Stepic: „Es gibt Banken, die niemand braucht“

18.01.2013 | 18:33 |  von Josef Urschitz (Die Presse)

Raiffeisenbank-International-Chef Herbert Stepic über verschleppte Bankenreformen, überzogene Eigenkapitalvorschriften, gefährliche Schattenbanken und das weiterhin hohe Potenzial im Osten.

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Die Presse: Herr Stepic, seit Jahrzehnten hören wir, dass es in Österreich zu viele Banken gibt. Wieso geht bei der Strukturreform nichts weiter?

Herbert Stepic: Es stimmt, wir haben Reformbedarf. Aber die Chancen waren noch nie so gut wie jetzt. Wir haben mit Hypo Alpe Adria, Kommunalkredit und Övag drei Institute, die über die Fimbag (staatliche Bankenbeteiligungsholding, Anm.) abgewickelt werden. Wenn man es jetzt nicht zusammenbringt, Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen – was muss denn dann noch alles passieren?

Und ohne die notverstaatlichten Institute hätten wir schon die optimale Struktur?

Natürlich nicht. Es gibt eine Reihe von Instituten, bei denen man sich fragen muss: Wer braucht die? Was ist deren Funktion? Meine Söhne waren seit Jahren in keiner Bankfiliale, die machen alles per Internet. Da haben wir enorme Überkapazitäten.

Und wen braucht man wirklich?

Meines Erachtens nach kämen wir mit den drei großen Bankgruppierungen (Raiffeisen, Erste/Sparkassen, Bank Austria, Anm.) aus, wobei es innerhalb der Sektoren zu weiteren Konsolidierungen kommen muss. Daneben wird es noch Platz für ein paar insignifikante Privatbanken geben.

Der Bankensektor insgesamt scheint sich ja wieder erholt zu haben.

Ja, aber es kommen zwei negative Umstände zusammen: Die Wirtschaft wächst schwächer, und die Regulatoren haben ausgerechnet in dieser Phase überproportionale Kapitalanforderungen gestellt.

Das soll die Banken immerhin stabiler machen.

Aber das Pendel schlägt nach der überzogenen Liberalisierung in den Neunzigern zu stark in die Gegenrichtung aus. Die Regulatoren haben es in diesem Fall leicht, denn in der Öffentlichkeit kann ja wirklich niemand etwas gegen höheres Kapital bei Banken haben. Wir haben aber jetzt den Punkt erreicht, ab dem sich die Banken primär mit sich selbst beschäftigen, um die Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen – und damit die Wachstumsfinanzierung vernachlässigen.

Heißt das, es droht eine Kreditklemme?

Eine Kreditklemme gibt es derzeit nicht, weder in Österreich noch in Osteuropa.

Aber wenn die Wirtschaft wieder anspringt ...

...dann haben wir ein Problem. Wir geben ausreichend Kredite, aber die Banken können nicht mehr wachstumsfördernd tätig sein, weil jedes dritte Monat ein Regulator kommt und sagt: „HörenS', Stepic, Sie brauchen jetzt noch ein Prozent mehr Eigenkapital. Wissen S' was, nehmen S' gleich zwei Prozent mehr, aber nicht bis 2019, sondern bis 2014.“ Das ist eigentlich katastrophal.

Dafür ist ein großer Teil der Branche, die Schattenbanken, praktisch unreguliert.

Der Eindruck, dass die Regulatoren diesem Bereich viel zu wenig Aufmerksamkeit widmen, ist leider richtig. Dieser Bereich, von dem extrem negative Einflüsse ausgehen, macht mit 66.500 Milliarden Dollar schon 27 Prozent des Volumens des gesamten globalen Kreditapparats aus – und nimmt weiter zu. Ein Wahnsinn, dass man sich dem nicht schwerpunktmäßig widmet.

Ein Problem scheinen auch die großen Bilanzierungsspielräume zu sein. Ganz ehrlich: Können Sie aus einer Bilanz, die Sie nicht selbst erstellt haben, den Zustand einer Bank ableiten?

Ohne begleitende Erklärungen nicht. Mit den gesamten begleitenden Erklärungen laut IFRS zu 80Prozent. Zu hundert Prozent sicher nicht, dazu sind diese Zahlenwerke zu komplex. Genau deshalb machen wir ja beispielsweise quartalsweise Analystengespräche. Wir sind selbst höchst an Transparenz interessiert. Je transparenter man ist, desto weniger Probleme hat man mit Aktionären und der Öffentlichkeit.

Die Probleme in Osteuropa, wo österreichische Banken schwerpunktmäßig tätig sind, sind etwas aus dem öffentlichen Fokus geraten. Hat sich die Lage dort beruhigt?

Osteuropa ist ein völlig heterogener geografischer Raum, die Generalisierung als einheitliche Region stammt noch aus der Ostblockzeit. Die wirtschaftliche Entwicklung ist beispielsweise in Tschechien, der Slowakei, Polen und Russland hervorragend. Dafür gibt es Probleme in Teilen des Balkans, etwa in Serbien und Kroatien, und die Ukraine hat zehn Jahre ihrer Entwicklung verloren. Die Zukunftsaussichten sind sehr positiv, Osteuropa insgesamt wird in den nächsten Jahren einen Wachstumsvorsprung von gut zwei Prozent gegenüber der Eurozone halten. Das ist ein enormer Unterschied.

Es gibt aber Probleme mit faulen Krediten, oder nicht?

Der Anteil der Non-Performing Loans liegt in Osteuropa insgesamt bei zehn Prozent, also annähernd doppelt so hoch wie in Westeuropa. Das ist nicht existenzbedrohend. Bei den Fremdwährungskrediten liegen die Wertberichtigungen etwa bei 34 Prozent. Man muss aber bedenken, dass in Emerging Markets fast nur besicherte Kredite vergeben werden. In diesem Bereich haben wir durch die Krise hindurch mit Ausnahme Ungarns immer ein positives Gesamtergebnis gehabt. Wir sind in 17 Ländern tätig, Diversifikation ist unsere Stärke – da gleichen sich Probleme in einem Bereich im anderen immer wieder aus.

Sie bleiben also in allen osteuropäischen Märkten?

Natürlich. Wir fokussieren aber unsere Wachtumsstrategie. Dort, wo Potenzial ist, etwa in Russland, werden wir künftig stärker wachsen. Die Situation in Osteuropa hat sich insgesamt deutlich verbessert, das Ausbildungsniveau und die Einsatzbereitschaft der Beschäftigten sind sehr hoch. Die Realität dort ist völlig anders als das Bild, das man sich bei uns vielfach macht.

Vor einigen Jahren haben Sie mit der Erste Group über eine Zusammenarbeit im Osten, konkret über eine Fusion, verhandelt. Ist da noch etwas im Busch?

Nein, das ist jetzt nicht mehr denkbar, weil beide Gruppen zu einem Gutteil vom Geschäft in Osteuropa leben. Wenn man diese Geschäfte fusioniert, dann schwächt das den Sektor, der das abgibt. Die Motivation damals war, eine starke Bank zu erhalten, die zur Gänze in österreichischer Hand ist. Ich habe da einen anderen Zugang und meine, man sollte viel europäischer denken.

Auf einen Blick

Dr. Herbert Stepic (66) ist Vorstandsvorsitzender der börsenotierten Raiffeisenbank-International, in der alle osteuropäischen Banken und Finanzunternehmen der österreichischen Raiffeisengruppe zusammengefasst sind. Der promovierte Handelswissenschaftler, seit 1973 in der Raiffeisen Gruppe tätig, hat die Raiffeisen Bank International aufgebaut und zu einer der größten westeuropäischen Banken in Osteuropa gemacht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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32 Kommentare
 
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Das Eigenkapital einer Bank kann nicht hoch genug sein!

Wir sollten auch nicht vergessen, daß uns die überaus zyklischen Regeln aus Basel II einen Großteil der Bankenprobleme eingebrockt hat.

Das Eigenkapital einer Bank kann nicht hoch genug sein!

Wir sollten auch nicht vergessen, daß uns die überaus zyklischen Regeln aus Basel II einen Großteil der Bankenprobleme eingebrockt hat.

Immer diese Jammerei...

...tatsächlich müssen die Banken seit Anfang 2012 nur mehr 1% Mindestreserve an Zentralbankgeld vorhalten. Vorher waren es 2%. Die Eigenkapitalvorschriften nach Basel III wurden auch auf 2014 verschoben.

Hat der...

...Herr Stepic eigentlich schon den Kredit für seine Serbiengeschäfte von der HAA zurückbezahlt?

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Raiffeisen, wir brauchen Euch

... für die Versorgung mit billigen Krediten aus dem Sparverein


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Wir finanzieren mit

den Bankgebühren,Zinsen etc. und natürlich mit unserem Steuergeld diesen aufgeblasenen Verwaltungsapparat der Banken. Nebenbei wird noch mit unserem Geld gezockt.

...

alle kleinen Banken weg. nur die großen sollen bleiben!
die haben uns in der vergangenheit gezeigt wie sie uns alle ins verderben ziehen können...

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Er hat recht

Raiffeisen

„Es gibt Banken, die niemand braucht“

Wahrscheinlich alle, die Raiffeisen Konkurrenz machen können.

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Raiffeisen

ist eine Gefahr für die Demokratie.

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Re: Raiffeisen

Alle Konzerne und Unternehmen mit mehreren Milliarden Bilanzsumme sind eine Gefahr für die Demokratie, da sie Schmiergeldsummen, die ein Vielfaches der Politikergehälter ausmachen, aus der Portokassa aufbringen können. Die Studien und Wissenschaftler zu hunderten bezahlen können, während unser Parlament nicht einmal einen ordentlichen wissenschaftlichen Dienst hat.

Wie der Spagat zwischen Effizienz- (und damit Wohlstands-)Steigerung durch steigende Unternehmensgrößen und Demokratie zu vollbringen ist, wird eine der großen Fragen des 21. Jahrhunderts.

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Das ist nicht existenzbedrohend. Bei den Fremdwährungskrediten liegen die Wertberichtigungen etwa bei 34 Prozent

Dank der Aktivitäten dieses Herrn und den Ostrisken der ERSTEN mußte Österreich dem ESM zustimmen, um mögliche Bankenpleiten aus den Ostgeschäften dieser Institute durch Rettungsschirme aus der EU abzufedern. Ubd da kommt Stepic, und meint, die Österreicher hätten einen Realitätsverlust und würden Kreditabschreibungen mit Gewinnen verwechseln.
Macht ja nix - Österreich hält die Ausfallshaftung und der feine Herr kassiert weiterhin Millionenboni.
Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen muß, wenn man diese geballte Desinformation vorgesetzt bekommt.

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Re: Das ist nicht existenzbedrohend. Bei den Fremdwährungskrediten liegen die Wertberichtigungen etwa bei 34 Prozent


#1. "Man muss aber bedenken, dass in Emerging Markets fast nur besicherte Kredite vergeben werden." - d.h. Gegenwerte sind da.

#2. "Wertberichtig" bedeutet nicht Abschreibung oder Verlust, sondern Rückstellungen für den mögl. Ausfall, wobei erfahrungsgemäß ein Gutteil wieder aufgelöst wird.

#3. Osteuropa (außer Ungarn und der Ukraine) ist d e r wirtsch. Hoffnungsmarkt, weil dort nach Marktöffnung Bedarf besteht. Der westeuropäische ist auf Jahre hinaus gesättigt.


Es war einmal, da hielt sich der Bauernbund eine Bank.

Heute hält sich diese Bank eine ganze Partei und läßt ihre Hampelmänner dort zappeln!

Re: Es war einmal, da hielt sich der Bauernbund eine Bank.

Ich denke eher, daß sich diese Bank eine Regierung hält. Parteipolitik ist nur die Show für's Volk.

Es war einmal, da hielt sich der Bauernbund eine Bank.

Heute hält sich diese Bank eine ganze Partei und läßt ihre Hampelmänner dort zappeln!

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es gibt vor allem viele bankmanager die niemand braucht


Stepic: „Es gibt Banken, die niemand braucht“ ja genau WIE DIE REIFFFFEISEN!!!


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Re: Stepic: „Es gibt Banken, die niemand braucht“ ja genau WIE DIE REIFFFFEISEN!!!

Lernen Sie einmal "Raiffeisen" richtig zu schreiben, bevor Sie Müll schreiben.

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Re: Re: Stepic: „Es gibt Banken, die niemand braucht“ ja genau WIE DIE REIFFFFEISEN!!!

Das hat er sinngemäß schon richtig geschrieben!!!! FFFFFFFF
Denn mit der ursprünglichen Genossenschaftsidee hat diese in Osterreupa aufgeblasene und für österreichische Normalbürger schädliche Bank nichts mehr zu tun.

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Re: Re: Re: Stepic: „Es gibt Banken, die niemand braucht“ ja genau WIE DIE REIFFFFEISEN!!!

Ich kann Ihnen nur denselben Rat geben!
Lernen sie Raiffeisen einmal richtig zu schreiben !
Erst dann könnten Sie daran gehen, den Aufbau "Raiffeisens" zu begreifen. Aber zu diesem Zweck müssten Sie sich einmal informieren, bevor Sie über eine "für den Normalösterreicher schädliche Bank "schreiben, die im Osten aufgeblasen wurde. Teilen Sie mir bitte doch einmal mit, worin diese "Schädlichkeit" in Ihren Augen besteht. Ich diskutiere gerne mit Ihnen darüber.

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Re: Re: Re: Re: Stepic: „Es gibt Banken, die niemand braucht“ ja genau WIE DIE REIFFFFEISEN!!!

Lieber virgil, jetzt schreib ich einmal zur Strafe hundert Mal Raiffeisen, und dann versuche ich in Erfahrung zu bringen, dass Raiffeisen doch noch eine Genossenschaft ist.
Über Probleme von Normalbürgern in Östereich und Mittelosteuropa schreib' ich lieber nichts, sondern rühme hiermit vorsorglich Raiffeisen, damit ich mir keine Klage einhandle.
Dann trage ich meine letzten Ersparnisse zu Raiffeisen und bin glücklich, dass ich 0,25 Prozent Zinsen aufs Sparbuch bekomme bei einer zehn Mal höheren Inflationsrate, auch Raiffeisen Bausparkasse macht mich glücklich, weil da mein eingezahltes Geld nach sechs Jahren real weniger wert ist als zuvor. Und dann lese ich mir alle die rot-schwarzen Systemmedien, die von Raiffeisen kontrolliert werden, damit ja die Opposition keine Chance hat in Östererich. Und ich rühme die ganze Lebensmittelindustrie und den Handel für die über den Schnitt steigenden Lebensmittelpreise.
Aber wie gesagt, erst schreibei ich hundert Mal Raifffeisen und dann noch fünfzig Mal Stepicz.
undert mal

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Re: Re: Re: Re: Re: Stepic: „Es gibt Banken, die niemand braucht“ ja genau WIE DIE REIFFFFEISEN!!!


???
Na, dann wechseln sie endlich schleunigst die Bank und gehen Sie endlich dorthin wo Sie mehr bekommen!

Die europ. Genossenschaftsbanken haben den Crash 2008 bedeutend besser überstanden als der Rest, mit Ausnehme der VBn.

Und ja, erkundigen Sie sich bitte über die tats. Pleitekandidaten in österr. Bankenwelt.

Schauen Sie sich einmal auf der Nationalbank Homepage die Eigentumsverhältnisse der in Österr. agierenden Banken an. Raiffeisen ist die einzige, die noch in österr. Händen ist. Ist das der Grund, warum Sie darauf spucken? Raiffeisen legt offen, an welchen Wirtsch.-Unternehmen sie beteiligt sind. Informieren Sie sich welche ausl. Unternemen an den anderen in Ö tätigen Finanzunternehmen beteiligt sind und in welchen anderen Unternehmen in welchen anderen Ländern diese wieder.

Sie brillieren mit Ahnungslosigkeit ohne zu wissen, was sich gerade auf diesem Wirtschaftssektor momentan abspielt.

Raiffeisen ist immer noch der Bankenpartner vor Ort, unterstützt die kleinen Vereine, Schulen und die Kultur durch ihrem Genossenchaftsauftrag. Aber das will ja niemand wissen.




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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Stepic: „Es gibt Banken, die niemand braucht“ ja genau WIE DIE REIFFFFEISEN!!!

Dem kann ich nur zustimmen

Bauer von Beruf?


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Re: Bauer von Beruf?

Wäre das schlecht ?

 
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