Franzosen könnten Österreichs Sporthandel aufmischen

Der Umsatzriese Decathlon könnte die Marktschwäche nutzen. Er ist als möglicher Käufer von Sport Eybl/Experts im Gespräch.

Franzosen koennten oesterreichs Sporthandel
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Franzosen koennten oesterreichs Sporthandel

Der österreichischen Sporthandel ist gerade im Umbruch. Marktführer Sport Eybl/Experts kämpft mit finanziellen Problemen und wird wohl demnächst verkauft werden. Erst gestern haben die Einkaufsorganisation Sport 2000 und die zu Kastner & Öhler gehörende Gigasport-Gruppe ihre Kooperation bekanntgegeben. Die zur Spar-Gruppe zählende Sporthandelskette Hervis hat seit einem dreiviertel Jahr ein Joint Venture mit der französischen Go Sport Groupe. "Alle rücken enger zusammen, weil die Befürchtung da ist, dass der große Franzose kommt", sagte Sporthandels-Obmann Ernst Aichinger zur APA.

Der "große Franzose" heißt Decathlon und ist auch als möglicher Käufer von Eybl/Experts im Gespräch. Der Diskontriese macht einen Umsatz von etwa sechs Milliarden Euro und verfügt über rund 600 Filialen. Decathlon arbeite mit vielen Eigenmarken und wenig Personal, so Aichinger. Schon länger versuchen die Franzosen in Österreich Fuß zu fassen, mit Eybl/Experts könnte der Einstieg gelingen. Für unwahrscheinlich hält Aichinger dagegen eine Übernahme durch die deutsche Intersport. "Der österreichische Markt ist besonders, das tun sich die Deutschen nicht an", glaubt der Branchenexperte.

Hohe Dichte an Geschäften

Österreich hat eine hohe Dichte an Sporthandelsgeschäften, der Markt ist umkämpft, Preisschlachten stehen an der Tagesordnung. Die Margen seien in Österreich wesentlich geringer als in Deutschland. "Wir verkaufen aber doppelt so viel pro Kopf wie die Deutschen." Wenngleich viel in den Export gehe. Im vergangenen Jahr hat die Branche laut KMU Forschung Austria nominell 2,1 Prozent mehr umgesetzt, real ging sich eine schwarze Null aus. Die Statistik Austria kommt aufgrund anderer Datenlage auf ein reales Umsatzplus von 3,5 Prozent. Damit steht der Sporthandel wesentlich besser da als der Einzelhandel insgesamt - er setzt aber auch auf ein schwaches Jahr 2011 auf.

Kaum etwas ist für das Geschäft wichtiger als das Wetter. Dieses muss immer zur richtigen Zeit mitspielen. Das zweite Jahr in Folge ließ der Winterstart lange auf sich warten. Dazu kommt das ohnehin angespannte Wirtschaftsumfeld und der große Wettbewerbsdruck. Dieser werde durch einen "explodierenden Internetmarkt" verstärkt. Die Österreicher kaufen immer mehr online, auch Sportwaren. "Die Kunden wissen genau, welcher Ski wie viel kostet. Das geht sehr zulasten der Spannen", sagte Aichinger. Seine Branche sei sehr hart, habe aber gute Zukunftsaussichten. Immer größer werde das Thema Sport als Beitrag zur Gesundheit. Aichinger ist Befürworter der täglichen Turnstunde.

Skimarkt stagniert

Sport und Gesundheit stehen heuer auch auf der Wintersportmesse ispo in München im Fokus. Ab dem 3. Februar präsentieren 2481 Aussteller, darunter auch heimische Unternehmen wie Eisbär, Fischer, Lenzing Fibers, Löffler oder Nortec Sport, ihre neuesten Produkte. Nach der Messe beginnt der Handel traditionell mit den ersten Vorbestellungen für den nächsten Winter. Bahnbrechende Innovationen dürfte es auch heuer nicht geben. Wobei selbst Carving-Ski nicht mehr Skifahrer gebracht hätten, meint Aichinger. Wohl aber seien sie öfter gewechselt worden.

Der Markt für Ski stagniert seit Jahren. Weltweit werden etwa 3,3 Millionen Paar verkauft, in Österreich sind es 370.000. Die Skihersteller verkaufen inzwischen mehr Ski-Schuhe als Ski. Ohne Verleihgeschäft wäre es um die Industrie schlecht bestellt. Selbst auf Events wie die Ski-Weltmeisterschaft in Schladming, die im Februar beginnt, ist nicht mehr Verlass. Die Zeiten unter dem Motto "Gewinne am Sonntag, verkaufe am Montag" seien vorbei, wurde Atomic-Chef Wolfgang Mayrhofer kürzlich in den "Oberösterreichischen Nachrichten" zitiert.

(APA)

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