Rekordjahr: VW erwirtschaftet gleich viel wie Finnland

22.02.2013 | 17:59 |   (DiePresse.com)

Der deutsche Autobauer machte im Vorjahr fast 22 Mrd. Euro Gewinn und fast 200 Mrd. Umsatz. Mit der Rekordfahrt dürfte es aber nicht weitergehen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Fast 22 Milliarden Euro Gewinn: Volkswagen hat im abgelaufenen Jahr soviel verdient wie nie zuvor ein deutsches Unternehmen. Selbst die Euro-Krise, unter der die gesamte Konkurrenz von Opel über Ford und Fiat bis Peugeot ächzt, bremste den Zwölf-Marken-Konzern aus Wolfsburg kaum. Trotz heftiger Preiskämpfe in Westeuropa, Milliardeninvestitionen in das neue Baukastensystem und der Eingliederung der Marken Porsche und MAN stieg allein der Betriebsgewinn 2012 ersten Berechnungen zufolge um zwei Prozent auf 11,5 Milliarden Euro, wie VW am Freitag mitteilte. Etwa soviel hatten Analysten erwartet.

Mehr zum Thema:

Der Konzernumsatz kletterte zugleich um mehr als ein Fünftel auf 192 Milliarden Euro, das entspricht der Wirtschaftskraft Finnlands. Der Anstieg resultierte zu einem beträchtlichen Teil aus der Übernahme von Porsche und des Münchner Lkw-Bauers MAN. Die Barmittel sanken nach der vollständigen Übernahme von Porsche, dem Kauf des italienischen Motorradherstellers Ducati und der Anteilsaufstockung bei MAN auf 10,6 Mrd. Euro, womit VW immer noch über ein vergleichsweise dickes Polster verfügt.

"Wirtschaftliches Umfeld schwieriger"

"Das wirtschaftliche Umfeld für unser Geschäft ist im Jahresverlauf deutlich schwieriger geworden. Dennoch ist es uns gelungen, die selbstgesteckten Ziele für das Jahr 2012 zu erreichen", sagte Konzernchef Martin Winterkorn. Der Überschuss schnellte wegen Sondereffekten aus der Porsche-Übernahme um fast 40 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. 12,3 Milliarden Euro davon stammen aus Neubewertungen im Zusammenhang mit der vollständigen Übernahme des Porsche-Sportwagengeschäfts, stehen also nur auf dem Papier. Schon im vorangegangenen Jahr hatte Volkswagen aufgrund von Bilanzeffekten aus der geplatzten Fusion mit der Porsche Holding SE unter dem Strich mit knapp 16 Milliarden Euro soviel verdient wie kein deutsches Unternehmen zuvor.

Den VW-Aktionären und der Belegschaft winken angesichts des Rekordgewinns abermals höhere Beteiligungen. Die Dividende soll um 50 Cent auf 3,50 Euro je Stamm- und 2,56 Euro je Vorzugsaktie angehoben werden. Analysten hatten im Schnitt mit 35 Cent mehr für die Stammaktien gerechnet. Das schickte die Aktie auf Talfahrt.

"Die Dividende ist nicht der Knaller", sagte Jürgen Pieper, Autoanalyst von Metzler. Den Kursrückgang der im Dax gelisteten Vorzugsaktie um mehr als sechs Prozent nannte Pieper überzogen. "Die Erfolgsstory von VW ist mit diesen Zahlen nicht zu Ende." Ähnlich sah es SEB-Fondsmanager Jürgen Meyer: "Ich kann kein Haar in der Suppe erkennen." Die 'magere' Dividende sei vor dem Hintergrund der Übernahme von MAN, der Porsche AG und Ducati zu sehen - "das will schließlich auch bezahlt werden".

Weniger Gehalt für Winterkorn

Wegen des rasanten Gewinnanstiegs beschloss der Aufsichtsrat am Freitag ein neues Vergütungssystem, um den Gehaltsanstieg des Managements zu bremsen. Konzernchef Martin Winterkorn erhält nun rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten. Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten - wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente. Auch mit über 14 Millionen ist Winterkorn der am besten bezahlte Vorstandschef in Europa.

Mit der Rekordfahrt dürfte es allerdings nicht so weitergehen. "Auch wir können uns dem harten Wettbewerb und der tiefgreifenden Krise in wichtigen europäischen Märkten nicht ganz entziehen", erklärte Winterkorn. Dennoch will Volkswagen auch im laufenden Jahr besser abschneiden als die Konkurrenz. Auslieferungen und Umsatz sollen den Vorjahreswert übertreffen. Beim operativen Ergebnis rechnet der Vorstand indes mit einem weiteren Jahr Stagnation.

Auslieferungen in Europa brechen ein

Im Jänner hatte VW die Krise in Südeuropa bereits stärker zu spüren bekommen, die Auslieferungen in Westeuropa (ohne Deutschland) sanken um 12,3 Prozent. Dank des starken Geschäfts in Amerika und eines Sondereffekts in China schlug der Konzern rund um den Globus allerdings 17,4 Prozent mehr Fahrzeuge los als vor einem Jahr. 2012 hatte die starke Nachfrage in den USA und China dazu beigetragen, dass VW weltweit erstmals mehr als 9 Millionen Fahrzeuge verkaufte. Damit kamen die Wolfsburger ihrem Ziel von mehr als 10 Millionen Autos einen großen Schritt näher, das sie bis 2018 erreichen wollen.

(APA/Reuters)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • Europäischer Automarkt bricht ein

    Symbolbild Pkw-Verkäufe / Bild:  c REUTERS HEINZ PETER BADER Der Autoherstellerverband ACEA verzeichnet im Jänner die wenigsten Neuzulassungen seit Beginn seiner Aufzeichnungen. Nur in Großbritannien gab es ein Wachstum.

Mehr aus dem Web

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

Umfrage

AnmeldenAnmelden