"Petrikovics schrie wie ein cholerischer Diktator"

30.01.2013 | 13:46 |   (DiePresse.com)

Ein Zeuge schildert im Immofinanz-Prozess, wie er hundert Unterschriften auf einmal leisten musste - ohne zu wissen, was er unterschrieb.

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Sechster Tag im Immofinanz-Prozess. Als erster Zeuge sagte Martin Schneeweiß aus, der den ehemaligen Aufsichtsratschef Helmut Schwager belastete (mehr dazu...). Als zweiter Zeuge wurde am Mittwoch der Immobilienexperte Harald Heinzl befragt. Er hatte als zweiter Geschäftsführer in etlichen der rund 800 Tochtergesellschaften der Constantia Privatbank (CPB) vier Optionsverträge unterzeichnet, wofür die Finanzmarktaufsicht FMA auch ein Verfahren gegen ihn eingeleitet hatte, das in der Zwischenzeit aber wieder eingestellt wurde.

Zu den Geschäftsführerpositionen in rund 80 dieser Gesellschaften sei er auf Wunsch seines damaligen Vorgesetzen und jetzigen Hauptangeklagten Karl Petrikovics gekommen. "Wenn ich nicht zugesagt hätte, hätte ich eine Minute Zeit gehabt, meinen Platz zu räumen", so Heinzl. "Sie wurden anscheinend missbraucht", so die Richterin Claudia Moravec-Loidolt gegen Ende der Befragung. "Das sehe ich auch so", meinte Heinzl.

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Die Anklagebank
Auf der Anklagebank sitzen die ehemaligen Immofinanz-Vorstände Karl Petrikovics und Christian Thornton – sowie Treuhänder Ernst Hable und Ex-Aufsichtsratschef Helmut Schwager. Ihnen wird Untreue vorgeworfen. Petrikovics und Schwager sind auch wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt.

Sie sollen mit - vom Aufsichtsrat nicht genehmigten - Aktienoptionsgeschäften der Constantia Privatbank (CPB) und den Immobiliengesellschaften Immofinanz und Immoeast einen Schaden von 32 Millionen Euro zugefügt haben.

Das Verfahren gegen den erkrankten Ex-Vorstand Norbert Gertner wurde zu Prozessbeginn ausgeschieden, um Verzögerungen zu vermeiden.

"Würgen Sie ihn solange, bis er grün wird"

Petrikovics sei kein "gutmütiger" Mensch gewesen, alle hätten Angst vor ihm gehabt. "Er hat herum geschrien wie ein cholerischer Diktator", so Heinzl. Assistentinnen oder Mitarbeiter hätten oft schon nach wenigen Stunden oder Tagen wieder ihren Job verloren. Er selbst sei dagegen ein gutmütiger Mensch gewesen. "Ich bin ja nicht in der Firma, um böse zu sein", meinte Heinzl. Fehler habe er sich nie erlauben dürfen. "Seien sie nicht so gutmütig", habe er jedes Jahr von Petrikovics beim jährlichen Mitarbeitergespräch zu hören bekommen. So werde er nie zu Informationen kommen.

Petrikovics gab ihm auch ein Rezept, wie er mit Kollegen umgehen sollte: "Würgen Sie Ihn solange, bis er grün wird, dann warten Sie, bis er blau ist, und dann bekommen Sie die Information", hatte Heinzl laut Richterin Moravec-Loidolt bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft ausgesagt. Heute widerstrebte es Heinzl offensichtlich, diese Aussage wieder in den Mund zu nehmen, er bestätigte sie aber.

Akribischer Mensch, fachliche Autorität

Heinzl beschrieb Petrikovics als äußerst akribischen Menschen und fachliche Autorität. Die wöchentlichen Jour-fixe seien jedesmal wie eine Diplomprüfung gewesen, dementsprechend hätte man sich darauf auch vorbereitet. "Petikovics konnte im Kopf schneller abziehen, als ich mit dem Taschenrechner. Das war eine harte Schule. Es wurde nichts dem Zufall überlassen. Jedes Detail war ihm bekannt und bewusst", sagte Heinzl. "Es war für mich eine Ehre, bei einer noblen Privatbank zu arbeiten, wo man nicht davon ausgeht, dass solcher Missbrauch auf der Tagesordnung steht", so Heinzl.

Ihm seien die Geschäftsführerpositionen im Jahr 2000 "umgehängt" worden, nachdem Petrikovics seine Vorgängerin kurzfristig gefeuert hatte. Bei der Vergabe von Geschäftsführerstellen sei immer locker verfahren worden, Geschäftsführer seien gekommen und gegangen, der Konzern dagegen sei straff organisiert gewesen, die Entscheidungen seien immer von Petrikovics ausgegangen.

Oft hundert Unterschriften auf einmal

Bei seinen rund 80 Gesellschaften handelte es sich um Abschreibegesellschaften, wo sich nicht viel tun würde. Es sei nur eine Funktion am Papier, habe ihm Petrikovics gesagt. "Es hat sich auch nichts getan", so Heinzl. Seine einzige Tätigkeit als Geschäftsführer dieser vielen Gesellschaften habe darin bestanden, im Laufe von acht Jahren tausende Unterschriften für Jahresabschlüsse und Steuererklärungen zu leisten, oft hundert auf ein Mal. Dass sich darunter auch Aktienoptionen befunden haben, sei ihm nicht aufgefallen.

In die operative Geschäftsleitung habe er sich nicht eingemischt, es habe praktisch auch nichts zu tun gegeben. Zudem habe er den anderen ersten Geschäftsführern, etwa dem Angeklagten Christian Thornton, vertraut, weil diese die Fachkenntnisse gehabt hätten. Seine Unterschrift sei immer die letzte gewesen.

Zeuge wusste nichts von Aktienkäufen

Er habe auch mit Aktiengeschäften nie etwas zu tun gehabt, er sei für Immobilienprojekte, Planrechnungen, Prognoserechnungen, Bauherrnmodelle und Vorsorgewohungen zuständig gewesen, Produkte, die die Bank verkauft habe. Erst bei seinen Einvernahmen habe er erfahren, dass über die Gesellschaften, in denen er Geschäftsführer war, auch Aktienkäufe und -verkäufe getätigt worden waren. Er habe auch nicht gewusst, dass Petrikovics und Norbert Gertner Aktien kaufen wollten. Er habe aber gewusst, dass die Vorstände Zinshäuser, Wohnungen und Beteiligungen - gemeinsam oder oft mit Dritten wie Ärzten - erworben haben.

Als weitere Zeugin wurde die damalige Assistentin von Norbert Gertner befragt. Das Verfahren gegen den mitangeklagten Ex-Bankvorstand Gertner ist wegen dessen Krankheit ausgeschieden. Sie gab an, dass die Optionsvereinbarungen zwischen den Angeklagten und der Immofinanz bzw. Immoeast nicht von ihr selbst verfasst worden seien, sondern sie dabei auf Vorlagen von Gertner und Petrikovics zurückgreifen konnte und nur die fehlenden Daten eingefügt habe. Der ganze Text sei schon da gewesen.

Rückdatierung war nicht ungewöhnlich

Bei der endgültigen Version sei ihr sehr wohl aufgefallen, dass das Schreiben rückdatiert worden sei. Das Datum sei schon vorgegeben gewesen. Das sei nicht ungewöhnlich gewesen, dass rückdatiert wurde, sei aber nicht oft vorgekommen. Petrikovics sei ganz klar der Kapitän des Schiffes gewesen, Gertner in der Hierarchie unter ihm gestanden. Das Konstrukt mit den vielen Tochtergesellschaften sei für sie eine Einheit gewesen. "Das hat alles der Bank gehört", so die Zeugin.

(c) APA

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(APA)

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18 Kommentare

Die haben sicher auch schon im Kurhotel neben Elsner gebucht...

Die werden sicher auch sehr schnell sehr krank und haftunfähig...
Wetten?

0 0

einfach ..

dokumentieren .. und wenn er das nächstemal schreit ihm die wahl lassen zwischen die goschen zu halten, oder eine anzeige zu riskieren ..
funktioniert natürlich nur, wenn man genauso schnell denkt und hart sein kann wie der schreihals :-)


Re: einfach ..

Man kann einen Konzernchef nicht anklagen nur weil er schreit. Da muss die Anklage schon Substanz haben.

die mischung machts

im gehobenen banking der foinen gesellschaft kennt man sich doch. wie viele akteure gibts da in wien und der rest von ö zählt nicht. 200 akteure oder so, wenn überhaupt. vielfach vernetzt und verschwägert. dann brauchts ein paar hungrige aufsteigertypen die tun und schweigen und nicht viel fragen. einen haufen vermittler die man frech anlügt und die selbst glauben die weisheit gefressen zu haben. und ab geht die sause.

3 0

Organisierte Anstandsverweigerer auf dem Egotrip

Ein Geschäftsführer für 80 Unternehmen! Unglaublich. Auch, wie weit sich kluge Leute drangsalieren und entwürdigen lassen um dabei mitzumachen.

Ohne juristische Beurteilung und mit den letzten Ressourcen an vermuteter Unschuldsvermutung nach Studium dieses Berichtes:

Besser kann man nicht verständlich machen warum Österreich seitens OECD schon seit Jahren als Korruptionsoase eingestuft wird.

Aber auch wieviel organisierte Anstands- und Gesetzesvermeidung in feinen Banken des Landes offenbar an der Tagesordnung ist? Erpressung , Nötigung etc. als gängige Führungsinstrumente.

Und das alles vor den Augen vorgeblich pflichtbewusster Aufsichtsorgane nach Machart der drei Affen "nix sehen, nix hören, nix wissen".


1 0

as usual

und wo war der wieder politisch daheim. zum kotzen

3 0

Wenn ich nicht zugesagt hätte, hätte ich eine Minute Zeit gehabt, meinen Platz zu räumen", so Heinzl.

Kein Charakter und schwach

Der "Beschuldigte hat uns belogen,

hätten wir das gewusst, hätten wir Ihn angehalten die Gesetze zu befolgen." Die Bankenaufsicht ist derart naiv und zahnlos. Unfassbar!

Re: Die Bankenaufsicht ist derart naiv und zahnlos?

Unfassbar ... ist das nicht, das ist Österreich!
.
In einem Land wo Ermittler an der Kette gehalten werden, ist es doch nicht verwunderlich, wenn "Aufseher" nicht hinsehen!

4 0

bald wird es so sein dass die wärter ihn anschreien


10 0

Petrikovics wird ein Synonym für Wirtschaftskapitalverbrechen in diesem Jahrhundert werden

So wie Darabos für Sesselkleber des Jahrhunderts
Strasser für die dümmste Lüge des....
Und Burgstaller für Ahnungslosigkeit des ....

Das Jahr 2013 wird nicht nur mit Hirschers Schieerfolgen in die Geschichte eingehen.

Leider!

Re: Petrikovics wird ein Synonym für Wirtschaftskapitalverbrechen in diesem Jahrhundert werden

... und wir Wähler werden leider auch den Rekord als die Dümmsten in Mitteleuropa aufstellen ;-)

0 0

Re: Re: Petrikovics wird ein Synonym für Wirtschaftskapitalverbrechen in diesem Jahrhundert werden

Richtig, siehe Wasserhysterie, Neutralitätsgefasel, Etc. Etc.

Petrikovics ist ein Fakename


Sein richtiger Name: BETRÜGOWITSCH

Re: Petrikovics ist ein Fakename

:) :):):):):):)

mimmerl

Schlimm ist nicht die mimosenhafte Aussage (nix gwust und nix verstanden) schlimm ist, dass das wohl der Wahrheit entspricht

10 0

Re: mimmerl

Ganz normal bei "Nützlichen Idioten", auch auf hohem Niveau. Ohne die ginge sowas nicht und sonst auch nichts.

Re: Re: mimmerl

Leistungsgesellschaft halt! Er hat viel verdient, weil er viel Leistung brachte ... (es gilt die Unschuldsvermutung)

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