Preisabsprache? Razzia bei Media Markt

24.01.2013 | 16:48 |  Von Hanna Kordik (Die Presse)

Im Elektrohandel leidet der Wettbewerb unter der Konzentration. Nun vermuten Wettbewerbshüter Preisabsprachen zwischen Media Markt/Saturn und Philips. Mitte Jänner gab es eine dreitägige Razzia in Österreich.

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[Wien] Am Anfang standen Hausdurchsuchungen beim Elektronikkonzern Philips in Österreich. Durchgeführt wurden sie von der Bundeswettbewerbsbehörde im September vergangenen Jahres. Auslöser waren Beschwerden von Onlinehändlern: Sie hatten bestimmte Waren billig angeboten, daraufhin hätten sie Probleme mit ihrem Lieferanten bekommen, monierten sie - bisweilen seien Produkte mit drastischer Verspätung geliefert worden. Die Wettbewerbsbehörde ging den Vorwürfen nach, sie vermutete illegale vertikale Preisabsprachen - also Preisbindungen, die zwischen Herstellern und Einzelhändlern vereinbart werden.

Mittlerweile dürfte sich der Verdacht der Wettbewerbshüter erhärtet haben. Jedenfalls fanden am 9., 10. und am 11. Jänner dieses Jahres weitere Razzien statt. Dieses Mal beim Elektronikfachhandel, wie die Wettbewerbsbehörde der „Presse" bestätigte. Namen wurden nicht genannt, „um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden". Doch in der Zwischenzeit ist durchgesickert: Die dreitägige Razzia im Jänner fand beim Österreich-Ableger der deutschen Elektrokette Media Markt/Saturn statt. Und der Verdacht der Wettbewerbshüter wiegt schwer: Sie vermuten, dass es vertikale Preisabsprachen sowohl bei sogenannter Braunware, also Unterhaltungselektronik, als auch bei Weißware, also Haushaltsgeräten aller Art, gab.

Kein starker Wettbewerb

Die Geschäftsführung von Media Markt/Saturn bestätigte der „Presse" die Hausdurchsuchungen. Das Unternehmen stehe den Behörden selbstverständlich bei allen Fragen „umfassend und mit voller Kooperationsbereitschaft zur Verfügung". Mehr wolle man aufgrund der laufenden Untersuchungen zu der Angelegenheit nicht sagen. Lieferant Philips bestätigte die Razzia ebenfalls, gab aber ansonsten keine Stellungnahme ab.

Die Ermittlungen der Wettbewerbshüter sind jedenfalls überaus brisant. Denn um den Wettbewerb im Elektrofachhandel ist es in Österreich eher schlecht bestellt. Wolfgang Richter, Chef des Standortberaters RegioPlan, spricht gegenüber der „Presse" von einer „eigenartigen Situation": Hierzulande gebe es bloß einen großflächigen Anbieter, nämlich die Media Markt/Saturn-Gruppe.

Vom jährlichen Fachhandelsumsatz in Höhe von rund 3,7 Milliarden Euro würden ganze 35 Prozent auf diese Gruppe entfallen. Rund 32 Prozent des Umsatzes kämen von sogenannten kooperierten Händlern (Red Zac, Expert). Der Rest entfalle auf andere filialisierte Händler (wie Conrad oder Ditech) sowie kleine Händler. Experte Richter spricht in diesem Zusammenhang von einer „erstaunlichen Konzentration". Für frischen Wind auf dem Markt sorgten zuletzt allerdings günstige Onlinehändler. Diese seien nun teilweise „ausgebremst" worden, so der Vorwurf der Wettbewerbsbehörde, die immer öfter zum „Ermittlungstool" Hausdurchsuchungen greift. Denn diese sind, wie Behördenchef Theo Thanner unlängst bei einem Vortrag ausgeführt hat, bei der Aufdeckung von Absprachen neben Kronzeugenanträgen am effektivsten. Während es im Jahr 2011 seitens der Wettbewerbsbehörde 14 nationale und fünf europäische Hausdurchsuchungen gab, waren es im vergangenen Jahr bereits 25 Razzien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25. Jänner 2013)

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53 Kommentare
 
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Ich bin sicher kein Media Markt Freund, aber...

Es sollte doch jedem klar sein, dass die Media Markt Gruppe nicht immer den online Preisen die Stirn bieten kann. Wie auch? Immerhin müssen diese ihre Mitarbeiter bezahlen, Miete, Lagerkosten,... Das alles ersparen sich natürlich viele Onliner. Ausserdem kaufen typische E-Tailer auch kaum Ware in Österreich, sondern wirkliche Restposten von Brokern europaweit. Das kann ein MSB nur sehr bedingt und zumeist nur in Absprache mit einem Hersteller.
Vielleicht schafft es die Vielzahl dieser online Händler auch die MSB Gruppe vom Markt zu verdrängen. Ich bin gespannt wo wir dann hingehen um sich Produkte anzusehen. Das "look and feel" ist einigen Personen nunmal auch wichtig. Beratung findet sowieso nicht mehr in den Märkten statt, sondern in diversen Foren.

Ein nettes Beispiel für große Preisdifferenzen sind immer Geräte auf die eine hohe URA anfällt (z.B. CD Rohlinge, Drucker...). MSB führt diese gesetzlichen Abgaben ab, die anderen eben nicht. Wo kein Kläger, da kein Richter. Gesetzesbruch?! Egal! Diese Produkte werden so gut wie nur noch aus dem Ausland "grau" importiert.

Ausserdem wer denkt, dass große Hersteller nicht die Möglichkeit haben ihre Preise unter Kontrolle zu bringen, der irrt. Siehe Beispiel Apple oder Miele. Die hatten dies bis vor kurzer Zeit perfektioniert. Auf welchem Rücken das Thema dann ausgetragen wird ist doch relativ klar: Auf dem der kaufenden Kunden. Dann werden die online Preise eben steigen...

Wenn Geiz geil ist, ist das was für Blödmänner


Selber schuld, wer dort einkauft,


Re: Selber schuld, wer dort einkauft,

war zu schnell auf der Enter-Taste ...
Jeder Online-Händler ist billiger!

Geiz ist geil!


Staat oder Konkurrenz

Mein Posting an Anfang war vielleicht missverständlich.

Ich halte es für weitaus kundenfreundlicher, wenn die Verbraucher alle (ALLE) Informationen verfügbar haben. Nicht nur die Werbung der Händler und die gefilterten Geizhalsinformationen.

Was sind kooperierte Händler (Red Zac, Expert)

stehen die auch irgendwie in Verbindung mit Media Markt/Saturn oder nicht?

würde die herren gerne

einmal bei miele sehen. wie könnte es anders sein, preise sind überall gleich. unterbietest du als händler war es das und du bekommst keine ware mehr

Alles quer Importe , die sind in der. Eu nicht verboten!!

Weis jemand warum gerade Sony bzw Philiphs tvs den größten Preisunterschied im Internet, im Vergleich zum normalen Handel?
Richtig, sie werden aus Rumänien Bulgarien etc quer importiert!
Die Behörden wollen nun der Öffentlichkeit weiß machen das dies verboten sei, und einen auf Preisabsprachen machen, obwohl sie die Gesetze des freien Binnenmarktes eigentlich kennen müsten, die die Eu jedem Mithliedsstaat aufdiktiert!
Media Markt, kauft doch nur ältere Modelle günstig in Tausender Paletten in ganz Europa zusammen,und verkauft den Landenhüter vom Vorvorjahr als neu, zum überteuerten Vollpreis!
Vielleicht sollte man einmal gegen diesen Etikettenschwindel Vorgehen, aber das ist ja angeblich legitim!

---die sind doch nicht blöd?


Funktioniert...

..ohnehin nur noch bei der weissware richtig und dort weiss relativ sicher jeder kompetente media/sat einkäufer bescheid über die machenschafte. In allen anderen bereichen sinds doch eh zu inkompetent für das fachpuplikum (slrs) oder werden vom onlinehandel erdrückt (zb filme und spiele). Und bei der weissen ist der kunde selbst schuld wenn er zb nicht zum kleinen aber feinen haas fährt.

natürlich gibt es preisabsprachen! man braucht nur einen vergleich auf geizhals.at machen und schon sieht man grobe unterschiede!!!!


selbiges

gilt fuer Fahrräder

durchwegs gleiche Preise in ganz Europa!

Ausnahme sind lediglich Abverkäufe und ausverhandelbare Rabatte bei vorjahresmodellen!

Insbesondere die Vertriebsstruktur: Verkauf nur über ausgesuchte Händler (kaum Konkurrenz) hält Preise hoch!

daher einziger Ausweg oft über Eigenmarken!

UVP ist quasi vom Hersteller "vorgeschlagener" Einheitspreis!

Die sind doch auch nicht blöd...


günstige Onlinehändler

Die sollten sich auch gleich Miele anschauen!
Alle Waschmaschinen in Wien der gleiche Preis!

Re: günstige Onlinehändler

Wenn miele nicht gleich auch die bwb mitschmiert wärs eh ein wunder ^^

Nichts Neues

Dem östrreichischen Internet-Preisvergleichsportal "Geizhals.at" werden (auch) von Phillips die eigenen Produktfotos verweigert.
Mir ist schon lange klar, dass hier die großen Handelsketten Druck auf die Hersteller ausüben, damit die Konsumenten möglichst keine Transparenz über die Preisunterschiede derselben Produkte bei einzelönen Händlern haben.

Lustig ist auch in dem Portal zu sehen, wie im Gleichschitt da die unterschiedlichsten Händler quer durch Österreich und sogar Deutschland das Elektronikzeug mit nahezu gleichen Preisen anbieten. Dass Miele eine sehr harte Hand um seine Preisvorstellungen durchzusetzenhat, ist seit Jahrzehnten bekannt - aber offenkundig noch nie Gegenstand von Untersuchungen der Kartellbehörden in DE wie in Österreich gewesen.

Re: Nichts Neues

Sehr schön ists auch bei notebooks wenn von herstellern für grosse ketten einfach nur zwei buchstaben oder zahlen ausgetauscht werden damit die vergleichbarkeit von an sich identer hardware erschwert wird ^^

looooool wer kauft Bitte noch da ein loool

Ich war schon 12 Jahre nicht mehr bei den Betrügern für hat hat man Amazon und so weiter wer da noch kauft sind selber schuld

Re: looooool wer kauft Bitte noch da ein loool

Sie sollten wirklich öfters rausgehen!

Sie sollten wirklich öfter rausgehen

Bitte nicht!

Re: looooool wer kauft Bitte noch da ein loool

Wer so schreibt, ist auch selber schuld!

Re: looooool wer kauft Bitte noch da ein loool

Wow. So schreiben kann wahrlich nur ein Genie.

Zusammenarbeit offensichtlich!

Das hat ja irgendwie schon jeder gemerkt, dass Media+Saturn zusammen arbeiten.

Verstehe nicht, wieso jetzt ein paar Leute so überrascht herum tun.

Re: Zusammenarbeit offensichtlich!

Die beiden arbeiten nicht nur zusammen, sie gehören es auch! ;)

Re: Re: Zusammenarbeit offensichtlich!

Danke. Manchmal tuts schon weh. In dem Fall sogar schon 9x. Zumal es sogar im Artikel steht.

 
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