Preisabsprache? Razzia bei Media Markt

Im Elektrohandel leidet der Wettbewerb unter der Konzentration. Nun vermuten Wettbewerbshüter Preisabsprachen zwischen Media Markt/Saturn und Philips. Mitte Jänner gab es eine dreitägige Razzia in Österreich.

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AP

[Wien] Am Anfang standen Hausdurchsuchungen beim Elektronikkonzern Philips in Österreich. Durchgeführt wurden sie von der Bundeswettbewerbsbehörde im September vergangenen Jahres. Auslöser waren Beschwerden von Onlinehändlern: Sie hatten bestimmte Waren billig angeboten, daraufhin hätten sie Probleme mit ihrem Lieferanten bekommen, monierten sie - bisweilen seien Produkte mit drastischer Verspätung geliefert worden. Die Wettbewerbsbehörde ging den Vorwürfen nach, sie vermutete illegale vertikale Preisabsprachen - also Preisbindungen, die zwischen Herstellern und Einzelhändlern vereinbart werden.

Mittlerweile dürfte sich der Verdacht der Wettbewerbshüter erhärtet haben. Jedenfalls fanden am 9., 10. und am 11. Jänner dieses Jahres weitere Razzien statt. Dieses Mal beim Elektronikfachhandel, wie die Wettbewerbsbehörde der „Presse" bestätigte. Namen wurden nicht genannt, „um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden". Doch in der Zwischenzeit ist durchgesickert: Die dreitägige Razzia im Jänner fand beim Österreich-Ableger der deutschen Elektrokette Media Markt/Saturn statt. Und der Verdacht der Wettbewerbshüter wiegt schwer: Sie vermuten, dass es vertikale Preisabsprachen sowohl bei sogenannter Braunware, also Unterhaltungselektronik, als auch bei Weißware, also Haushaltsgeräten aller Art, gab.

Kein starker Wettbewerb

Die Geschäftsführung von Media Markt/Saturn bestätigte der „Presse" die Hausdurchsuchungen. Das Unternehmen stehe den Behörden selbstverständlich bei allen Fragen „umfassend und mit voller Kooperationsbereitschaft zur Verfügung". Mehr wolle man aufgrund der laufenden Untersuchungen zu der Angelegenheit nicht sagen. Lieferant Philips bestätigte die Razzia ebenfalls, gab aber ansonsten keine Stellungnahme ab.

Die Ermittlungen der Wettbewerbshüter sind jedenfalls überaus brisant. Denn um den Wettbewerb im Elektrofachhandel ist es in Österreich eher schlecht bestellt. Wolfgang Richter, Chef des Standortberaters RegioPlan, spricht gegenüber der „Presse" von einer „eigenartigen Situation": Hierzulande gebe es bloß einen großflächigen Anbieter, nämlich die Media Markt/Saturn-Gruppe.

Vom jährlichen Fachhandelsumsatz in Höhe von rund 3,7 Milliarden Euro würden ganze 35 Prozent auf diese Gruppe entfallen. Rund 32 Prozent des Umsatzes kämen von sogenannten kooperierten Händlern (Red Zac, Expert). Der Rest entfalle auf andere filialisierte Händler (wie Conrad oder Ditech) sowie kleine Händler. Experte Richter spricht in diesem Zusammenhang von einer „erstaunlichen Konzentration". Für frischen Wind auf dem Markt sorgten zuletzt allerdings günstige Onlinehändler. Diese seien nun teilweise „ausgebremst" worden, so der Vorwurf der Wettbewerbsbehörde, die immer öfter zum „Ermittlungstool" Hausdurchsuchungen greift. Denn diese sind, wie Behördenchef Theo Thanner unlängst bei einem Vortrag ausgeführt hat, bei der Aufdeckung von Absprachen neben Kronzeugenanträgen am effektivsten. Während es im Jahr 2011 seitens der Wettbewerbsbehörde 14 nationale und fünf europäische Hausdurchsuchungen gab, waren es im vergangenen Jahr bereits 25 Razzien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25. Jänner 2013)

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