Alpine: Der spanische Patient

01.02.2013 | 18:27 |  von Hanna Kordik (Die Presse)

Der Baukonzern Alpine kämpft ums Überleben. Die Banken werden wohl auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten müssen. Fraglich ist allerdings, ob das Unternehmen in spanischer Hand bleiben wird.

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Das Treffen am Donnerstag Nachmittag war eines von vielen. Und wie immer streng geheim. Dementsprechend zugeknöpft gaben sich die Teilnehmer: „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte der eine. „Der Patient ist aber immer noch in der Intensivstation“, der andere.

Wie so oft in den vergangenen Wochen waren Vertreter österreichischer Banken zusammengekommen. Mit dabei: jener „Patient“, der gerade mit dem Tode ringt – der Baukonzern Alpine. Im Oktober vergangenen Jahres hatte das Unternehmen mit echten Horrorzahlen geschockt – damals wurde bekannt, dass der Konzern unter einem Obligo von 950 Millionen Euro ächzt. Und seitdem geht es dort recht turbulent zu. Wobei die Hektik in den vergangenen Tagen zugenommen hat: Bis Ende Februar haben die Gläubigerbanken zugesagt, ihre Kredite nicht fällig zu stellen. Ein Wettlauf gegen die Zeit.

Zumal mit dem Faktor Zeit bislang recht großzügig umgegangen wurde. Zuerst übte sich der Konzern in Vergangenheitsbewältigung. Mit dem Ergebnis, dass Kurzzeit-Chef Johannes Dotter gefeuert wurde. Derweil geriet die Alpine in einen Teufelskreis: Der Kreditschutzverband von 1870 setzte das Bonitätsrating für die Alpine aus, womit Auftragseingänge Mangelware wurden.

Dann machte man sich auf die langwierige Suche nach einem Sanierer. Seit Anfang Dezember ist er da, immerhin. Josef Schultheis heißt der Mann der Stunde. Ein Deutscher, der bereits für die Sanierung der Kaufhausgruppe Karstadt zuständig war und zuletzt den Baumarktkonzern Praktiker auf Vordermann bringen sollte.

Schultheis hat über die Weihnachtsfeiertage an einem Sanierungskonzept für die Alpine gearbeitet. Und das wurde vor rund zehn Tagen den Gläubigerbanken präsentiert. Was zum nächsten Schock führte: Schultheis will sich zwar aus den Auslandsmärkten zurückziehen, was von den Banken sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Immerhin ist das Österreich-Geschäft der Alpine profitabel, die zahlreichen Auslandsprojekte haben sich als Mühlstein erwiesen. Doch die Alpine braucht, wie sie den Banken darlegte, mehr: und zwar einen drastischen Schuldenschnitt seitens der Banken. Die Rede ist von 50 Prozent, was rund 250 Millionen Euro entspricht.

Jetzt haben die Banken die Qual der Wahl: Stimmen sie zu, dann ist viel Geld perdu. Stimmen sie dagegen, könnte es allerdings für sie noch schlimmer kommen – im Insolvenzfall nämlich.

Letzter Stand: Die Banken werden dem Schuldenschnitt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zustimmen. Am Donnerstag gab es seitens der Banken jedenfalls keine Gegenstimmen. Vorausgesetzt, der Alpine-Eigentümer – der spanische Baukonzern FCC – schießt Kapital in einer ähnlichen Größenordnung zu. Was angeblich auch schon zugesagt wurde.

Womit der Worst Case vorerst einmal verhindert sein dürfte. Betonung auf vorerst. Denn allen Beteiligten ist klar: So wie bisher wird es nicht weitergehen können.

Aber wie könnte es weitergehen? Da macht eine interessante Variante die Runde, die so unwahrscheinlich gar nicht ist. Es sei durchaus möglich, so heißt es, dass die Alpine in Österreich filetiert wird. Ein scheibchenweiser Verkauf also. Und zwar an kleinere Bauunternehmen. Hinteregger, Swietelsky, Habau, Hochtief werden da als potenzielle Käufer genannt. Und manch einer soll auch sein Interesse an Alpine-Niederlassungen in Bundesländern bekundet haben.

Tatsache ist: Die Eigentümerschaft der Spanier ist für die Alpine alles andere als ein Erfolgskonzept gewesen.

Schon bevor der katastrophale Zustand der Alpine offiziell wurde, hatten etliche langjährige Manager des Unternehmens, allesamt profunde Kenner der Branche, das Weite gesucht. Motto: Die Spanier agierten oft überaus chaotisch, es gebe viel zu lange Entscheidungswege. Vor allem aber: Der Einblick in den österreichischen Markt mit seinen Playern fehle – in der Baubranche ein Muss.

Tatsache ist auch: Die Spanier sind mit ihrem Österreich-Engagement ebenfalls alles andere als glücklich. Rund 600 Millionen Euro hat sie der Erwerb seinerzeit, im Jahre 2006, gekostet. Da kommen jetzt noch üppige Zuschüsse dazu. Geblieben ist ein einziger Scherbenhaufen.

Das zerrt an den Nerven. Vor wenigen Tagen war es FCC-Mehrheitseigentümerin Esther Koplowitz zu viel: Sie ließ den langjährigen Chef des Konzerns, Baldomero Falcones, an die Luft setzen.

Was zwar verständlich ist, aber Probleme keineswegs auch nur annähernd löst. Und die gibt es zuhauf – nicht nur bei den Geschäftszahlen. Da wäre einmal das Damoklesschwert in der Person des Ex-Verteidigungsministers Herbert Scheibner. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den BZÖ-Abgeordneten aufgrund einer Bankanzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche. Dabei werden auch Zahlungen an Scheibner von der Alpine Bau Deutschland in Höhe von 350.000 Euro unter die Lupe genommen. Der Betrag wurde an eine Scheibner-Firma in den Vereinigten Arabischen Emiraten überwiesen. Scheibner bestritt die Vorwürfe stets, und für ihn gilt klarerweise die Unschuldsvermutung – doch im spanischen FCC-Konzern herrscht maximale Irritation.

Und dann droht auch noch weiteres Ungemach seitens jener Anleger, die Alpine-Anleihen gezeichnet haben. Sie fühlen sich angesichts der plötzlich publizierten Horrorzahlen der Alpine hinters Licht geführt und haben sich an den Prozessfinanzierer Advofin gewandt. Zwecks Sammelklage.

Zu allem Überfluss gibt es nun auch sehr fundierte Gerüchte, wonach der frühere Alpine-Eigentümer und -Chef Dietmar Aluta-Oltyan still und heimlich mit einem (vorerst) kleinen Bauunternehmen neu durchstarten – und der Alpine Konkurrenz machen möchte. Auch nicht eben angenehm.

Das hat bei den Spaniern das Fass zum Überlaufen gebracht. Denn auf Aluta-Oltyan haben sie ohnehin schon einen unbändigen Zorn. Er habe, so die bei FCC vertretene Meinung, den Spaniern überhaupt das ganze Schlamassel eingebrockt. Die wahren Probleme der Alpine seien seinerzeit, beim Kauf durch die FCC, verschleiert worden. Die FCC beschäftigt jedenfalls schon Juristen, die die Chancen einer Klage ausloten sollen. Mit dem Ziel einer Rückabwicklung der Transaktion.

Die Alpine-Saga ist also noch lange nicht zu Ende.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

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16 Kommentare
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Alpine ist eine Baumeisterbude

Die FCC hat sich einfach nicht diese Chaosfirma erwartet, als sie 2006 rd 600 Mio (inkl. Schuldenübernahme) hinblätterte. Offensichtlich erwartete mann sich ein nach germanischen Massstäben (aus deren Sicht)top organisiertes Unternehmen:

Statt eines organisierten Konzerns gab es übliche Stabssabeteilungen wie z.B. Business Development, Controlling (nur rudimentär und punktuell), Corporate Tax, Internal Audit ect nicht. Dies wurde durch das Wachstum in den Folgejahren noch schlimmer und latenter. Jeder weiss, daß die Alpine v.a. im CEE (Balkan) ausblutete: Unkontrolliertes Wachstum gepaart mit mangelnder Kontrolle und Partnern und einigen (Lokal-)Managern, die die persönliche Erfolgsoptimierung in den Vordergrund stellten. So geht es bitte nicht. Eigenverantwortung, Treue (im unternehmerischen Sinn) und Corporate Governance waren (sind) Fremdwörter, die Erziehung einfach nicht vorhanden, nur primitives Abzocken.

Diese Missstände werden nun abgestellt bzw. die Problemländer geschlossen, und das ist gut so. In Ö war die Alpine im Rahmen ihrer Möglichkeiten durchaus erfolgreich, wenn auch mit einigen Unschärfen. Die EBT Margen sind halt nur gering, aber die Masse macht es.


Re: Alpine ist eine Baumeisterbude

.....die kurz vor dem Einstieg der Spanier noch von der staatlichen Asfinag einen 1,5 Mrd. Euro Auftrag(A5 Ostautobahn)erhalten hat. Dies wurde in den Kaufpreis gewichtig eingepreist. Dies war zur Erinnerung,während der Ministertätigkeit des Blau Orangen Verkehrsminister Gorbach und der Tätigkeit des Orangen Inkassobüros unter Leitung von Jörg Haider.
Der Baumeister der Bude hieß Aluta und hat diese defacto dis zu seinem Rauswurf im Sommer 2012 wie ein Alleinherrscher geführt. Auch wenn er nun Kindesweglegung betreiben möchte, ist dies in der Branche,der Politik und bei den Banken bekannt.

Re: Alpine ist eine Baumeisterbude

Nur gibt es keine Aufträge mehr die für die AB die nächsten Jahre positiv laufen und sollte es vereinzelt Aufträge geben die eventuell kalk. einem positive EBT ausweisen, dann haben sie keine Leute mehr die es abwickeln können.

Du meine Güte!

Der österreichische Markt ist ja für die Baubranche momentan so lukrativ! (Ironie)
Darum gibt es ja in Österreich auch keine Arbeitslosen am Bau (Ironie)
Klar, da wird die Alpine, die ja seit Jahren Schulden angehäuft hat, gerade jetzt viel Gewinn machen (Ironie).
Und die Auslandsbaustellen, die ja allesamt gerade am Balkan und in Deutschland noch hunderte Mio Euro Verlust bringen werden, die vergessen wir gelinde.

Ich finde es toll, dass eine aufgeblasene Baufirma, die in ganz Österreich selbst den kleinen Baumeistern mit Dumpingpreisen den Garaus gemacht hat, nun das Geld von der Bank geschenkt bekommt.
Staatshilfe hat es ja schon 2009 gegeben.

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na wunderbar

die banken werden auf vorderungen verzichten und dann beim steuerzahler vorstellig werden...

da gibt es doch eigentümer und auch die spanier. die sollen zahlen - so wie das aussieht wird wieder einmal der österreichische steuerzahler übrigbleiben - eine sauerei ist das!

Re: na wunderbar

.....warum holt man sich das Geld nicht bei den Herrn Pappas, welche laut Presseberichten 450 Mio, dem Hrn. Mirl 80 Mio und den Hrn.Aluta 100 Mio, von den Spaniern für die Alpine kassiert haben. Ist es nicht eine Spezialität der Alpiine Lieferanten mit einer Klage auf die Hälfte des wahren Wertes zu drohen.

Re: Re: na wunderbar

dass wäre die beste Idee aber wenn mann 2006 so blöd war für eine Baubude 560 Mio. zu bezahlen gehört grundsätzlich ja gestraft leider zahlen es wieder die Falschen kann nur gehofft werden dass Geld zum Klagen ausgeht

Sie brauchen nur ein paar Ex-Politiker als Berater..

.. dann gibt's schnell wieder Aufträge -- gegen genügend %%%%

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und die erfolgreichen Unternehmer

sind öffentlichkeitsscheu. Sie kommen in den Schlagzeilen pauschaliert vor: mitgefangen, mitgehangen.

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Gerücht ???

Was heißt fundiertes Gerücht??? Hr. Aluta erzählt jedem der es hören, oder auch nicht, will, dass er einen Plan B hat. Da es ihm nicht gelungen ist die Spanier loszuwerden hat er sich mit 15 Mio. stille Beteiligung bei der Bad Ischler Baufirma Brandl eingekauft. Diese möchte er mit seinem  Know how und Kontakten,in zwei Jahren, auf einen Umsatz von einer Mrd. pushen.

Didi und seine Männer

Das ist kein Gerücht. Jeder weiß es. Die wichtigsten und fähigsten Baumanager der Alpine sind schon lange bei anderen Firmen im Management. Der Rest der Guten hat noch das Weihnachtsgeld/die Abfertigung kassiert und ist auf Sprung in die Aluta Neu. Alutas Personalchef heißt Rettenwander, hat in dessen Auftrag in Salzburg die RHZ gegründet. Dort werden die Alpine Mitarbeiter, welche eine Konkurrenzklausel haben, zwischengeparkt um danach für die Aluta Neu, alias Brandl Bau, tätig zu sein.

da fehlt ein sanierungsmanager

wie gusenbauer

Re: da fehlt ein sanierungsmanager

Gusi war schon dort, ebenso Scheibner( wird im Konkursfall noch spannend)auch der Strasser(demnächst im Häfn). Die Alpine Lobbyisten wie Schaussberger,Löschnak und Co, arbeiten nur und längst schon wieder für Aluta,Porr und Strabag. Bleibt den Spaniern nur Ferrero und der Arbeitlose Graf Ali. Keine guten Aussichten also für die Zukunft.

Re: Re: da fehlt ein sanierungsmanager

Ferrero hat den Job als AR Vorsitzende schon 2012 angelehnt wusste schon dass Unternehmen pleite ist....

entweder zu viel geschmiert..

..oder zu wenig.

Man muss halt die lokalen Bedingungen gut kennen in der korrupten Region CEE.

20 0

spanisches Baugeld

Zuerst haben wir über billige Euro Zinssätze ein krebsgeschwürartiges Bauwachstum in Spanien produziert.

Dann haben die davon profitierenden spanischen Baufirmen sich in Deutschland und Österreich eingekauft.

Dann haben sie erkannt, dass man in entwickelten Märkten, in denen die Margen schon am Sand sind, man keine 15% Ebit erzielen kann.

Und zu guter Letzt sind sie daheim fast Pleite und haben weder das Geld, noch die Managementqualität das bei ihren Auslandsinvestitionen zu verhindern.

Hoffentlich kann sich die FCC die Viertelmilliarde noch leisten.

Bezahlt haben wir das Geld ohnehin schon nach Spanien.

Und vielleicht findet sich für eventuelle kriminelle Profiteure, die es da auch geben soll, noch ein Staatsanwalt.

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