Alpine-Rettung: Die Zeit wird knapp

22.02.2013 | 11:55 |   (DiePresse.com)

Ende Februar endet das Stillhalteabkommen mit den Gläubigern. Noch heute sollte eine Einigung erfolgen - doch ein Kreditversicherer legt sich quer.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Die Zeit wird knapper und knapper. Laufend wird verhandelt. Am Freitag oder wohl spätestens übers Wochenende muss der Sanierungsplan für den Baukonzern Alpine stehen, damit dieser bis zur Deadline am 28. Februar noch formal durchgehen kann. Eine Einigung kann es vorerst nur mit "Gremial-Vorbehalten" einiger Unternehmen geben, die danach noch Vorstand und Aufsichtsrat mit der Entscheidung zu befassen haben. Ende Februar endet das im November vereinbarte Stillhalteabkommen mit den Gläubigern. Es geht um über 200 Millionen Euro, die der angeschlagenen Alpine erlassen werden sollen, um sie vor der Insolvenz zu bewahren. Eine solche wäre die größte Pleite Österreichs seit 2010 (A-Tec) und die vermutlich drittgrößte in der rot-weiß-roten Wirtschaftsgeschichte.

Mehr zum Thema:

Eine große Kreditversicherung wehrt sich derzeit aber vehement gegen den angestrebten Sanierungsplan. Und zwar "Coface", wie die "Salzburger Nachrichten" berichten. Laut der Zeitung wolle dieser am liebsten aussteigen und habe bisher keinen Willen erkennen lassen, sich an einer Lösung zu beteiligen. Ohne Coface ist die notwendige Mehrheit für den Schuldenerlass nicht zu erreichen. Insgesamt sind 48 Banken und Versicherungen Gläubiger der Alpine. Die Bank Austria und Erste Bank koordinieren die Verhandlungen für die Banken.

Auch Republik ist involviert

Auch die Republik muss gemäß Sanierungsplan auf ein Drittel ihrer Forderungen verzichten. Die Alpine hatte im Rahmen eines "Industriepakets" 2009 Garantien der Republik erhalten, von der laut "Wiener Zeitung" noch 150 Millionen Euro aushaftend sind. Finanzministerin Maria Fekter pocht laut Zeitung aber auf Gutachten der Finanzprokuratur, wonach ein Forderungsverzicht für die Alpine Bau nur im Insolvenzfall möglich sei.

Laut Blatt könne der Bund den Forderungsverzicht auch ohne Insolvenzfall umgehen - das Bundesfinanzgesetz bietet dazu die Möglichkeit, wenn schwerer volkswirtschaftlicher Schaden entstünde.

Staat müsste auf 50 Millionen Euro verzichten

Was sich Baukonzerne wie die Strabag dazu denken, ließ Konzernchef Hans-Peter Haselsteiner zum Jahreswechsel, ohne die Alpine namentlich zu nennen, anklingen: Unternehmen würden, "bevor sie sterben, wild um sich schlagen und die Branche durch Billig-Angebote schädigen". Mit Kampfpreisen hatte sich die Alpine auch zahlreiche Aufträge geholt. Die Republik müsste im derzeit angestrebten Schuldenerlass auf ein Drittel - also 50 Millionen Euro - verzichten. Die Banken auf 173,3 Millionen Euro; ein Drittel der Alpine-Bankverbindlichkeiten von 520 Millionen Euro.

Der Alpine-Eigentümer, FCC aus Spanien, schießt 150 Millionen Euro in seine Tochter, wovon 80 Millionen Euro schon geflossen sind. Der Verkauf von Alpine-Töchtern wie Alpine Energie, Hazet Bau und GPS Underground Engineering soll weitere 200 Millionen Euro einbringen. Soweit der Plan, für den laut "Wiener Zeitung" eine positive Fortführungseinschätzung der Beratungsfirma PwC vorliegen soll. Freilich müssen alle Gläubiger vorerst auf 100 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Baukonzern Alpine
Die Alpine beschäftigt 15.000 Mitarbeiter, davon 7.500 in Österreich.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • Alpine: Der spanische Patient

    Bild: (c) Dapd (Ronald Zak) Der Baukonzern Alpine kämpft ums Überleben. Die Banken werden wohl auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten müssen. Fraglich ist allerdings, ob das Unternehmen in spanischer Hand bleiben wird.

  • Banken wollen Alpine-Pleite vermeiden

    Bild: (c) APA BARBARA GINDL (BARBARA GINDL) Die finanzierenden Banken bezeichnen das Restrukturierungskonzept als "betriebswirtschaftlich sinnvoll" und stellen einen Forderungsverzicht in Aussicht.

Mehr aus dem Web

12 Kommentare

Schickt die Alpine in den "wohlverdienten" Konkurs!

alles andere macht die Sache nur noch schlimmer.


Die dauernde Retterei macht alles noch viel kaputter!

Insolvenzen sind die Medizin zur Heilung der Märkte und zur Heilung von Unternehmen. Die gute Teile von Unternehmen, welche die Gesellschaft auch brauchen kann, die werden ja meist wieder in Funkion gesetzt.

In Europa scheint aber bei den Verantwortlichen überhaupt kein Verständnis dafür vorhanden zu sein (bei Banken ganz krass!) und daher werden die Märkte samt den meisten Unternehmen immer kaputter.

Es scheint auch so zu sein, dass diese Krankheit, die Nichtinsolvenzkrankheit, ein wesentlicher Baustein beim Niedergang der Wirtschaft in Europa ist.

Vermutlich sind die Retter aber im Glauben was Gutes zu machen und fühlen sich dann als Gutmenschen. Der Schaden ist aber enorm, wird auch nicht erkannt, weil den die Anderen haben.

Aluta

... Soll einzahlen,hat er doch für die Leiche Alpine rund 100 Mio von den Spaniern kassiert. Wenn die Alpine in die Luft fliegt, hat auch die STA und die Korruptions STA wieder genug zu tun. Dann kommen einige Schmierungen ans Tageslicht.

Dieser


Dieser


Dieser


Dieser


Dieser


Blöd hoch 2

Nicht nur für die Steuerzahler da werden alle Ihr Fett wegkriegen:
Die Banken, die arbeitslos werdenden, die Zulieferer und Subunternehmer, die Bauträger, der Wettbewerb (außer irgendwer glaubt den Schwachsinn Haselsteiners), die laufenden Projekte die dem Gemeinwohl dienen, unsere Wirtschaft allgemein, ja auch der Steuerzahler, und auch unsere Politiker. Ich möchte keinem arbeitslos gewordenen Arbeiter (und das werden nicht nur 7500 in Österreich sein) der sene Kredite nicht mehr bedienen kann erklären, warum ich Milliarden an Haftungen im Ausland übernehme, oder für Sinnlosigkeiten Geld verpulvere, und hier nichts drin war...aber wir wählen ja eh heuer...gell liebste Schotter Mizzi

aber

geh, die wird ja ohnhin um 0,7 im reichsten Land wachsen.

blöd für die steuerzahler so oder so


Die Marktwirtschaft funktioniert nicht,

wenn das öffentliche Interesse nur die Erfolgreichen be(tr)achtet. Zu den vielen Reichen kommen ebenso viele Verlierer. Wie beim Sport, wo es nicht nur das Treppchen gibt.

Umfrage

AnmeldenAnmelden