GmbH neu: Gründen wird einfacher und billiger

22.03.2013 | 17:58 |  Von Eva Steindorfer (Die Presse)

Gesetzesnovell: Gründer brauchen künftig weniger Stammkapital, zahlen weniger Steuern und haben keine Veröffentlichungspflicht mehr.

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Wien. Firmengründer zu werden wird in Zukunft einfacher. Wer für sein Unternehmen die Rechtsform „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (GmbH) wählt, muss bald deutlich weniger Geld in die Hand nehmen. Justizministerin Beatrix Karl und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (beide ÖVP) legten am Freitag den Gesetzesentwurf vor, der voraussichtlich mit 1. Juli in Kraft treten wird.

Dieser sieht vier Neuerungen vor: Der größte Brocken ist die Senkung des Mindeststammkapitals, das ein GmbH-Gründer aufbringen muss, von 35.000 auf 10.000 Euro (in bar einzuzahlen sind 5000 Euro). Dadurch wird auch weniger Mindestkörperschaftsteuer (KöSt) fällig, nämlich statt 1750 Euro nur noch 500 Euro im Jahr (die dadurch entstehenden Ausfälle im Budget, die ab 2014 wirksam werden, sollen bis 2017 kumuliert 180 Mio. Euro betragen). Auch die Notariats- und Rechtsanwaltskosten, die bei einer Gründung anfallen, werden um rund 50 Prozent gesenkt.

Als vierte und letzte Neuerung fällt künftig die Veröffentlichungspflicht im Amtsblatt der „Wiener Zeitung“ weg, die laut Angaben des Geschäftsführers, Karl Schiessl, im Schnitt 70 Euro betragen. Dadurch gehen der Wiener Zeitung jährlich zwischen 500.000 und 700.000 Euro durch die Lappen, schätzt Schiessl.

GmbH soll populärer werden

Die Bestimmungen für die GmbH neu gelten nicht nur für Neugründer, sondern auch rückwirkend für alle bestehenden GmbH. Mit dieser Gesetzesnovelle nähert sich Österreich dem EU-Schnitt für das vorgeschriebene Mindestkapital einer GmbH (8000 Euro) an.

In den letzten Jahren haben sich immer weniger österreichische Unternehmensgründer für die GmbH entschieden (siehe Grafik), obwohl das unternehmerische Risiko deutlich geringer ist als etwa bei den Ein-Personen-Unternehmen (EPU). Während bei den EPU der Gründer/Eigentümer das ganze Risiko trägt, haftet der Unternehmer bei einer GmbH im Konkursfall nur mit seinem Stammkapital. Üblich sei die GmbH vor allem in risikoreichen Branchen wie der Baubranche, aber auch im Immobilienwesen und in der Güterbeförderung, sagt WKO-Sprecher Martin Sattler.

Abgeschreckt waren Gründer bisher nicht nur vom hohen Startkapital, sondern auch vom administrativen Aufwand. Die neue GmbH soll deshalb nicht nur weniger kosten, sondern die Gründung auch beschleunigen.

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Kreditschützer schlagen Alarm

Bedenken der Kreditschützer, dass das unternehmerische Risiko damit auf die Gläubiger ausgelagert werde, will Justizministerin Beatrix Karl nicht gelten lassen: „Die Seriosität der österreichischen GmbH bleibt weiterhin erhalten.“

GmbH müssten auch künftig einen jährlichen Jahresabschluss und die Eintragung ins Firmenbuch vornehmen. Anders sieht das KSV-Leiter Hans-Georg Kantner. Den Gründern werde signalisiert, dass ein Unternehmen kein Eigenkapital brauche. „Das neue Gesetz wirkt für die GmbH wie ein Diskontstempel.“ Es sei ein Scheinargument, dass man Unternehmern damit aus der Kreditklemme helfe.

SPÖ will deutsches Modell

SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter hält das deutsche Modell der Mini-GmbH für besser. Dieses gleicht das fehlende Startkapital dadurch aus, dass der GmbH-Gründer jährlich 25 Prozent des Gewinns zurücklegen muss, bis er auf ein Eigenkapital von 25.000 Euro kommt.

„Damit wird verhindert, dass Unternehmen auf Dauer unterkapitalisiert bleiben.“ Schließlich habe niemand etwas davon, wenn mehr gegründet werde, dafür aber die Insolvenzen ansteigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

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37 Kommentare
 
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Schon der erste Satz ist falsch.

Denn es wird nicht einfacher ein Unternehmen zu gründen. Auch ein EPU ist ein Unternehmen und das hat schon genügend Hürden (Gewerberecht). Es wird nur einfacher und ein bissl billiger eine GmbH zu gründen. Dafür muss ich jährlich einen Jahresabschluss machen und bin nicht so flexibel wenn's mal nicht so läuft.

was bringts?

Will der Unternehmer einen Kredit muss er Sicherheiten vorlegen. Und das wird wohl wieder das Privatvermögen sein. Also wieder volle Haftung beim Unternehmer.

Wiener Zeitung

Bitte um eine Facebookgruppe zur Rettung der Wiener Zeitung!!!

Re: Wiener Zeitung


Die SPÖler sollen sich ihre Zeitung selber retten!

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Re: Re: Wiener Zeitung

Das haben die schon lange gemacht ,wenn der Chefredakteur nicht auf Linie ist wird er eben durch einen ""Teamfähigen""" ersetzt.
Die SPÖ braucht schon lange keine Arbeiterzeitung mehr hat man doch die Krone.Österreich und Heute die mit bezahlten Inseraten (auf Steuerzahlers Kosten) den Lesern den gewünschten Roten Sand in die Augen streuen.

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Re: Re: Wiener Zeitung

Das haben die schon lange gemacht ,wenn der Chefredakteur nicht auf Linie ist wird er eben durch einen ""Teamfähigen""" ersetzt.
Die SPÖ braucht schon lange keine Arbeiterzeitung mehr hat man doch die Krone.Österreich und Heute die mit bezahlten Inseraten (auf Steuerzahlers Kosten) den Lesern den gewünschten Roten Sand in die Augen streuen.

Wiener Zeitung

Bitte um eine Facebookgruppe "Rettet die Wiener Zeitung!" - die haben doch tatsächlich eine Presseaussendung verschickt, dass ihnen in Zukunft Umsatz entgehen wird...

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Murks bleibt Murks, ein Leitl macht noch keinen Aufschwung.

nun kann man endlich mit einem gebrauchten Mittelklassewagen eine GmbH gründen. Was sind da eigentlich für Geistesgrössen am Werk ? Da kann man ja gleich jede Haftung ausschliessen.

Re: Murks bleibt Murks, ein Leitl macht noch keinen Aufschwung.


Ihnen sind die Einzelunternehmer, die mit ihrem Privatvermögen haften wohl lieber...

Ein Scheitern ist ja nichts böses!

Besonders bei den österreichischen Rahmenbedingungen!!!

Sie wollen also diese Leute wie bisher in den Privatkonkurs schicken, weil das ist die derzeitige Konsequenz!

Viele können sich den Privatkonkurs aufgrund der Höhe auch gar nicht leisten und fallen dann überhaupt aus, weil sicher niemand arbeitet wenn alles weggepfändet wird!

Eine GmbH verhindert wenigstens den totalen sozialen Absturz!

Deshalb sollte der Zugang zur GmbH noch weiter erleichtert werden!


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Murks bleibt Murks, ein Leitl macht noch keinen Aufschwung.

nun kann man endlich mit einem gebrauchten Mittelklassewagen eine GmbH gründen. Was sind da eigentlich für Geistesgrössen am Werk ? Da kann man ja gleich jede Haftung ausschliessen.

Ganz toll

Es wird damit noch schwieriger, die seriösen Firmen von den schwarzen Schafen zu unterscheiden......

Re: Ganz toll


Aha, eine seriöse Firma ist eine Firma, die vom Staat abgezockt wird, Ihrer Logik nach?


Re: Re: Ganz toll

Machen sie sich einmal im Baugewerbe kundigt. Dann wissen sie was ich meine.

Re: Re: Re: Ganz toll


Das ist hauptsächlich ein Teil desAusländerproblems!

Wegen der vielen Scheinselbständigen!

Durch eine einfachere GmbH-Gründung wird sich da nicht viel ändern, weil es ja schon bisher keine österreichische GmbH sein muß um in Österreich zu arbeiten!

Der Hebel gehört da woanders angesetzt!


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Jetzt "nur" noch die Kammer-Zwangsmitgliedschaft abschaffen ...

... dann fängt es an, Sinn zu machen

Wiedermal so ein "experte" - im Luftblasen

"Es sei nicht leicht, Eigenkapital zu generieren, wenn die Firma laufe, das müsse man sich vorher überlegen, schilderte Kantner." - Der hat aber keine Ahnung, naja ein "typischer Experte" in Österreich... Dass man nämlich Rücklagen etc in Kapitalrücklagen und EK umwandeln kann, davon hat der nämlich sicher "noch NIEEEE was gehört" - Vollpfosten!

Ein EUR ist noch zu viel für die sozialistische demokratische Volksrepublik Ösistan

Jeder vernünftige Unternehmer, der nicht betriebsbedingt seine GmbH in Österreich braucht würde auch mit einer erforderlichen Einlage von nur einem EUR keine Firma im sozialistischen demokratischen Volksrepublik Ösistan gründen.

Die Einlage ist immerhin nur der Beginn vom Wahnsinn - die Kammern, Krankenkassen, Funktionäre und Hochsteuern folgen dann gratis.

Der Schärdinger

Nach einem Jahr ist zu lesen, wir haben zigtausend neue Firmengründungen.
Leitl juhu, !
Keiner zahlt Abgaben, bis sich das Rad nicht mehr dreht, Konkurs, die Fa. auf die Schwester angemeldet, Konkurs, nach zwei Jahren, auf den Bruder angemeldet, usw. und sofort.
Das sind die Firmenneugründungen, .......

0 1

dieser Murks soll was bewirken ? Frau Karl, gibt es eigentlch irgendwas ,wovon Sie was verstehen ? Von der Materie sicher nicht.


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dieser Murks soll was bewirken ? Frau Karl, gibt es eigentlch irgendwas ,wovon Sie was verstehen ? Von der Materie sicher nicht.


"Wir haben lange genug gewartet.“, sagte Leitl.


seit 2008 ist uns diese reform versprochen - oftmals wurde sie inzwischen als "großer erfolg" verkauft.

der "reformeifer" dieser spö/övp-regierung könnte nicht besser bewiesen werden: mühsam, langsam, wenn überhaupt - zu spät.

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Mehr Selbständige braucht das Land

Bei uns in der Lerchenfelderstrasse sperren zum Großteil die 1 bis max 3 Jahre vorher eröffneten Geschäfte wieder zu ,daher gibt es immer Abwechslung und natürlich viele Gläubiger.

Re: Mehr Selbständige braucht das Land

naja.. schauen sie sich diese geschäfte mal an. entweder ausdruckstänzer-ein bis zwei mann-betriebe oder callshops.

Re: Mehr Selbständige braucht das Land


Bei den Kosten, kein Wunder!

Die werden ja leider nicht gesenkt, der GF muß weiterhin zumindest halbtags beschäftigt sein, usw.!

Die Briten machen das richtig!

Die Zwangssozialversicherung hätten sie zumindest abschaffen können!

In der BRD leben sie sehr gut damit, dor gibt es auch keine Zwangskammermitgliedschaft!


Die GmbH haftet

mit ihrem gesamten Vermögen. Die Gesellschafter haften für die GmbH nur mit ihrer Einlage.Meist gibt es aber im Konkursfall nicht viel Vermögen.

Deshalb bekommen nur die Gesellschafter besicherte Kredite. Und die haften mit ihrem gesamten Privatvermögen.

Es wird daher keinen GmbH-Boom geben.
Weil mit 10.000 Euro Eigenkapital kann man kein Unternehmen aufbauen. Und wer so wenig Geld hat, bekommt persönlich keines von der Bank, weder der Gesellschafter (als Privatkreditnehmer) selbst noch die GmbH.

Fazit: Mit so wenig Geld muß man Konkurs machen. Kein vernünftiger Mensch macht sich mit 10.000 Euro selbständig. Am Ende hat er 100.000 Euro Schulden.

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Re: Die GmbH haftet

nicht alles richtig !

bevor die jetzt noch gültigen gesetzlichen bestimmungen einführt wurden konnte man eine gesmh mit 25.000,-- schilling !!! gründen und erfolgreich zu einem größeren unternehmen bringen.

 
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