Wenn der "Undercover Boss" enttarnt wird

31.01.2013 | 11:40 |   (DiePresse.com)

Hannes Lechner, Chef der Accor-Hotelgruppe in Österreich, muss im dritten Teil der ORF-Serie Zimmer putzen und kochen.

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Die ORF-Serie "Undercover Boss" geht in die dritte Runde. Diesmal ist der 48-jährige Hannes Lechner an der Reihe. Er ist seit 2010 Direktor an der Spitze der Accor-Hotelgruppe in Österreich und damit verantwortlich für 30 Häuser sowie fast 900 Mitarbeiter. Weltweit gehören zu der Kette 3500 Hotels. Lechner selbst ist vor 28 Jahren als Ferialpraktikant in das Unternehmen eingestiegen. Sein Motto: "Bedenke, den gestrigen Tag hast du nicht mehr, der morgige gehört dir noch nicht, darum nütze den heutigen".

Gelegenheit dazu erhält er fünf Tage lang, in denen er sein Unternehmen von innen und unten kennenlernen wird. Wie schon seine beiden Vorgänger, Asfinag-Chef Klaus Schierhackl und Merkur-Chef Manfred Denner, erhält auch Lechner die Biografie eines Arbeitslosen verpasst, der für eine Fernseh-Dokumentation von einem Kamerateam begleitet wird. Sein Aussehen wird ebenfalls verändert - auch wenn das nicht so gut funktioniert wie in den ersten beiden Teilen der ORF-Serie. Aus Hannes, dem Boss, wird Max Kittner, der Arbeitssuchende.

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Zimmerreinigung: Eine Stunde statt 15 Minuten

In den harten Arbeitsalltag wird er in einem Wiener Hotel von der Slowakin Justina Schneider eingeführt, die für die Zimmer zuständig ist. Als Stubenfrau ist sie jeden Tag für 25 bis 27 Zimmer verantwortlich. Pro Zimmer hat sie 15 bis 17 Minuten Zeit. Und schon hagelt es die erste Rüge: "Wir haben jetzt fast eine Stunde für das Zimmer gebraucht, das muss ein bisschen schneller gehen." Am Ende des Tages ist Undercover-Boss Lechner schon ein wenig schneller. "Wir haben jetzt eine Dreiviertelstunde gebraucht", sagt ihm Justina.

Am nächsten Morgen soll Max in einem Hotel beim Frühstücksservice aushelfen. Doch sein zweiter Arbeitstag dauert nur wenige Minuten. Denn es passiert etwas, das bei Undercover-Boss bisher nicht vorgekommen ist: Die 23-jährige Kellnerin Nihada Mujanovic erkennt ihren Boss sofort. "Das ist der Lechner", sagt sie. Dieser versucht vergeblich, seine Tarnung aufrecht zu erhalten, ehe er sich zu erkennen gibt.

"Dagegensprechen mögen Chefköche nicht"

Am dritten Tag arbeitet Max hinter dem Herd. "Bis jetzt hast du dich ja ganz geschickt angestellt", erntet er Lob. Doch Koch Stefan Klanert verlangt auch Präzision, was Lechner schwer fällt. Denn aus Gründen der besseren Tarnung verzichtet er nach dem Erlebnis des Vortages auf seine Brille - bei sechs und acht Dioptrien wird das Fleischschneiden so zur Herausforderung. Schließlich kommt es auch zur unterschiedlichen Wahrnehmung seiner Arbeitsgeschwindigkeit. Als Lechner alias Max widerspricht, erhält er von Klanert eine Lektion: "Max, gleich eine Info für deine Karriere. Wenn dir der Chef sagt das war so, nicht dann sagen, das war anders. Dagegensprechen mögen Chefköche gar nicht."

Am vierten Tag muss Max in den Blaumann schlüpfen. Betreut wird er vom Haustechniker Roland Hütter, der sich schon bald eine Meinung gebildet hat. "Mir ist vorgekommen, dass er schon länger nicht mehr arbeitet", sagt er. Und auch er erkennt eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen Max Kittner und Accor-Chef Lechner. Doch diesmal kann sich der Undercover Boss mit lockeren Sprüchen aus der Situation retten. Am fünften und letzten Arbeitstag wird Max in einem der luxuriöseren Hotels der Kette von Suat Ilgar als Page eingeschult und muss erfahren, dass es massive Probleme mit den Hotel-Safes gibt. Diese lassen sich immer wieder einmal nicht öffnen.

Geschenke und Aufstiegschancen

Als Lechner nach seiner Arbeitswoche wieder in seinen Alltag als Firmenchef zurückkehrt, lobt er vor seinem Führungsteam ausdrücklich die beherzten Mitarbeiter. Die Ärmel aufkrempeln will er hingegen bei veralteten Lüftungsanlagen und widerspenstigen Zimmer-Tresoren, die sich nicht öffnen lassen.

Am Ende der Sendung werden die fünf Mitarbeiter, mit denen Lechner zu tun hatte, in die Firmenzentrale gefahren. Nun wird das Geheimnis gelüftet. Lechner gibt sich als Boss zu erkennen. Es ist der heikelste Moment für seine Mitarbeiter, die sichtlich nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Als Dank gibt es Umarmungen, Geschenke und angedeutete Aufstiegschancen im Unternehmen.

Emotionsmaschine wird angeworfen

Fazit: Undercover-Boss ist ein interessantes Format, das einen ungewöhnlichen Einblick in den Firmenalltag gewährt und wohl auch manchem teilnehmenden Firmenboss dabei behilflich sein kann, sein Unternehmen wieder besser zu verstehen.

Die melodramatische Musikuntermalung, vor allem wenn Mitarbeiter über ihre privaten Schicksale erzählen, passt aber zu einem Privatsender - nicht zum ORF. Wenn Dieter Bohlen beim RTL-Supertalent seine Emotionsmaschine anwirft, mag das in Ordnung sein, für einen öffentlich-rechtlichen Sender ist das aber doch befremdlich. Und die Erkenntnis, dass der Chef auch nur ein Mensch ist, ist auch nicht allzu neu.

>>> "Undercover Boss" in der ORF-TVThek

Undercover Boss
Das Format wird bereits in 15 Ländern erfolgreich ausgestrahlt. In Österreich ist die erste Staffel immer am Mittwoch um 21.05 Uhr auf ORF eins zu sehen. Nach Asfinag-Boss Klaus Schierhackl sind Merkur-Chef Manfred Denner sind noch Hannes Lechner (Chef der Accor Hotelgruppe) und Georg Ketzler, Chef der Brantner-Gruppe, an der Reihe. In der fünften Folge wird beleuchtet, welche Auswirkungen das Experiment hatte.

(phu)

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8 Kommentare

hihi

Schaut ois Hackler besser aus der Typ,sollte ihm mal wer sagen

Und für diesen Blödsinn und billige Unterhaltungssendung zahlen die Zwangsgebührenzahler brav ihre Gebühren, damit die Rotfunkmitarbeiter und Manager fette Gehälter beziehen können. Daher: Abmeldung ist angesagt, und keinerlei Zwangsgebühren für diesen Selbstbedienungsladen !


Was mich interessieren würde:

Werden die Mitarbeiter (Untergebenen) nicht mißtrauisch, wenn gefilmt wird???

Re: Was mich interessieren würde:

Sehr gutes Argument! Es scheint, als ob man brav Werbung für Manager macht.

Der Schärdinger

15 Min. für ein Zimmer, wo ein nicht geschulter Mensch eine Stunde braucht.
Dann tun alle so, wenn jemand ein burn out hat, weil er diesen Druck nicht lange standhält, keine Ahnung von solchen Anordnungen zu haben.
Jeder Chef sollte seine Anordnungen selber auch mal durchführen müssen.

Was für eine grenzenlos dumme ORF Soap

Liebe Presse, das ist kein Qualitätsjournalismus darüber zu bereichten...

Re: Was für eine grenzenlos dumme ORF Soap

Ich mag die Sendung, auch die deutsche Version war Anfangs gut (v.a. der Burger King-Boss).
Natürlich ist es in erster Linie günstige Werbung für die teilnehmenden Unternehmen (seht her, unsere Chefs kümmern sich um die "unterste" Arbeit) - aber ich glaube mal an das gute im Menschen und hoffe, dass sich die jeweiligen Firmenleiter tatsächlich durch die Sendung erden.
Bei McDonalds und angeblich auch der OMV soll es sogar Pflicht für Führungskräfte sein, ein paar Tage im Jahr "draußen" zu hackeln. Ob es stimmt, weiß ich nicht (arbeite dort nicht), jedenfalls fände ich es richtig, wenn sich mit operativem Kleinkram kaum behelligte Firmenlenker gelegentlich ganz manuell zur "Was tun wir eigentlich"-Frage bekennen.

Re: Was für eine grenzenlos dumme ORF Soap


noch dazu, wenn dies bereits am vorabend gesendet wurde ...

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