Turnauer-Erbin Castelbajac: „Das war sehr große Untreue“

29.01.2013 | 18:17 |   (Die Presse)

Die ehemalige Eigentümerin der Constantia Privatbank, Christine de Castelbajac, belastet den Erstangeklagten Karl Petrikovics schwer.

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Wien/Eid. „Hausfrau und Fotografin“, sagt Christine de Castelbajac, als sie von Richterin Claudia Moravec-Loidolt nach ihrem Beruf gefragt wird. Doch das war nicht immer so. Die Tochter des Industriellen Herbert Turnauer besaß die Constantia Privatbank (CPB) und saß ab Ende 1999 im Aufsichtsrat. In dieser Funktion muss sie am fünften Tag des Immofinanz-Prozesses als Zeugin auftreten. Und Castelbajac, von der es hieß, sie habe sich nicht um die Bank gekümmert, erinnert sich genau – und belastet die Angeklagten schwer.

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Der Exchef der CPB und der von ihr gemanagten Immofinanz und Immoeast, Karl Petrikovics, sein (erkrankter und abwesender) Vorstandskollege Norbert Gertner, Aufsichtsrat Helmut Schwager sowie der Steuerberater Ernst Hable sind wegen Untreue und Bildung einer kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit nicht genehmigten Aktienoptionsgeschäften angeklagt. Damit sollen sie Millionen verdient haben. Die Angeklagten bestreiten dies.

„Wie ich das heute sehe? Als große Untreue, als unvorstellbaren Vertrauensverlust, es wurde ja die Unwahrheit gesagt“, betont Castelbajac und fixiert die mit steinerner Miene zuhörenden Petrikovics und Schwager. Hätte sie damals, in den Jahren 2003 bis 2006, von den Aktienkäufen und Optionen sowie der Abrechnung von Gewinnen über Scheinrechnungen gewusst, „wovon ich erst im Strafverfahren erfahren habe“, hätte sie das „nie zugelassen“. Als die Turnauer-Erbin darauf hinweist, dass sie die Bank 2008 um einen Euro hat verkaufen müssen, klingt ihre Verbitterung durch.

 

Kein Grund für Misstrauen

Als Castelbajac nach 30 Jahren im Ausland knapp vor dem Tod ihres Vaters nach Österreich zurückgekommen war, gab es die CPB-Konstruktion mit Zwischenholdings, den Stiftungen Camilla und Stephanie und hunderten „Leintuchgesellschaften“ schon. Mit dem operativen Bankgeschäft, der Immofinanz und der Immoeast habe sie nichts zu tun gehabt. „Ich habe mich auf die Vorstände verlassen, und natürlich auf den Dr. Schwager.“ Die rechte Hand des Vaters war auch ihr Vertrauter.

Castelbajac sah deshalb keinen Grund, etwas nicht zu glauben bzw. zu mutmaßen, dass ihr wichtige Dinge vorenthalten worden seien. So war es auch am 29.Mai 2006 bei einer Aufsichtsratsvorbesprechung, als ihr damaliger Aufsichtsratskollege Thomas Uher nach einem Verlust von rund sieben Mio. Euro aus Optionsgeschäften fragte. Es ginge um einen guten Kunden, habe Petrikovics geantwortet. „Und wenn die gesagt hätten, das sind wir?“, hakt die Richterin nach. „Dann hätten wir uns alle gewundert, das wäre ja absurd gewesen“, reagiert Castelbajac emotional. Von Scheinrechnungen habe sie nichts gewusst, an eine Genehmigung der Aktienkäufe durch den Aufsichtsrat könne sie sich auch nicht erinnern.

Am Dienstag, als zehn Zeugen zu Wort kamen, war viel von Lüge und Verschleierung die Rede. Die Vertreterin der Finanzmarktaufsicht (FMA), die damals Bankenaufseherin der CPB war, wie auch der Nationalbank-Experte, der 2008 dem Prüfteam für die CPB angehörte, meinten, dass ihnen über die Aktienoptionsgeschäfte nicht die Wahrheit gesagt worden sei. Auf den Vorwurf von Petrikovics' Verteidiger Otto Dietrich, sie hätten zu wenig nachgefragt, konterte die FMA-Vertreterin: „Ist es nicht Aufgabe von Petrikovics, sich gesetzmäßig zu verhalten?“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2013)

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6 Kommentare

Wir lernen:

1) Erben, die sich mit dem Geschäft nicht auskennen, sollten die Firma schnellstmöglich verkaufen, bevor sie von den Managern ausgeplündert werden
2) Aktionäre sollten nur in Firmen investieren, in denen die Haupteigentümer im Management sitzen oder zumindest sich mit dem Geschäft auskennen und streng kontrollieren.

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"Es habe den massiven Verdacht gegeben, dass in den Tochtergesellschaften Immofinanz und Immoeast sehr wohl Bankgeschäfte durchgeführt worden seien..."

sagte eine Vertreterin der Finanzmarktaufsicht (FMA) in ihrer Funktion als Bankenaufseherin der Constantia Privatbank (CPB) aus.

Woraufhin die Kanonen umgeschwenkt und auf einen Weinviertler Spatzen gerichtet wurden.

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So viel Kontrolle, wie dafür nötig wäre, wäre viel umfangreicher als das Management selber.

Und würde laufend über die eigenen Füsse stolpern.

Das ist die Krux mit der vielen Bildung, die fast nur Überwacher und Kontrolleure rauswirft, sich über den Anstand aber lustig macht.

FMA und ÖNB lassen sich belügen?


jetzt sind sie endlich im reindl und bald im häfen

der prozess zeigt, wer im grund an der beinahe pleite der immofinanz, der immoeast und so mancher investoren wirklich schuld hat. p und sein pack von geldgeilen bilanzfälschern.

Der tiefe Fall eines vormals auch von den Medien schwer überbewerteten Blenders. Erinnert ein bisschen an Elsner.


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