Brief- u. Paketempfängern gewaltig hochstinkt.

Mitwirkungspflicht“. Wenn die Post etwa nachweisen könne, dass sie wiederholt nicht ins Haus gelassen worden ist, könnte die Strafe letztlich die Eigentümer treffen.

wenn sie nicht eingelassen werden können sie auch keine Briefe zustellen. Irgendwo ist da was faul.

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EU Diktat

Nicht jeder darf Werbung bekommen.

Jeder hat sie zu bekommen.
in Zukunft wird es wohl einen Lesezwang geben.

Wir lassen uns herrlich Bewirtschaften.

Re: EU Diktat

Bewirtschaften... Ich setz noch einen drauf: und behaupte sie Besauwirtschaften uns zwangsbeglückt

Wozu noch Briefpost

Im Zeitalter der E-Zustellung - also der Möglichkeit jegliche Dokumentenart elektronisch, gesichert und rechtlich anerkannt, nachvollziehbar (Rückschein) zu versenden bzw. zu empfangen, mutet dieses Thema steinzeitlich an. Es gibt ein paar E-Versanddienste und einen E-Versand- und E-Zustelldienst - für privatwirtschaftliche u. behördliche Sendungen - www.postserver.at

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Vorschrift- und Vereinheitlichungswut

Ich bin überzeugt wir stehen erst ganz am Anfang einer totalen Überwachung und Uniformität. Nicht nur, aber zu einem Großteil, verdanken wir das dem gemeinsamen Europa.

Ich persönlich kann nicht viele Vorteile, aber eine Menge Nachteile, sehen. Aber wir haben uns ja dafür selbst entschieden.


Post wurde nur schlechter!

Eigentlich sagt ja die Werbung der Post alles aus! Ein kopfloser Breifkasten der zu Fuß verwirrt durch die Gegend läuft! Welches kranke Gehirn sich für diese Werbung entschieden hat, möchte ich gerne wissen! Nun "Dank" EU hatten wir neue Briefkästen bekommen, aber... Fakt ist: Jede kleine oder Kinderhand, kann aus diesen Briefkästen alles wieder rausfischen und dann war z.B. bei mir mein Aufkleber für "Keine Werbung" der am alten Kasten geklebt ist auch fort, natürlich gab es zu dieser Zeit auf dem Postamt keinen Aufkleber mehr und ich wurde in die Trafik geschickt, wo ich mir um mein Geld wieder einen Aufkleber kaufen musste. Die postfächer wurden um das ZEHN fache teurer und das Service schlechter und langsamer, die Post geht den Bach runter, vor allem, nun kann man der Post nicht mehr trauen, wie vor 30 Jahren wo es eigentlich fast nie vorkam das ein Brief nicht ankam, nun passiert es wöchentlich und z.B. ein Brief von Klosterneuburg nach Wien 10 (ZEHN) Tage, stimmt also mit der Werbung, daß es zu Fuß ausgetragen wird überein! Zum Glück haben wir diese Probleme am Segelboot nicht, Gruß aus Petite Martinique/Grenada, Skipper Erich

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"Vorteile" der neuen Briefkästen

Da in die neuen Briefkästen Kleinpakete nicht hineinpassen und die Briefträger seitens der Post angewiesen sind, keine Zustellung zu versuchen, wird dann nur eine Abholschein mit dem Vermerk "nicht persönlich angetroffen" hinterlegt. Man darf dann - obwohl zuhause gewesen - auf die nächste Post bzw. zum Postpartner pilgern und sich bis zu 1/2 Stunde anstellen, um die Sendung, für die das Porto eigentlich auch die Zustellung enthält, in Empfang zu nehmen. Das nenne ich wahren Kundendienst der Post!

8 0

Re: "Vorteile" der neuen Briefkästen

Meine letzten beiden Kleinpakete wurden ohne Benachrichtigung für die lagerfreie Zeit bei der Post gebunkert und dann an den Absender zurückgeschickt.


2 0

Re: Re: "Vorteile" der neuen Briefkästen

erhalte auch vieles nicht. und bei einer abholBenachrichtigung kann ich mir die Sendung erst am nächsten Tag holen,an dem der postPartner geöffnet hat. also konnte ich z.b. weihnachtsGeschenke zu Silvester verschenken. toll. danke der post.

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Wieder eine idiotische EU Vorschrift...

Möchte gerne wissen wieviele Mllionen Europaweit wurden für diesen Poskastlschwachsinn beim Fenster rausgeschmissen.

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Re: Wieder eine idiotische EU Vorschrift...

Die EU-Vorschrift gäbe es nicht ohne Zustimmung der nationalen Minister!
Und wer ist denn für generelles Privatisieren?

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Re: Wieder eine idiotische EU Vorschrift...

Idiotisch waren die nationalen Minister, denn diese haben es abgesegnet. Idiotisch auch alle, die alles privatisieren wollen!

Re: Wieder eine idiotische EU Vorschrift...

Das darf man dabei auch nicht vergessen: Hahn, Karas, Swoboda & Co haben dem zugestimmt!

9 0

viele Hausverwaltungen haben sich nicht gemeldet

Ich wohne in einem Doppelhaus. Im einen Haus wurden die Postkästen ausgetascht, im anderen noch nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die
Hausverwaltung nur Postkästen für ein Haus bestellt hat. Diese Ausrede ist sehr ungeschickt.
Mir gehen die neuen Kästen nicht ab. Seit ich den Postboten (mit viel Mühe) dazu gebracht habe, das Schild "Keine Werbung" ernst zu nehmen, muß ich mich wenigstens nicht über Prospekte ärgern, zwischen denen wichtige Post verschwinden kann.

Re: viele Hausverwaltungen haben sich nicht gemeldet

Wie Unterscheiden Sie Postwerbung und Werbung dser Feibra ?????

Re: Re: viele Hausverwaltungen haben sich nicht gemeldet

Postwerbung: steht drauf - zugestellt durch Post.at

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Feibra ...

... gehört zu 100 % der Post.

4 0

Re: Re: viele Hausverwaltungen haben sich nicht gemeldet

Postwerbung geht ins Postkastl, der Rest
geht offene Fächer. Ungesehen weggeworfen wird beides. Nur wird mir
mit der "Keine Werbung" Plakette keine
Postwerbun zugestellt. Ich fürchte, dass bei den frei zugänglichen Postfächern die
Plakette nutzlos sein wird.
Gibt es eigentlich rechtliche Mittel, sich vor
Zwangsbeglückung durch Werbung zu schützen ?

Re: Re: Re: viele Hausverwaltungen haben sich nicht gemeldet

Sie können gegen den Zusteller eine Besitzstörungsklage führen. Die Feibra hat deshalb auch eine spezielle Beschwerdestelle, die bei uns tatsächlich unmittelbar dann das Problem abgestellt hat.

Re: Re: Re: viele Hausverwaltungen haben sich nicht gemeldet

Die aussichtslose Beschwerdestelle für die vermurksten Postkästen, finden Sie auf dem Salzamt in der Essigassen 13a. Dort dürfen Sie sich dann stundenlang anstellen, bis ein unterbelichteter Nachtwächter (die uniformierte Düsternis staatstragender Phantasielosigkeit) im Beamtenrang die Sperrstund´ verkündet.

Auch bei der Post ist es kein Nachteil ein Parteibuch zu haben.

Manger bei der Post werden auch von SPÖ+ÖVP im Proporz bestellt. Viele haben vorher noch keinen einzigen Tag bei der Post gearbeitet.

Auch der gelernte Bauer Wilhelm Molterer (ÖVP) wurde in der EU Bankdirektor.

Wie am Fluhafen!

Da waren die Proporzmanager von SPÖ+ÖVP auch weit überfordert.

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Die Papierstapel auf der Stiege (wo sonst?)

kommen immer komplett in den Müll. Niemand interessiert sich dafür.

 
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