Doping-Industrie: 'Sportler nur letztes Glied in der Kette'

15.01.2013 | 17:35 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Pharmakonzerne zählen zu den Profiteuren der Doping-Industrie. Was nach dem Verkauf ihrer Produkte passiert, interessiert sie aber nicht.

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US-Radsportikone Lance Armstrong hat Doping gestanden. Nähere Details wird man möglicherweise nach seiner öffentlichen Doping-Beichte bei Star-Moderatorin Oprah Winfrey am Donnerstag wissen. Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur Usada sprach im Zusammenhang mit Armstrong vom "ausgeklügeltsten, professionellsten und erfolgreichsten Dopingprogramm, das die Welt jemals gesehen hat." Der folgende Beitrag der Presse.com-Serie "Schattenwirtschaft" soll zeigen, dass Sportler - auch wenn sie noch so erfolgreich sind - aber nur das letzte Glied in der Doping-Kette sind. Sandro Donati, Italiens Dopingjäger Nummer eins, nennt des Dopings überführte Sportler daher auch "Opfer des Systems", in dem nur Siege und Medaillen zählen. "Im Falle eines Dopingvergehens stellt das System die Sportler aber als alleinige Schuldige dar".

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Tatsächlich trägt der Sportler, der zu Dopingmitteln greift, das Risiko. Ihm drohen die Aberkennung seiner Siege, lange Sperren und soziale Ächtung - im schlimmsten Fall sogar der Tod. "Die Sportler sind nur das letzte Glied in der Kette", sagte Günter Gmeiner vom Dopingkontroll-Labor Seibersdorf bereits vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking in einem "Format"-Artikel. "Die Hauptgewinner der gedopten Leistungsgesellschaft sind die Händlerszene, die globale Dopingindustrie mit ihren mafiös organisierten Vertriebskanälen und Pharmaproduzenten." Der Gesamtumsatz der jährlichen Dopingmitteln liege bei fünfzehn Milliarden Euro, so Gmeiner.

Gleiche Routen bei Drogen- und Dopinghandel

Interessant dabei: Dem Bericht zufolge sind Dealer von Heroin und Wachstumshormonen in den meisten Fällen dieselben. Die Routen des weltweiten Dopinghandels decken sich mit jenen des Drogenhandels. Profiteure des Dopinghandels sind aber auch Pharmakonzerne wie der US-Biotechkonzern Amgen, dem es laut "Format" 1989 erstmals gelang, EPO zur Behandlung von Blutarmut bei Krebs- und Nierenpatienten synthetisch herzustellen.

Dopingjäger Donati ist überzeugt, dass die jährlich produzierte EPO-Menge den tatsächlichen therapeutischen Bedarf um das Fünf- bis Sechsfache übersteigt, wie aus dem "Spiegel Online"-Bericht "EPO - der Topseller" hervorgeht. In US-Online-Apotheken gehört das Epo-Präparat Epogen dem Bericht zufolge sogar zu den zehn am häufigsten verkauften Medikamenten.

"Was danach passiert, interessiert uns nicht"

Amgen wurde übrigens Ende 2012 zu einer Strafe von 762 Millionen US-Dollar wegen unerlaubten Marketings verurteilt, wie die "TAZ" schreibt. Der Namenssponsor der Kalifornien-Radrundfahrt hatte EPO-Probepäckchen an Ärzte ausgegeben und diese angehalten, das Mittel jenseits des von den Behörden zugelassenen Anwendungsbereichs einzusetzen.

Diese Strafe mag schmerzen, dürfte aber verkraftbar sein. Denn das Geschäft mit EPO ist für Pharmafirmen lukrativ. Der US-Konzern Johnson & Johnson machte im Jahr 2004 mit EPO-Präparaten einen Jahresumsatz von 3,6 Milliarden US-Dollar, US-Konkurrent Amgen einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar und der Schweizer Pharmariese Roche einen Umsatz von 1,7 Milliarden Dollar. Bei Roche fühlt man sich laut "Spiegel Online" aber nicht für die missbräuchliche Verwendung der eigenen Produkte zuständig. "Wir verkaufen unser EPO wie jedes andere Medikament an den Großhandel - was danach passiert, interessiert uns nicht", sagte Roche-Kommunikationsdirektor Hans-Ulrich Jelitto. "Wir sind nicht schuld am EPO-Missbrauch, also sind wir auch nicht verantwortlich."

Nur Einzelfälle: Kooperation mit Pharmabranche

Die Weltdopingagentur WADA verfügt laut "20min.ch" jährlich über ein Budget von rund 25 Millionen Dollar. Das sei angesichts der Umsätze, die Pharmafirmen mit EPO-Präparaten machen, geradezu absurd wenig. WADA-Generalsekretär David Howman kritisiert jedenfalls laut "TAZ" den mangelnden Aufklärungswillen der Pharma-Branche bei Abflüssen von Medikamenten in den Doping-Schwarzmarkt.

Erfolgreiche Kooperationen der WADA mit Pharmafirmen sind bislang nur Einzelfälle. So hat Roche zwar schon vor der Zulassung des Blutaufbau-Präparates Mircera im Jahr 2007 das Medikament sowie Nachweisstoffe zur Verfügung gestellt, was zur Überführung von Dopern bei der Tour de France 2008 führte. Der Kampf gegen Doping sei aber nicht die Aufgabe der Industrie, heißt es bei Roche. "Dass wir die Problematik Ernst nehmen, haben wir beim Medikament Mircera gezeigt".

Marker-Substanz: "Würde keine Behörde zulassen"

Eine Marker-Substanz in ein dopingrelevantes Medikament einzuschleusen, höre sich gut an, schreibt die "Pharmazeutische Zeitung". Umsetzbar sei das aber nicht so einfach. "Dazu müsste das ganze Zulassungsverfahren von vorne beginnen", zitiert die Zeitung Dopingforscher Hans Geyer vom Kölner Antidopinglabor.

"Man kann nicht wegen vielleicht 200 bis 400 Personen, die in Deutschland EPO zu Dopingzwecken verwenden, in die Körper von 10.000 bis 15.000 Patienten, die EPO dringend zum Überleben benötigen, Stoffe einführen, die aus medizinischer Sicht nicht gebraucht werden", gibt auch Anti-Doping-Experte und Biochemiker Fritz Sörgel zu bedenken. "Keine Arzneimittelbehörde der Welt würde ein Medikament mit diesen Risiken zulassen."

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17 Kommentare

Wer finanziert die WADA und wer die NADAs ??

Die Leute dort sind auch keine frewilligen Wohltäter, sondern sie kassieren schöne Gehälter und fürstliche Diäten ! Also gehören auch die zur "Dopingindustrie" und haben höchstes Interesse daran, daß weiterhin auf Teufel komm heraus gedopt wird.

Der Sportler weiss GANZ genau was er (verbotenes) tut!

Der Sportler ist für sein tun zu 100% selbst verantwortlich!!!!

künstliche Kriminalisierung

genauso könnte man behaupten, am Brotverkauf verdienen vor allem die Bauern und Supermärkte, aber der Konsument muß es bezahlen und essen. No na, das ist das Wesen von Industrie und Handel.

Für Dopingmittel aller Art gibt es keinen Grund für eine Verkaufsbeschränkung. Die Substanzen sind weder bewußtseinstrübend noch taugen sie zum Suizid. Daher sind sie auch nicht für Dritte, z.b. als K.O.-Drogen gefährlich. Mit EPO kann man sich umbringen, aber da muß man sich schon tagelang sehr hohe Dosierungen spritzen, das taugt also auch nicht zum Selbstmord, da ist Paracetamol weit effektiver (und paraxoderweise frei erhältlich).

Sonstige (ohnehin bloß theoretische) Gesundheitsgefährdung kann auch kein Argument sein, sonst wäre Alkohol nicht legal erhältlich.

Also macht das Zeug frei verkäuflich und es wird keine Dopingmafia mehr geben, genauso wie es heute ja auch keine Brotmafia oder Paracetamolmafia gibt.

Am Doping verdient die Pharmaindustrie doppelt!

Nicht nur an den Dopingsubstanzen selber, sondern auch und wahrscheinlich noch wesentlich mehr an den Reagenzien zum Dopingnachweis! Diedi

Re: Am Doping verdient die Pharmaindustrie doppelt!

Find ich weniger witzig!

Inkonsistent und tendenziös

Das Einschlagen auf die Pharmaindustrie ist ein bewährter Dauerbrenner um Applaus zu erheischen. Auch dieser Beitrag ist tendenziös und inkonsistent: so wird zuerst der Milliarden-Umsatz mit EPO-Produkten praktisch in einem Atemzug mit EPO-Mißbrauch genannt, ein paar Zeilen weiter kann man aus Ihren eigenen Zahlen errechnen, dass rd 98% der EPO-Produkte für lebensrettende medizinische Zwecke verwendet werden, nur 2% für Doping.

Re: Inkonsistent und tendenziös

ebenfalls danke!

Re: Re: Inkonsistent und tendenziös

Von den 2% Doping Epo werden 80% von Hobbyfahrern genommen, 10% im Profiradsport.

Also, die böse Pharmaindustrie (nicht sie, sondern der Großhandel) verkauft 0,2% ihrer Epo-Produktion an Profi-Radrennfahrer.


Re: Inkonsistent und tendenziös

Danke für ihren Kommentar!!! Es ist nicht außer Zustimmung hinzuzufügen.
Es ist wohl die billigste Art sich jeder Beantwortung zu entziehen. Es gehört wohl zum guten Ton und zum korrekten Zeitgeist immer auf die pöhse Pharma zu schimpfen!

was soll das - pharmakonzerne sind wohltaeter

der menschheit, die kosten fuer die entwicklung von medikamenten ist enorm, das gewinnmotiv keine schande. Wer tod oder siechtum dank moderner pharmaindustrie von der schippe gesprungen ist weiss das, wer nicht, darf weiterschimpfen auf dee boesen konzerne.

man müsste nur beim ösv nachschauen


Doping legalisieren

Jeder von den Spitzen-Sportlern nimmt verschiedenste Präparate um seine Leistung zu steigern! Dinge die ein 'Freizeit-Sportler' nie nehmen würde. Entweder müsste man sämtliche Präparate verbieten, ansonsten ist es ein ewiger Kampf zwischen Pharmaindustrie & Doping-Fandern, oder einfach alles erlauben. Sollen sich die Profi-Sportler vollpumpen bis unter die Haut mit ihren Mitteln. Damit ist es jedem selbst überlassen, ob er das möchte oder nicht und diese ewige Scheinheiligkeit hat ein Ende. Denn JEDER SPITZENSPORTLER NIMMT DOPING, nicht du diejenigen, welche 'ertappt' wurden.

Sportler? Gemeint sind die Profis!

(jeder) Berufssport = Doping

Berufssport hat doch nichts mehr mit Sport zu tun, es sieht nur so ähnlich aus, mehr nicht.

Wer sich das anschaut ist selber schuld, wenns dann noch Spaß macht o.k. aber bitte nicht über Doping aufregen.

1

Re: Sportler? Gemeint sind die Profis!

Man wird nicht über Nacht Profi sondern wächst bereits als Kind in ein System hinein, das einen ungeheuren Druck ausüben kann.

Re: Re: Sportler? Gemeint sind die Profis!

das glaube ich nicht,

niemand wächst einfach so zum Berufskriminellen heran

Doping ein Strafbestand?

Also wegen mir braucht es keine Gesetze, Richter und Polizisten die sich - um mein Steuergeld (!) - der Sache annehmen. Das sollen die Sportler, die Vereine und ihre Sponsoren intern und zivilrechtlich klären!

3

Re: Doping ein Strafbestand?

Doping ist ein Massenphänomen!

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