Neue Staatshilfe für Volksbank AG?

28.03.2013 | 18:13 |  Von Christian Höller (Die Presse)

Beim Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG reißen die Verluste nicht ab. Allein in Rumänien gibt es faule Kredite in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.

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Wien. Vor einem Jahr, im April 2012, musste der Staat das Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG vor der Pleite retten. Bislang hat der Steuerzahler eine Milliarde Euro in die Rettung der ÖVAG investiert. Der von Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) als Sanierer eingesetzte Bankchef Stephan Koren schloss am Donnerstag bei der Präsentation der Vorjahresbilanz nicht aus, dass man noch einmal Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen wird. Denn die ÖVAG sei eine Abbaubank. „Und ein Abbau ist nichts, was gratis geht.“

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Im Vorjahr verbuchte die ÖVAG einen Verlust von 131 Millionen Euro. Das ist mehr als erwartet. Noch im November hatte die ÖVAG ein Minus in zweistelliger Millionenhöhe in Aussicht gestellt. Jetzt geht Koren davon aus, dass die Bank auch in diesem Jahr mit einem dreistelligen Millionenbetrag in den roten Zahlen bleiben wird.

Besonders schwierig ist die Lage bei der Tochterbank in Rumänien. Die ÖVAG hat im Vorjahr einen Großteil ihres Osteuropageschäfts an die russische Sberbank verkauft. Doch die Russen weigerten sich, die marode Rumänien-Tochter zu übernehmen.

 

Probleme bei Volksbank Romania

Die Volksbank Romania kommt mit 1300 Mitarbeitern auf ein Geschäftsvolumen von 3,5 Milliarden Euro. Das Ausmaß der faulen Kredite liegt bei 1,2 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass es bei 34Prozent aller in Rumänien vergebenen Darlehen Rückzahlungsprobleme gibt. Laut Koren fiel allein bei der Bukarester Tochter im Vorjahr ein Verlust von 170 Millionen Euro an. Auf Anordnung der EU-Kommission muss die „Volksbank Romania“ in den nächsten Jahren verkauft werden. Es ist fraglich, ob das gelingen wird.

Aufgabe von Koren ist es, das Geschäftsvolumen der ÖVAG radikal zurückzufahren. Im Vorjahr ist die Bilanzsumme bereits um ein Drittel auf 27,7 Milliarden Euro gesunken. „Derzeit ist die ÖVAG de facto eine Abbaubank, die so gut wie ihr gesamtes Eigengeschäft im In- und Ausland beenden muss“, sagt Koren. Heuer sollen Teile des Immobilienbestands abgestoßen werden.

Mit der Raiffeisen Zentralbank (RZB) wird gerade über einen Verkauf der Leasingsparte verhandelt. Auch die Tochterbank in Malta soll veräußert werden.

Für Malta interessiert sich wiederum die Staatsanwaltschaft. Denn über die Mittelmeerinsel wurden früher viele Immobiliengeschäfte abgewickelt.

 

Haben die Volksbanken eine Zukunft?

Neben den 1300 Mitarbeitern in Rumänien hat die ÖVAG noch 1912 Beschäftigte. Im Vorjahr wurden 15Prozent der Stellen, davon die meisten in Österreich, gestrichen.

Vom Umbau der ÖVAG hängt auch die Zukunft des Volksbanken-Sektors ab. Der Staat ist mit 43Prozent an der ÖVAG beteiligt. Die restlichen Anteile gehören den rund 60 Volksbanken in den Bundesländern. Diese waren in der Vergangenheit autonom und untereinander zerstritten. Die ÖVAG durfte sich als Spitzeninstitut nicht in die Geschäfte der lokalen Volksbanken einmischen.

Dies hat sich im Zuge des Staatseinstiegs geändert. Die Bundesländer-Volksbanken verloren auf Druck des Finanzministeriums in vielen Bereichen ihre Eigenständigkeit. Die ÖVAG verfügt jetzt über weitreichende Durchgriffsrechte auf die lokalen Volksbanken. Denn das Spitzeninstitut hat nur im Verbund mit den regionalen Volksbanken eine Überlebenschance.

Für die Volksbanken wird die Lage aber immer schwieriger. Sie verfügen im Vergleich zu Raiffeisen und Erste Bank/Sparkassen über einen relativ kleinen Marktanteil. Nach den Problemen bei der ÖVAG ist das Image des Sektors angekratzt.

Hinzu kommt, dass Österreich „overbanked“ ist. Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es bei uns zu viele Bankfilialen und Bankmitarbeiter.

In Deutschland haben sich Volks- und Raiffeisenbanken bereits zusammengeschlossen. In Österreich wollen die Betroffenen davon nichts wissen. Auch Koren geht davon aus, dass die Volksbanken mit der ÖVAG eine Zukunft haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2013)

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39 Kommentare
 
12

Keinen Cent mehr vom Steuerzahler!

Sollen die sich einen Investor suchen, der Markt ist doch sowieso von gedrucktem Geld überflutet oder eben in die Pleite gehen! Irgendwann muss endlich Schluss sein!

Abwickeln!


Die Bankenhilfe wird für die Steuerzahler sehr teuer werden !!


So mancher Steuerzahler kann sich noch gut an die Worte des ehemaligen Finanzministers Josef Pröll erinnern. Die Bankenhilfe werde zu einem Riesengeschäft für die Republik werden, tönte er am Höhepunkt der Finanzkrise.

Und nach Jahren, nachdem die Republik bereits Milliarden in die teils maroden Institute gesteckt hatte, erklären noch immer ...

teamstronach - wirtschaftskompetenz braucht das land.

2 0

Re: Die Bankenhilfe wird für die Steuerzahler sehr teuer werden !!

stimmt, im fall BAWAG und Erste wards/ist's tatsächlich ein Riesengeschäft. Mit VB und / oder Hypo allerdings nicht vergleichbar, Wal diese tatsächlich Sanierungsfälle sind. Auf letztere darf man also bös, über erstere sollte man eher froh sein.

4 0

bei allen negativen Kommentaren

eines war positiv:
der Chef sprach Klartext im Fernsehen!

Das hat man in dieser Weise noch nie gehört. Eine Bank lebt vom Vertrauen und Ehrlichkeit! schafft Vertrauen.

Natürlich braucht es seine Zeit bis die nur schwer verkäuflichen Assets aus der Bilanz verschwinden. Da kann man nicht mit der Dampfwalze drüberfahren, wie es die meisten Poster hier fordern.


Re: bei allen negativen Kommentaren

Bank-Vertrauen -Ehrlichkeit? Contradictio in terminis!

BITTE kein Geld mehr

Was in Zypern nur die reichen Ausländern mit mehr als 100k Anlagevermögen betrifft, wird in Österreich auf jeden Landesbürger abgewälzt: Die Politik ist zu feige die Bank zu schließen und den in Geiselhaft genommenen Steuerzahler zu entlasten.

Abwickeln, den Steuerzahlern vorrangig ihr Geld zurückgeben,...

die Manager + die Politiker die das verbockt haben wegen fahrlässiger Krida ins Gefängnis, das Privatvermögen dieser Leute zur Schadensminderung verwenden!

sehr reife leistung volksbanker

1,2 mrd faule kredite bei 3,5 mrd geschäftsvolumen - wow.
@ redaktion: aus staatshilfe wurde eigentümerhaftung + staatshilfe für den sektoranteil.

VB zusperren,

Immobilien verkaufen - Sparer auszahlen - Ende.

Und

weswegen zahlen wir Österreicher dafür?
Sperrt diese lausigen Geldvernichtungsmaschinen doch endlich zu.
Schadhalten an den Bankmanagern wäre auch noch anzudenken.
Der Steuerzahler in Österreich kann nichts dafür für diese Gangster.

8 1

Abwickeln

Abwickeln, so wie jedes andere Konkursunternehmen auch. Systemrelevanz? - Unfug.

Re: Abwickeln

Vorsicht, da hängt der ganze Volksbankensektor mit drin. Und der ist sehr wohl systemrelevant.

Re: Re: Abwickeln

Für wen?
Für mich nicht.
In Konkurs schicken heißt die Devise.
Wenn Sie retten wollen dann gerne aber bitte mit ihrem Privatvermögen.
Ich will einfach wieder unsere freie Marktwirtschaft zurück und sonst nichts, die ist bei mir alternativlos.
Und endlich Finger weg von meinem,unserem Steuergeld.

Re: Re: Re: Abwickeln

Sie träumen aber auch von warmen Eislutschern.

Wir hatten in Österreich noch nie eine wirklich freie Marktwirtschaft.

Re: Re: Re: Re: Abwickeln

Vielleicht sollten wir einmal mit dieser eben irgendwo einmal anfangen?

Re: Re: Abwickeln

Na und!

Re: Re: Re: Abwickeln

Zeigen Sie mir ein Beispiel aus irgendeinem Staat wo ein ganzer Bankensektor in Konkurs geschickt wurde und wo das nicht massivste negative Auswirkungen auf diese Volkswirtschaft dieses Landes hatte.

Wenn Sie mir so ein Beispiel nennen können dann sage ich auch "Na und".

Bis dahin bin ich aber der Meinung, dass Sie nicht mal das geringste volkswirtschaftliche Wissen haben.

Re: Re: Re: Re: Abwickeln

Island

hat zwar zwei bis drei Jahre relativ schlechte Wirtschaftsdaten und Währungsabwertung gegeben, aber dann war der Spuk vorbei, wie die Wirtschaftsdaten eindeutig beweisen.

Und wenn man dagegen alle anderen Bankgeschädigten EU Länder als Vergleich heranzieht, sieht man, dass die mit solchen 'übernommenen' Zombiebanken immer tiefer in die Krise rutschen, was zur Folge haben wird, dass diese Länder Pleite machen, die Institute ebenso und dann der Weg den Island gleich einschlug erst noch gegangen werden muss.

Es ist sicherlich ein Verlust einem vom Wundbrand befallenen Daumen oder Hand abzuschneiden, wird das aber unterlassen, stirbt der gesamte Organismus.

Noch dazu wo im Gegensatz zum Wundbrand Gleichnis Banken wieder nachwachsen ist das umso leichter verkraftbar.

Also bitte nicht Bankabwicklung mit Weltuntergang gleichsetzen!

Re: Re: Re: Re: Re: Abwickeln

Ich würde vorschlagen lernen Sie einmal Geschichte. Die Sache ist nämlich deutlich komplexer und schwieriger. Einfachen Menschen wie Ihnen fehlt noch das Hintergrundwissen. Ich bin echt immer wieder schockiert welchen Schw.chsinn manche Personen hier so von sich geben. Die Situation von so kleinen Ländern wie Island oder Zypern so ohne weiteres auf größere Volkswirtschaften zu übertragen zeugt von vollkommener Ahnungslosigkeit.

9 0

Die müssen in Rumänien

die Kredite ja wie die Zuckerln zu Fasching unters Volk geschmissen haben. Bonitätsprüfung unbekannt? Wie kann es sonst sein, dass 34% der Kredite dort notleidend sind? Statt "Ostfantasie" herrschte dort wohl "Ostrausch" mit schwerer Bewusstseinsstörung.

Aber danke, dass wir jetzt alle für diese Abenteuer zahlen dürfen. Dem Ex-ÖVAG Chef Pinkl hat man zum Dank ja noch schnell ein fettes Zubrot bei einer anderen Pleitebank (Hypo AA) verschafft. 2,9 Mio € für 10 Monate "Arbeit" (900.000€ Gehalt + 2 Mio Abfertigung), wir haben 's ja.
http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/554981/Hypo-Kaernten_War-PinklVertrag-rechtswidrig

Re: Die müssen in Rumänien

Der Pinkl ist ja auch ein "Spitzenmann". Zuerst hat er sein "Können" in der ÖVAG "erfolgreich" umgesetzt und dann in der Hypo Alpe Adria. So ein Spitzenmanager ist wirklich jeden Euro wert. ;-)

6 0

Danke

Frau Fekter! Und als Draufgabe bekommen die Angestellten dieser Banken noch 2,5 % Lohnerhöhung! Die Pensionisten und die Staatsbediensteten werden mit einem Butterbrot abgespeist!

Als zukünftiger Bundeskanzler

will ich die Meinung von Strache hören.
Diesen Bankenrettungs-Wahn und Irrsinn auf Steuerzahlerkosten weiter betreiben?
JA oder NEIN.
Er könnte jetzt schon sein VETO einlegen, plus Bucher und natürlich auch der Chef von den Grünen.
Man hört nichts.

Haben FPÖ-BZÖ-Grüne

gar nichts zu sagen wenn unsere Steuergelder in Fässer ohne Boden verbraten und verpulvert werden?
Was ist los Herr Strache man hört nichts von ihnen?
Vor allem ihre Meinung würde mich dazu brennend interessieren.

1 0

Re: Haben FPÖ-BZÖ-Grüne

Von den Grünen werden sie nichts hören, die sind längst in das rot schwarze Politmainstreaming integriert.
Das BZÖ ist seit Haiders punktgenauern Abgang, nur mehr eine Vorfeldorganisation der ÖVP und deshalb werden sie auch von ihr nichts hören.
Einzig die FPÖ wettert vergeblich, nicht nur gegen diesen Missstand an, doch leider und sehr zum Wohlgefallen der grünrot - schwarzen Systemparteien, ist sie in der medialen Schweigespirale gefangen.
Wie sagte der FPÖ Obmann von Salzburg, Karl Schnell so schön. „Ich habe mindestens 20 Brandreden, gegen Korruption und Misswirtschaft in der letzten Legislaturperiode im Salzburger Landtag gehalten - UND KEINE EINZIGE - wurde auch nur mit einer Zeile in den Medien erwähnt.“
Jetzt wissen sie warum sie auch von der FPÖ nichts hören werden, außer man kann es so drehen, dass es den Freiheitlichen schadet.

 
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