Nationalbank: "Haben die besten Köpfe gefunden"

08.01.2013 | 17:18 |  von Christian Höller (Die Presse)

ÖVP und SPÖ schreiben vor den Wahlen den politischen Proporz in der Nationalbank für die nächsten sechs Jahre fest. Nun wollen sie rasch die Neubesetzung der Finanzmarktaufsicht in Angriff nehmen.

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Wien. Zufrieden zeigte sich die Regierungsspitze am Dienstag nach dem Ministerrat, wo die Neubesetzung der Nationalbankführung beschlossen wurde. Auch in den nächsten sechs Jahren wird der OeNB-Vorstand aus zwei SPÖ- und ÖVP-Leuten bestehen. Ewald Nowotny – er war früher Finanzsprecher der SPÖ – wurde für eine weitere Amtszeit bestellt. Nowotny genieße auf europäischer Ebene hohe Akzeptanz, erklärte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ). Nowotnys Stellvertreter wird Andreas Ittner von der ÖVP. Die weiteren OeNB-Vorstände sind Kurt Pribil (ÖVP) und Peter Mooslechner (SPÖ).

Zu Gerüchten, dass der 68-jährige Nowotny zur Halbzeit von der früheren EZB-Direktorin Gertrude Tumpel Gugerell (SPÖ) abgelöst werde, meinte Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) ausweichend: „Wir besetzen jetzt neu. Und ich begrüße, dass diese Besetzung kompetente Personen hat.“ Wenn es die Gesundheit von Nowotny erlaube, bleibe er wahrscheinlich die volle Amtszeit. Laut Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) handelt es sich bei den vier Personen, um „wirklich die besten Köpfe“, die man dazu finden kann. Am heutigen Mittwoch wird die Neubesetzung des zweiköpfigen Vorstands der Finanzmarktaufsicht (FMA) ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endet am 8. Februar 2013.

Obwohl in der Ausschreibung nichts von einem passenden Parteibuch steht, ist es laut „Presse“-Informationen so gut wie fix, dass jeweils ein SPÖ- und ÖVP-Vertreter zum Zug kommen werden und der Vertrag von Helmut Ettl (SPÖ) verlängert wird. „SPÖ und ÖVP halten am Proporz fest, solange es irgendwie geht“, kritisiert Franz Fiedler von Transparency International. Die Proteste dagegen halten sich in Grenzen.

„Die Bevölkerung hat sich damit weitgehend abgefunden“, klagt Fiedler. Der Proporz halte SPÖ und ÖVP zusammen.
Die Opposition läuft gegen die Vorgänge in der Notenbank und in der Finanzaufsicht Sturm. „Nowotny ist untragbar“, meint Elmar Podgorschek, Finanzsprecher der FPÖ. Nowotny habe in der Europäischen Zentralbank die Ankäufe von Staatsanleihen maroder Euroländer unterstützt. „Im Endeffekt ist dies eine Vergemeinschaftung der Schulden zulasten Österreichs. Durch die steigende Inflation bei weiterhin niedrigen Zinsen führt diese Politik außerdem zu einer kalten Enteignung der heimischen Sparer“, so Podgorschek.

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OeNB als „Privilegienstadl“

Auch Kurt Pribil, der von der FMA in die OeNB wechselt, habe sich nicht mit Ruhm bekleckert. „In der Causa Österreichische Volksbanken AG hat die Finanzmarktaufsicht auf ganzer Linie versagt. Pribil hat als FMA-Vorstand die Mitverantwortung für dieses Desaster zu tragen“, so die FPÖ. Laut BZÖ-Chef Josef Bucher habe Nowotny nicht einmal ansatzweise versucht, den Privilegiendschungel in der OeNB zu roden. „Viele Nationalbanker gehen noch immer mit 55 Jahren mit 85 Prozent des Letztbezugs in Pension.“ Zudem betrage die Durchschnittspension eines Nationalbankers von der Reinigungskraft bis zum Gouverneur um die 70.000 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2013)

 
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48 Kommentare
 
12
Markus Trullus
29.01.2013 08:48
0

Realität

Nun ja, wir klammern nicht am Proporz als BürgerInnen fest, nur: es gibt sonst niemand, der diese Jobs übernehmen will und auch Kompetenz dazu hat. Im Ausland gäbe es Österreicher, aber die gehen nicht zu diesem Gehalt in die Giftschlangengrube Österreich. Ein paar Wenige haben das probiert, und sind von der Bevölkerung auf Grund der Hetze der Parteipolitiker "angepöpelt und verhasst" worden... Entweder man bringt ein unglaubliches Selbstbewusstsein oder ein massives Standing mit, um diese Aufgaben zu erfüllen. Namen dazu fallen mir viele ein,aber ich will nicht im Schlamm rühren; dies Leute handelten im Auftrag der Politik jene Dinge ab, wo sich die Politiker die Finger nicht dreckig machen wollten...

Pilatus
12.01.2013 13:10
1

Geht denn in Österreich

nichts ohne den korrupten Prop(f)orz?

JOSHI
10.01.2013 12:18
2

so so

es fragt sich nur wo hat man gesucht ?

in den parteizentralen !

Dr.Gernot Stöckl
09.01.2013 20:43
5

Damit hat Staatssekretäe Schieder regierungsamtlich bestätigt, daß SPÖVP über keine repräsentative Persönlichkeit mehr verfügt!

Diese im Korruptionsmorast - auch die Parteibuchwirtschaft ist nichts anderes als Korruption! - versinkende SPÖVP ist absolut nicht mehr wählbar !!!! Österreich erwache endlich !!

satyricon
09.01.2013 12:06
3

haben die besten köpfe gefunden

in papua neuguinea war das die höfliche anwort auf die frage wie der urlaub so war. zumindest bevor die missionare gekommen sind.

sirnicha
09.01.2013 10:26
4

dass diese Besetzung kompetente Personen hat...

ach ja, und was macht der versagertyp aus der fma dort? ach ja, er hat ein parteibuch...

scheinistnichtsein
09.01.2013 09:35
5

ich bin ganz zufrieden mit den besten köpfen :-)

die lebensläufe der herren sind doch alle öffentlich ..
wenn man dann liest .. volkswirtschaft in der dreifachen zeit (schieder), universitätsprofessor (seit wann verstehen universitätsprofessoren was von märkten), oder angestellter des bauernbundes (pröll) oder maturazeugnis verlegt, dann weiss man doch was von den meinungen zu diversen themen zu halten ist.

in dem sinn .. lebensläufe lesen, sich seine eigene meinung bilden, und wenn das nächstemal ein finanzminister sagt .. das papierl x ist sicher .. sofort verkaufen oder wenn es soweit ist .. shorten :-):-):-)

Antworten fireone
18.06.2013 15:55
0

Re: ich bin ganz zufrieden mit den besten köpfen :-)

Wer garantiert mir, dass die Lebensläufe auch stimmen? Siehe unseren Paradetaxler, der hat seinen doch auch getürkt.

Antworten scheinistnichtsein
09.01.2013 09:54
3

Re: ich bin ganz zufrieden mit den besten köpfen :-)

ach ja .. und fast hätte ich es vergessen bei der wahl nachdenke, und das kreuzerl sorgfältig setzen.. .. auf dauer leidet die wettbewerbsfähigkeit österreichs massiv, und irgendwann werden wir eben keine kredite aus dem ausland mehr bekommen mit dennen wir beamtenheere, parteibonzen und schlingel mit lückenhaftem lebenslauf durchfüttern können ...

Heimkehrer
09.01.2013 09:00
7

Nationalbank: „Haben die besten Köpfe gefunden“

Wann ist endlich Schluss mit diesem inkompetenten Parteigemurkse ?

Österreich wurde von den 2 Ratingagenturen herabgestuft, weil es auch ihnen zu blöde ist !!

Bei den nächsten Wahlen muss ein Erdrutsch her, damit endlich Schluss ist mit der Parteiverwaltung und endlich wieder sachlich richtig und fortschrittlich gearbeitet werden kann.

Parteiwirtschaft = Rückschritt !!!

Antworten fireone
18.06.2013 15:56
0

Re: Nationalbank: „Haben die besten Köpfe gefunden“

Dann werden halt die Sieger, in guter österreichischer Tradition, wie gewohnt weiter werkeln.

Austrian Economist
09.01.2013 08:43
7

Lieber Gott, wir danken Dir..

..für so viel Weisheit und Intelligenz, die uns regiert!!
Wir dürfen ja täglich erleben, wie ehrlich unsere Politiker mit uns sind. Und wir dürfen täglich erfahren, wie toll die Wirtschaft sich entwickelt, mit steigenden Realeinkommen und Wohlstand für alle.
Danke, ihr lieben Sozialonkels!! Danke für die vielen schuldenfinanzierten Geschenke. Beschenkt uns doch bitte auch noch, vor dem großen Crash!!

Antworten Heimkehrer
09.01.2013 09:04
5

Re: Lieber Gott, wir danken Dir..

Auch meine Meinung !!

Ich frage mich nur , wann es dem restlichen Österreich zu blöd ist das inkompetente Parteigemurkse ?

Antworten Antworten Austrian Economist
09.01.2013 12:13
2

Re: Re: Lieber Gott, wir danken Dir..

so wie bei uns Demokratie gemacht wird, wundert micht nicht, dass viele meinen Diktatur wäre vielleicht doch besser..
ist sie aber leider nicht.
Wir können nur auf den Zusammenbruch des sozialen Wunderstaates warten.

Napilut
09.01.2013 07:19
10

Perspektive

Wie soll ein Herr Schieder beurteilen können, wer die besten Köpfe sind ? Dazu braucht er doch sicherlich ein Expertengremium.

Boris
09.01.2013 00:24
12

„Sie haben die besten Köpfe gefunden“

im an:us von SPÖ und ÖVP

Boris
09.01.2013 00:23
3

Nationalbank: „Haben die besten Köpfe gefunden“

im anus von SPÖ und ÖVP

Boris
09.01.2013 00:21
6

Nationalbank: „Haben die besten Köpfe gefunden“

leider nicht wo sie nach Aburteilung hingehören.
In den Korb der Guillotine.

Denn diese völlig unnötige Schattenorganisation lässt ja die Ndranghetha vergleichsweise wie eine Notambulanz für Obdachlose aussehen.

news2
08.01.2013 23:22
15

die unglaublichen OeNB luxuspensionen kosten den österreichern jährlich mrd.. aber bei den asvg langzeitversicherten arbeitnehmern u asvg pensionen(40vers.j)betreibt die SPÖ einen pensionssozialabbau. einfach nur mehr schäbig.


Boris
08.01.2013 23:05
11

Es wird halt immer schwieriger Leute zu finden die...

nicht gerade unter (drohender) Anklage stehen und noch atmen. So gesehen ist Novotny ein bewundernswerter echter Steher, der den Behörden bis jetzt entkommen ist - auf Grund der biologischen Gegebenheiten, ist er mit fast 70 die logisch Wahl für die SPÖ.
Er könnte sich bei einem drohenden Prozess auf Alters-Demenz berufen - case closed.


kraxn
08.01.2013 22:50
6

Kröpfe...nicht Köpfe...

Ich denke, hier liegt ein Druckfehler vor.

Paul Katz
08.01.2013 22:41
7

wer die vier kennt

weiß, wie sehr uns die Politiker da mit den "besten Köpfen" vera ...schen.

Brecher
08.01.2013 22:21
9

..die besten Köpfe gefunden...

Ich glaube, die wollen uns vera...schen!

leser451
08.01.2013 22:18
5

Rotschwarzer Postenscher die Xte

Und wir blöden Bürger schauen einfach nur zu.......

Boris
08.01.2013 22:08
10

Nowotny ist der Wiedergänger von Hanussen - oder ein umgekehrter König Midas

historisch gesehen waren absolut alle Vorhersagen Novotnys mit 100% Treffsicherheit gesegnet.

Es ist immer exakt das Gegenteil seiner Vorhersagen eingetroffen - soviel finanzmathematisch die positive Erkenntnis. Das Negative ist, dass er immer im Auge eines vom Steuerzahler alimentierten finanziellen Hurrikans stand, mit dem er allerdings nachher nie was legistisch zu tun hatte.
Das gipfelt im unter Fachleuten anerkannten Novotny Theorem: "Wo Novotny nahe ist, ist das finanzielle Desaster bereits eingetreten."

 
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