Alpine-Rettung: Die Zeit wird knapp

Ende Februar endet das Stillhalteabkommen mit den Gläubigern. Noch heute sollte eine Einigung erfolgen - doch ein Kreditversicherer legt sich quer.

AlpineRettung koennte Kreditversicherer scheitern
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AlpineRettung koennte Kreditversicherer scheitern
(c) EPA (Peter Kneffel)

Die Zeit wird knapper und knapper. Laufend wird verhandelt. Am Freitag oder wohl spätestens übers Wochenende muss der Sanierungsplan für den Baukonzern Alpine stehen, damit dieser bis zur Deadline am 28. Februar noch formal durchgehen kann. Eine Einigung kann es vorerst nur mit "Gremial-Vorbehalten" einiger Unternehmen geben, die danach noch Vorstand und Aufsichtsrat mit der Entscheidung zu befassen haben. Ende Februar endet das im November vereinbarte Stillhalteabkommen mit den Gläubigern. Es geht um über 200 Millionen Euro, die der angeschlagenen Alpine erlassen werden sollen, um sie vor der Insolvenz zu bewahren. Eine solche wäre die größte Pleite Österreichs seit 2010 (A-Tec) und die vermutlich drittgrößte in der rot-weiß-roten Wirtschaftsgeschichte.

Eine große Kreditversicherung wehrt sich derzeit aber vehement gegen den angestrebten Sanierungsplan. Und zwar "Coface", wie die "Salzburger Nachrichten" berichten. Laut der Zeitung wolle dieser am liebsten aussteigen und habe bisher keinen Willen erkennen lassen, sich an einer Lösung zu beteiligen. Ohne Coface ist die notwendige Mehrheit für den Schuldenerlass nicht zu erreichen. Insgesamt sind 48 Banken und Versicherungen Gläubiger der Alpine. Die Bank Austria und Erste Bank koordinieren die Verhandlungen für die Banken.

Auch Republik ist involviert

Auch die Republik muss gemäß Sanierungsplan auf ein Drittel ihrer Forderungen verzichten. Die Alpine hatte im Rahmen eines "Industriepakets" 2009 Garantien der Republik erhalten, von der laut "Wiener Zeitung" noch 150 Millionen Euro aushaftend sind. Finanzministerin Maria Fekter pocht laut Zeitung aber auf Gutachten der Finanzprokuratur, wonach ein Forderungsverzicht für die Alpine Bau nur im Insolvenzfall möglich sei.

Laut Blatt könne der Bund den Forderungsverzicht auch ohne Insolvenzfall umgehen - das Bundesfinanzgesetz bietet dazu die Möglichkeit, wenn schwerer volkswirtschaftlicher Schaden entstünde.

Staat müsste auf 50 Millionen Euro verzichten

Was sich Baukonzerne wie die Strabag dazu denken, ließ Konzernchef Hans-Peter Haselsteiner zum Jahreswechsel, ohne die Alpine namentlich zu nennen, anklingen: Unternehmen würden, "bevor sie sterben, wild um sich schlagen und die Branche durch Billig-Angebote schädigen". Mit Kampfpreisen hatte sich die Alpine auch zahlreiche Aufträge geholt. Die Republik müsste im derzeit angestrebten Schuldenerlass auf ein Drittel - also 50 Millionen Euro - verzichten. Die Banken auf 173,3 Millionen Euro; ein Drittel der Alpine-Bankverbindlichkeiten von 520 Millionen Euro.

Der Alpine-Eigentümer, FCC aus Spanien, schießt 150 Millionen Euro in seine Tochter, wovon 80 Millionen Euro schon geflossen sind. Der Verkauf von Alpine-Töchtern wie Alpine Energie, Hazet Bau und GPS Underground Engineering soll weitere 200 Millionen Euro einbringen. Soweit der Plan, für den laut "Wiener Zeitung" eine positive Fortführungseinschätzung der Beratungsfirma PwC vorliegen soll. Freilich müssen alle Gläubiger vorerst auf 100 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Baukonzern Alpine

Die Alpine beschäftigt 15.000 Mitarbeiter, davon 7.500 in Österreich.

(APA)

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