Jaan Albrecht: "Die AUA stand vor dem Konkurs"

29.03.2013 | 16:53 |  Von Hedi Schneid und Jakob Zirm (DiePresse.com)

Interview. Airline-Chef Jaan Albrecht erklärt, warum die von ihm gesetzten radikalen Sanierungsmaßnahmen der einzige Weg aus der prekären Situation sind. Die Zukunft der österreichischen Fluglinie sieht er durchaus positiv.

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Die Presse: Die AUA hat im Vorjahr den operativen Verlust auf zehn Mio. Euro reduziert. Ist die AUA jetzt saniert?

Jaan Albrecht: Nein. Wir haben 2012 viel geleistet, das Resultat kann sich sehen lassen. Hätten wir nichts getan, wäre der Verlust bei 206 Millionen Euro gelegen. Das bedeutet aber nicht, dass wir fertig sind.

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Stand die AUA also vor dem Konkurs?

Ja, die AUA stand vor dem Konkurs. Wir haben das im Aufsichtsrat besprochen, in dem auch die Belegschaftsvertreter sitzen. Die Situation war jedem klar: Die für Fluglinien notwendige Eigenkapitalquote war deutlich unterschritten, die Liquidität knapp. Das Einzige, was uns in dieser Situation gerettet hat, war, dass die Wirtschaftsprüfer an unseren Dreijahresplan geglaubt haben. Die Alternative wäre der Insolvenzantrag gewesen.

Was muss passieren, damit die AUA saniert ist?

Zehn Mio. Euro Verlust heißt, wir sind noch nicht über null. Heuer werden die Sparmaßnahmen, die im Vorjahr erst ab Jahresmitte gewirkt haben, voll greifen. Dennoch: Unsere Branche ist extrem krisenanfällig, externe Faktoren wie der Treibstoffpreis, Steuern oder das Wetter spielen eine große Rolle. Wir haben allein im Jänner und Februar für Enteisung viermal so viel ausgegeben wie im Durchschnitt. Das sind drei Millionen Euro zusätzliche Belastung.

Die AUA verbuchte früher manchmal Gewinne. Sie reichten aber nicht, um Krisen zu überstehen. Wird die AUA je dauerhaft krisenfest sein?

Es muss möglich sein. Wir haben strukturelle Maßnahmen gesetzt, die die AUA ein für alle Mal in eine stabile Position bringen, um in dem harten Umfeld überleben zu können. Genau darum ging es, und nicht um Einmaleffekte. Wir brauchen eine Kostenstruktur, die uns konkurrenzfähig macht, damit wir an Wachstum denken können. Da sind wir noch nicht. Mit dem Betriebsübergang auf die Tyrolean haben wir im Vorjahr den Flugbetrieb neu aufgestellt. Heuer sind noch viele Baustellen offen.

Welche sind das?

Wir müssen den Vertrieb verbessern, vor allem bei Geschäftskunden. Auf der Kostenseite geht es um die Beseitigung von Doppelgleisigkeiten zwischen Innsbruck und Wien, etwa in der Verwaltung. Und es geht auch um den Einkauf.

Der Betriebsübergang ist der wichtigste Punkt im Sanierungsprogramm. Dagegen sind diverse Klagen anhängig. Was machen Sie, wenn die Gerichte dem Betriebsrat recht geben?

Die Juristen, die das mehrfach geprüft haben, sagen, es ist rechtens. Wirtschaftlich war der Weg notwendig, rechtlich ist er möglich. Wir sind zuversichtlich, dass die Richter in unserem Sinne entscheiden. Käme es anders, wären wir dort, wo wir vor einem Jahr waren: bei einer Kostenstruktur, die einer modernen Airline nicht entspricht.

Es würde wieder Konkurs drohen?

So drastisch würde ich das nicht sagen. Wir würden alles tun, um das zu vermeiden. Aber zur Kostenstruktur: Eine Airline hat etwa ein Drittel Treibstoffkosten, ebenso viel Personalkosten. Beim Treibstoff schafft man durch mehr Effizienz im Flugbetrieb höchstens zwei bis drei Prozent. Mehr geht nur durch Investitionen in neue Flugzeuge. So weit ist die AUA nicht. Wir mussten also auch bei den Personalkosten ansetzen. Der Bord-Kollektivvertrag stammt aus den 1980er-Jahren und ist nicht mehr konkurrenzfähig. Deshalb bedurfte es radikaler Maßnahmen. Sollten die Gerichte den Betriebsübergang kippen, müssten wir uns etwas einfallen lassen. Mit dem alten Gehaltssystem kann die AUA nicht überleben.

Der Betriebsübergang war radikal. Die Arbeitnehmer warfen Ihnen vor, die jahrzehntelang geübte Sozialpartnerschaft zu zerstören . . .

Ich war selbst Gewerkschafter und lernte daher beide Seiten kennen. In einem Land, in dem sich die Sozialpartnerschaft so lange bewährte, können Sie das nicht einfach zerstören. Ich bin auch jetzt an einer Verhandlungslösung interessiert. Wir haben im Vorjahr drei Monate verhandelt, zweimal hatten wir eine unterschriebene Lösung, die wurde zurückgezogen. Als wir den Kollektivvertrag als Druckmittel gekündigt hatten und der 1. Juli für den Betriebsübergang feststand, hatte ich keinen Spielraum mehr.

Die Kündigung des Kollektivvertrags war ein Novum, das die Gewerkschaft ganz allgemein alarmiert. Glauben Sie, dass andere Unternehmen oder Branchen der AUA folgen könnten?

Die AUA, die keinen Branchen-, sondern einen Firmenkollektivvertrag hat, befand sich in einer Sackgasse. Außerdem wollten wir ja den Tyrolean-KV einsetzen (den die Gewerkschaft gekündigt hat, Anm.). Ich glaube nicht, dass das Schule macht.

Obwohl, wie Sie sagten, auch den Betriebsräten die prekäre Situation bekannt war, klagten sie. Sind Sie vom Betriebsrat enttäuscht?

Ich kann die Reaktion des Betriebsrats verstehen. Es war ungewöhnlich, den KV zu kündigen und den Betriebsübergang zu machen. Ich denke, dass der Bordbetriebsrat, der an die Sozialpartnerschaft gewöhnt war, unseren Plan B (den Betriebsübergang, Anm.) einfach nie ernst genommen hat.

AUA-Piloten argumentieren, dass selbst Kollegen der Lufthansa-Regionaltochter Cityline mehr verdienen. Warum geht es bei der AUA nicht?

Man kann Gehälter nicht 1:1 vergleichen. Österreich ist ein anderer Markt als Deutschland oder die Schweiz. Der Anteil von Business-Reisenden ist dort viel höher und damit auch die Ticketerlöse. Zudem wurde lange nicht in neue Flugzeuge oder bessere Ausstattung investiert. Wir haben ein tolles Service und Essen, aber die Sitze entsprachen schon lang nicht dem letzten Stand. Letztlich gibt es in Wien große Konkurrenz durch Billig-Airlines, die Frankfurt und Zürich nicht hat. Niki ist mit Leihpersonal ohne Kollektivvertrag stark gewachsen.

Sie wollen einen neuen Bordkollektivvertrag verhandeln. Es sitzen aber die gleichen Partner am Tisch. Wie soll das gehen?

Der Betriebsrat vertritt nun auch die Regionalflotte, und ihm sitzt ein neues Team der Tyrolean-Führung gegenüber.

Welchen Zeithorizont haben Sie?

Die Verhandlungen habe Priorität, da schließe ich mich dem Aufruf von Vida-Chef Gottfried Winkler an. Ich rufe Betriebsratschef Karl Minhard und Tyrolean-Chef Klaus Froese auf, die Gespräche rasch zu starten. Solange die Klagen laufen, ist ein Abschluss nicht realistisch, aber nicht unmöglich. Der Betriebsrat könnte die Klage zurückziehen.

Hat es Sie gewundert, dass Minhard blieb?

Ich finde das gut. Das zeigt, dass auch der Betriebsrat trotz Veränderungen an eine gemeinsame Zukunft glaubt. 2012 wurden in Europas Luftfahrt 33.000 Arbeitsplätze gestrichen, wir stellen nun wieder Piloten ein.

Wo soll die AUA künftig stehen?

Die AUA hat bisher im Lufthansa-Konzern nicht mitreden können, weil sie mit dem Rücken an der Wand mit ausgestreckter Hand um Unterstützung bat. Da kann man keine Ansprüche stellen. Jetzt ist die Glaubwürdigkeit anders, wir werden ernst genommen. Erstmals dürfen wir am Tag der Konzerngesellschaften teilnehmen. Es geht etwa um die Rolle Wiens gegenüber Frankfurt, München und Zürich. Die Stärken der AUA liegen in Ost- und Zentraleuropa. Wir müssen mit dem Flughafen in Wien ein hochwertiges Produkt entwickeln, dann haben wir eine Chance.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2013)

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92 Kommentare
 
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Ausrian Airline = Die fliegende ÖBB
Die halbe Belegschaft hätte man schon in den 80-ern stanzen müssen. Allen voran die zwei Flaschen B&R. Ersaunlich, dass es die LH nicht schafft, die seit Ewigkeiten etabilierten Sturkturen aufzubrechen. Vermutlich müssten sie vorher das ganze Personal austauschen.

Ersaunlich, dass es die LH nicht schafft, die seit Ewigkeiten etabilierten Sturkturen aufzubrechen.

Was ist daran so erstaunlich?
Haben sie schon gesehen welche Strukturen LH selber hat?

Re: Ersaunlich, dass es die LH nicht schafft, die seit Ewigkeiten etabilierten Sturkturen aufzubrechen.

Na Furchbar gehts zu ... bei der Lufthansa. Hätte sich die AUA nicht erbarmt und ihre vielen Überschüsse nicht in die Luifthansa investiert, so wären die Deutschen pleite gegangen.

AUA - dem Proporz entsprechend misswirtschaftende Fluggesellschaft. Nicht anders, als dioe vielen anderen Betriebe der ÖIAG. Zustände, wie in einem arabischen Königsstaat. Hier eben eine Diarchie, geführt durch zwei Politgünstlinge und richtige Flaschen im Sinne der Fähikeitsbeschreiung.
Finanziert wurde dieser Suastall, wie sonst auch bei der ÖIAG, durch die öffentliche Hand.
Die Strukturen bestehen seit der Übernahme (2007?) großteils immer noch.

All dies könnten Sie in Erfahrung bringen, wenn Sie sich nur ein wenig mit der Thematik auseinander setzen würden. Aber vermutlich sind, oder waren Sie, einer der Nutznieser dieses Systems, sonst würen Sie nicht so reflexartig auf andere mit dem Finger zeigen.

Finanziert wurde dieser Suastall, wie sonst auch bei der ÖIAG, durch die öffentliche Hand.

Das ist falsch, denn die Luftfahrt konnte bis zur völlig kranken, weil unkontrollierten, Öffnung derselben Gewinne machen, trotz der Strukturen. Anstatt aber die Strukturen zu ändern wurde einfach nur die Freiheit des Marktes proklamiert, wobei Freiheit fälschlicherweise als unreguliert gesehen wurde.
Was die Qualität, Fähigkeit und Zusammensetzung der Aufsichtsräte, Vorstände und des Management angeht, kein Einwand! Änderungen sind umsetzbar, aber dazu bräuchte es eines echten Sanierers, den hat LH aber nicht!
Wodurch es zu den aktuellen Problemen kam, denn es gab Angebote vom Personal die nicht weniger Einsparungen gebracht hätten bei gleichzeitiger Rechtssicherheit.

Re: Finanziert wurde dieser Suastall, wie sonst auch bei der ÖIAG, durch die öffentliche Hand.

Ich möchte auf Ihre Aussagen nicht näher eingehen. Ich sehe eine, auf Biegen und Brechen konstruierte, von jeder Realität um Lichtjahre enrfernte, Argumentation.
2005 war die AUA wieder mal Pleite. Aber davon wollen Sie vermutlich nichts hören. Es war nicht das erste Mal, wo die AUA pleite war und die öffentliche Hand in die Tasche hat greifen müssen.
Nicht die Marktöffnung war schuld, sondern die UNFÄHIGKEIT und MISSWIRTSCHAFT in diesem "Staatsbetrieb".

Ich hatte mir Ihre Postings durchgelesen - Was hatten Sie bei der AUA für Position bekleidet? Betriebsrat? Oder sind es gar noch ....
Ihre Darstellungen werden auch bei gebetsmühlartiger Wiederholung nicht wahrer.

Ihre Darstellungen werden auch bei gebetsmühlartiger Wiederholung nicht wahrer.

Nun, auch die Behauptung, dass die AUA nur durch die öffentliche Hand überlebte ist nicht korrekt, denn erst durch das völlige Versagen der Eigentümermehrheit kam es zur entsprechenden Schieflage durch erzwungene aber wertloser Zukäufe und Kosten zur Verschleierung!
Die Marktöffnung war ein grundsätzliches Problem, denn unregulierte Öffnung eines stark reglementierten Bereichs ist fahrlässig!
Unfähigkeit und Mißwirtschaft sind ein Problem das meiner Meinung nach zum Bereich Eigentümerversagen gehört.

Re: Ihre Darstellungen werden auch bei gebetsmühlartiger Wiederholung nicht wahrer.

WANDERER SIE SOLLTEN ES BESSER WISSEN

Re: Re: Ihre Darstellungen werden auch bei gebetsmühlartiger Wiederholung nicht wahrer.

Haben sie auch etwas beizutragen?

Am besten wäre, den Gewerkschafter


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Lauda Air

Nicht unwesentlich dazu beigetragen hat natürlich die mehr oder weniger erzwungene Einverleibung der insolventen Lauda Air! Da wollten die Politiker den Niki Nationale nicht in Konkurs gehen lassen!

AUA

Lassen sie doch die Fluglinie in den Konkurs gehen,dann sind sie die Probleme los mit den uneinsichtigen Gewerkschaften.Einer Neugruendung einer Fluglinie steht dan nichts I'm Weg!!!

Lassen sie doch die Fluglinie in den Konkurs gehen

Natürlich unter völliger Aufarbeitung des Vorganges bis hin zur Verantwortung, inkl. der Bestrafung der Verantwortlichen!
Kein Herausreden der Manager, Vorstände und Aufsichtsräte!

Re: AUA

100 % Zustimmung. Das wäre mal für die Gewerkschaften in Österreich und darüber hinaus ein heilsamer Schock den sie nicht so schnell vergessen würden.

AUA Fluglinie

Die AUA Fluglinie hat ein gutes Servic,aber zu hohe Tiketpreise.Ich bin vielflieger habe mich bei AUA erkundigt ob es einen Rabatt gibt,bekam nicht einmal eine Antwort!!!Andere Fluglinien geben Rabatt oder vergeben fuer Vielflieger gute Sitzplaetze .Flugmailen werden auch grosszuegiger abgekredet auf eine bessere Klasse,wen die Maschinen nicht ausgebucht sind.

Re: AUA Fluglinie

Sie sind sogar sehr teuer. Hab USA gebucht, um Freunde zu besuchen und mache drei Stopps, wohlgemerkt im Mai und nicht im Sommer. Die AUA wollte 1900,-- € von mir, dabei werben sie doch mit günstigen Tickets zu diesen Zeiten. Mir braucht keiner zu zählen, dass drei Stopps so viel mehr ausmachen. Im Mai kann man um 499,-- € rüberfliegen. Ich hab dann British Airways gebucht, es ging um 1000,-- €. Das ist ein Unterschied. Hauptsache die Stewardessen und Familien fliegen nach wie vor billigst rum. In Zeiten, wo es einer Airline dermaßen schlecht geht, sollte man da zu sparen beginnen.

Hauptsache die Stewardessen und Familien fliegen nach wie vor billigst rum.

Tun sie aber nicht, denn bei vollen Fliegern steigt das Risiko nicht mitzukommen und das ist in unserem Geschäft ein Entlassungsgrund. Was dem Management sogar die Abfertigung ersparen würde.

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Re: AUA Fluglinie

Vielflieger bei dem Deutsch?
Das wären Sie wohl gerne.

Re: Re: AUA Fluglinie

normalerweise schreibt sein/e AssistentIn vom Diktat.

Franz7 fliegt bloß und unterschreibt die wichtigen Verträge. Wozu Deutsch?

Was wurde aus diesem Unternehmen,

welches in der Aera Heschgl/Papousek vom Rechnungshof wegen zu hoher Rücklagen gerügt wurde und genau wegen dieser Rücklagen in der ersten Ölkrise als eine der ganz wenigen Gesellschaften schwarz bilanzieren konnte!-

AUA ist eigentlich schon pleite!

Lufthansa haelt die AUA wegen des Mitgiftes künstlich am Leben!

Das Lügengebäude ist cshon lange zusammengebrochen!

Damals als die AUA nur mit Mitgift der Lufthansa umgehängt werden konnte!

Re: Das Lügengebäude ist cshon lange zusammengebrochen!

Weil es egal ist!

Damals als die AUA nur mit Mitgift der Lufthansa umgehängt werden konnte!

Das Angebot der Air France, welches von Informationen die vertraglichen Pflichten der AUA gegenüber der AF-Konkurrenz LH abhängig war, wird gerne vergessen! Warum???

Wir haben im Vorjahr drei Monate verhandelt,

Es wurde nicht verhandelt sondern gefordert! Den kleinen Unterschied kennt er nicht? Warum auch, er kam nicht ein einziges Mal zu den (Nicht-)Verhandlungen!

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Die SPÖ hatte ihre sticky fingers massiv in der AUA

Das Resulat ist bekannt .... EUR 1 plus Schuldübernahme!

Da kommen ob der Unfähigkeit der SPÖ in fast allen Belangen die Erinnerungen hoch!

Das

Fliegen ist viel zu billig! Warum zahlen die keine Kerosinsteuer? Wer sich den Luxus vom fliegen leisten will sollte auch entsprechend dafür bezahlen!

 
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