Razzien bei Spar: Preisabsprachen?

Spar wird verdächtigt, mit Lieferanten und Händlern illegale Preisabsprachen getätigt zu haben. Die Bundeswettbewerbsbehörde durchsucht die Zentrale in Salzburg. Das weckt Erinnerungen an die Aktionen bei Rewe.

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Symbolbild – APA/BARBARA GINDL

Salzburg/ES/AG. Der österreichische Lebensmittelhandel ist schon seit geraumer Zeit ein dankbares Jagdrevier für die Wettbewerbshüter. Allein im vergangenen Jahr wurden von insgesamt 40 Hausdurchsuchungen 15 im Lebensmitteleinzelhandel durchgeführt. Jetzt ist Spar an der Reihe. Wegen „begründeten Verdachts auf Preisabsprachen“ durchsucht die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) seit Mittwoch die Spar-Firmenzentrale in Salzburg.

Vorwiegend „vertikale Preisabsprachen“, also solche zwischen Händlern und Lieferanten, aber auch horizontale Absprachen unter Händlern werden vermutet. Bei welchen Produkten der Verdacht besteht, dass der Preis durch die Absprachen künstlich hoch gehalten wird, gibt die BWB nicht bekannt. Es handle sich jedenfalls um Produkte „quer durch die Bank“ und nicht ausschließlich um Lebensmittel, wie der „Presse“ bestätigt wurde.

Dementsprechend umfangreich seien die Untersuchungen. Die BWB geht davon aus, dass die Hausdurchsuchungen bis zur nächsten Woche andauern werden. Spar hielt am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme fest, dass man „selbstverständlich alles, was gefordert ist, offenlegen“ werde. Alle betroffenen Spar-Mitarbeiter seien „entsprechend instruiert“. Man gehe davon aus, dass es sich um eine der vielen Überprüfungen handle, die die BWB jedes Jahr in allen Wirtschaftsbereichen durchführt.

Rewe will sich mit BWB einigen

Wie fruchtbar der Boden im Lebensmittelhandel für die BWB ist, zeigt die jüngste Vergangenheit. Im Februar vergangenen Jahres gab es ein ähnliches Szenario beim Lebensmittelkonzern Rewe, zu dem die Märkte Billa, Merkur, Bipa, Penny und Adeg gehören.

Wie nun Spar steht auch Rewe nach wie vor unter Verdacht, Preise mit Lieferanten und Konkurrenten abgesprochen zu haben. In einem „Sternkartell“ sollen sich die beteiligten Rewe-Händler gegen die Zusage eines fixen Einkaufspreises verpflichtet haben, Produkte nicht unter einem bestimmten Preis zu verkaufen. Vier Wäschekörbe mit Akten und etwa 2500 Gigabyte an Daten haben die BWB-Mitarbeiter damals in acht Tagen zusammengetragen. Das Kartellgerichtsverfahren gegen Rewe ruht jedoch. Rewe und die BWB führen Gespräche, die auf eine außergerichtliche Einigung abzielen. Auch einige kleinere Fische, die Vorarlberger Supermarktkette Sutterlüty und den Tiroler Lebensmittelhändler MPreis, hat sich die BWB letztes Jahr vorgeknöpft. Doch nicht nur der Lebensmittelhandel wird gefilzt. Kürzlich gab es auch bei der Elektrokette Mediamarkt/Saturn eine dreitägige Razzia. Wiederum wegen Verdachts auf vertikale Preisabsprachen.

Dass es teuer werden kann, wenn sich der Verdacht auf illegale Absprachen bestätigt, zeigte sich am Mittwoch in Deutschland. Dort verhängte das Bundeskartellamt über elf Süßwarenhersteller, darunter Kraft Foods, Ritter, Nestlé und Bahlsen, Bußgelder in der Höhe von rund 60 Millionen Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2013)

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