Aktionäre setzen auf Baumarktriesen

11.01.2013 | 18:24 |   (Die Presse)

Der Berater Roland Berger prüft eine Kooperation der defizitären Unternehmen Baumax und Praktiker. An der Börse wird dies schon mit starken Kurssprüngen gefeiert.

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Wien/Frankfurt/Eid/Es. Noch wird die Bildung eines deutsch-österreichischen Heimwerker-Riesen heftig dementiert: Baumax-Chef Martin Essl ließ über einen Sprecher zu einem Bericht des „Format“ wissen, dass es „keinerlei Gespräche mit Praktiker“ gebe. „Zwei Kranke ergeben noch keinen Gesunden“, verwies ein Insider bei Praktiker die Sache ins Reich der Spekulation. Und doch: Die Börsianer sehen in einer wie auch immer gearteten Kooperation der beiden angeschlagenen Baumarktketten viel Sinn: Die Praktiker-Aktie legte am Freitag um mehr als acht Prozent zu.

Über eine Fusion wird in der Tat noch nicht gesprochen – dafür ist es viel zu früh. Allerdings prüft der Unternehmensberater Roland Berger verschiedene Szenarien für eine Kooperation von Praktiker und Baumax – bis zu einer Fusion, wie der „Presse“ aus Praktiker-Kreisen bestätigt wurde. Entscheidend sei allein das Ausmaß der Synergien.

 

Probleme in Osteuropa

Ein Zusammenrücken der Konzerne, die beide in Osteuropa groß vertreten sind und dort kräftig Federn lassen mussten, liegt gleich aus mehreren Gründen nahe. Die Firmen könnten von einem gemeinsamen Einkauf und Vertrieb profitieren und sich Osteuropa je nach Stärke aufteilen.

Praktiker ist teilweise in österreichischer Hand. Nach einem monatelangen Machtkampf um die Kontrolle bei Praktiker hat sich im Vorjahr eine österreichische Aktionärsgruppe durchgesetzt. Sie wird von der Fondsmanagerin Isabella de Krassny angeführt. Über den von ihr gemanagten Fonds Maseltov, die Beteiligungsgesellschaft Donau Invest ihres Mannes Alain de Krassny und weitere Aktionäre hält die Gruppe jetzt die Sperrminorität an Praktiker.

De Krassny war in der Semper Constantia Privatbank tätig, die ihr Mann mit Hans-Peter Haselsteiner und dem Sanierer Erhard Grossnigg 2010 übernommen hatte. Jetzt ist sie im Assetmanagement der Bank tätig. Grossnigg ist seit Oktober neuer Aufsichtsratspräsident bei Praktiker. Neuer Boss ist Armin Burger, der zuvor Österreich-Chef des zu Aldi-Süd gehörenden Lebensmitteldiskonters Hofer war.

Isabella de Krassny kann einer Baumarkt-Ehe einiges abgewinnen. „Wir unterstützen alles, was Praktiker nach vorn bringt, jede sinnvolle Lösung“, sagte sie zur „Presse“.

Roland Berger war und ist zudem für beide Unternehmen tätig: Die Consultants haben das Sanierungsgutachten für Praktiker erstellt und jetzt auch den Restrukturierungsplan für Baumax gemacht, bestätigte eine Sprecherin von Roland Berger der „Presse“.

 

80 Millionen für Baumax

Das Familienunternehmen Baumax betreibt 160 Baumärkte. 2011 wurden 1,25 Mio. Euro umgesetzt, der Verlust betrug 57 Mio. Euro. Für 2012 liegen noch keine Zahlen vor. Ende Dezember machten 15 Gläubigerbanken mit der Bank Austria an der Spitze eine 80-Mio.-Euro-Geldspritze locker. Zudem wurden Kredite gestundet. Die Eigentümerfamilie Essl schoss zwölf Mio. Euro zu. Bei der Bank Austria hieß es zu einer möglichen Kooperation nur: „Kein Kommentar.“

Bei Praktiker schlug nicht nur das Ost-Engagement, sondern auch die über Jahre gesunkene Rentabilität im Heimmarkt Deutschland negativ zu Buche. Nachdem im Herbst mit den neuen Aktionären und Banken ein Finanzierungspaket geschnürt worden ist, wird nun ein Großteil der Praktiker-Märkte in Deutschland auf die ertragsstärkere Zweitmarke „Max Bahr“ umfirmiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2013)

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1 Kommentare

Und aus eigener Erfahrung

kann ich sagen, die einzigen Winner in dieser Situation sind die Kameraden von RB.
Mal elegant ein paar hundert k€ von beiden Seiten abcashen. Für viele, lange, bunte nichtssagende Powerpoint Präsentationen.

Aber das nennt man dann u.A. "netzwerken".

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