Dayli: Streit um Sonntagsöffnung eskaliert

28.03.2013 | 18:14 |  EVA STEINDORFER (Die Presse)

Die Gewerkschaft klagt den Drogeriebetreiber Dayli wegen der Sonntagsöffnung. Der Betriebsrat zeigt sich dagegen mit Dayli solidarisch.

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Wien. Der Konflikt zwischen Dayli-Chef Rudolf Haberleitner und der Gewerkschaft GPA-djp um die Sonntagsöffnung bekommt weiteren Zündstoff. Die Gewerkschaft, die bereits mehrere Anzeigen und eine Klage gegen den Drogeriebetreiber eingereicht hat, ist nicht mehr dialogbereit.

Im Rahmen der Übernahme von Schlecker durch Dayli ist zwischen Gewerkschaft und Haberleitner eine Dialogvereinbarung geschlossen worden, um die Arbeitsbedingungen übernommener Schlecker-Mitarbeiter zu verbessern. An sich habe sich Dayli kooperationsbereit gezeigt, sagt Karl Proyer, stellvertretender Bundesgeschäftsführer der GPA-djp. „Der Teilzeitzuschlag ist bezahlt worden, Taschenkontrollen wurden abgeschafft und es wurde eine Arbeitszeitvereinbarung geschaffen.“

1300 Filialen sonntags offen?

In einer Sache zeigt sich Haberleitner aber dickköpfig: Er will am Sonntag aufsperren. Derzeit sind, als Testlauf, zwei Dayli-Filialen sonntags geöffnet, eine in Linz-Ebelsberg und eine in Pöggstall im Waldviertel. Haberleitner will das dortige Ladenkonzept mit integrierter Gastro-Ecke aber österreichweit einführen. „Bis Ende April werden 75 Standorte eröffnet, dann werden jeden Monat sukzessive weitere hundert in Betrieb genommen“, sagt Haberleitner. Alle 885 bestehenden Standorte werden umgerüstet. Bis 2015 soll es in Österreich 1300 Geschäfte geben. Alle sollen sonntags offen sein.

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, schießt die Gewerkschaft scharf. Gegen den Standort in Linz-Ebelsberg wurde beim Handelsgericht eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs eingereicht, gegen Dayli-Pöggstall ist eine Klage in Vorbereitung. In beiden Fällen hat die GPA-djp Dayli außerdem bei der Gewerbebehörde und beim Arbeitsinspektorat angezeigt. Gewerkschafter Proyer beruft sich auf Beschwerden von Dayli-Mitarbeitern, die sich wegen der Sonntagsöffnung ungerecht behandelt fühlen.

„Eine glatte Lüge“, echauffiert sich Haberleitner. Die Gewerkschaft falle im Gegenteil den Dayli-Mitarbeitern in den Rücken. Niemand werde zum Arbeiten am Sonntag gezwungen: „Es haben sich mehr Mitarbeiter bereiterklärt, am Sonntag zu arbeiten, als eigentlich notwendig wäre.“

Fakt ist, dass der Dayli-Betriebsrat bereits im Februar aus der GPAdjp ausgetreten ist. „Bei uns liegen keine Beschwerden von Mitarbeitern vor“, sagt Betriebsratsvorsitzende Ezter Udvardy. Die Gewerkschaft habe schon im Februar jede Dialogbereitschaft vermissen lassen. Prinzipiell sei der Betriebsrat gegenüber ihr aber weiter gesprächsbereit.

Die GPA-djp hat für die Dayli-Mitarbeiter jedenfalls, ob sie es nun wollen oder nicht, auf ihrer Homepage ein eigenes Beratungsportal eingerichtet, wo sie sich über ihre Rechte informieren können. Ob die Sonntagsöffnung von Dayli rechtens ist oder nicht, ist Auslegungssache. Für Geschäfte, die eine Gastro-Konzession besitzen, gibt es eine Ausnahmeregelung. Rechtlich problematisch ist aber der Verkauf von Produkten, die nichts mit Gastronomie zu tun haben. Drogerieartikel zum Beispiel. Haberleiter ist dennoch überzeugt, dass sein Konzept rechtskonform ist. „Ich habe das von Rechtsexperten überprüfen lassen.“ Trotzdem wünscht er sich eine Gesetzesänderung. „Wir sind in Österreich eine Insel, so etwas gibt es sonst nirgendwo in Europa.“

Niederlage für Lugner

Mitstreiter Richard Lugner hat am Donnerstag eine Niederlage erlitten. Gegen die Sonntagsöffnung des Geschäftes „Miss Moda“ in der Wiener Lugner City gibt es eine einstweilige Verfügung vom Handelsgericht. Geklagt hat auch in diesem Fall die GPA-djp. Lugner hatte argumentiert, das Geschäft verkaufe Mode mit Bezug zu Filmen, was wegen des Kinos in Shoppingcenter eine Öffnung am Sonntag rechtfertige.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2013)

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52 Kommentare
 
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Veralterte Öffnungzeiten

Warum sollen die Geschäfte am Sonntag nicht offen halten dürfen?
Es wird genügend Personal geben welches gerne an Sonn - und Feiertagen arbeiten würde, es gibt ja dafür Extrazahlungen und einen freien Tag unter der Woche
Man braucht nur zu schauen was sich in den Billa Märkten abspielt die Sonntag geöffnet haben, ebenso in den Märkten in Ungarn
Die Gewerkschaft muss sich ja aufregen, hätte ja sonst gar keine Berechtigung mehr zu existieren

Seltsam,wie diese Gewerkschaft,welche das Geld ihrer Mitglieder verzockte,wieder gegen ihr eigenes Klientel werkt!

Diese Art der Gewerkschaft ist ein Moloch auf tönernen Füßen! Sie vertreten nur mehr Eigen-u.Parteiinteressen,bei wirklich wichtigen Themen bleiben sie stumm!

Zweierlei Maß?

Wo bleibt die Gewerkschaft bei den vielen kleinen Läden in Ottakring und anderen einschlägigen Bezirken Wiens, die sonntags offen haben? Jaja, ich weiß, alles Verwandtschaft, die da arbeitet! Ist aber trotzdem mittlerweile etwas ausgeufert!

Sonntagsöffnung

ich wünsche viel erfolg gegen diese verhinderer von GPA und Politik die noch niein ihrem leben etwas erwirtschaftet haben!

Sonntagsöffnung im Handel

Dafür sind doch nur die Betreiber der Handelsketten, wo von den Chefs selber kein einziger am Sonntag und auch nicht am Samstag im Geschäft steht. Die Gelackmeierten sind nur die Angestellten, und da besonders die Frauen als Hauptbetroffene. Und das Ganze auch noch um ein Viertel weniger Gehalt. Und auch die kleinen Ein-Zwei - Mann/Frau Unternehmer, die dann wann frei haben dürfen?

Sonntagsöffnung ist eine praktische Sache

Außer man muss sonntags selber als Verkäufer arbeiten.

Die nerven Tag und Nacht!

Muss das wirklich sein? Damit will uns der Herr wohl allen sagen, dass er lieber nichts mit Familien zu tun haben möchte, sondern seine Läden lieber nur für jene "Super-Leistungsträger" bereithalten möchte, die ausser am Sonntag keine Zeit haben, einkaufen zu gehen.
Gerne verzichten wir alle auf die Nutzung seiner Läden, denn wem es egal ist, ob Familien noch einen freien Tag pro Woche miteinander verbringen können oder nicht, der ist nicht jener, dem wir unser Geld bringen möchten. Auch die anderen nervigen "Leistungsträger" sollten daran denken, etwa der Herr Lugner, der ja noch immer mit seinen Wünschen nervt, und die anderen, die sich mit Tankstellenshops an den Gesetzen vorbeimogeln möchten wie Spar.

es muss einheitlich sein.


es muss einheitlich sein.


Re: es muss einheitlich sein.

entweder sollem alle selbst entscheiden können ob sie öffnen oder nicht (das gilt dann auch für alle betriebe und die verwaltung)
oder es sind einfach alle zu ( inkl kino, gastgärten caffee, restaurant, öff verkehr ...)

am besten alles freigeben dann hört sich das ewige gestzreite auf.

in vielen lä
ndern ist es super wenn mna um halb zwei in der nacht alles einkaufen kann. die betriebe müssen sellbst entscheiden ob es sich rechnet oder nicht

bitte dann alle...

damit nicht nur die mütter sonntags arbeiten müssen (da selten die männer im handel arbeiten) dann bitte gleich gerecht auf alle betriebe büros unis ect....sonntagsöffnungszeiten.....kinder kriegen wir nur mehr um sie gleich wieder abzugeben und mit den männern klatschen wir nur noch ab....bravo wohlstand....scheiss auf familien ausflüge...

Re: bitte dann alle...

geh mal am so zum billa am Franz josefs Bahnhof ... wirst schaun wie viele Männer dort arbeiten

Re: Re: bitte dann alle...

sagte ja selten.....also prozentuell gesehen ist der eine billa ja wirklich viel wert im vergleich zu 100... anderen geschäften.

Typisch Gewerkschaft

Immer aus Prinzip gegen Unternehmen (die wohlgemerkt Arbeitsplätze schaffen) - aber notfalls auch gegen Betriebsräte und das öffentliche Interesse. Nur um die eigene unnötige Existenz zu rechtfertigen.

Früher vielleicht einmal wichtig, heute ein teurer Anachronismus, der nur Kosten verursacht, Standortnachteile herbeiführt und im Endeffekt Arbeitsplätze vernichtet.

freiwilliger Zwang

Leute die meinen "wer nicht will muss ja nicht am Sonntag arbeiten" täuschen sich gewaltig. Im Endeffekt MUSS jeder im Handel auch am Sonntag arbeiten. Wird mit Sicherheit bei jeden Einstellungespräch gefragt "Wären Sie bereit auch am Sonntag arbeiten?" und jeden weiß wer nein sagt wird nicht genommen. Mangels Alternativen (ausser Arbeitslosigkeit) muss jeder ja sagen. Ist doch auch bei vielen anderen Bereichen genau so aus: "Sind Sie bereit Überstunden zu leisten, ..."
Sollte die Sonntagsöffnung kommen, werde ich aus Rücksicht gegenùber meiner Mitmenschen an Sonntagen ebenso wie am 24.12. nicht einkaufen.

Sonntagsöffnung

wird echt langsam Zeit das zu liberalisieren, denn verschiedenste Geschäfte (zB am Bahnhof oder Flughafen oder "Feinkost") sowie die Tankstellenshops dürfen sowieso fast immer offen haben. Also warum nicht alle? Der Markt regelt sich dann ja eh von selbst. Sonst kauf ich halt in der Nacht bei Amazon ein, dass wird sogar kostenlos zugestellt.

Und besonders am Wochenende wäre ein Baumarkt auch ganz hilfreich der offen hat.
Wichtig ist die Bezahlung: am Sonntag 100 % Überstunden - das wär ein Aufgabengebiet für AK oder Gewerkschaft.

Sonst bitte mit der ewigen VERHINDERUNGSPOLITIK aufhören. Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen. Und bevor alles aus Österreich abwandert wäre Zeit zu reagieren.

Re: Sonntagsöffnung

EIN DIENSTLEISTER WIE DAILY KANN NICHT AUSWANDERN!!!

Sie sollten Industrie - Export von Einzelhandel unterscheiden.

lg.

Betriebsrat

Solche Betriebsräte braucht der Arbeiter/Angestellte.Arbeiten rund um die UHR für 950€ Netto.

Ja der Depp liegt mit der Geschäftsleitung im Bett,so wie sehr viele Betriebsräte!!!!

Sperrt Daily auf,dann sperrt ein jeder am Sonntag auf!°!!

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Nur weil

Österreich ein altkommunistisch orientiertes Land ist gibt es solche Zustände. Gerwerkschafter die selbst nicht in der Lage sind sich in der freien Wirtschaft auch nur ein Stück Brot zu verdienen möchten Vorschriften machen wer wann was verdienen darf. Kurios. Es wird bald keine Gewerbetreibenden mehr im Ösiland geben. Dann werden die Weltverbesserer am Daumen lutschen oder das Gras der grünen Wiesen fressen dürfen.

Re: Nur weil

Wenn man nichts vom Einzelhandel versteht,sollte man sich ruhig verhalten.

Ein Dienstleister kann nicht auslagern,er will das zu hohen Preisen im Ösiland verkaufen.

Eine länger Öffnungszeit KOSTET ARBEITSPLÄTZE!!!!KEINEN EINZIGEN CENT MEHR IN DER KASSA!!!

Und wenn sie wüßten ,wie viele Arbeitsstunden den Angestellten im Jahr gestohlen wird,ja dann wird einen richtig schlecht!!Und der ÖGB schaut da richtig weg.............

Den Beamten-Lehrer und Co taugt das natürlich am Sonntag zu schlendern!!

Re: Nur weil

sorry, sie verstehen das einfach nicht. die Gewerkschaft hat ja ein geniales System. all die Jobs die sie in der freien Wirtschaft verhindern schafft man einfach beim Staat und in der Partei. und schon ist das Problem gelöst. hat in Griechenland toll funktioniert

Rund um Österreich

ist jedes Geschäft offen.

Nur wir sind die Insel der seligen Kundenbetreuung.

Äußerst selig!

Endlich ein Mutiger, der diese schreckliche Starre in Österreich überwinden will!

Wer will, darf am Sonntag arbeiten, keine muss es tun. Warum hat die Gewerschaft etwas dagegen, dass Leute mehr Geld verdienen, als sie sonst verdienen könnten und Konsumenten endlich in Ruhe einkaufen können?
Na klar, die reaktionäre Meinung: Es war doch immer so.. da könnt ja ein jeder kommen.... warum etwas ändern.. etc., etc. stoppen zunächst Vieles, aber das Leben ist voller Äbderungen und sehr, sehr viel ist bei uns zu verbessern. Viel Glück, Dayli !

Wie Viel??

Wie Viel haben die Betriebs-Räte von Dyli bekommen?? Ich mein, da ist doch sicher Was geflossen....?!!!

Vollidioten

Entweder am sonntag ist zu oder offen

Sonderrechte für tankstellen und konsorten - der gleichheitsgrundsatz wird mit füssen getreten

Wer in diesem korrupten mafiastaat gesetze ernst nimmt ist naiv dumm oder verblendet.

Re: Vollidioten

Ist wie die geniale österr. Lösung beim Rauchverbot in Gaststätten!

 
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