Windkraftausbau spaltet das Land

11.01.2013 | 18:26 |  MATTHIAS AUER (Die Presse)

580 neue Windkraftanlagen will Niederösterreich bis 2030 bauen. In der Bevölkerung regt sich Widerstand. Unterdessen teilen Altbekannte das lukrative Geschäft untereinander auf.

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Wien. Schöngrabern ist ein schöner Ort. Um das zu wissen, reicht es, den Blick vom Ende der Kellergasse über das Weinviertler Hügelland schweifen zu lassen. „Damit ist es bald vorbei“, warnt Leopold Dungl. Denn bald sollen hier acht Windräder der 3-Megawatt-Klasse stehen. Jedes von ihnen bis zu 200 Meter hoch – fünf Mal höher als Hochspannungsmasten. Die acht Windräder sind nur ein winziger Teil der geplanten Wind-Großoffensive im Wein- und Waldviertel. 2030 sollen gut 950 Windräder die Hälfte des Stroms in Niederösterreich liefern. Dengl ist die Speerspitze der Gegner. Als 20-Jähriger hat der Architekt gegen Zwentendorf mobil gemacht, heute kämpft der 55-Jährige gegen den „Wildwuchs“ der Windräder. Er ist nicht der Einzige, der so denkt. Mitstreiter aus 20 Gemeinden haben sich seiner Initiative angeschlossen. Und am Sonntag in einer Woche stimmen die 1480 Einwohner von Grabern über die Zukunft der Windkraft in ihrem Ort ab.

Während sich Gegner formieren, teilen große Betreiber das lukrative Geschäft mit dem Wald- und Weinviertler Wind untereinander auf. In vielen Gemeinden sind Verträge in Umlauf, die den Unternehmen auf Jahre hinaus Exklusivrechte für den Bau von Windrädern zusichern. „Es gibt einen gut organisierten Widerstand gegen die Windkraft“, räumt die EVN ein. Doch mit dem Vertrag in der Hand können Betreiber seelenruhig warten, bis sich die Stimmung dreht.

 

20 Prozent für Grundeigentümer

Kurz vor Jahreswechsel hat der Gemeinderat in Hollabrunn einen solchen Gestattungsvertrag beschlossen. Die Nutznießer sind keine Unbekannten: Prominente Mitglieder der – noch zu gründenden – „Hollabrunner Energie GmbH“ sind unter anderem die Ökostromtochter des Landesversorgers EVN, die Raiffeisen-Firma Renergie und der größte private Windkraftbetreiber W.E.B. Wird der Vertrag rechtskräftig, darf zehn Jahre lang kein anderer Betreiber ein Windrad in der Klima- und Energie-Modellregion „Land um Hollabrunn“ aufstellen. Bauen die Branchengrößen in den zehn Jahren hier auch nur ein Windrad, verdoppelt sich die Exklusivität auf zwanzig Jahre. Nach ähnlichem Muster sind auch jene Verträge gestrickt, die Waldviertler Bürgermeister zuletzt zu Dutzenden unterzeichnet haben sollen.

Bei den Ortskaisern rennen die Betreiber zumeist offene Türen ein. Denn während ein Großteil der über 40 Windkraftprojektanbieter in Niederösterreich zuerst mit den Grundeigentümern verhandelt und dann Flächenumwidmungen beantragt, wird diesmal die Gemeinde(kasse) zuerst bedient. Das kommt den notorisch überschuldeten Gemeinden freilich zupass. Für die „Aufteilung des Gesamtentgelts“ ist im Hollabrunner Vertrag, der der „Presse“ vorliegt, ein „Verhältnis von 40/40/20 für Gemeinde/Gemeindefonds/Grundeigentümer“ vorgesehen. Pro Windrad sollen im Jahr in Summe 23.000 Euro für „mögliche Beeinträchtigungen“ fließen. Noch vor der ersten Umweltverträglichkeitsprüfung ist das Fell des Bären also schon verteilt. Dafür verpflichtet sich die Gemeinde, den Betreibern alle Steine so gut es geht aus dem Weg zu räumen. Derartige Verträge gebe es „überall“, heißt es von der EVN. Im konkreten Fall sei die Modellregion selbst mit der Bitte an die Betreiber getreten, gemeinsam anzubieten.

 

Förderung garantiert gute Rendite

Die haben freilich dankend angenommen. Denn Windenergie ist in Österreich ein lukratives Geschäft. Dank geförderter Einspeisetarife bringt jede Kilowattstunde Windstrom den Betreibern 13 Jahre lang 9,45 Cent garantiert. Im Normalfall liefert eine Anlage bei 2000 Volllaststunden im Jahr fünf bis acht Prozent Rendite. Kein Wunder, dass das Gerangel um die besten Plätze groß ist. Kritiker in Niederösterreich warnen vor Wildwuchs. Denn St. Pölten regelt zwar über die relativ strenge Raumordnung Mindestabstände zum Wohngebiet. Aber anders als etwa im Burgenland, wo Eignungszonen (Parndorfer Platte) festgelegt wurden, entscheidet jede Gemeinde selbst über Flächenumwidmungen. Das macht auch für Betreiber immer neue Flanken auf.

Niederösterreichs Energielandesrat Stephan Pernkopf weist den Vorwurf, dass ein unkontrollierter Ausbau drohe, „entschieden zurück.“ Vom Land gebe es „grünes Licht für alle Projekte“, aber „keine Zwangsbeglückung“. Die Einwohner müssten selbst entscheiden.

Ob das Modell Burgenland besser ist, sei dahingestellt. Die meisten Windräder baut dort Landesversorger Bewag. Immerhin: Große Widerstände von Bürgern und Behörden sind seither Geschichte.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2013)

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40 Kommentare
 
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Wieso baut man WKA nicht auf Hochhäuser in der Stadt?

dann auf 300m - 500m?

Die E-Control sei "untragbar" sagt er, der Abgänger des Franzisko-Josephinums in Wieselburg.

Überschrift aus den NÖN:

ÖKOSTROM / NÖ-Energielandesrat Stephan Pernkopf kritisiert die Stromregulierungsbehörde scharf: Mit unqualifizierten Aussagen mache sie sich zum Sprachrohr der Arbeiterkammer.

Ziel der Kampagne dieses Wüstels:
Er will noch mehr Fördergelder für seine Bauern!

„keine Zwangsbeglückung“????

Dieser Pernkopf ist auch nur so ein verlogener Windkraftlobbyist.

Ein klassisches Beispiel dieses erbärmlichen Bauernlümmels:
Als die e-Control, wieder einmal, was eh selten genug vorkommt, auf die Gefahren und den Unsinn der Windkaftsubventionits hinwies, hat sie dieser schleimige Pröll-Junker in einer Aussendung der NÖN auf das Hinterhältigste heruntergemacht.
Ja, er hat sich sogar dazu verstiegen, die dort arbeitenden Menschen aufs Ungeheuerlichste und Bösartigste zu desavoieren.
So vieles nur zu "keine Zwangsbeglückung"

Der ÖVP ins Stammbuch geschrieben

Wenn das Ergebnis einer Volksabstimmung ohnehin schon im Vorfeld klar ist, dann mobilisieren wir alle Kräfte, um für eine Abstimmung zu werben. Wenn es aber heikel werden kann und die Abstimmung nicht programmgemäß ausfällt, dann schieben wir weitreichende Zukunftsentscheidungen einfach an der betroffenen Bevölkerung vorbei. Wer weiß, ob meine (ÖVP-)Gemeinde nicht ebenfalls bereits still und heimlich unterschrieben hat!

Einer der Hauptschuldigen an dem Desaster ist Mitterlehner!

Bartenstein hatte das Problem erkannt und die ohnehin hohen Subventionen des Unsinns auf 7,6 Cent eingefroren. Damit wurde die sinnlose Zerstörung der Landschaft und die weitere Erhöhung der Strompreise defakto gestoppt.
Als Mitterlehner Wirtschaftsminister wurde, hat er die Förderungen auf geradezu krimnell hohe 9,55 Cent je kWh angehoben und einen neuerlichen Ausbauboom bewirkt.
Die windigen Gauner haben darauf mit unserem Geld nur so herumgeschmissen.
Damit werden unsere Stromrechnungen für die nächsten 15 Jahre mit den sinnlosen Ökostromzulagen weiter schwer belastet.
Sein Ziel war ausschließlich den Investoren für die Zukunft eine risikolose Renditegarantie zu geben. Der Beweis, dass es ihm nur um sein betuchtes Klientel geht, auch wenn er sich bei allen gerne einschleimt.

Wir brauchen keine Kraftwerke

Der Strom kommt sowieso aus der Steckdose!

Re: Wir brauchen keine Kraftwerke

Wir brauchen sehr wohl vernünftige und effiziente Kraftwerke.
Was wir nicht brauchen ist diese grüne Korruption und dumme Roßtäuscherei.

Re: Re: Wir brauchen keine Kraftwerke

Sie sagen es!
Aber kapieren werden das die Leute nur mit Provokation, oder wenn sie keinen Strom mehr haben!

Du meine Güte!

Und wenn dann der Wind aus ist, dann muss halt die Glühbirne warten, gell?
Wie bei der Photovoltaik. kann man auch toll die Nacht erhellen............
Wie blöd sind die Energieprolls?

Wo Raiffeisen draufsteht

ist Abzocke drinnen

vor mehr als

2 Jahrhunderten hat ein gewisser Sadi Carnot einige schlaue Dinge über die Energieumwandlung herausgefunden, bei unseren "Grünbewegten" sind die leider noch nicht angekommen. Das Wort Thermodynamik getraut man sich als gelernter Österreicher eh nicht in den Mund zu nehmen ;-)

Die Ahnungslosigkeit unserer Politiker ist gigantisch, oder sie sind einfach korrupt?

Zitat aus einem "Presse"-Artikel vor vielen Jahren, Urheber Prof. Boskin:
"Der Staat sollte sich aus dem Spiel heraushalten, durch Subventionen, Steuern, Regulierung, Mandate, Kredite und Investitionen einzelne Gewinner zu bestimmen. Es funktioniert einfach nicht, und, was noch schlimmer ist, es verdrängt oder unterdrückt potenziell wertvolle konkurrierende Technologien.
Die Regierung sollte allgemeine Ziele für den Energiebereich und die Umwelt festlegen und es dann Unternehmen, Investoren und Verbrauchern überlassen zu entscheiden, wie sich diese am besten umsetzen lassen. Sie sollte wissenschaftliche und technologische Grundlagenforschung fördern, die auf diese Probleme anwendbar ist. Eine Strategie jedoch, die sich ohne langfristige staatliche Unterstützung nicht aufrechterhalten lässt, ergibt keinen Sinn".
Die Deutschen mit ihrer verrückten "Energiewende" zahlen derzeit sogar noch dafür, wenn ihnen den Flackerstrom wer abnimmt.
Anstatt das zu nutzen subventionieren wir den hochgradig kriminellen Unsinn noch jährlich mit 588 Mio Euro.


Re: Die Ahnungslosigkeit unserer Politiker ist gigantisch, oder sie sind einfach korrupt?

Stimme Ihnen zu. Muss das deutsche Desaster auch in Österreich und hier speziell in NÖ greifen? Die EVN ist der größte Treiber und wer hat bei dieser EVN seine Pfoten drinnen? Richtig, der Glatzenkaiser und seine Dorfvasallen. Der Glatzenkaiser fährt landauf landab und preist überall die Schönheit seines Landes. Doch wenn er Wählerstimmen gewinnen will, dann ist ihm auch die Verschandelung des Landes, seines Landes wurscht. Und es geht nicht nur um eine Verschandelung. Der deutsche BUND (Naturschutz) hat dringend darauf hingewiesen, dass die Windräder Todesfallen für viele Vögel sind. Aber auch das ist dem Glatzenkaiser egal. Hauptsache der Rubel rollt für Ihn. Daran sollten alle NiederösterreicherInnen bei der kommenden Langtagswahl denken. In NÖ werden nicht nur hunderte Millionen Euro an Steuergeld in den Sand gesetzt, auch Flora und Fauna leiden unter diesem Despoten.

Re: Die Ahnungslosigkeit unserer Politiker ist gigantisch, oder sie sind einfach korrupt?

Der Staat hält sich vielleicht heraus,
aber sicher nicht die "Interessensvertreter"

Wemvertritt der der Landwirtschaftsminister wirklich ?
Seine "Bauern", seien bauernbund, seine Raiffeisenistitute, ....

eigentlich müßt der ja als "Vorstandsmitglied" der Firma Österreich, den Staat vertreten nicht die Klientel der er unaufhörlich Fördergeld zuschiebt !

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was ist denn das wieder für eine riesen SAUEREI!!!

Pröll/EVN/WEB machen auf MONOPOPL!!!!!

Da muss doch die Energie-regulierungsbehörde einschreiten!!!!

Und die korrupten bürgereister, die das unterschrieben haben, gehören weg!!!!

Re: was ist denn das wieder für eine riesen SAUEREI!!!

Die Raiffeisenpartie nicht vergessen!
Überall wo es stinkt, hat die ihrer Finger drin.

Jede (Nieder)Österreichische Unsinnigkeit zahlt der Steuerzahler!

Ob Windräder für Zufalls-Strom, ob sinnlose Nebenbahnen fürs Pröll-Image, alles wird dem Steuerzahler und Gebührenknecht aufgebürdet.

[X] STRONACH

Aus Notwehr!

Re: Jede (Nieder)Österreichische Unsinnigkeit zahlt der Steuerzahler!

Bitte keine dumme stronach propaganda

in diesem speziellen fall wäre NOTWEHR in dieser form gleich einem eigenen KOPFSCHUSS

Re: Jede (Nieder)Österreichische Unsinnigkeit zahlt der Steuerzahler!

oder Trotz!

14000 Windräder in den USA stillgelegt

Während in anderen Ländern die Ernüchterung ein Umdenken einsetzt, investiert Österreich immer noch in eine unrentable Form der Energiegewinnung.

Die Stillgelegten vierzehntausend Windräder sind ein Milliardengrab. Verschwendetes Geld, verschandelte Landschaften.

Die Österreicher sind nicht in der Lage über den Tellerrand zu blicken, sonst könnten sie aus dem amerikanischen Wind-Desaster lernen.

"(NaturalNews) Literal beacons of the "green" energy movement, giant wind turbines have been one of the renewable energy sources of choice for the US government, which has spent billions of taxpayer dollars subsidizing their construction and use across the country. But high maintenance costs, high rates of failure, and fluctuating weather conditions that affect energy production render wind turbines expensive and inefficient, which is why more than 14,000 of them have since been abandoned."

Du meine Güte!

"Dengl ist die Speerspitze der Gegner. Vor 20 Jahren hat der Architekt gegen Zwentendorf mobil gemacht,"
Und ich sage es nochmal: 2013 minus 20 Jahre = 1993!

Und da hat der Kreisky sicher keine Volksabstimmung machen lassen!

"Print-Ausgabe", naja, eher "Print-Ausschuss"......


Re: Der unhörbare Lärm von Windkraftanlagen

Wollen sie mal den Lärm von der Straße vor meinem Haus hören?

Lade sie gerne ein.

Wenn die Investoren wirklich mit 2000 Volllaststunden pro Jahr rechnen, werden sie schrecklich auf die Nase fallen!

Volllaststunden ist die Stundenzahl, die die Windräder gebraucht hätten, wenn sie die Stromlieferung des ganzen Jahres (es hat 8760 Stunden) mit voller Leistung hätten liefern können.

In Deutschland werden 2000 Volllaststunden nur an den Meeresküsten Schleswig-Holsteins erreicht, im Binnenland, z. B. in Baden-Württemberg, kommt man gerade nur auf 1350 Volllaststunden. Das würde für die hier genannten Investoren etwa ein Drittel weniger Einnahmen bringen, als sie erwarten. Ob sie das lange aushalten können?

Du meine Güte!

Die echten "Investoren" sind ja die, die das Geld geben. Die rechnen nicht, die gieren nach Rendite.
Die "Investoren", die das Projekt durchziehen, die haben kein Geld drinnen, die bekommen es durch die "Investoren", die glauben der Strom ist das Geschäft.
Dabei ist eben heutzutage nur Deppenneppen ein Geschäft!
Und Deppen findet man überall, suchens mal in der salzburger Finanzabteilung!

es gut nur ums Geld!

man sieht wieder einmal das es hier nur ums Geld geht. ohne Subvention würde das Windrad also auch kein Gewinn machen. war ja eh logisch. die Gemeinden freuen sich auf das Geld da die ja nichts haben. der Auftrag ist schon aufgeteilt. wer bezahlt das alles? wir alle! das ist was hinter der grünen neuen energiezukunft steckt. Sauerei!

 
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