Hundstorfer: Mehr Urlaub, weniger Überstunden

22.03.2013 | 17:19 |   (Die Presse)

Sozialminister Rudolf Hundstorfer will, dass mehr Arbeitnehmer Anspruch auf sechs bezahlte Urlaubswochen bekommen. Die Arbeitgebervertreter halten davon wenig: Das mache Beschäftigung unattraktiv.

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Wien/hie. 25 Tage Urlaub: Das ist zwar im internationalen Vergleich relativ viel. Aber, wenn es nach der Gewerkschaft und der SPÖ geht, noch nicht genug. Einer Erhöhung des jährlichen Urlaubsanspruchs von fünf auf sechs Wochen stehe er „positiv“ gegenüber, sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten. „Die traditionellen Karrieren werden weniger. Es ist kaum jemand noch 25 Jahre lang bei der gleichen Firma beschäftigt“, so Hundstorfer.

Diese 25 Jahre beim gleichen Unternehmen brauchen Arbeitnehmer aber, damit ihr Urlaubsanspruch auf 30 Tage im Jahr steigt. Man kann sich Vordienstzeiten aus anderen Dienstverhältnissen anrechnen lassen, aber maximal fünf Jahre. Auch Schul- und Studienzeiten können bis zu insgesamt neun Jahren angerechnet werden, wobei die Pflichtschuljahre nicht zählen und das Studium nur dann, wenn es erfolgreich beendet worden ist. Die Gewerkschaft will diese Regel aufweichen, damit die sechste Urlaubswoche leichter erreicht werden kann.

Wie auch Hundstorfer: Denn Menschen, die den Arbeitgeber wechseln, hätten nicht weniger Belastung als jene, die 25 Jahre bei der gleichen Firma seien, so der Sozialminister. Im Jahr 2011 hatten 21 Prozent der ab 46-Jährigen die 25-Jahre-Grenze erreicht, ab der es eine sechste Urlaubswoche gibt. Von den ab 60-Jährigen war es ein Drittel.

Bei den Arbeitgebervertretern stößt er mit seinem Ansinnen auf wenig Verständnis. „Wir wollen keine Ausweitung der Nichtleistungszeiten“, sagt Rolf Gleißner, Referent für Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer Österreich. Mehr bezahlter Urlaub erhöhe die Lohnkosten und mache die Beschäftigung von Menschen weniger attraktiv.

Österreich: 38 bezahlte freie Tage

Das Argument, dass immer weniger Menschen die 30 Urlaubstage erreichen würden, weist er zurück. Er glaube, „es sind mehr als früher“, weil der Anteil der älteren Menschen in den Belegschaften steige und damit auch der Anteil der Menschen, die Anspruch auf eine sechste Urlaubswoche haben. Österreich liegt mit seinem Urlaubsanspruch in der internationalen Statistik relativ weit oben. Zählt man die gesetzlichen Feiertage dazu, gab es im Jahr 2009 38 bezahlte freie Tage, wie aus einer Studie der Beratungsfirma Mercer hervorgeht. Schlusslicht ist China, wo Arbeitnehmer Anspruch auf fünf bezahlte Urlaubstage haben. Inklusive Feiertage sind es 21.

Auch in einem zweiten Punkt sprach sich Hundstorfer für weniger Arbeit für den Einzelnen aus: Er will die Überstunden reduzieren und so die Beschäftigung erhöhen. In Österreich würden jährlich 300 Millionen Überstunden geleistet, verteilt auf 700.000 Menschen. Was es sonst noch an Zeitguthaben und individuellen Regelungen in den Betrieben gebe, wisse man nicht genau. Schon 50 Millionen Überstunden weniger wären ein Schritt, so Hundstorfer.

Sein Gegenüber hält davon wenig: Der Abbau von Überstunden habe in der Krise als Arbeitszeitpuffer Arbeitsplätze gerettet, so die Position von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Statt Überstunden zu kritisieren, solle man lieber auf flexible Arbeitszeitmodelle setzen, damit die Wirtschaft flexibel auf Auftragsschwankungen reagieren könne.

Auf einen Blick
Arbeitnehmer in Österreich haben in der Regel Anspruch auf fünf Wochen bezahlten Urlaub. Der Anspruch steigt auf sechs Wochen, wenn man länger als 25 Jahre beim selben Arbeitgeber beschäftigt ist. Vordienstzeiten können teilweise angerechnet werden. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) will, dass die sechste Urlaubswoche leichter erreichbar wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

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44 Kommentare
 
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27 Millionen Euro. "Die bezahle ich gern", sagte Hundstorfer dazu.

na dann, her mit dem Geld, welches der für all das Nichtstun zuviel verdient !!!

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Im Sommer weniger Arbeiten?

Was sagt Ihr dazu: "Wer im Winter mehr arbeitet, muss während der Sommerzeit nur von Montag bis Donnerstag Arbeit leisten. Bei weniger Arbeit bleibt die Bezahlung gleich"? http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/weniger-arbeit-gleicher-lohn/

6 & 2,5 = 8,5 Wochen - wer macht dann die Arbeit!

6 Wochen Urlaub und 2,5 Wochen durchschnittlicher Krankenstand: da wird der Chef seine Leute kaum noch zu Gesicht bekommen und die Produktion nach Asien auslagern müssen. Und unser Beamtenstaat geht Pleite wie Zypern!

urlaubsanspruch

typisch spö, das ist schon wahlprobaganta

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Die Überstunden aus den "All-inclusive Verträgen" gehören endlich abgeschafft

Hier werden Gratis-Überstunden ohne Ende geleistet. Der offizielle Vorwand dafür lautet diese wären mit dem Gehalt abgegolten was in der Praxis eher selten stimmt. Wenn man solchen Verträgen nicht zustimmt bekommt man den Job nicht oder wird gefeuert. Hier werden die Arbeitnehmer massiv und schon jahrelang unter Druck gesetzt.

Nirgends auf dem Erdball gibt es eine so hoche Dichte an sogenannten Arbeitnehmervertretern wie in Österreich!

Arbeitnehmern in Österreich geht es daher besonders gut!

10 Sozialminister (Einer im Bund und 9 in den Ländern)
10 Arbeitsminister
10 Arbeiterkammern
10 FrauenminsiterInnen
10 ÖGB´s und weil das noch immer zu wenig ist, auch noch viele Fachgewerkschaften, jede wieder mal 10
in vielen Betreiben Betriebsräte
usw., usw.,

Das Ergebnis verwundert:
Lt. UBS sind nirgends in der Eurozone die Einkommen so stark gesunken wie in Österreich.

Österreich - 40%
Griechenland +42%
Frankreich +30%
usw.

Hundstorfer...

Hundstorfer... ist das nicht der, der eine Garantieübernahme nicht von einer Anwesenheitsliste unterscheiden kann?? Also SO eine "Leuchte" haben wir als "Arbeitsminister" oder besser gesagt: "Nicht-Arbeitsminister" ? Na da wundert mi nix mehr!

Re: Hundstorfer...

"Ein Arbeitsminister" ist bei der größten und teuersten Regierung aller Zeiten viel zu wenig!

Hundstorfer ist "nur" Sozialminister, den Arbeitsminister stellt die ÖVP und der heißt Mitterlehner.

Re: Re: Hundstorfer...

Nur zu Ihrer Information,
Rudolf Hundstorfer ist Minister für: Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz.
Reinhold Mitterlehner ist Minister für: Wirtschaft, Familie und Jugend.
Somit ergibt sich dass Hundstofer Arbeitsminister ist und nicht Mitterlehner.

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Sorgen hams,

die Regierenden! Als obs einen Mangel an Urlaub gäbe in diesem Rekordstaat der Frühpensionisten.

Re: Sorgen hams,

Das können sie ab Montag sofort verwirklichen!

Überall beim Staat wo im Firmenemblem "Rot" drauf steht, ist SPÖ drinnen.

Einige Beispiele: ÖBB, ORF, Krankenkassen, ÖGB, Arbeiterkammern, Gem. Wien usw.

In diesen Betrieben gibt es keine "reaktionären Kräfte" die einen Fortschritt verhindern. Überall dort kann die SPÖ ihre Parteigünstlinge mit 6 Wochen Mindesturlaub verwöhnen.

Re: Re: Sorgen hams,

diesen Minister könnten wir gleich einsparen

Re: Re: Re: Sorgen hams,

Und mit ihm die 9 Bundesländer samt den 99* BH´s ebenfalls.

Seit der Kaiserzeit gilt: "Jeder Staatsbürger muss an einem Tag mit dem Ochsenkarren die öffentliche Verwaltung erreichen können". Daher haben wir heute, im Computerzeitalter noch immer 99 BH´s.

Das darf man auch nicht vergessen:

Österreich hat weltweit die höchste Dichte an Arbeitnehmervertretern!

10 Arbeitsminister (im Bund und Ländern)
10 Sozialminister
10 FrauenministerInnen
10 Arbeiterkammern
10 ÖGB´s und weil das noch immer zu wenig ist, auch noch viele Fachgewerkschaften, jede wieder mal 10.....

Nirgends in der Eurozone sind die Einkommen (lt. UBS) so stark gesunken (minus 40%) wie in Österreich.

Wahlkampf ist ...

Und mit den KMUs kann mans ja machen, die haben eh keine g'scheite Interessensvertretung, genauso wie die Ärzte! Es macht langsam keinen Spass mehr, in Österreich ein Kleinunternehmen zu haben und Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen!

Re: Wahlkampf ist ...

Daß ein Kleinunternehmen keinen Spaß mehr macht, das stimmt. Aber auch kein Mittelbetrieb. Wieviel Urlaub haben wir? Eine Woche? Zwei Wochen? Leider sind ein Teil der Angestellten bezahlte Feinde. Ich wollte immer eine große Familie. Es ist mir nicht gelungen.

Im Parlament sitzen überwiegend Beamte

Daher werden Gesetze immer wieder beamtenfreundlich geschaffen.

Zuletzt die Bildungskarenz. (Oder glaubt jemand in einem Privatbetrieb kann man so etwas praktizieren?)

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Hundstorfer für mehr Urlaub! Wahlkampf 13

Wie wäre es stattdessen die Lohnnebenkosten zu senken damit der Nettolohn etwas steigen könnte und sich die Leute, die arbeiten, auch mehr leisten bzw. sparen könnten?

Wie soll das möglich sein?

Österreich hat eine der höchsten Steuerquoten weltweit! Arbeit ist mit über 60% besteuert!!!

In Österreich wird JEDE Funktion mind. 10 fach besetzt und verwaltet! (Einmal im Bund und 9x mit gleichen Aufgaben in den Ländern).

Jedes Jahr kommen zig1000e Seiten neuer Gesetze und Vorschriften dazu. Die müssen verwaltet und kontrolliert werden. Dazu sind immer mehr Leute in der Verwaltung erforderlich.

Leute ohne Parteibuch (meist in der Privatwirtschaft beschäftigt) müssen daher immer neue, noch höhere Steuern bezahlen um das alles zu finanzieren.

Parteigünstlinge von SPÖ+ÖVP werden lebenslang mit hochbezahlten Jobs versorgt. Das muss jemand bezahlen!

Ein Beispiel: Nicht bei der Verwaltung der 20 verschiedenen Krankenkassen sondern bei den Patienten - billigere Hüftgelenke - wird gespart.

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Re: Wie soll das möglich sein?

Realität in Österreich, leider!

Jeder der arbeitet muss für die Parteibonzen und Bürokratenkaste drauf zahlen!

Darum

(X) Jemand Anderer

Ein toller Vorschlag!

Das kann die SPÖ in ihren staatlichen Bereichen (wie ÖBB, ORF, Krankenkassen, ÖGB, AK, Nationalbank, BFI, Gemeinde Wien usw.) sofort umsetzen.

SPÖ+ÖVP haben sich den gesamten Staat untereinander im Proporz aufgeteilt. Arm und arbeitslos werden nur Leute in der Privatwirtschaft (ohne Parteibuch). Das erinnert mich an Nordkorea, China oder Kuba.....


Leitungspfropfen?

Meinen Beitrag habe ich gestern kurz nach 23:00 abgesandt. Bei mehrmaliger Prüfung seither war der Beitrag nicht gelistet. Nach neuerlichem Senden scheint er plötzlich doppelt auf, allerdings um einen Halbtag später. Ich hatte nicht die Absicht, Leserinnen und Leser zu langweilen. Sorry!

Seltsam!

Wir haben einen Arbeitsminister, der dafür sorgen will, dass weniger gearbeitet wird. Ein Affront als Wahlwerbegag. So etwas geht nur mehr in Österreich 'rein, weil uns Wählerinnen und Wähler einige Politiker ungestraft für lauter Narren halten.
Bisher waren des Arbeitsministers Aktionen fein gesponnen und durchaus hinterfotzig, jetzt werden sie sichtlich kriminell.
Zum Beweis: man lese die relativ seltenen, fein geschmirgelten und Oberflächen-behandelten Pressemeldungen seines Ressorts in dieser Legislaturperiode nach dem Motto "nur kaan Wirbel!". Augen auf! Da kommt es noch dicker, weil die Kuschelachse zwischen Wirtschafts- und Arbeitsminister ganz schön ramponiert ist!

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... weniger viel Hundstorfer bitte! Das ist auch einer der ausser Teuer sein auch gar nichts kann!

Ah, doch! Da fällt mir doch was ein! Er kann antidemokratisch Abstimmungsempfehlungen abgeben! So wie an die junge SPÖ: " Sagt´s den alten, dass sie lieber zu Hause bleiben bevor sie für die Wehrpflicht stimmen..." Nach seiner Darstellung war das ein Witz! In jedem anderen Land hätte das zu einem Verfahren mit Ausschluss geführt!

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wettbewerbsfähigkeit

ist für hundsdorfer ein fremdwort, ist er doch sein leben lang in der geschützten werkstatt magistrat wien aufgewachsen.


17 1

Good bye Wettbewerbsfähigkeit!

Eine weitere Ausdehnung der Nichtarbeitszeiten ist ganz klar abzulehnen! Arbeitgeber bezahlen Urlaub, Krankenstand, Pflegeurlaub (mittlerweile auch für entfernte Verwandte), Kuraufenthalte, Arztzeiten etc. etc. und durch die Einführung des 6 Wochen Durchrechnungszeitraumes dies auch noch erhöht. Die Kosten müssen aufs Produkt umgelegt werden und Österreich wird im internationalen Vergleich immer weniger wettbewerbsfähig. Das widerspricht dem jährlichen Herbstmärchen der Arbeitnehmervertreter bei den Lohnverhandlungen, dass die Produktivität stetig steigt, was die neuliche Studie der WKO OÖ widerlegt. Um die Nichtleistungszeiten im Unternehmen gering zu halten, konzentriert man die Arbeit auf weniger Mitarbeiter, sprich Überstunden. Hundsdorfer ist ein echter Theoretiker und Realitätsverweigerer. Good Bye österreichischer Produktionsstandort!

 
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