Die Bombe ist geplatzt: Niemetz in Konkurs

01.02.2013 | 18:26 |   (Die Presse)

Der Süßwarenhersteller will die Sanierung ohne Eigenverwaltung und ohne Partner schaffen. Arbeitsplätze sollen nicht in Gefahr sein. Der Umsatz des Traditionshauses ist in den letzten zwei Jahren stark eingebrochen.

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Wien/Es/Ag. Jetzt ist es amtlich. Die Österreicher mögen keine Schwedenbomben mehr. Jedenfalls nicht genug, um dem seit einem guten Jahr strauchelnden Unternehmen Niemetz aus der Patsche zu helfen.

Im August letzten Jahres, als die ersten Gerüchte auftauchten, dass der traditionsreiche Süßwarenhersteller Niemetz vor der Pleite stehe, wurde noch heftig dementiert. „Das Unternehmen ist nicht in Gefahr“, versicherte Ursula Niemetz, die das 1930 gegründete Familienunternehmen gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, dem Amerikaner Steven Batchelor, führt. Man verhandle mit potenziellen Finanzpartnern und plane, die Produktpalette auszuweiten.

 

Fünf Mio. Euro Schulden

Jetzt, ein halbes Jahr später, ist die Bombe geplatzt. Niemetz ist insolvent. Die Schulden belaufen sich laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) in Summe auf rund fünf Mio. Euro. Alle drei Niemetz-Gesellschaften sind insolvent: Das Herzstück, die Walter Niemetz Süßwarenfabrik – Fabrikation von Zucker-, Schokolade-, Konditorei- und Dauerbackwaren GmbH und Co KG, hat mit 4,38 Mio. Euro den größten Brocken an Verbindlichkeiten angehäuft. Dagegen nehmen sich die Schulden der Niemetz Süßwaren Produktion GmbH und der Walter Niemetz GmbH vergleichsweise gering aus. Betroffen sind insgesamt 66 Dienstnehmer und rund 70 Gläubiger.

Es geht um ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Als Masseverwalter fungiert in den beiden Kerngesellschaften Stephan Riel von der Kanzlei Jaksch, Schöller und Riel. Niemetz bietet eine 20-Prozent-Schuldenquote innerhalb von zwei Jahren an. Gläubiger können ihre Forderungen bis zum 20. bzw. 26. März anmelden.

Trotz Insolvenz suche die Unternehmensgruppe derzeit keinen Käufer, sagte Geschäftsführer Steve Batchelor am Freitag. Man sei sicher, das Sanierungsverfahren „aus eigener Kraft zu stemmen“. Die zuletzt zurückgefahrene Produktion soll nun wieder auf Normalniveau erhöht und der Mitarbeiterstand gehalten werden.

 

Kunden wollen weniger Fett und Zucker

Wie es so weit kommen konnte, dass ein Süßwarenhersteller, dessen Produkt, die Schwedenbombe, quasi österreichisches Kulturgut ist, derart in Finanznöte kam? 2011 brach der Absatz der schaumgefüllten Schokoladenbomben um 8,6 Prozent auf 772 Tonnen ein. 2012 schrumpfte er um weitere 22,9 Prozent. Bis vor eineinhalb Jahren seien laut Batchelor Gewinne geschrieben worden. Konsumenten würden jetzt Süßigkeiten bevorzugen, die weniger Fett und Zucker enthalten, meint dazu Penny-International-Manager Rudolf Trettenbrein. Das Produkt ist also nicht mehr zeitgemäß, mit einer Modernisierung wurde zu lange gewartet. „Wer Schwedenbombe hört, denkt Kalorienbombe.“ Auch, wenn 70 Kalorien pro Stück gar nicht so viel sind.

In den vergangenen Monaten wurde einiges zur Sanierung des Unternehmens unternommen. Im Dezember hat Niemetz das Firmengebäude im dritten Bezirk verkauft. Die dadurch entstandenen Sicherheiten hätten dafür verwendet werden sollen, einen neuen Kredit aufzunehmen. Mit dem Finanzamt habe man ein Stillhalteabkommen bis Ende 2012 gehabt, um Steuerrückstände zu begleichen. Das Finanzamt sei aber davon ausgegangen, dass der Erlös aus dem Verkauf der Liegenschaften (rund zwei Mio. Euro) direkt zur Begleichung der Steuerschulden verwendet werden würde. Das Finanzamt habe dann im November „voreilig“ Konkursantrag gestellt und so dem Unternehmen die Chance genommen, seine finanziellen Schwierigkeiten selbst in den Griff zu bekommen, hieß es am Freitag.

 

Das Geheimnis ist der Kakao in der Füllung

Mit derartigen finanztechnischen Dingen musste sich der Konditormeister Walter Niemetz wohl nicht befassen, als er in seiner Backstube in Wien die Schwedenbombe kreierte. 1930 entstand die lockere Süßigkeit aus Schokolade, Eischnee und Zucker, die – wie der Name schon sagt – auf einem schwedischen Rezept basiert. Das Geheimnis, das die Niemetz-Bomben vom deutschen Konkurrenten Dickmanns trennt? „Wir mischen Kakao in die Eiweißmasse“, sagt Batchelor. Niemand bringe es fertig, diese Konsistenz zu kopieren. Trotzdem fehlt es an Kunden, die dieses Rezept nach wie vor lieben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

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70 Kommentare
 
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Konsumenten würden jetzt Süßigkeiten bevorzugen, die weniger Fett und Zucker enthalten, meint dazu Penny-International-Manager Rudolf Trettenbrein

also das kann wohl nicht der Grund für eine Insolvenz sein, Herr Trettenbrein. Ich hoffe, Ihr Job im Einzelhandel wackelt nicht nach dieser Aussage. Ich habe schon viele Blödheiten gehört, aber diese zeugt nicht von hoher Kompetenz..
Wie würden dann andere Süßigkeiten Hersteller überleben.. Allen voran Mars, Twix...etc.. mit enorm hohen Zuckergehalt.

Ohne eine große Ferndiagnose zu stellen - denn ansonst wäre ich nicht viel besser als Herr Trettenbrein - denke ich, liegen/lagen die Fehler möglicherweise im Sortiment, Management und Marketing.

Es bleibt zu hoffen,

dass eine Weiterführung mit neuem Management und Eigentümerstruktur möglich ist. Die Produkte würden doch ins Portfolio von Manner oder Continental Bakeries (Auer) passen. Und aus der Inso heraus könnte man Markennamen und Rezepturen doch recht wohlfeil erwerben!

Ende Diät

kaufe morgen schwedenbomben und verzichte auf Diät.

Re: Ende Diät

ich auch

Habe schon eine Erfahrung gemacht

der deutsche Dickmanns Chemiedreck und Original Schwedenbomben sind überhaupt nicht vergleichbar.

Auch ähnlich beim alkfreien Pils, dem Becks, da wurde klammheimlich die Rezeptur geändert, seitdem ungenießbar. Deutscher Einheitsgeschmack auf Billigniveau wie Warsteiner Krombacher u, Co.

Jever kann sich über Mehrkundschaft freuen, Dickmanns nicht.

Re: Habe schon eine Erfahrung gemacht

...klammheimlich die Rezeptur geändert...

wie beim gößer,milka,puntigamer uvm.

:-(((

Re: Re: Habe schon eine Erfahrung gemacht

Rezepturänderung kommen immer wieder vor. Sei es aufgrund von neuen Vorschriften zu Inhaltsstoffen oder aus Marktgründen (Konsumenten wollen "gesund" naschen).
So what?

Re: Re: Habe schon eine Erfahrung gemacht

Sie haben wahrscheinlich den Sinn dahinter nicht verstanden.

Ich wollte damit ausdrücken, es besteht trotz Konkurs noch Chance. Weil eben das Produkt einwandrei und geschmacklich unschlagbar ist.
Ein Topteam in der Chefetage kriegt das wieder hin. Ist aber erst mal der Ruf durch Billigdreck ruiniert, so schaut das anders aus.
Und in der Chefetage liegt das Problem auch beim Becks. Bein Anheuser Inbev wurde eine Geschmacksänderung zum negativen entschieden.

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... beim durchlesen der Kommentare zugenommen!


Gefällt mir.....

wie es auch immer zu dieser im Artikel beschriebenen Situation kam, kann ich mangels detailierter Information nicht beurteilen! Was mir gefaellt sind viele Komentare dazu - Motto: gesund (werden) bleiben und zusammen halten!!!!!!!!!!!!! Bitte weiter so liebe Landsleut!
Den Schwedenbomben alles gute.

dabei is die sach relativ einfach...

wer sich erinnern kann,wie groß die schwedenbomben einmal waren...

heute:um die hälfte kleiner,aber doppelter preis.

da wollte halt wieder einer mit gewalt NOCH reicher werden...

weil die schwedenbomben haben sich IMMER gut verkauft,ebenso manja und swedy.weils einfach gut sind.viel besser als die dickmanns.

das liegt an der eigenen rezeptur,auf die der niemetz stolz war,aber leider:alles zammghaut.und zwar mit dummheit und gewalt.

Re: dabei is die sach relativ einfach...

Genau wie bei den Mannerschnitten: Jetzt sind nur mehr 4 Packungen in einer, vorher warens 5 ... Mogelpackung!

Re: Re: dabei is die sach relativ einfach...

geh bitte, am Preis liegst definitiv nicht, sind rel. günstig, ebenso wie die Mannerschnitten. Die Gründe sind bestimmt subtiler, ggfs. antiquierte Produkte/Marketing...

Schade drum :(

Ich liebe Schwedenbomben, Manja und Swedy. Das sind wirklich sehr gute Süßigkeiten, die ich mir gerne manchmal gönne. Ja, Süßigkeiten haben mehr Kalorien als Gemüse, aber das gilt auch für jede andere Süßigkeit.

Ich bin allerdings nicht unbedingt ein süßer Zahn, daher kaufe ich sie nicht besonders oft.

Re: Schade drum :(

hast keinen gscheiten friseur,dem du das alles reindrücken kannst??

*gg

Wenn nicht mehr produziert werden kann,

weil die Zulieferer nur mehr bei sofortiger Zahlung mit Bargeld liefern, dann kann man sich ein Bild machen, wie diese Firma von den derzeitigen Eigentümern in den Sand gesetzt wurde.
Da mangelt es nicht an Aufträgen, da mangelt es ganz einfach an der Geschäftsführung. Selber gut leben, die Mitarbeiter monatelang nicht bezahlen - das kann auf Dauer nicht gutgehen!

Zu lange geschlafen

Wenn man an einem "Traditionsprodukt" gar nichts ändert, ist irgendwann finster.

Allein im Marketing wirkt alles wie Stillstand. Die Plastikverpackung kommt billig rüber, die Wiener Tradition wird nicht sichtbar, es gibt keine Werbung oder andere Kommunikation mit den Kunden, die Unternehmenshomepage ist ein Witz, die halbe Zeit sind die Produkte in den Supermärkten nicht vorhanden (obwohl offensichtlich Platz im Regal gelassen wird, da liegt der Verdacht auf Lieferschwierigkeiten nahe)...

Wie es mit Investitionen in die Produktion oder der Organisation des Einkaufs aussieht will ich mir gar nicht vorstellen. Ebenso die Verwaltungsstrukturen.

Management wechseln und Gas geben...

Die Qualität ist Super, Marketing und Vertrieb (Export) wohl nicht... hier ansetzen und Gas geben wie Manner.

leider wird aber jetzt eher eine feindliche Übernahme in Frage kommen...

Die Qualität ist Super

Das finde ich auch!
Ich kenne kein ähnliches Produkt, das so gut ist. Wer da nur etwas wegen der Verpackung kauft ist selbst schuld!

Frische

Schwedenbomben sind ein Traum und eine 6er Packung ist auch nicht "böser" als eine Tafel primitive Milkaschoko.

Wäre schade, wenn das Zeug für immer verschwindet. Die deutschen und anderen Nachbauten (Dickmanns) können mich mal sonst wo, ich will ein uriges gutes österreichisches Süßklumpatt futtern!


Penny-International-Manager Rudolf Trettenbrein liegt falsch

Dickmanns (der reinste Chemiedreck) verkaufen sich, aber hochwertige Niemetz-Schwedenbomben nicht? Verkehrte Welt. Dickmanns sind viel billiger, aber dennoch Dreck.

Penny-International-Manager Rudolf Trettenbrein liegt falsch. Die Leute wollen Premiumprodukte und unverfälschte Original-Rezepte. Jmd. der auf der Billigstschiene fährt, wird es schwer verstehen, ein hochpreisiges Markenprodukt zu verkaufen. Es wäre im höchsten Grade eine Sünde, das Original-Rezept zu verändern, nur um moderner wirken zu wollen. Oder verkauft Manner seine Original-Biskotten mit einem anderen Rezept? Nein, sondern sie bieten zusätzlich vllt. Vollkorn-, Kinder-, oder Diät-Biskotten an. Ähnliches bei der Original-Mannerschnitte oder bei den Salzburger Mozartkugeln. Gerade im Lebensmittelbereich (und auch bei alk. Getränken) darf man niemals das Original-Rezept namhafter Produkte anrühren, sondern muss die Qualität der Produktion laufend gewährleisten, ansonsten wird die Marke schwer beschädigt. Darum ist Rudolf Trettenbrein der International-Manager von Penny und nicht von Darbo, Staud, Manner, etc.

Ich schätze es liegen eher Managementfehler vor. Außerhalb von Österr. habe ich bspw. Niemetz-Schwedenbomben niemals gesehen. Hier müsste man die Absatzmärkte und somit die Kundenbasis erhöhen, um ein entspr. Verkaufsvolumen (und entspr. Skaleneffekte) erzielen zu können. Auch das Marketing ließ wahrscheinlich zu wünschen übrig.

Re: Penny-International-Manager Rudolf Trettenbrein liegt falsch

ich hab das heuer einem Australier verfüttert - er will MEHR :-)

Wenn auch so mangelhaft beliefert wird !

X-mal nachfragen in den Supermärkten, bis endlich einmal wieder zu haben.- Ob Bestellung oder Lieferant schuld ist, erfährt man ja nicht.

Lt wikipedia

Gehoert die mehrheit dem mann....

wie waere es aus dem privatvermoegen zuzuschiessen???

20% ist etwas duerftig.... ob da bei einem verkauf nicht mehr rausschauen wuerde???

 
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