AMS: Arbeitslosigkeit steigt stärker als erwartet

Die letzte Prognose des Arbeitsmarktservice war zu optimistisch. Nun werden heuer noch einmal 5000 zusätzliche Menschen ohne Job erwartet.

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(c) Clemens Fabry

Wien. Darüber, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt schwierig bleibt, sind sich Arbeitsmarktforscher in Österreich einig. Nun revidierte auch das Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) seine Prognose nach oben – im negativen Sinne: Für heuer rechnet das AMS mit 15.900 zusätzlichen Arbeitslosen, wie aus der aktuellen Prognose des Forschungsinstituts Synthesis hervorgeht. Schulungsteilnehmer sind in diesen Zahlen noch nicht enthalten: Das AMS erwartet heuer 5000 bis 6000 zusätzliche Menschen in solchen Maßnahmen. Im Dezember war noch von 17.200 zusätzlichen Arbeitslosen (inklusive Schulungsteilnehmer) die Rede. Unter dem Strich wird es 2013 also bis zu 22.000 Arbeitslose mehr geben als 2012. Und auch diese Zahlen sind unsicher.

„Wir sehen, dass gerade in den konjunktursensiblen, exportintensiven Branchen die Einbrüche stärker waren als zuletzt erwartet“, sagt Marius Wilk vom Arbeitsmarktservice zur „Presse“. Diese Bereiche – vor allem die Industrie – würden sich nach der Krise aber auch am schnellsten erholen.

Nachfrage nach Bildungskarenz steigt

Die gute Nachricht: Auch die Beschäftigung steigt stärker als angenommen. Heuer werden laut Vorausschau 17.600 Menschen zusätzlich Arbeit finden. In der Dezember-Prognose war man noch von einem Beschäftigungszuwachs von 10.600 ausgegangen. Das Beschäftigungswachstum reiche aber „nicht aus, um das gestiegene Arbeitskräfteangebot zu absorbieren“, heißt es in dem Bericht. Deshalb wird die Arbeitslosenquote 2013 und 2014 bei jeweils 7,4Prozent (statt 7,2 Prozent) liegen – und „damit im langfristigen Vergleich auf einem hohen Niveau“.

Um dem Zuwachs an Arbeitslosen zu begegnen, wird auch das AMS-Budget aufgestockt. Heuer hat das Arbeitsmarktservice 1,04 Milliarden Euro für Arbeitsmarktmaßnahmen zur Verfügung. Nächstes Jahr werden es 1,12 Milliarden Euro sein.

Schließlich müssen neben den klassischen Schulungen auch teure Kriseninstrumente wie die Bildungskarenz – und demnächst auch die Bildungsteilzeit – bezahlt werden. Ein anderer Schwerpunkt sind Menschen, die bislang in Invaliditätspension gegangen sind: Sie sollen mit Fördermaßnahmen wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden. Und das seien nicht gerade die billigsten Programme, sagt Wilk.

Auch bei der Bildungskarenz bzw. Bildungsteilzeit rechnet man mit einer Steigerung. Die Bildungsteilzeit kann ab Juli beantragt werden. Die Arbeitszeit wird dabei zumindest um ein Viertel und höchstens um die Hälfte reduziert. Neben dem aliquoten Lohn erhält der Arbeitnehmer ein Weiterbildungsgeld. Bei der Bildungskarenz muss künftig – anders als bisher – ein Leistungsnachweis erbracht werden. 2011 waren im Durchschnitt 6770 Menschen in Bildungskarenz, 2012 waren es 7300. Wie viel es heuer werden, lasse sich noch nicht sagen, so Wilk. „Aber wir gehen davon aus, dass die Inanspruchnahme steigt.“ 2011 ließ sich die öffentliche Hand die bezahlten Lern-Auszeiten immerhin 76 Millionen Euro kosten.

Rekordarbeitslosigkeit in Spanien

Das AMS geht davon aus, dass im Jahresdurchschnitt 276.500 Menschen keinen Job haben werden. Dazu kommen noch um die 72.000 Schulungsteilnehmer. Für Österreich ist das viel. Aber die internationale Arbeitslosenquote – demnach gilt jeder als beschäftigt, der mindestens eine Stunde in der Woche arbeitet – beträgt nach wie vor nur 4,9 Prozent. Obwohl die Arbeitslosigkeit auch hierzulande Höchststände erreicht, hat Österreich also die niedrigste Arbeitslosigkeit in der gesamten EU.

Von solchen Zahlen können die Spanier nur träumen: Die Notenbank in Madrid rechnet im Laufe des Jahres mit einem neuen Rekordhoch von 27,1Prozent, wie sie am gestrigen Dienstag bekannt gab. Nur Griechenland weist ähnlich schlechte Arbeitsmarktdaten aus.

Auf einen Blick

Das Arbeitsmarktservice (AMS) rechnet für heuer mit etwa 22.000 zusätzlichen Arbeitslosen (inklusive Schulungsteilnehmer). In der Prognose vom Dezember war man noch von 17.000 zusätzlichen Arbeitslosen ausgegangen. Wegen des anhaltend niedrigen Wirtschaftswachstums wurde die Prognose revidiert. Auch die Beschäftigung steigt heuer um 17.600. Damit wird die Arbeitslosenquote (nationale Definition) heuer und 2014 je 7,4Prozent betragen. 2012 waren es sieben Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2013)

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