Die ÖBB kommen erst langsam im 21. Jahrhundert an

05.01.2013 | 18:12 |  von Jakob Zirm (Die Presse)

Die heimische Staatsbahn fährt vielfach noch auf jenen Strecken, die im 19.Jahrhundert während der Monarchie gebaut worden sind. Der teure Ausbau erfolgt langsam. So schnell wie in China oder Japan wird Zugfahren hierzulande nie werden.

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Explodierende Schulden und dennoch Fahrtzeiten, die den Umstieg vom Auto nicht attraktiv machen. Seit Jahren hadern die Österreicher mit der heimischen Bahn. Seit Mitte Dezember 2012 kommt zumindest ein Teil von ihnen erstmals in den Genuss der Ergebnisse der vor rund 15 Jahren angestoßenen Bauoffensive der ÖBB – jene Pendler, die aus dem westlichen Niederösterreich nach Wien fahren. Denn seither ist die neue Westbahnstrecke zwischen der Bundeshauptstadt und St.Pölten vollständig in Betrieb.

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Statt über die kurvenreiche aus dem Jahr 1860 stammende Strecke durch den Wienerwald werden die Züge künftig durch den neuen Wienerwaldtunnel und eine schnurgerade Neubaustrecke mit bis zu 230 Kilometern pro Stunde durch das Tullnerfeld von Wien nach St.Pölten fahren. Die Fahrtzeit von der niederösterreichischen Landeshauptstadt nach Wien wird sich dadurch von 40 Minuten auf 25Minuten nahezu halbieren. Auch bei Fahrten von Wien nach Linz (1:15) oder Salzburg (2:22) wird diese Zeitersparnis spürbar bleiben. Wer mit dem Auto statt mit dem Zug von Wien in die oberösterreichische Landeshauptstadt fährt, müsste künftig auf der Autobahn eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 141,6 Kilometern erreichen, um gleich schnell zu sein.


1–2–3. Der Ausbau auf der Westbahn ist damit zwar schon fortgeschritten, abgeschlossen wird er aber erst im Jahr 2021 sein. Dann soll von Wien aus eine Reise nach Linz in einer Stunde, nach Salzburg in zwei Stunden und nach Innsbruck (derzeit 4:10) oder München in drei Stunden möglich sein.

Vergleichbar mit China oder Japan, wo Durchschnittsgeschwindigkeiten von 300 Kilometern pro Stunde gefahren werden, wird das heimische Bahnsystem aber auch auf der am besten ausgebauten Westbahn nie werden. Denn obwohl ein Railjet bei einer Testfahrt bereits einmal 275 km/h gefahren ist, wird die Höchstgeschwindigkeit im Normalbetrieb auf 250 km/h begrenzt. Zudem gibt es Stopps in für chinesische Verhältnisse winzigen Stätten wie Amstetten, was viel Zeit kostet.

Abseits der Westbahn sieht die Situation wesentlich trüber aus. So quälen sich etwa auf der zweiten Hauptstrecke – der Südbahn – die Züge noch bis zum Jahr 2024 über die 160 Jahre alte Ghega-Strecke über den Semmering. Gefahren wird dabei auch vom Railjet eine Geschwindigkeit von nicht einmal 60 Kilometern pro Stunde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2013)

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4 Kommentare

Die VERKEHRSPOLITIK kommt erst langsam im 21. Jahrhundert an!

Herr Zirm, Sie haben die Situation nicht erfasst! Lesen Sie sich in die Materie ein. Wenn Sie durch sind, können Sie wieder einen Artikel darüber schreiben. Aber wahrscheinlich werden Sie dann draufkommen, wie belanglos Ihr aktuelles Geschreibsel ist.

Wer verhindert seit Jahrzehnten (!) den Südbahnausbau?
Wer bestellt (!) Bahninfrastrukturausbau?
Wer gibt die extrem hohen Umwelt- u. Sicherheitsauflagen vor, die den Infrastrukturausbau so langsam und teuer machen?
Wer bestellt (Nah-)Verkehrsleistungen?
Wer bestellt Sozialtarife?

Ein Sprichwort sagt: "Wer zahlt schafft an!" Das ist aber nur der eine Teil. In der Folge muss es nämlich auch heißen: "Wer anschafft muß auch zahlen!"
Ab diesem Punkt wird es in Österreich sehr schnell sehr ruhig...

0 1

Vergleiche mit China und Japan sind wenig sinnvoll.

China ist verglichen mit Österreich riesengroß. Da gibt es viel größere Distanzen zu überwinden. In Dörfern wie Amstetten oder St. Pölten würde ein chinesischer Hochgeschwindigkeitszug nie stehenbleiben.

Japan ist viel dichter besiedelt, und Autofahren ist dort viel teurer und auch langsamer als bei uns, wodurch es automatisch viel mehr Bahnkunden gibt. Außerdem wurde dort das Bahnnetz nach dem Krieg vollkommen neu dimensioniert errichtet.
http://tinyurl.com/japanbahn

Der schnelle Personenfernverkehr wird viel zu wichtig genommen!

Wesentlich bedeutsamer sind (wären) der Bahngüterverkehr und der Personennahverkehr. Pubertäres Rasen auf Schienen unterstützt das Fernpendeln und hat nichts mit Energiesparen und Klimaschutz zu tun (doppelter Energieverbrauch pro km und längere Fahrstrecken). Zudem blockieren schnelle Züge Fahrtrassen für den Güter- und für den Personennahverkehr. Gut organisierter Bahngüterverkehr kann 3/4 der Transportenergie sparen und bei Strom weitgehend aus Wasserkraft noch wesentlich höhere Anteile an Klimagasen vermeiden. Wichtig wäre ein engmaschiges Streckennetz und vor allem moderne Fahrzeugtechnik (Kupplungen, leise Drehgestelle). Mit einem Bruchteil der für Bahntunnelbau eingesetzten Mittel könnte ein Vielfaches an Energieeinsparung und Schadgasvermeidung erreicht werden. Weniger Treibstoffabhängigkeit wäre ebenfalls absolut erstrebenswert.
Leider verlangen aber auch die Medien ständig eher nach wenig sinnvollen Schnellfahrrekorden als nach einem effizienten, energiesparenden und umweltverträglichen (Bahnlärmvermeidung!) Transportsystem!

Re: Der schnelle Personenfernverkehr wird viel zu wichtig genommen!

Ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu. Wir alle wissen auch was optimal wäre. Ein dichtes Schienennetz mit Anknüpfung an jede Häuserrotte und Gleisanschluß an jedes Firmentor. Das Ganze noch getrennt in a) ein reines Güternetz, b) ein Lokalnetz und c) ein Hochgeschwindigkeitsnetz.

Das wird es aber nie geben. Ich jedenfalls möchte das mit meinen Steuern auch nicht finanzieren. Aus Tariferlösen ist das ebenfalls nie zu finanzieren.

Stichwort Fernpendeln: Viele machen das heute schon. Ein Teil freiwillig um besser zu verdienen, ein Teil unfreiwillig, weil sie (meist auch unfreiwillig) aus einem Dorf im Grünen kommen und eben auch gerne Geld verdienen wollen.

Die Pendler Linz - Wien gibt es schon lange. Nur eben auf der WestAUTObahn. Viele davon findet man jetzt im Zug, seit die Fahrzeit nahezu unschlagbar ist. Das hat nichts mit pubertärem Rasen zu tun. Das hat vielmehr damit zu tun, dass in Bereichen, in denen es ein attraktives Angebot gibt, dieses auch genutzt wird.

Wie war es denn zur Blütezeit der Billigflieger vor ungefähr 5-10 Jahren?
Die Bahn ist auf der Mittelstrecke (>1.000 Km), ja z.T. sogar auf der Kurzstrecke (<500 Km) aus der Wahrnehmung verschwunden. Heute lohnt sich wieder ein Vergleich (zeitlich und preislich) und fällt nicht selten zugunsten der Bahn aus. Darum gehts!

Pendeln mit Auto regelt die Parkraumbewirtschaftung und erst in zweiter Linie das Bahnangebot od. der Spritpreis.

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