Ohne Job: So viele Arbeitslose gab es noch nie

01.02.2013 | 18:25 |  von Jeannine Hierländer (Die Presse)

Die Zahl der Menschen ohne Job kletterte im Jänner auf den höchsten Wert seit 1945. Erst einmal zuvor überschritt sie im Jänner die Marke von 400.000.

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Wien. Die Arbeitslosigkeit hat im Jänner ihren bisherigen Höchststand erreicht. 410.662 Menschen (inklusive Schulungen) waren ohne Job – so viele wie noch nie in der Zweiten Republik. Erst einmal überschritt die Arbeitslosigkeit im Jänner die Marke von 400.000 (siehe Grafik). Allerdings sind die absoluten Zahlen nur bedingt aussagekräftig, weil auch die Beschäftigung steigt. Es sind also mehr Menschen arbeitslos, aber es haben auch mehr Menschen Arbeit.

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Aber auch die Arbeitslosenquote hat mit 9,1 Prozent einen der höchsten Werte erreicht. Das ist sogar mehr als in der Wirtschaftskrise 2009. Höher war sie bisher nur zweimal: einmal im Jänner 2006 (9,3 Prozent) und einmal im Jänner 1997 (9,2 Prozent), so die Daten des Arbeitsmarktservice (AMS).

Im Jänner stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vorjahresvergleich um 6,9 Prozent. Die Zahl der Schulungsteilnehmer allein legte um neun Prozent zu. Im Winter ist die Arbeitslosigkeit immer hoch, weil die Baustellen zu und zahlreiche Saisonarbeiter ohne Beschäftigung sind. So ist die Arbeitslosigkeit in der Baubranche derzeit am höchsten (73.000). Aber auch die Krise schlägt zu Buche: Männer waren stärker vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen – und Männer arbeiten eher in krisenanfälligen Branchen wie der Industrie. Den stärksten Anstieg gab es in den Industriebundesländern Oberösterreich und Steiermark.

(C) DiePresse

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Auch in Eurozone Rekordhoch

Die Entwicklung im Jänner folgt einem Trend, der noch länger anhalten dürfte. „Die Zahlen stimmen ziemlich genau mit unserer Prognose überein“, sagt Helmut Hofer vom Institut für Höhere Studien (IHS). Und diese Prognose verheißt auch längerfristig nichts Gutes. Für heuer rechnet das IHS mit einer Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent. Die Zeiten, in denen in Österreich Vollbeschäftigung herrschte, sind erst einmal vorbei.

Einen Rekordwert erreichte die Arbeitslosigkeit auch in der Eurozone. Im Dezember hatten 18,7 Millionen Menschen in den 17 Euroländern keine Arbeit, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Freitag bekannt gab. Das ist der höchste Wert seit der Euro-Einführung im Jahr 1999. In der gesamten EU waren 25,9 Millionen Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote im Euroraum beträgt 11,7 Prozent.

Im Vergleich dazu nimmt sich Österreich als Musterschüler aus. Denn nach der international gängigen Berechnungsmethode der Vereinten Nationen und Eurostat beträgt die Arbeitslosenquote hierzulande nur 4,3 Prozent. Dass der Wert so niedrig ist, liegt an der Methode: Für Eurostat gilt jeder als beschäftigt, der auch nur eine Stunde pro Woche arbeitet. Also auch Menschen, die nur geringfügig arbeiten. In die nationale Berechnung fließen geringfügige Jobs nicht mit ein. Teilzeitstellen hingegen schon. Und der Anteil der Menschen, die nur Teilzeit arbeiten, nimmt stetig zu: 1995 lag die Teilzeitquote noch bei 14 Prozent. 2011 waren es bereits 25 Prozent.

Die zunehmende Teilzeit trägt maßgeblich dazu bei, dass die Beschäftigung weiter kräftig steigt. Und so kletterte im Jänner nicht nur die Zahl der Arbeitslosen auf einen Höchststand, sondern auch die Zahl der Menschen, die Arbeit haben. Ende Jänner waren hierzulande 3,4 Millionen Menschen unselbstständig beschäftigt – ein Rekordwert. Im Vorjahr wurden mehr neue Jobs geschaffen, als zusätzliche Arbeitslose hinzukamen. Das ist auch der wesentliche Unterschied zum Krisenjahr 2009: Damals sank die Beschäftigung um 50.000, so stark wie noch nie zuvor in der Zweiten Republik. Einen Beschäftigungsrückgang gab es davor zuletzt Mitte der 1990er-Jahre.

 

Quoten von sechs Prozent normal

Bis Ende der 1980er-Jahre waren Arbeitslosenquoten von weit unter fünf Prozent (nationale Berechnung) hierzulande die Regel. Dann stieg das Arbeitskräfteangebot binnen kurzer Zeit so stark, dass die Arbeitslosigkeit trotz guter Konjunktur zugelegt habe, so Hofer vom IHS. Das Niveau ist seitdem höher. „Mittelfristig werden wir mit Arbeitslosenquoten von bis zu sechs Prozent leben müssen.“

Auf einen Blick

Ende Jänner waren in Österreich 410.662 Menschen arbeitslos. Das ist der bisher höchste Wert in der Zweiten Republik. Auch in der Eurozone erreichte die Arbeitslosigkeit zuletzt den höchsten Wert seit dem Start der Währungsunion: Im Dezember waren 18,7 Millionen Menschen ohne Arbeit. Die Arbeitslosigkeit dürfte noch länger hoch bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

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177 Kommentare
 
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Suchen Arbeiter!!!!

Wir sind ein Spengler- und Dachdeckerbetrieb im Mittleren Burgenland und suchen seit August 2012 Arbeiter!!!!!!!!!!!! Also wo bitte sind diese, wenn es soviele Arbeitslose gibt und das in der Baubranche!!!!! Falls jemand Interesse hat, einfach auf dieses Kommentar antworten, ich werde dann Kontakt aufnehmen!!!!

Re: Suchen Arbeiter!!!!

wie viel zahlen sie denn ?

Suchen Arbeiter!!!!


10000 Euro kostet die Eingliederung eines Arbeitslosen in die Wirtschaft !


Das wären dann bei 18 Mrd KAUM gedeckten Pensions/Ruhegenuss-Zuschüssen u. ca. 10 Mrd zuviel für eine IRRE aufgeblasene, völlig entbehrliche Mehrfachbürokratie um die 2,8 Mio Arbeitsplätze...

Ein Zehntel würde also reichen um unsere Arbeitslosenzahlen zu halbieren.

Doch unser unSozialminister hat keinen Taschenrechner, vermute ich...

Re: 10000 Euro

diesmal bin ich ja ziemlich bei ihnen ;-)
aber: wie wollen sie (konkreter fall) eine mir bekannte frau, die (wirklich!) nur bis 10 rechnen kann, sich am wochenende von irgendwelchen männern abschleppen und sich dann ein paar tage aushalten lässt, in die "wirtschaft" eingliedern?
mir fällt da nur ein einsatz in der flurreinigung ein, das wäre wahrscheinlich die sinnvollste beschäftigung, aber ich fürchte, diese idee ist nicht mehrheitsreif! ? ;-)

und nochmal 2500 dazu

frau fekter hat leider alle trafikanten samt ang. Verkauft d.h. Lotterien erweitern sich auf tanken und post,... daher werden min 700 trafiken zusperren müssen und das schlimmste an der geschichte is das alle aus fekters stab dann bei den lotterien spitzenposten bekommen. danke vpmafia

ganz einfach...

niemand will als sklave Arbeiten.....alle Leihfirmen schließen dann weniger Arbeitslose.....

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EU als Krisenmeister

Für Eurostat gilt jeder als beschäftigt, der auch nur eine Stunde pro Woche arbeitet

Ab sofort: Nicht 1 Stunde pro Woche sondern nur eine halbe Stunde.

Dann stimmen die Zahlen wieder.

Wenn´s nicht so traurig wäre, wär´s zum Lachen.
1 Stunde pro Woche..........

1 0

Wie wird die offizielle Arbeitslosenquote errechnet ??


410.662 Menschen sind arbeitslos.
3,4 Millioen sind unselbständig beschäftigt.

Wie kommt man jetzt auf 9,1%, die offizielle Arbeitslosenquote ?

Bitte um Aufklärung

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Aus meiner Sicht

sollte man den Sektor AMS und die gebotenen Leistungen durchforsten.

Millionen werden für unsinnigste Kurse verschleudert. Einen 61-jährigen in einen Kurs zu schicken -Wie bewerbe ich mich- kann nur ein Witz sein. Personen in Kurse zu schicken, die dem gar nicht folgen können, weil sie nicht deutsch können und auch gar nicht lernen wollen - ebenfalls. Da gibt es genug Beispiele.

Es ist für mich auch nicht verständlich, wie es sein kann, dass Personen über 10 Jahre arbeitslos sind.
Obwohl ich grundsätzlich für die Selbstbestimmung aller Menschen eintrete, müsste hier dringend eine Lösung gefunden werden. Anstellung im öffentlichen Bereich, von Gartenarbeit bis je nach Ausbildung, gehobener Dienst wäre möglich. Wer das nicht annimmt, fällt eben aus den Leistungen.

Ich kann auch nicht verstehen, dass wir Leistungen ohne jegliche Gegenleistung verteilen, nicht weil ich unsozial bin, sondern weil nur so viel ausgegeben werden kann, wie in den Topf hineinkommt.

8 0

Man kann sich vorstellen, was die Spin Doctors der SPÖ

aus so einer Schlagzeile gemacht hätten, wäre die "Paddei" in Opposition. Nun aber wird dieses Thema bis zur Nationalratswahl vom Inseratenkanzler abwärts ja nicht angegriffen - irgendwie könnte man ja damit in Verbindung gebracht werden, und das passt gar nicht. Das bei den Boulevard-Medien gekaufte Image ("Obama Österreichs" - copyright Wolfgang Fellner oder "Real Action Hero" - copyright Arnold Schwarzenegger) darf nicht angepatzt werden.

Ich bin schon sehr gespannt, wer den Griechen den monatlichen Scheck über 10 Milliarden Euro überweist,

wenn es in Deutschland und in Frankreich jeweils 10 Millionen Arbeitslose gibt.
Werden die Deutschen weiter zahlen? Werden auch wir weiter zahlen?

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Re: Ich bin schon sehr gespannt, wer den Griechen den monatlichen Scheck über 10 Milliarden Euro überweist,

Was glauben Sie sonst. Wir werden sicherlich den Beitrag noch erhöhen.

Reine Kaffeesudleserei ist die Expertise von Standard & Poor`s für die wirtschaftliche Entwicklung Niederösterreichs u. einiger anderer Bundesländer

Zufälle gibt es, die kaum zu glauben sind, so unwahrscheinlich sind sie.
Da taucht gerade rechtzeitig vor der n.ö. Landtagswahl eine Bewertung der US-Ratingagentur Standard & Poor`s auf, die Erwin Pröll, Sobotka und Konsorten in Auftrag gegeben haben und daher auch von den n.ö. Landsleuten zu bezahlen ist.
Es überrascht daher schon deshalb nicht, dass der Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung unseres Bundeslandes von „negativ“ auf „stabil“ angehoben worden ist, was immer das bedeuten mag. Die Begründung dafür ist nämlich in einer Sprache abgefasst, die bestenfalls die Verfasser der Bewertung verstehen, mit Sicherheit aber auch für den Finanzlandesrat erst in verständliches Deutsch übersetzt werden muss. Doch den und dessen Chef, den Landeshauptmann, freut es, was die Ratingagentur da zu Papier gebracht hat. Schließlich haben sie dafür auch bezahlt.
Was daran positiv sein sollte, dass auch Niederösterreich „Zugang zu Mitteln der Bundesfinanzierungsagentur“ hat, muss schon deshalb stark in Zweifel gezogen werden, weil gerade diese Finanzierungsmöglichkeit immer wieder als Ursache des Salzburger Finanzskandals genannt wird.
Zur reinen Kaffeesudleserei gerät die Expertise der Ratingagentur aber, weil sie den in dieser Höhe in Österreich bisher nie gekannten Spitzenwert an Arbeitslosen völlig unberücksichtigt lässt. Denn von den derzeit über 420.000 Arbeitslosen in Österreich sind zirka 60.000 in NÖ zu Hause, und Besserung ist für dieses Jahr keine in Sicht.

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Legale Arbeit ist einfach zu teuer

Lohnnebenkosten senken und Problem wird fast gelöst!


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Deshalb wollen also Rotgrün noch mehr Einwanderung nach

Österreich.

Re: Deshalb wollen also Rotgrün noch mehr Einwanderung nach

Ach so, wollen die das? Was ist mit Jahrzehnten ÖVP in der Regierung? Haben die Schwarzen immer geschlafen und nix mitgekriegt?

überschrift falsch!

Unter schüssel gab es über 500 k arbeitslose. Ausserdem wird nicht berücksichtigt, dass viele teilzeithackeln und das Geld nicht zum überleben reicht.

Re: überschrift falsch!

Alle falsch, die Löhne sind noch viel zu hoch, drum geht es der Wirtschaft so schlecht. Haben wir doch erst hier gelesen: Lohnstückkosten zu hoch.
Und so nebenei schreiben die Konzene Rekordgewinne, aber das hat nichts miteinander zu tun.

Re: Re: überschrift falsch!

gehts der wischaft gut , gehts uns allen gut. das sagen die chefs und meinen mit "allen", sich und ihre kammerfunktionäre und freunderl, der hackler hingegen soll froh sein dass er "unter brot stehen darf" und soll eine hände falten und die goschen halten, amen.

Re: Re: Re: überschrift falsch!

Und wenn er atmen muss soll er fragen ob er eh darf, denn die Luft wird sicher in Kürze privatisiert.
Die arbeitende Schicht lässt sich seit 20 Jahren kleinreden wie unbedeutend und austauschbar sie sei, das Gegenteil ist aber der Fall. Und das muss bald mal honoriert werden. So kann es nicht weitergehen, dass die Reichen immer reicher werden weil sie sich in ihren Steuerparadiesen sonnen während der Normalbürger unter der Abgabenlast zusammenbricht.

Arbeitspotential im Land nutzen statt Gastarbeiter reinzuholen!

Ist es nicht sinnvoll die Asylanten arbeiten zu lassen statt diese zum Nichtstun zu verdonnern und zusätzlich Gastarbeiter aus Anatolien und sonst wo ins Land zu holen?
Warum nutzen wir nicht die Möglichkeit, Asylanten arbeiten zu lassen?

Ein Teil des Lohnes auszhalen, rest ansparen.
Asylstatus gewährt, ist Startkapital vorhanden (Wohnung, Einrichtung), Asylstatus abgeleht, ist Kapital zum Neustart in der Heimat vorhanden. So muß nicht immer die Allgemeinheit aufkommen.


4 0

Re: Arbeitspotential im Land nutzen statt Gastarbeiter reinzuholen!

Im Prinzip ist die Idee ja gut. Bloß steht einiges im Weg - da ist mal:
- was sollen Personen arbeiten, die die
Sprache nicht können (Saisonhelfer schon
jetzt möglich)
- welche Rechte begründen sie damit in
Österreich (Aufenthalt, Arbeitslose,
Mindestsicherung auf ewig)
- haben wir überhaupt Bedarf an zusätzlichen
Arbeitskräften (Arbeitslosenzahlen steigen
an)
- einen Teil des Lohns einzubehalten, das
ist sicherlich nicht rechtskonform
- wenn diese Personen sich vom Verdienst
hier erhalten müssen, bleibt nichts übrig

Also durchaus ein Gedanke, der zu überlegen ist. Dazu bedarf es aber grundlegender Gesetzesänderungen, sonst schneiden wir uns nochmals selbst ins Fleisch.

Re: Re: Arbeitspotential im Land nutzen statt Gastarbeiter reinzuholen!

Ich habe gehört das es in Liechtenstein so gehandhabt wird. Das ein Teil des Lohnes auf ein Sparkonto/Buch kommt.
Das eine betroffene Person staatliche Hilfe zusätzlich beziehen kann soll geg. möglich sein, je nach Verdienst.
Arbeit natürlich sofern eine vorhanden ist und freiwillig. Ich denke es flüchten nicht nur schlechter gebildete Personen nach Österreich.
MfG

Zum Glück retten die zahlreichen Einwanderer ...

... aus Anatolien und dem Balkan unser Sozialsystem. Und nachdem Gewerkschaften und co eh die Arbeitszeit verkürzen wollen, gibts bald ohnehin Ferien für alle. Bald versteht eh die Mehrheit der Österreicher kein Deutsch mehr und die Statistiken werden noch belangloser ....

Schöne neue Welt.

 
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