Führungsschwäche: Elektrohändler Niedermeyer insolvent

Das Unternehmen hat 29 Millionen Euro Schulden angehäuft. Fast die Hälfte der 580 Mitarbeiter verliert ihre Jobs, 53 der 98 Filialen werden geschlossen.

Laut dem vorgelegten Sanierungsplan sollen 53 der 98 Filialen geschlossen werden.
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Laut dem vorgelegten Sanierungsplan sollen 53 der 98 Filialen geschlossen werden.
Laut dem vorgelegten Sanierungsplan sollen 53 der 98 Filialen geschlossen werden. – (c) APA (Barbara Gindl)

Der Elektrohändler Niedermeyer GmbH ist pleite. Das Wiener Traditionsunternehmen hat beim Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt, wie der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) heute (Dienstag) mitteilte. "Wir gehen davon aus, dass die Passiva rund 28,8 Millionen Euro betragen", sagte Christoph Vavrik vom KSV zur APA. Den rund 840 Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren angeboten.

Von der Insolvenz sind 580 Beschäftigte in 98 Filialen in ganz Österreich betroffen. Laut dem vorgelegten Sanierungsplan sollen 53 der 98 Filialen geschlossen werden, 279 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Insolvenz nicht überraschend

Die Niedermeyer-Insolvenz ist auf ein Führungsproblem im Unternehmen zurückzuführen, sagte Wolfgang Krejcik, Obmann des Bundesgremiums der Elektrofachhandels, am Dienstag auf Anfrage der APA. Es handle sich um ein Einzelproblem eines Unternehmens, der Branche insgesamt gehe es gut, 2012 sei der Rekord-Umsatz des Jahres 2011 mit 4,7 Milliarden Euro wieder erreicht worden. Die Branche werde sich aber darum bemühen, den betroffenen Lehrlingen einen neuen Betrieb zu vermitteln. Das habe man auch bei der Cosmos-Pleite im Februar 2010 so gemacht.

Niedermeyer machte zuletzt nur mehr 105 Millionen Euro Umsatz bei einem Verlust (EGT) von 2,9 Millionen Euro. 2008 waren es noch 150 Mio. Euro Umsatz. Mit zwei Prozent des Branchenumsatzes ist die Kette trotz ihrer Bekanntheit kein Riesenunternehmen.

Ein Brancheninsider meinte am Dienstag zur APA, die Insolvenz sei nicht überraschend gekommen, da führende Marken, insbesondere bei Fernsehern, bereits seit einiger Zeit nicht mehr im Angebot gewesen seien. Auch seien viele Filialen an schlechten Standorten, die zuletzt vorgestellten Konzepte zur Sanierung seien "merkwürdig" gewesen.

Klarheit für Weiterführung schaffen

"Es ist die größte Wiener Insolvenz dieses Jahres", sagte Vavrik. Österreichweit sei es die zweitgrößte Pleite nach Griffnerhaus in Kärnten. "Wir rechnen damit, dass die Verfahrenseröffnung rasch erfolgen wird."

Grund der Insolvenzanmeldung ist Zahlungsunfähgikeit bzw. Überschuldung. In den Passiva in Höhe von 28,8 Mio. Euro sind laut KSV bereits Kosten für die Filialschließungen enthalten. "Es muss nun rasch Klarheit geschaffen werden, ob das Unternehmen in der Insolvenz tatsächlich längerfristig fortgeführt werden kann und wir werden darauf drängen, dass vom Unternehmen ehestbaldig ein plausibles Fortführungs- und Finanzierungskonzept in Anbetracht des angestrebten Sanierungsplans vorgelegt wird", sagte Vavrik.

Erste Gläubigerversammlung am 17. April

Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Georg Freimüller bestellt, die erste Gläubigerversammlung ist für den 17. April 2013 angesetzt, teilte der Kreditschutzverband (KSV) von 1870 am Dienstag in einer Aussendung mit. Die Gläubiger sollen ihre Forderungen bis zum 23. Mai 2013 anmelden. Eine Berichts- und Prüfungstagsatzung wurde für den 6. Juni anberaumt, die "entscheidende Abstimmungstagsatzung" soll dann am 26. Juni 2013 erfolgen, so der KSV.

(APA)

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