Fasermarkt: Lenzing bricht Gewinn weg

22.03.2013 | 18:05 |   (Die Presse)

Niedrigere Nachfrage und geringere Faserpreise schmälern trotz höherer Absatzmenge die Ertragslage.

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Wien/Eid/AG. 2012 war das zweitbeste Jahr der Unternehmensgeschichte beim börsenotierten Faserhersteller Lenzing. Der Gewinnrückgang um fast 30 Prozent auf 191,9 Mio. Euro irritierte die Börsianer offenbar weniger, weil er auch unter den Erwartungen der Analysten lag, so wie der nüchterne Ausblick von Konzernchef Peter Untersperger für das laufende Jahr. Enttäuscht dürfte auch die Absenkung der Dividende um 50 Cent auf zwei Euro sowie eine weitere Reduktion auf 1,75 Euro für 2013 haben. Die Lenzing-Aktie hat am Freitag zeitweise um mehr als fünf Prozent nachgegeben.

Wenn nun von einem Gewinneinbruch berichtet werde, dann sei das zwar „mathematisch richtig gerechnet“, räumte Untersperger ein – allerdings müsse man das vor dem Hintergrund des Rekordjahres 2011 betrachten. Das Vorjahr war für den weltgrößten Produzenten von Zellulosefasern geprägt von der krisenbedingten gedämpften Nachfrage nach Textilien und einem signifikanten Preisrückgang.

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Verkaufsmenge steigt

Der oberösterreichische Konzern konnte dies nur teilweise mit einer höheren Absatzmenge wettmachen: Sie stieg um 14 Prozent auf 810.000 Tonnen und soll heuer aufgrund der ausgebauten Produktionskapazitäten noch um 13 Prozent auf bis zu 920.000 Tonnen wachsen.

In den asiatischen Märkten erwartet Lenzing ein anhaltendes Wachstum, auch wenn eine komplette Abkoppelung von Europa und den USA nicht möglich sei. Indien habe 2012 immerhin ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent gehabt. Eine Überraschung sei Indonesien, wo Lenzing die an sich schon riesige Produktionsanlage noch weiter ausgebaut hat, mit einem BIP-Plus von sechs Prozent und einem Anstieg der Industrieproduktion um elf Prozent. Und auch China, dem zum x-ten Mal eine harte Landung vorausgesagt worden ist, sei um 7,8 Prozent gewachsen, meinte Untersperger.

Insgesamt sieht sich Lenzing daher als Globalisierungsgewinner. Der Weltmarktanteil bei der Produktion sei auf 22 Prozent gestiegen. 50 Prozent des Umsatzes, der heuer von 2,09 auf bis zu 2,25 Mrd. Euro steigen soll, entfallen auf Asien, 32 Prozent auf Europa (mit der Türkei) und sieben Prozent auf Nord- und Südamerika. Die Türkei bezeichnete der Lenzing-Chef als „zweites kleines China“ vor der Haustür.

Halbe Milliarde Liquidität

Für die hohen Investitionen, die heuer nach dem Rekordwert 2012 von 346,2 Mio. Euro mit 260 Mio. Euro etwas niedriger ausfallen, muss Lenzing die Liquiditätsreserve von über einer halben Mrd. Euro nicht antasten, betonte Finanzvorstand Thomas Winkler. Die Eigenkapitalquote sei mit 43,8 Prozent komfortabel. Dennoch liege die Verschuldung knapp unter dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) eines Jahres. Lenzing werde sich daher weiter um Zukäufe umsehen, konkrete Verhandlungen gebe es derzeit aber nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

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